Anzeiger für Die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schtüchtern.
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Lchlüchterner Kreisölatt
Aelteste Seitog im Kreise; gegrüxdet im Jahre 1849.
Anzeigen: N. Zeile oder deren Ran« 60 Psg., Reklamezeile 2,— Mk. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Bewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Belegliefarung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
M 101. Samstag, den 28. August 1920. 73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlächtern, den 27. August 1920.
—* Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse der 16. Pr. Südd. 242 Pr. Klaffenlotterie muß bei Verlust des Anrechts bis spätestens den 3. September abends 6 Uhr erfolgt sein.
—* Vom Handwerksamt Hanau wird uns geschrieben : Auf die am Sonntag, den 22. August 1920 stattgefundene Versammlung im „Hessischen Hof" zu- rückkommend, danken wir dem selbst. Handwerk, daß es so überaus zahlreich zur Stelle war. Es ist für uns ein Beweis dafür, daß der Handwerker eine Last üuf sich fühlt, die ihn gezwungen hat, dieser Versammlung beizuwohnen, um aus berufenem Munde zu hören wie unsere Lage und Hilfe für die Zukunft sich gestalten. Nur im engsten Zusammenschluß liegt die Stärke und Macht, um allem Trotz und Abwehr bieten zu können, was für unser Handwerk immer erdrückender wird. Die Annahme der Resolution und Beitritt zum Hand- werksamt-Hanau, welche von den in der Versammlung anwesenden Jnnungsvorständen und Handwerksmeistern angenommen wurde, läßt erkennen, daß das Handwerk seinen Existenzkampf aufzunehmen versteht. In allen für das Handwerk betreffenden Angelegenheiten wird das Handwerksamt Hanau eine durchgreifende und starke Stütze sein. Es ergeht nun auch der Ruf an alle Handwerker und Gewerbetreibenden, uns alle Wte mtizuteilen, die von Nachteil und Schaden für unser Handwerk sind und sich in ihrem Bezirke ereignen, von wem es auch ausgehm mag.
—* Die „Dorfzeitung" aus Hildburghausen schreibt in ihre Nr. 198: Die Vordrucke für die Steuererklärungen zur Reichsvermögensabgabe werden zurzeit ausgegeben. Wir lesen auf ihnen den Vermerk : „Leben die Ehegatten zusammen. s» ist die Erklärung auch von der Ehefrau zu unterzeichnen." Hier wird etwas verlangt, das sich u. E. nicht aufrecht erhalten läßt. Auf welche gesetzliche Vorschrift stützt sich diese Forderung? Nach § 28 des Gesetzes hat jeder Ab- gabeflichtige eine Steuererklärung abzugeben. Abgade- -pflichtig aber ist. bet Ehegatten normalerweise der Ehemann. Man soll aber auch mit der Unterschrift keinen Unfug treiben. Die Regel wird sein, daß die Ehefrau sich um die Bewertung des" gemeinsamen Besitzes nicht kümmert, sondern das getrost dem Manne überläßt. Würde nun der Ehemann wtffevtlich oder sahrlässig in der Steuererklärung unrichtige Angaben machen, so ist in den seltensten Fällen die Frau in der Lage, das erkennen zu können. Mit der Verpflichtung zur Unterschriftsleisiung setzt man also die Ehefrau einer Gesahr aus. — Die Bemerkung auf dem Vordruck bedeutet eine gesetzliche Vorschrift; das Gesetz aber stellt eine solche Forderung nicht auf.
Hk. Die seiner Zeit angeordnete Gütersperre nach dem Saargebiet wird aufgehoben. Bis auf weiteres bleibt noch verboten, Annahme von Frachtgurladungen nach Saarbrücken Ort, sowie Stückgutsendungen nach Saarbrücken Ort und zur Umladung in Saarbrücken, ausgenommen Lebensrnittel, Brennstoffe, Umzugsgut und Besatzungsgut.
