ZGüchternerMung Anzeiger lür öfe amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern. Sdjßidjftrtw MfistlM Netteste SeituMg im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
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M 98.
Samstag, den 21. August 1920.
78. Jahrgang
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Gpfertage fär Anstalten und Werke evangelischer ^rekestätigkeit.
In diesen Tagen (Sonntag, den 22. bis Dienstag, den 24. Aug.) soll die von der kürzlich in Cassel zusammengetretenen Gesamtsynode beschlosst« und von dem Herrn Oberpräsident genehmigte außerordentliche Haussammlung für die Anstalten evangelischer Liedes tätigkett (Dtakoutffmhaus-Cassel, Hephala Treysa, Hof- rei», Stechenhaus Hosgetsmar u. a.) zur Erhebung kommen. Wohlau, evangelische Mitbürger tn Stadt und Land, tut Herz und Hände auf! Gebt eure Gaben! Bringt etn Opfer! Die Anstalten der Inneren Mission im Heffenland find allesamt in bittrer Not. Die bedrohlichen Teuerungsverhättmffe find für diese altbewährten Träger der LiebeStättgkeit und LandeSwohlfahrt allmählich von geradezu katastrophaler Wirkung geworden. Darf das freie Werk selbstloser Nächstenliebe in unserm Lande sterben? Soll der Segensstrom verdorren, der nun schon über ein Menschenalter lang vielen Kranken und Elenden, Kindern und Säuglingen, Armen und Alten, Gebrechlichen und Verkrüppelten, Einsamen und Verkümmerten, Blödchen und Schwachen ErquickuNg und wahre Menschenliebe gebracht hat? Die Not nimmt immer neue Gestalt an. So kann die Liebe nicht ruhn. Wer hilft dem Werk der Liebe, das jetzt selber Not lerdet, Kräftig auf? Wer giebt eine gute Gabe, die wirklich hilft, Sorgen stillt und Schulden deckt? Wer giebt eine Gabe, die wirklich ein Opfer ist? Ach helfe doch, wer helfen kann! Möchten viel freundliche Geber sich finden lasten, wenn in diesen Tagen Sammler und Sammlerinnen an den Türen erscheinen! Möchten alle Geber und Geberinnen nicht vergessen, die übliche Gabe durch einen wohlbemeffenen Teuerungszuschlag gebührend zu erhöhen.
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den *20. August 1920.
—* Die Huudstage nehmen mit dem Ende des Monats August ebenfalls ihr Ende. Sie haben im allgeme nen in diesem Jahre einigermaßen ihren gewohnten Charakter bewahrt, reichliche Wärme bet anhaltender Trockenheit zu spenden. Allerdings haben wir in manchem Jahre erheblich heißere Hundstage zu verzeichnen gehabt. — Mit dem Ablauf der Hunds- tage pflegt im allgemeinen ein scharfer Rückgang der sommerlichen Witterung einherzugehcu. Das Wetter wird ausgesprochen herbstlich; die Sonne verliert ihre Kraft, was hauptsächlich der rasch zunehmenden Verkürzung der Tagesdauer zuzuschreiben ist, wodurch in den Vormittagsstunden die Luft sich nur langsam erwärmt und gegen Abend frühzeitig wieder abkühlt. Trotzdem ist das Wetter noch immer hinreichend warm, um z. B. dem Obste die letzte end- giltige Reife zu geben und in der Traube die Zucker- bildung zu unterstützen. Nebel und Tau sorgen einstweilen auch noch dafür, daß in den Gärten und auf den Wiesen uns das sommerliche Grün und der letzte Blumenflor noch für einige Wochen erhalten bleiben.
—* Wir bringen allen Interessenten nochmals die große Handwerker Versammlung am kommenden Sonntag, vorm. 9 Uhr im Hess Hof in Erinnerung. Wie schon in unserer letzten Nummer zu lesen war, werden zwei Referenten des Handwerksamtes Hanau über Zwecke und Ziele des Handwerksamtes sprechen.
—* Am kommenden Sonntag, abends 8 Uhr Veranstalter der Gesangverein „Sängergruß" Salmünster im Saale der Turnhalle in Schlüchtern ein volkstümliches Konzert. U. a. wirken an diesem Abend der bekannte Musikdirektor Karl Kern, der beliebte Opcru- sänger Herr Hermann Dorter und der vortreffliche Pianist Herr Adolf Radke, sämtl. aus Frankfurt a. M., mit. Wir glauben, daß kein Kunstfreund sich den Genuß des Konzertes entgehen lassen wird. Wir wünschen dem Verein „Sängergruß" einen vollen Erfolg. Der Billetvorverkauf findet bet Hern Buchhändler Lotz statt, (stehe Plakate).
—* (Berichtigung.) In unserer vorigen Nummer muß auf der zweiten Seite in der Bekanntmachung betr. die Schlachtviehpreise hinter vollfleischige Rinder (Klaffe A I) „340,— Mark" eingefügt werden.
