SchlüchlernerMtung
Anzeiger für hie amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schtüchtern.
SchlSchteroer KreiMatt
Aeltrstr ZcitMg iw »trift; gegründet in Jahre 1849.
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Ji 100. Dsnnerstag, den 26. August 1920. 73. Jahrgang
Aalutaschrvankungm.
Die deutschen Wechselkurse beginnen wieder zu faßen. Das war vvrauszusehen, denn die Ursachen der Steigerung nach dem Tiefstande zu Anfang des Jahres waren nicht mächtig und tief genug, um eine dauernde Besserung zu gewährleisten. Vornehmlich waren es dollarikanische Käufe, die den Markkurs verhältnismäßig schnell hmauftrlebsn. Wie bescheiden wir geworden sind, wie wenig uns die klägliche Bewertung unserer Mark im Ausland recht zum Bewußsein gekommen ist, geht daraus hervor, daß eitel Freude bei uns darüber herrschte, hab wir für luO Mk. 16 oder 17 Schweizerfranken erhielten. Vor J ch.es frist wurden noch 33 Franken bezahlt und vor dem Kriege gab es 124 Franken für 100 Mark. Lediglich der Umstand, daß aus den Vereinigten Staaten Aufträge für Markemkäufe kamen, hat die Besserung gebracht. Und auch diese Aufkäufe geschahen nicht aus spekulativen Absichten, sondern waren in der Hauptsache ein Zahlungsgeschäft. Es steht statistisch nicht fest, wie hoch die Summen find, die die Deutsch-Amerikaner nach dem Krieg und besonders nach der Einrichtung geregelter Verkehrsverhäitmffe ins Vaterland gesandt haben. Diese Summen sind auf alle Fälle nicht unbeträchtlich, zumal ja diese Form der Hilfe einfach und gewinnbringend war. Wer aus den Vereinigten Staaten eine Zehndollarnote erhielt, konnte sie in Deutschland gegen 5000 Mark umwechseln lassen. Allein der Ueberweisungsverkehr wird sich vornehmlich in der Form abgewickelt haben, daß U. S.-Bauten die entsprechenden Auszahlungen in Europa bewerkstelligen ließen. Das erklärt die parke Nachfrage nach oeuischeu Marknoten für amerikanische Zwecke, von denen im Frühjahr vielfach berichtet wurde. Eine dauernde Einwirkung war und ist nicht zu erwarten. Auch eine erhebliche Steigerung unserer Warenausfuhr wird die deutschen Wechselkurse nicht den FriedenSfland erreichen lassen. Das Hinvert schon die Entwertung der Mark durch die Massenherstellung von Pap'.ergeldzeichen. Neben der Steigerung unserer Erzeugung ist also auch eine Neuordnung unseres WährungSiy tems erforderlich, die die Banknoten nur mit der Kaufkraft ausfiatlet, die ihnen die Wirtschaft.tat ahilch zukommen läßt.
Aus Stadt und Kreis.
Hchinchrern, so» 25. August 1920.
—* Zum Odersteuersekretär wurde der Steuer- praktikant Kremmer hier ernannt.
—* (Neue Darlehnskassenscheine.) Die Reichs- schuldenverwaltung hat neuerdings Darlehnskassenscheine zu 1 Mk. vom 12. August 1914 ausg-geben, die
Feindliche Brüder.
Roman von Jost Freiherr« von Steinach. 49 (Fortsetzung.)
„Man sprach sogar die Vermutung aus, denken Sie, wie lächerlich," jetzt spielte er seinen höchsten Trumpf aus, „daß Sie es selbst gewesen sein könnten!"
Melitta sah ihn groß an.
„Ich? Ja, wer könnte denn so etwas für möglich halten? Wenn man auch den Grund gegen mich geltend machen wollte, ich könnte es aus Liebe zu Otto getan haben, so darf ich für mich seine eigene Denkweise als Entlastung anführen;^tch weiß nur zu genau, daß Otto viel zu rechtlich ist, um sich eines Vorteils zu frenen, der nicht auf geradem Wege erlangt ist."
' Waldau drückte ihr warm die Hand.
„Sie haben vollständig recht, mein liebes verehrtes Fräulein! Verzeihen Sie mir, daß ich es überhaupt gewagt habe, Ihnen von diesen leeren Redereien zu erzählen. Für mich aber steht jetzt der Weg vorgezeichnet, den ich gehen muß. Und verlassen Sie sich darauf, ich will nicht eher ruhen, als bis ich den wahren Frevler entdeckt habe."
„Das gebe Gott!" seufzte sie, und eine Träne glänzte in ihrem Auge.
„Fassen Sie Mut, liebes Fräulein, ich habe große Hoffnung, daß wir noch alles zu einem glücklichen Ende führen werden. Leben Sie wohl."
