ZchlüGerner Mtung
Anzeiger für die amtlichen Zekannlmachungen im Kreise Schlüchtern.
Z ^difiiefitertter Lr-isSlatt
«ezngSpreiS frei HauS, voraus? viertelst 5,80 Mk., (durch die Post ohne ! gkid). Erscheint DienStagS, Donnerstags SamStagS. Druck und Verlag C. Hohmetster, verantwortl. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.
Weiteste Seltusg im «reife; gegritoet im Jahre 1849
Es,«reigen: N. Zeile oder beten Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2,— Mk. Bei Betriebs- flSrungcn kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Bewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglicferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
M 105
Dienstag, den 7. September 1920
73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis
Schlüchtern, den 6. September 1920.
—* Herr Obersteuersekretär Krull vom hiesigen Finanzamt wurde zum Steuerinspektor ernannt.
—* Da es uns bis zur Stunde gänzlich unmöglich
war, den Mann mit der Liste vom „F.-V. Schlüchtern 1910“ ausfindig zu machen, sind wir leider nicht in der Lage, die Resultate der gestrigen Wettkämpfe am Aetsbrunnes M veröffentlichen. Erwähnt sei, daß Schlüchtern in allen Teilen gut gLg.rsHnitten hat.
—* Die hiesigen U. T.-Ltchtspirle Lringeü in der Zeit vom Freitag bis Sonntag den 1. Teil des großen Sensationsfilms „Der Hund von Baskerville". — Herr ppn Baskerville, der Inhaber einer großen Besitzung, war gestorbey. Ppn seinem Tode wurde der Universalerbe des ungeheueren Reichtumes, Henry von Bask^r- vM, benachrichtigt, jedoch gleichzeitig mit den Worten ^enn IHM« Ihr Heben lieb ist, kommen Sie nicht "% ' ML der Uebernahme seiner großen
Dessen ungeachtet reiste Henry
von Baskerville sofort ab. ~
seiner Ankunft von der Dienerschaft «../ ~^
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Ehrenbezeugungen empfangen. Unter der befand «cy aber einer, der einer Hund besaß, von dem es hieß, daß er Tod und Verderben bringe. Jedoch das Leben im Schlosse und in den Gehöften ging auch unter dem neuen Herrn seinen alten Gang weiter, ohne daß etwas Sonderliches vorfiel. Da war nun ein entfernter Verwandter, des verstorbenen Herrn von Baskerville, der war viel in der Welt herum gekommen und infolge seines liederlichen Lebenswandels auf schiefe Bahn geraden. Dieser Mensch lechzte nach dem Blute des jungen Herrn, und so trat von verschiedenen Seiten immer wieder die Mahnung an Henry heran, nur nicht die Mauern seiner Besitzung zu verlassen, da er sonst dem draußen lauernden Tode in die offenen Arme laufe. — Wir sehen im weiteren Verlaufe der Handlung noch einen Detektiv, den Henry von BaSker- vtlle hat kommen lassen, auftreten und die Spur des verbrecherischen Verwandten in unermüdlicher Weise verfolgen. Es beginnen nun abenteuerliche Kämpfe auf Leben und Tod, über deren Ausgang wir uns am kommenden Freitag, Samstag oder Sonntag abend durch einen Besuch der U. T.-Lichtspiele überzeugen werden. — Ein recht zahlreicher Besuch der Abende wird unseren beliebten Kinobesitzer Herrn Denhard ansporen, des öfter» derartige Sensationen nach Schlüchtern zu bringen. Der 2. Teil des Hundes von Baskerville wird acht Tage später über die Leinwand rollen.
—* Kein Steuerabzug vom Kapital bei Rückzahlung von Sparkassenguthaben. In Sparerkreisen ist die irrige Meinung verbreitet, daß bet jeder vom Sparguthaben geleisteten Rückzahlung durch die Sparkassen 10 Prozent in Abzug gebracht werden. Es liegt hier eine Verwechselung mit der Kapitalertragssteuer vor, bei der ein Abzug von 10 Prozent bet den Zinsen stattfindet; die Kapitalien unterliegen einer solchen Steuer nicht, es findet also kein Abzug bei den Kapital-Rückzahlungen statt.
—* Alle ehemaligen Kriegsgefangene, die nach dem 11. November 1918 aus der Gefangenschaft zurückgekehrt find und noch Anspruch auf die wirtschaftliche Beihilfe zu erheben beabsichtigen, werden ersucht, ihren Antrag bis spätestens zum 1. Oktober 1920 der hiesigen Kriegsgefangenen- Hetmkehrstelle (Kreisfürsorge-Amt) unter Beifügung ihres Entlassungs scheines einzureichen. Spätere Anträge können nicht mehr berücksichtigt werde».
—* (Eme wirksame List.) Ein Kölner Bürger suchte lauge eine neue Wohnung. Alle seine Bemühungen waren vergebens. Schließlich verfiel er auf einen Trick. Er ließ in die Zeitung setzen: „Amerl- kauer sucht leere Wohnung." Der „Amerikaner" zog. Während dem Landsmann nicht eine einzige Wohnung zur Verfügung stand, wurden dem „Amerikaner" auf der Stelle zehn leere Wohnungen angeboten, die dem Wohnungsamt zur weiteren liebevollen Behandlung angegeben wurden.
—* (Das Benzin bleibt teuer.) Die in vielen Kreisen bestehende Hoffnung, daß der Benzinpreis, der seit Juni um mehr als 2.50 Mk. pro Kilogramm herabgesetzt worden ist, für September eine weitere Senkung erfährt, wird sich nach Mitteilung von zuständig« Stelle leid« nicht erfüllen.