77* (Warnung vor einem Schwindel.) Eine
Firma in Zeitz versendet an ihr auf irgend einem Wege bekannt gewordene Adressen Nachnahmepakete, die auf 3 bis 5 Mark lauten. Wenn der Empfänger oder in den meisten Fällen dessen Angehörige das Paket öffnen, entpuvpt sich der Inhalt als eine gewöhnliche Dose Creme, die nicht den zehnten Teil des Geldes wert ist. Es sei darum vor der Annahme dieser Nachnahmesendungen dringend gewarnt.
—* Herr Kreß aus der Schröders Mühle kehrte als letzter Kriegsgefangener unserer Stadt heute morgen aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Wir heißen ihn in der Heimat herzlichst willkommen.
—* (Die Besitzsteuererklärung.) Nachdem die Frist für die Steuererklärung zum Retchsnotopfer vom 28. August bis 30. September verlängert worden ist, hat das Finanzministerium laut „Berl. Tagebl." den Finanzämtern freigestellt, auch den Termin der organisch damit zusammenhängenden Besitzsteuer-Erklärung hin auszuschieben.
—* Die 1. Mannschaft des „Fußball-Vereins" Schlüchtern 1910 wird am Sonntag der 1. Mannschaft „Viktoria" Höchst a. M — Sindlingen auf unserem Sportplatz auf dem Acisdrunnen gegenüberstehen. Der Höchster Mannschaft geht ein guter Ruf voraus, sodaß ein sehr interessantes Spiel zu erwarten sein dürfte.
Aus Provinz und Wachöargeötet.
§ Hzrsfeld. Ein lang gesuchter und steckbrieflich verfolgter Dieb und Betrüger wurde hier gestern abend festgenommen. Der Vösewicht, von Beruf Lithograph, hat auch in Hersfeld in mehreren Fällen sein „Gewerbe" anZgeübt.
§ Hersfeld. (Unglücksfall und Selbstmordversuch.) Auf einem hiesigen Sägewerk erlitt ein Arbeiter aus Heeues beim Transport eines Stammes einen Beinbruch. — Ein auswärtiger junger Mann versuchte heute morgen seinem Leben durch Erschießen ein Ende zu machen. In schwerverletztem Zustande wurde er dem Krankenhause zugeführt.
§ Hersfetd. (Das kommt davon.) In den Anlagen wartete abends eine holde Maid auf ihren Getreuen. Nachdem sie schon mehrere Male sehnsüchtig in die Ferne geschaut hatte, kam er endlich auf einem Stahlroß dahergeradelt. Er sprang ab, stellte das Rad an einen Baum und beide gaben sich den seligen Empfindungen des Wiedersehens hin. Nachdem der Zärtlichkeiten genug getauscht waren, wollte sich der Getreue wieder auf den Heimweg machen. Aber, o weh, das Rad war verschwunden und blieb es. Auch von dem Dieb konnte bis zur Stunde nichts ermittelt werden.
§ Bebra. Der Bauernverein beschloß einstimmig, für die versorgungsberechtigte Bevölkerung des Kreises Rotenburg und der Stadt Gaffel erforderlichen Speise- kartoffeln für 20 Mk. den Zentner zu liefern.
§ Cassel. Die Kriminalpoltzet hob vor einigen Tagen in der Oberen Königstraße ein Spielernest aus. Seit einem halben Jahr bestand dort ein Spielklub, in dem vorwiegend meine Tante — deine Tante bet höchsten Einsätzen gespielt wurde. Etwa 18 Personen wurden festgenommen. Mehrere tausend Mark wurden beschlagnahmt.
Die schwarze Heimsuchung.
Der Belagerungszustand im Saargebiet hat böse Folgen gezeitigt. Aus Mangel an weißen Truppen hatte man die Wachkommandos und sonstige wichtige Posten mit Farbigen besetzt, nachdem man ihnen, weil man nichts Gutes erwartete, vorher das Betreten des Weichbildes der Städte verboten hatte. Kaum ist die zügellose Horde freigelassen, da kommen schon wieder aus dem Saargebiet nach dem Inlands authentische Nachr. von den furchtbarsten Vergewaltigungen deutscher junger Mädchen und Frauen. Die Feder sträubt sich, diese niederträchtigen Taten einer bis zum Wahnsinn geilen Menschkumaffe zu beschreiben und ein Gefühl mildesten Zornes beschleicht unser ohnmächtiges deutsches Vock, das machtlos dieses himmelschreiende Unrecht mit ansehen muß und welches weiß, daßdiese Verbrechen zum größten Teil ungesühnt bleiben und durch das passive Verhalten französischer Oberkommandierender noch genährt werden. Ungezählte Fälle liegen wieder vor. So wurden zwei Schwestern aus St. Jngberi von einer farbigen Patrouille in ein Dickicht abgeführt und die eine zermal, die andere dreimal vergewaltigt. Auf das entsetzliche Geschrei der Vergewaltigten kamen Männer zu Hilfe, die aber, da die Schwarzen auf sie
anlegten, sich zurückziehen mußten. Das eine Mädchen ist inzwischen im Krankenhause verstorben. Als beim Kommandanten von St. Jngbert dieser Vorfall gemeldet wurde, zuckte der nur mit den Achseln und erklärte, er könne nichts machen, es sei eben Krieg!! — Kommentar ist überflüssig.
