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ZchlüchternerZeitung

Anzeiger für öie amtlichen Bekanntmachungen im Breise Schlüchtern. Schlüchtemer MeisSlatt Aeitrste 3-iMg im «reift; gegrixiet Im Jahre 1849.

Bezugspreis frei HauS, vorauszahlbar viertelt« 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag T. Hohmeister, verantwort!. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- mf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Ran« 60 Pfg., Reklamezeile 2, Mk. Bei Betriebs- störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

^ 99. Dienstag, den 24. Angnst 1920. 23. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

" Schlachten», den 23. August 1920.

* Die Handwerker-Versammlung am Sonntag morgen war von einer großen Menge Handwerkern und Geschäftsleuten besucht. Der Referent forderte auf zum allgemeinen Preisabbau und legte dar, daß hierbei vor allem die Großkapitalisten und Landwirte den Anfang machen müßten, erst dann könne der Ge­schäftsmann an eine Herabsetzung seiner Preise denken. Zum Schlüsse seiner Ausführungen lud der Redner sämtliche Handwerker ein, dem Handwerksamte, dessen Ziele und Aufgaben ja allgemein bekannt sind, deizu- lreten. Eine große Menge der Verfammlungsdesucher scheint nicht abgeneigt zu sei, dem Handwertsamt ihren Beitritt zu erklären.

* Bei dem am Sonntag auf dem Acisbrunnen ausgetragenen Fußballwettspiel zwischen der 1. Mann­schaftViktoria" Höchst a. M. Stndlingen und der 1. Mannschaft veSFußball-Vereins Schlüchtern 1910" siegte die Schlüchterner Mannschaft mit 5: 2. Infolge deS regnerischen Wetters sonnten die eigentlichen Leistungen beider Vereine nicht recht zur Geltung kommen.

* Bei dem gestrigen Königschießen wurde Herr Thtelmann, Fuida Schützeuköutg. Herr Fritz Benharv, Schlüchtern wurde 1. Ritter und Herr Wüster, Sch.ücy- tern 2. Ritter. Im Anschluß an das KSmgsschleßen kam die Schützengilde imDeutschen Kalser" zusam­men, um sich beim Kaffee und einem Gläschen Bler gütlich zu tun.

* Der Konzertabend des Gesangvereins ^Sänger- gruß" Salmünster war leider nicht so besucht, wie er rs verdient hätte. ES war eben zuviel am Svamag loS.

* Einen gemütlichen Abend verbunden mit Tanz veranstaltete unter sich derFutzball-Veretu Schlüchtern 1910" am gestrigen Sonntag im Saale des Hässlichen Hofes. Neben dem sonstigen Programm, bestehend aus Gesangsvorträgen und EoupleS, brächte der gut ge­schulte Gesang-VereinSängergruß" Salmünster in vorgerückter Smnde einige nette Lieder zum Vortrag. Allem in allem war der Abend, abgesehen von einigen Unregelmäßigkeiten tu der Tanzoronuug, die jedoch Herr Hermann Seelig in bekannter energischer Weise immer wieder herzustellen wußte, glänzend verlausen.

* Ein auswärtiger Schreinergeselle, welcher dem Sohne eines hiesigen Schrelurrmeisters aus dem Kleider­schränke einen größeren Geldbetrag entwendet hatte, wurde von dem Landjäger in Herolz sestgenommen und in das hiesige AmtSgerichlsgesängnis tingeltest«.

* (Die Post will abbaueu.) Eine Ermäßigung deS PostkartenportoS soll, einer Aeußerung von amt­licher Stelle zufolge, in Erwägung gezogen werben, wenn eine Besserung der Finanzlage der Post einge» treten ist. Demnach scheint die Neechspostverwalmng oem Abbau der mehrfach erhöhten Gebührensätze, der eine Notwendigkeit ist, wenn eine Gesundung unserer wirt­schaftlichen Verhältnisse herbeigeführ» meinen M, unter der erwähnten Voraussetzung nähertreten zu wollen.