Aus Provinz und Wachöarüeöiet.
H Hanau a. M. (Ein Kind ins Waffer geworfen.) Montag nachmittag gegen 4 Uhr sahen Kinder, daß ein Mann auf der Hellerbrücke ein kleines Kind aus den Windeln herausnahm und es in den Main warf. Dqpn eilte er davon. Das Kind wurde bald darauf herausgeholt, war jedoch bereits tot. Man nimmt an, daß es sich um einen Geistesgestörten handelt.
§ Rückers. (Die Entdeckung eines Felddieb stahls ) Als vor einigen Tagen ein hiesiger Landwirt eines Morgens auf sein Weizenfeld kam, entdeckte er zu seinem Schrecken, daß unbekannte Diebe in der vorhergehenden Nacht hier reichlich Ernte gehalten hatten. Er setzte sofort den Wachtmeister Müller in Flieden in-Kenntnis. Der Feldjäger erschien alsbald mit seinem Polizeihunde. Die sofort ausgenommen« Spur führte nach der Wohnung des BahnarbeiterS K. P., bei dem man 2 Zrr. des gestohlenen Gutes auffand. Der Dieb mußte sein Diebesgut miedet herausgeben und steht nun der verdienten Strafe entgegen.
8 Fulda. (Der Wunderdoktor.) Seit einigen
Tagen treibt hier der sog. „Wunderdoktor" seine Künste. Er soll angeblich Lahme gehend, Taube hörend gemacht haben. Es sind dies natürlich nur erdichtete, durch bestellte Agenten verbreitete Märchen. In erster Linie macht der Wunderdoktor Reklame für eine Zeitschrift. Wer sich vor Enttäuschungen hüten will, der meide das Haus dieses mittelalterlichen Hexenmeisters. Jsi's denn soweit gekontmen, daß auch die Heilsuchenden sich Abenteurern anvertrauen müssen. Gibt« denn hier in Fulda keine Spezialärzte, die die schwierigsten Krankheiten zu heilen vermögen? Gegen einen solchen Schwindel sollte Polizei einschreiten.
§ Witzenhausen. Spurlos verschwunden ist seit einigen Tagen die etwa 16 Jahre alte Tochter einer hiesigen Familie. Das Mädchen wurde zuletzt auf der Kirmes in Wendershausen gesehen und ist von da nicht ins Elternhaus zurückgekehrt.
§ Cossel. Am Hindenburgplatz wurde eine weibliche Person von einem Herrn angefallen Und zu vergewaltigen versucht. Auf die Hilferufe ^es Stäbchens kamen Beamte der Sicherheitspolizei hierbei, die den Mann verfolgten und aus einem in der Nähe liegenden Grundstück festnahmen. Das überfallene Mädchen erkannte bei einer Gegenüberstellung den Festgenommenen als den Täter wieder.
§ Eisenach. Eine weibliche Leiche, die durch längeres Liegen im Wasser unkenntlich geworden ist, wurde am Rechen bis Elektrizttätswerkes in Stockhause aus der Neffe gezogen. Dem Vernehmen nach handelt es sich um ein junges seit einigen Tagen vermißtes Mädchen von hier.