Als er sich auf der Straße befand, machten sich seine aufgewühlten Empfindungen in halblauten Ausrufen Luft, so daß die Vorübergehende« ihn erstaunt ansahen.
„Mein Gott, mein Gott, wie wird das noch enden! Keiner von ihnen ist schuldig, wo soll man den Richtigen
anstelle des roten Nummern- und Stempelaufdrucks einen solchen aus blauvioletter Farbe tragen. Die sonstige Ausführung ist unverändert geblieben.
—* Eine Vertreterversammlung des Hessischen Volksschullehrervereins findet am 30. September und
1. Oktober in Melsungen statt. Neben wichtigen Schul- und Standesfragen kommen die Angelegenheiten des Vereins und seiner Kassen zur Erledigung. Von besonderem Interesse dürfte die Berichterstattung des Regterungs- und Schulrats Wille Cassel über die Neichsschnlkonferenz und da^ Referat des KreiSschul- ratS Kimpel über das SchulunterhaltungSgesetz und die BesolbungSordnung fein. Daneben werden zeitgemäße Sezialfragen, z. B. die Kirchschullehrer, die Foctbildungsschulfrage, die Arbeitsgemeinschaft zwischen Piarrern uno Lehrern u. a. betreffend, Gegenstand oer Beratungen bilden.
—* Wie verlautet, beabsichtigen die Ernährungsbehörden im kommenden Wirtschaftsjahr eine planmäßige Streckung des Brotmehls durch Zusatz eines mäßigen Prozentsatzes von präparierten Hafersiocken. Unter Berücksichtigung des Umstandes, daß unsere heimische Ernte nicht ausreicht, um die volle Versorgung der Bevölkerung mit Brot aus Wetzen und Roggen zu gewährleisten, ist dieser Schritt der ErnährungSbehörden nur zu begrüßen. Die Heranziehung des Hafers zur Brotstreckung ist ganz besonders insofern zu befürworten, als diese Getreideart in Deutschland in ausreichender Menge erzeugt wird. Backversuche mit Hafersiocken haben außerordentlich günstige Resultate ergeben. Infolge des hohen Nährgehaltes der Flocken wird im Gegensatz zu den
Streckungsmitteln eine Qualitäts- und GeschmackSver- befferung des Brotes erzielt, auf die ganz besonders hingewiesen werden soll. Die außerordentlich schlechten Resultate, welche man mit Haferbackmehl, wie es in den letzten Monaten verwendet worden ist, erzielt hat, sind bei der Verwendung von Hafersiocken ausgeschlossen, da es sich be diesem Fabrikat um ein in Speztal- fabriken hergestelltes aufgeschlossenes Nährmittel von hervorragender Güte handelt. Wenn sich der Zusatz von Hafersiocken zum Brotmehl verwirklichen läßt, könnte eine riesige Summe Gerd dem Reich erspart werden, weil dann entsprechend weniger Wetzen aus dem Ausland eingeführt werden müßte. In Fachkreisen wird die Ersparnis auf ungefähr eine Milliarde Mark beziff.rt.
—* Schnecken im Keller vernichtet man durch das Ausstreuen von Viehsalz. Noch besser ist pulverisierter Kalk. Natürlich muß man einige Tage nach dem Ausstreuen den Keller tüchtig säubern, um die toten Tiere zu finden. Eine in den Keller gesperrte Ente
finden ? Wo ist das Licht, das in dieses undurchdringliche
Dunkel hineinleuchtet!"
Zuerst mußte natürlich Rechtsanwalt Hagemann von dem jetzigen Stande der Angelegenheit benachrichtigt werden; der konnte und mußte Mittel angeben, um der Sache mit Nachdruck auf den Grund zn gehen.
Der Anwalt schien nicht lehr erbaut, als er wieder seiner ansichtig wurde; es war ihm klar, daß sich dieser Mann da vor ihm in eine fixe Idee verrannt hatte, derartige Fälle waren ihm nichts Neues. Das beste war jedenfalls, ihn sich möglichst abzuschüttteln.
„Sie kämpfen für eine verlorene Sache, Herr Doktor," sagte er mürrisch, „und wenn ich Ihnen raten darf: Lassen Sie die Hand davon, es kommt nichts Gescheidtes dabei heraus. Ich wenigstens will damit nichts weiter zu tun haben, da ich es für unfair halte, aussichtslose Rechtsfälle zu bearbeiten."
„Ich will Sie durchaus nicht damit behelligen," entgegnete der Doktor etwas gekränkt, „aber die Gefälligkeit darf ich wohl von Ihnen verlangen, daß Sie mir wenigstens einen guten Rat zuteil werden lassen, wie ich es jetzt am besten anfangs."