* Die Einfuhr von Jagdgewehren und Jagd­munition deutschen Ursprungs in das Saargebret ist freigegeben. Für diese Erzeugnisse braucht tu Zukunft also nicht mehr eine besondere EinsuhrerlauvuiS einge^ holt zu werden.

* Einen gewaltigen Preissturz erlebte man auf dem Frühobst Grotzmarkt In AiSheim (Reg.-Bez. Wiesbaden). Man notierte für Blr».en und Aepfel 6080 Mark, für Mirabellen 80100 Mark, für Aeineolaudetz 2060 Mark und für Zwerfcheu 60Tu Rart. Alles pro Zentner. In Lumbcheim wurden für Zwetschen sogar nur 3035 Mu^k pro Zentner dczahit.

* Entgegen allen amtlichen Erklärungen steht nunmehr einwandfrei fest, daß die Maltt- und Klauen- Imche auf Menfchen übertragbar ist. In Oberba-ern eine Bauersfrau mit ihren zwei Kinoern an Ataull und Klauenseuche nach dem Genuß von Milch von verseuchten Tieren schwer erkrankt. Die Nägel sind au dm Zehen und Fingern abgegangen. Mund und Schlund sind eitrig entzündet, sodaß die Nahrungs­aufnahme unmöglich ist. Wenn Menschen von dieser beuche befallen werden, so sind unbedingte Sauberkett an Händen und Füßen und für sie Rachenhöhle des. Hztmnde Aussptlungm notwendig. ,

* Salmünster. Dem Förster Grothe, bisher zu Melken, Oberförsterei LaSka, Regierungsbezirk Marien- werder, z. Zt. auf einer Unterkunftsstelle tu Georgen- hütte bei Hammerstein, wurde zvm 1. Oktober d. Js. die Försterstelle Häuserdick, hiesige Oberförsterei, übertragen.

* Oberkalbach. Die hiesige Pfarrstelle komutt infolge Versetzung deS bisherigen Inhabers am 1. Oktober d. Js. zur Erledigung. Bewerbungsgesuche müssen durch Vermittelung der Klassen- und der Diözesan-Vorstände bis zum 1. September d. Js. an das Evangelische Konsistorium eingereicht sein.

Aus Provinz und WachSargeöiet.

§ Hanau am Main. Ein Transport französi­scher Soldaten passierte Donnerstag abend unseren Bahnhof. Halb -7 Uhr kam ein längerer Extragüter- zug hier an, von dem mau in Mühlheim 45 Wagen abgehängt hatte. In letzteren befanden sich 4 fran- zösische Offiziere und 1820 Mann Franzosen mit ihrem Gepäck, und die,Bahnbehörde hatte daher in der Befürchtung, es möchte auf dem Hanauer Ostbahnhof ein Augrssf auf die Franzosen unternommen werden, die Wagen abhängen lassen. Der Güterzug verblieb zunächst hier und setzte erst nachts halb 12 Ihr, nach­dem die Wagen mit den Franzosen geholt und ange- hängt worden waren, die Fahrt in der Richtung Bebra stört.

§ Hedemünden. Unrvejt der Bahnüberführung ist eine KmdeSleiche gefunden worden. DäS^KNNr war in gutes Kinderzeug gekleidet, etwa 3 Tage alt und hat bei seiner Aussetzung noch gelebt. Man fand die Leiche mit Laub in den Mund gestopft.

§ Gemünden, 19. Aug. Gestern nachmittag i/e2 ertrank dahier im Matne beim Baden die 15jährige Greta Müller, Tochter des Lokomotivführers Kaspar Müller.