§ Leipzig. Gewissermaßen in aller Stille arbeiten die deutsche Industrie mit rastlosem Eifer daran, fich trotz der zahllosen ihr emgegentretenden Schwierigkeiten wieder zu ihrer, früheren Höhe emporzuringen. Bote unseren großen Weltsirmen, die während des Krieges die Fabrikation ihrer von keiner ausländischen Industrie erreichten Produkte einstellen mußten, erscheint eine nach der anderen wieder auf dem Plane, wobei sie häüfig, und das ist eben das Charakteristische für die Energie und die unermüdliche Schaffenskraft unserer Industriellen gleichzeitig auch mit einem ganz neuen, inzwischen von ihnen erfundenen und besonders wertvollen Produkte vor die Otffentlichkeit treten. Das sehen wir z. B. jetzt wieder an der Continental- Cautchouc- und Gtuta Percha Compagnie in Hannover, deren weltbekannte Gummireifen vor dem Kriege bet fast allen großen Rennen den Steg davonzutragen pflegten. Sie hat ein neues Reifenprofil in den Handel gebracht, das berufen erscheint, eine fühlbare Lücke auf dem deutschen Reifenmarkt auszufüllen. Dieser Reifen hat seinen Namen „Continental Querrippen extra stark" mit Bezug auf feine äußeren Merkmale erhalten. Derselbe ist ein Gummigleitschutzreifen, bet dem dre seitlich angeblich angebrachten Rippen, von denen eine immer dem Hohlraum zwischen zwei Rippen auf der anderen Seite der Lauffläche gegenüber liegt, gut eingretjen und als Gleitschutz wirken. Ein besonderer Vorzug dieses Reifens besteht darin, daß er sich äußerst langsam abnutzt.
Wirtschaftliche Wochenschau.
Politische Ardeiterräte. Mit auffälliger Energie arbeitet die kommunistische Partei an der Einrichtung politischer Arbeiterräte. Sozialdemokraten und Unnbhängige haben sich gegen diese Einrichtung ausgesprochen, in der sie eine neue Zersplitterung der politischen Organisation der Arbeiterklasse sehen. Was die politischen Arbeiterräte find oder sein wollen, das setzt Tag für Tag die Rote Fahne auseinander. Sie sollen der Ausdruck des M^ffenwillens, Kampf- und Machtorgan für die kommende Revolution sein. In einigen Groß-Berliner Betrieben find tatsächlich schon politische Arbeiterräte gewählt worden. Auch in München hat sich eine Versammlung der Betriebsräte für die Wahl ausgesprochen, ebenso in Stuttgart, wo die Belegschaft der Daimler-Werke die Wahl forderte. Die unmittelbaren Aufgaben der politischen Betriebsräte find nicht gerade harmloser Natur. So setzt die Rote Fahne auseinander, daß die Arbeiterräte den Eisenbahnverkehr zu überwachen hätten, um jede verdächtige Sendung festzuhalten. Es ist klar, daß sich kein Staat am wenigsten eine freie Demokratie die« Eingreifen einer bestimmten Gruppe in seine Rechte gefallen lassen kann. Wie immer übersetzen die kommunistischen ®in« peitsch« die Folgen ihres Tun und Sassen».
Wenn sich wirklich Arbeiterröte so viel politisch Macht anmaßen, um den Eisenbahnverkehr lahmzulegen, so müssen sie fich auf die Gegenwehr des Staates und der Gesellschaft gefaßt machen. Wird heute ein Munitionstransport für die Sicherheitswehr auf ein totes Gleise geschoben, so kann es morgen einer anderen Gruppe einfallen, keine Lebensmittelzüge mehr in die Städte zu lassen, in denen politische Arbeiterräte im kommunistischen Sinne schalten und walten. Es ist keine Gruppe so mächtig, um den Staat und der Gesellschaft ihren Willen aufzwingen zu können. Für die Kommunisten greift diese Erwägung nicht durch. Sie wollen ja die Herrschaft mit Gewalt an sich reißen, diese auch solange behaupten, bis die gesamte Erzeugung sozialisiert ist. Das aber kann Jahrzehnte und noch länger dauern. Und inzwischen schwächt der Bürgerkrieg das Volk, so daß es das kommunistische Zeitalter überhaupt nicht erleben wird. Die Wahl politischer Arbeiterräte ist zweifellos ungesetzlich. Wenn sie »ersucht, die Demokratie zu zerstören, so müssen diese Versuche mit den schärfsten Mitteln abgewehrt werden. So verfährt auch der Kommunismus in Rußland. Der Staat hat deshalb die Pflicht, einzuschreiten, wenn die Wahl politischer Arbeiterräte als Kampforgan für die Revolution festgesetzt werden sollte.