__________Mllhlidkl.__________
— Der Volkswirtschaft-ausschuß des Reichstags nahm eine Verordnung mit 16 gegen 12 Stimmen an, wonach die Kartoffslzwangswirtschaft vom 15. Septem, der 1920 ab aufgehoben wird.
— Berlin. (Die amerikanische Besatzung beschlagnahmt Ackerland.) Wie aus Koblenz gemeldet wird, hat die amerikanische Besatzungsbehörde 300 Morgen wertvollen Ackerlandes zu Uebungszwecken in den benachbarten Gemeinden Pfaffendorf und Arzheim beschlagnahmt. Dagegen wurde Einspruch erhoben, da auf diese Art ein ungeheuerer Schaden entsteht und die Vieh- und Milchwirtschaft gefährdet werde.
— Eine Versammlung heimattreuer Oberschlesier wurde in Suffetz (Kreis Pleß) mit Gewehrschüssen überfallen. Zwei Teilnehmer der Versammlung wurden getötet. Die Täter find entkommen.
— Der neue „Bund der Kommunisten". Die Spaltung der K. A. P. D. Die erwartete Spaltung in der K.A. P. D.ist seitdem 8. August eine Tatsache.Schon vordem hatte dieOrtsgruppe WilhelmShaven beschlossen, an die Zentrale in Berlin keine Gelder mehr abzuführen.
Am 8. August nun hat die Konferenz des Bezirks Nord-West den entscheidenden Schritt getan und einstimmig beschlossen, einen Aufruf an alle „revolutionären Arbeiter" zu richten, iu dem „die revolutionären Elemente aller Parteien" aufgefordert werden, sich im neuen „Bund der Kommunisten" zu vereinigen. Der Aufruf wendet sich in schärfster Form gegen die Beschlüsse des ersten außerordentlichen Parteitages der K. A. P. D. Dem Parteitag wird vor allem vorge- worfen, daß er sich von „den Parteiradttionen" nicht habe freimachen könnuen. Gegen die „Parteibewegung", als dem „letzten Ueberbleibsel der bürgerlichen Organi- sationsformen" müßten alle bewußt revolutionären Elemente Front machen, die letzten Formen bürgerlicher Traditionen abstreifen und sich in der neuen Organisation zusammenschließen. Die Hamburger „Kommunistische Arbeiterzeitung", die den Aufruf des Bezirks Nord-West in ihrer Nr. 71 vom 14. August bringt, druckt im Anschluß hieran die bekannten Resoluttonen des Parteitages der K. A. P. D., die den Strich zwischen der Zentrale und den „Hamburgern" zieht, mit der boshaften Bemerkung ab: „Proletarier aller Länder verewigt Euch — wir haben uns gespalten."
- (Auch die Engländer find Polen gegenüber gleichgültig.) Im Oberhaus beantragte Lord Curzon die Vertagung des Hauses und sagte dabei über den russisch-polnischen Krieg, man habe keine Streitkräfte und keine Geldmittel für einen solchen Krieg zur Verfügung. Die öffentliche Meinung in England und überall wünsche einen gerechten und ehrenhaften Frieden. Diesen Rat habe man auch der polnischen Regierung gegeben. Es sei ein Telegramm mit der völligen und freudigen Zustinynung Stollens hierzu angelangt.
— Die klägliche Charakterlosigkeit polnischen Größenwahns treibt neue, unerwartete Blüten. Infolge des unaufhaltsamen Vordringens der siegreichen Russen haben an der preußisch-polnischen Grenze die Grenz- übertritte polnischer Flüchtlinge immer größeren Umfang angenommen. Offenbar fürchten nun die Polen, von sich auf andere, schließend, daß an diesen Flüchtlingen wegen der polntfchersetts an Deutschen begangenen Brutalitäten irgendwie Vergeltung geübt werden könnte. Und um ihnen eine menschenwürdige Aufnahme zu sichern, die ihnen in Deutschland natürlich ohnehin unter allen Umständen geworden wäre, werden im Korridor plötzlich überall Plakate angeschlagen mit der bezeichnenden Aufschrift: „Behandelt die Deutschen besser!" Ob sich die edlen Polen der Kläglichkeit ihres Verhaltens gar nicht bewußt werden?
— Italien und die Ententestaaten in Osteuropa erklären ihre Neutralität gegen Sowetrußland. Sie sehen eben auch die kommende wirtschaftliche Entwicklung im Osten und behalten sich freie Willensäußerung vor.
— Polen in contumaciam verurteilt. Der Moskauer „Prawda" (Nr. 142) wird aus Twer gemeldet: Am 28. Juni wurde im Saale des „Klubs der dritte» Internationale" über das weiße Polen zu