§ Rotenburg a. d. F., 20. Aug. (Vergiftungs­Versuch.) Gestern abend gegen 10 Uhr wurde der Apothekerlehrling Herbst, der seit einigen Wochen in der hiesigen Apotheke tätig ist, verhaftet, weil er dem Apotheker Jung ein Gift beizubemgen versucht hatte. Herbst, weicher gemeinschaftlich mir Jung vm K^ffeetisch saß, hatte eine kurze Abwesenheit des Letzteren -.nutzt, um ihm eine Dosis starken GtfteS tu den Muffte zu gießen. Durch den üblen Geschmack wurde aber Jung davon abgehalten, eine giögeie Menge des Getränkes zu sich zu nehmen und es regte sich in ihm bald der Verdacht, etwas Unnatürliches getrunken zu haben. H.rbst leugnete bei seiner Vc Haftung, die Tat ausge fuhrt zu haben, soll aber inzwischen ein Geständnis abgelegt haben. Er wurde in das LaadgerichtSgefäng- nts nach Gaffel überführt.

Sericht des Landesamtes für Arbeitsnachweis in Frankfurt a. M. über die «Lage des Ar- beitsmalktes im Monat Juli 1920 in

«Hessen, Kessen-Waffau und ISatdeL.

Unvermindert hielt auch im vergangenen Monat der schleppende Geschäftsgang in Handel, Industrie und Gewerbe an; trotz aller zur Regelung der Produktion getroffenen Maßnahmen, wie ArbeitSzeitvertürzungen und ArbeitSstreckungen, stieg die Zahl der Stellenlosen weiter. Es ergibt sich gegenwärtig die unerfreuliche Tatsache, daß wohl für eine kurze Zeit derartige Vor­kehrungen sich betriebt und fiaanzrechntjch ertragen lassen, nicht aber auf Monate hinaus, ganz abgesehen davon, daß es für die Arbeiterschaft ein unerträglicher Zustand ist, sich mit einem Verdienst auf Grund einer Wochenarbettszeit von 24 und 30 Stunden abfinden zum müssen; letzten Endes werden trotzalledem Arbeiter- entlassungen unvermeidlich werden. Allein in Frank­furt a. M. arbeiten nach Feststellungen des Gewerk- schaftskartells 19 000 Personen verkürzt. Es ist unverkennbar, daß diese Vkassenerscheinung der teUweisen Erwerbslosigkeit sozialpolitisch die bedenklichsten Folgen zeitigen wird, wenn eS nicht gelingt, Abhilfe zu schaffen. Ein gewisser Lohnausgleich soll dadurch herbeigeführt wer­den, daß die gemäß des § 9 bet ErwerbSlosenfürsorge vor- geschriebenen 70°/, bei verbliebenen Arbeitsverdienstes auf 507, herabgesetzt werden. Die dadurch entstehen­de« Mehraufwendungen wären zur Hälfte vo« der Grabt und zur anderen Hälfte von den in Gragt

kommenden Arbeitgebern zu tragen, da Letztere ein be­sonderes Interesse an der Erhaltung eines eiugearbei- teten Stammes von Arbeitern haben; ob auf diese Weise Entlassungen für absehbare ZeU vermieden werden können, muß die Praxis ergeben. Auch die gegenwärtigen Bestrebungen zahlreicher Arbeitsnach­weise und Arbeitnehmerorganisationen, auf Grund des Anmeldezwangs und der Jnseratenkontrolle die bestehende Arbeitslofikeit zu mildern, wird solange nicht von Er- solg begleitet sein, bis dazu die gesetzlichen Grundlagen geschaffen sind. Die weitgehenden Hoffnungen, bie man in dieser Richtung auf die reichsgesetzliche Rege­lung des Arbeitsnachweiswesens gesetzt hat, werden sich wohl nicht erfüllen, andererseits aber auch erfordern außerordentliche Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt auch besondere durchgreifende Maßnahmen. Bis auf die Verordnungen über die Freimachung von Arbeits­stellen vom 28. März 1919 und 25. April 1920, deren Durchführung von dem Instanzenweg über die Demobilmachungsausschüsse abhängig ist und bis auf die leicht zu durchkreuzende gesetzliche Meldepflicht der Arbeitgeber vom 17, Februar 1919 bestehen zur Zeit keine gesetzlichen Voraussetzungen für Maßnahmen auf dem Gebiete einer aktiven und zielbewußten ArbettS- marktpolitik.