Deutsche Schiffahrt. Außer der Hamburg- Amerika Linie hat auch der Norddeutsche Lloyd Verhandlungen mit einer nordamerikanischen Schiffahrtsgesellschaft eingeleitet. Während die Hapag mit der Harrimanzruppe abgeschlossen hat, sucht Llopd eine Verbindung mit der United States Mail Steamship Companp einzugehen. Nun wird es Jahre dauern, bis sich die deutsche Flagge wieder in allen Häfen des Erdballs zeigt. Immerhin sind die Anfänge für eine neue Handelsflotte da, nachdem uns Versailles die stolze Flotte der Vorkriegszeit bis auf dürftige Reste geraubt hat. Ueber das Abkommen der Hapag mir Harriman sind in dieser Woche Einzelheiten bekannt geworden, die beweisen, mit welchen Mühen die Einrichtung regelmäßigen Schiffverkehrs über den Ozean verknüpft war. Die Harrimanzruppe stellt jährlich 40 000 Tonnen Passagierschiffe. Ob die Hapag zunächst ebensoviel herausbringen kann, ist ungewieß. Einstweilen geben beide Teile zwei Passagierschiffe von je 17 000 Tonnen in Bai. Weiter hat die Hapag be den deutschen Werften Frachtschiffe mit einem Gesamt- raum von 185 000 Tonnen in Auftrag gegeben. Diese können nicht sorfort ausgeführt werden, denn wir find verpflichtet, auf unseren Werften jährlich 200 000 für den Verband zu bauen. Das nimmt angesichts der Knappheit der Rohstoffe deren Tätigkeit vorläufig fast ganz in Anspruch. An sich sind unsere Werften von hoher Leistungsfähigkeit. Sind einmal die wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden, so ist eine größere Ausnutzung der Werften möglich. Bis dahin wird die deutsche Flotte nur langsam wachsen. Der Vertrag, den Llopd mit der Steamship Company «-schließen will, ist ähnlich aufgebaut wie der Hapag- Harrimaa Vertrag. Es ist also damit zu rechnen, daß die deutschen Schiffahrtsgesellschaften zunächst wieder in das Paffagiergeschäst mit Nordamerika kommen. Das Frachtgeschäft wird erst wieder ausgenommen, sobald wir über eigenen Schiffsraum verfügen. Aber die deutsche Flagge, die nahezu sechs Jahre fast völlig von den Meeren verschwunden war, taucht wieder auf. In den Verträgen ist nämlich bestimmt, daß alle Fahrten für deutsche Rechnung unter deutscher Flagge geschehen müßten. Wenn also ein Schiff der Harrtmaa- gruppe für deutsche Rechnung fährt, wird es die deutsche Flagge zeigen. Daß das Geschäft mit den Vereinigten Staaten langsam wieder in Fluß kommt, das zeigt die Außenhandelsstatistik der nordamerikanischen Union. Sie rechnet jeweils vom 1. Juli bis 30. Hunt. In der Zeit vom 1. Juli 1919 bis 30. Juni 1920 find für 200 Millionen Dollar aus den Vereinigten Staaten eingeführt worden, worin allerdings auch die Lebensmittelkäufe der deutschen Regierung enthalten sind. Die Ausfuhr aus Deutschland war nicht so erheblich, überstieg aber immerhin 100 Millionen Dollar.
Die Leipziger Messe Die technische Auster- messe in Leipzig hatte mit ungünstigen äußeren Ver- Hältnissen zu kämpfen. Auf den Besuch wirkten nicht nur der russisch-polnische Krieg ein, mehr noch die Undurchdringlichkeit der nächsten Zukunft. Das Ausland war nicht so stark vertreten, wie erwartet wurde. An sich hatte das die Messe nicht verdient, denn sie war