„Nun gut, ich will Ihnen ihn nicht vorenthalten. Nehmen wir einmal an, es verhielte sich wirklich so, wie Ihr Freund und seine Braut es dargestellt haben; was wäre daraus zu folgern? Wenn sie es nicht getan haben, nicht wahr? Wer aber? Abermals ist dann mit Sicherheit zu folgern, daß es nur einer gewesen sein kann, der ebenfalls immer im Hause anwesend gewesen sei. Also einer, der mit den Verhältnissen sowohl der Familie wie der Oertlichkeit vertraut war. Das ist unumstößlich richtig. Wenn Sie faktisch nicht von Ihrer Jcee abgehen wollen, die'
räumt auch ohne das Streuen von Viehsalz oder Kalk mit den Schnecken in wenigen Tagen auf.
* Jossa, 23. Aug. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich heute morgen auf dem Jossaer Bahnhof. Beim Rangieren eines Güterzuges kam der Eisenbahn- bedienstete Konrad Maienschein aus Altengronau auf den schlüpfrigen Schwellen anscheinend zu Fall, geriet unter die Räder und wurde sofort getötet.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
§ Roßdorf (Rhön). (Die verhängnisvollen Gummisohlen.) In Rosa wurde einem Gutsbesitzer ein wertvoller Ochse aus dem Stall gestohlen. Der Dieb war auf Gummisohlen gekommen, deren Abdrücke ihm verhängnisvoll wurden. Er konnte bei Verfolgung seiner Spur in Uebelroda, der Ochse aber in Ettmarshausen gefaßt werden.
§ Bebra- 80 Zentner Hafer, die ins Rheinland verschoben werden sollten, wurden anf dem hiesigen Bahnhof beschlagnahmt. Der Hafer war von einem Landwirt in Jba gekauft.
§ Cassel. (Ausgehobene Falschmünzer.) Die hiesige Kriminalpolizü hob eine Fabrik für Fünfzigmarkschetne aus. Mehrere hundert Falsifikate waren bereits in Umlauf gebracht. Ein großer Vorrat wurde beschlagnahmt. Die falschen Scheine find äußerst täuschend nachgeahmt. Mehrere galizische Flüchtlinge wurden als Führer der Gesellschaft verhaftet.
„Kchte und Wationat-Kotschewisten".
Ob und auf wMeu.M-rndragen sich Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland ergeben werden, darüber kann man zur Zeit nicht weissagen. Wirtschaftliche Beziehungen zu unserem östlichen Nachbar können für uns nur dann Wert haben, wenn die Unabhängigkeit unseres wirtschaftlichen und politischen Lebens garantiert bleibt und Rußland uns Gegenleistungen zu bieten haben wird. Gefährlich und verderblich ist aber der Eifer verschiedener Kreise, die die deutsche Politik radikal zum Anschluß an den Osten drängen wollen. Extreme von rechts und von links kommen sich bei uns in dieser Hinsicht in ihren Gedankengängen und Plänen entgegen; mit dem Bolschewismus wollen beide operieren, jeder freilich im Hinblick auf ein Endziel, das dem des anderen diametral entgegengesetzt ist.
Die Kommunisten streben nach der Diktatur des Proletariats; sie wollen damit einen Zustand der Glückseligkeit herbeiführen, um dessen Verwirklichung sich Rußland seit 3 Jahren vergeblich bemüht. Wir wissen, daß heute iu Rußland eine dünne Oberschicht
ich meinerseits für eine Chimäre halte, so kann ich Ihnen nur empfehlen, sich mit einem Privatdetektiv in Verbindung zu setzen. Falls wirklich etwas zu entdecken ist, so kann es Ihnen in ganz Berlin einzig und allein nur Weiler enthüllen. Lassen Sie sich draußen von meinem Bureauvorsteher seine Adresse geben und sagen Sie ihm, daß ich Sie sende. Das aber kann ich Ihnen im voraus mitteilen : Die Geschichte wird eine Stange Goldes kosten."
„Und wenn ich dadurch zum Bettler werde, Herr NechtSanwalt: Ich halte es für meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, als Freund wie als Mensch zu handeln. Leben Sie wohl!"
Der Anwalt sah ihm kopfschüttelnd nach, er wollte darüber spötteln, aber er konnte nicht einmal lächeln. Und schließlich sagte er leise vor sich hin: „Ein Glück für die Menschheit, daß es noch solche Freunde
11. Kapitel.
In der Friedrichstraße, gerade in ihrem belebtesten Teile, prangte ein mächtiges Schild, auf dem in großen Lettern stand: „Weiler Privatdektiv.
Waldau stieg bis zum zweiten Stock des Hauses empor und wurde in ein kahles Wartezimmer eingelassen, wo noch eine Anzahl anderer Personen auf den Wink lauerte, der sie vor das Angesicht des Gewaltigen hinzitieren sollte. Da saß einer der besten Finanziers, der seinen Kassierer überwachen lassen wollte, der in der letzten Zeit übergroße Geldausgaben gemacht hatte, die mit seinem Einkommen in keinem Verhältnis standen.
(Fortsetzung folgt.)