Die wirtschaftliche Krisis, die wir gegenwärtig durchleben, berugt zum großen Teil auf der gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung. Der geringe Preisabbau auf dem LebenSmUtelmarkt und für Gegenstände des täglichen Bedarfs im verflossenen Monat hat nicht genügt, die erhöhten Ausgaben für gesetzliche Versicher­ungen für den SteurrnhFug, -fsWie^fttr^8i»t«»««r- Tarife der Verkehrsemrichtungen zu paralleltfieren; Lohn- und Streikbewegungen blieben daher nicht aus. Stellenweise wurden sie trotz des Betriebsrätegesetzes und SchlichtungsausschuffrS in einer Weise ausgetragen, die eine völlige Abkehr von der bisher gebräuchlichen Form in der Erledigung von Lohndifferenzen darstellte.

Im Monat Juli meldeten sich bei 68 Arbeitsnach­weisen insgesamt 30 779 Arbeitsuchende (gegen 34 623 bei 66 Arbeitsnachweisen im Vormonat); offene Stellen wurden 22 886 gezählt (im Juni 26 113); vermittelt wurden 19188 Stellen (im Juni 20 871). Auf 100 Arbeitsuchende entfielen 74 offene Stellen (im Vor­monat 75); von 100 stellensuchenden Arbeitnehmern fanden 62 (im Juni 60) Beschäftigung. Nach den Geschlechtern gegliedert suchten 21087 (im Vormonat 21621) Männer um Arbeit nach; 14342 (im Vormonat 13 581) Stellen standen ihnen zur Verfügung; in Arbeit gebracht wurden 13 510 (im Vormonat 12600) Personen. Den 9692 (im Vormonat 13002) bei den Arbeitsnachweisen sich meldenden Frauen standen 1544 (im Juni 12 532) offene Stellen gegenüber, während 5 678 (im Monat Juni 8 271) in Arbeit vermittelt wurden.

Die im Berichtsmonat in vollem Gange befindlichen Erntearbeiten hatten in Friedberg, Limburg, Bebra, Darmstadt und Niainz eine erhöhte Nachfrage nach Arbeitskräften zur Folge, die im wesentlichen durch das örtlich vorhandene Arbeitsangebot gedeckt werden konnte. Aus manchen Bezirken, in denen bisher immer Arbeiter­mangel herrschte, wie beispielsweise in Friedberg, wird von einem Überangebot an Arbeitskräften berichtet, weil in den Landgemeinden beheimatete, aber zur Zett in der Industrie entlassene Arbeiter bei der Einbringung der Ernte und den Brescharbeiten helfen. In Waldeck hielten die Landwirte nach Einführung von Tariflöhuen zunächst etwas mit Neueinstellungen zurück, sodaß das bärtige Ueberangebot von Arbeitskräften teilweise nach auswärts vermittelt werden mußte; durch die rechtzeitige Sperre der Abgabe von Russen konnten jedoch Arbeits­angebot und -Nachfrage ausgeglichen werden.

Im Bergbau der Limburger Gegend hat die Nach­frage nach Arbeitern gänzlich aufgehört. Von den vor einiger Zeit von Wiesbaden aus nach dem Ruhrgebiet vermittelten Arbeitern ist bereits ein Teil wieder zurück- gekehrt. Die WächtersbachG Bergbaugesellschaft hat die Bohrungen eingestellt, einige ungelernte Arbeiter kamen dadurch zur Entlassung. In der Produktion der Biederer Gruben ist keine Veränderung eingetreten.

In der Industrie der Steine und Erden find die Kalksteinbetriebe der Lahngegend voll beschäftigt, ebenso die Sandsteinbrüche; dagegen find eine Anzahl Arbeiter in den Ziegeleien entlassen worden. Auch die Ziegelei- betriebe an der Bergstraße haben wegen Seberproouttion gegen Schluß des Monats Betriebsetuschräakuugen vor- gWMMeKr ArbettecnttlasstMM fand«; in der Steigt

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