—* Der Deutsche Genossenschaftsverband und der Reichsverband des Deutschen Handwerks haben im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsminister der Finanzen 3 verschiedene vereinfachte Muster von Lager- und Steuerbüchern für Handwerker aufgestellt. Der Herr Reichsminister der Finanzen hat die Benutzung solcher Bücher als hinreichende Befolgung der Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes über die Aufzeichnungs- und Buchführungspflicht anerkannt. Die Handwerker- kreise seien darauf hingewiesen,
Hk. Stenographische Prüfung. Das Stenographische Prüfungsamt der Vereinigten HandelskaMAern Frankfurt a. M. -Hängn Manstaltel am 19. September 1980 vormittags 9 Uhr eine Prüfung für Geschäfts- stenographen und Verhandlungsstenographen (Praktiker). Die Teilnahme ist auch Auswärtigen gestattet, Anmeldungen nimmt bis, spätesten« d:n 15. September 1920 die HauptarfLÄtsSette Frankfurt a. M.. Neue
Haupt^schästsstelle Frankfurt a. M., Neue et 83, in der Zeit von 9—3 Uhr entgegen.
Börse Zimme _
Bet der Anmeldung ist Geburtsdatum und Geburtsort sowie der jetzige Wohnort Luzugeben. Die Prüsungs- gebühr beträgt für Geschäftsstenographen Mk. 20,— und für Verhandlungsstenographen (Praktiker) Wk. 30.— Die Gebühr ist Hey ApMdnng Heizufügen,
* Elm. Am Mittwoch, den 1. September feierte Lauptlehrer Beck das Jubiläum seiner 25jährigen Amtstätigkeit in der Gemeinde Am. Eine Gemeinde, die ihre Lehrer ebrt, ehrt sich selbst. So ließ es sich die Gemeinde nicht nehmen, dem Jubilar an ferrmn Ehren- lag ihre Danidarkrir, zu bezeugen. Herr Pfarrer Seyd beglückwünschte den Jubila«. im Namen des Schulvor- standes und der Kirchengemeinde und Herr Bürgermeister Kreß mit dem Gemeind?rat im Namen der Gemeinde unter Dank für die der Jugend geleisteten
treuen Dienste. Auch wird die Gemeinde ihrem Lehrer zum Andenken ein Geschenk stiften. Abends vereinigten sich die Beteiligten noch zu einem gemütlich ZusMMkR- sein.
* Steinau. Hier kam es vor einigen Tagen zu einem wüsten Ehedrama, im Verlaufe dessen der Garte seine ungetreue Gemahlin und deren Hausfreund im Hemde auf die Straße warf. Eine große Menschen- menge war Zeuge des Vorfalles.
* Soden. Das am verflossenen Sonntag im Kursaal veranstaltete Concert des Gesangvereins „Lieder- kranz" legte Zeugnis ab von den guten Leistungen des Chores und von dem großen Aufschwung, den der Verein unter Leitung feines Dirigenten Herrn Schirmer in Hatler gewonnen hat. Ein reichhaltiges Programm, für dessen Abwechslung die bewährten Künstler und gern gesehene Gäste aus Frankfurt a. M. Herr Adolf Müller, Concertfänger und Herr Trauner, Cellist bei- trugen, verschönten den Kranz der znm Vortrag gebrachten Lieder. Der Saal war bis auf-den letzten Platz gefüllt und die Besucher zollten gerne Sängern und Künstlern den wohlverdienten Beifall. Wir wünschen dem Gesangverein „Liederkranz" ein weiteres Aufblühen und Gedeihen.
* Uurichshausen. Die Brüder Joh. Aug. und Joh. Gg. H. von H. (Rhön), beide Bergleute in Heine (Westfalen), hatten tm Oktober 1919 bei zwei hiesigen Einwohnern zusammen 5 Gänse gestohlen, wofür sie mit je zwei Monaten Gefängnis bedacht wurden.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
§ Hanau a. M. Eme peinliche Szene ereignete sich am Montag vergangener Woche auf dem Frtedhofe. Es war auf 10 Uhr die Beerdigung eines Kindes angesetzt, doch als der Pfarrer und die Leidtragenden erschienen, wurde ihnen mitgeteilt, daß die Frievhofs- ardeiter streikten und daher kein Grab gegraben hätten. Den Angehörigen des verstorbenen ftinM wurde nun gestattet, dieses in einem bereits auSgehobenen Kinder- grube beizusetzen. Nachmittags 5 Uhr sollte dies geschehen, doch erwies sich das Grab als zu klein, und so mußte denn die Verbindung mit einem anderen Grabe durchgestoßen werden; dadurch kam dann eine provisorische Bestattung zustande. Diese Arbeit wurde, da sich andere Leute fürchteten, sich eines Streikbruchs schuldig zu machen, vom Barer und Bruder deS verstorbenen Kindes, sowie von anderen Leidtragenden auSgeführt. Die zahlreichen Besucher des FriedhofS wurden durch diesen Vorgang peinlich berührt, und der Geistliche verlieh diesen Eindrücken auch treffende Worte; er sagte, er habe noch nie einen Vater seinem Kinde .das Grab schaufeln sehen, im Felde hätte er
manchen Feind bestattet und dessen Grab fei geschmückt worden, da für den Deutschen der Feind im Tode nicht mehr Feind sondern Mensch gewesen sei.
v Lrft°^furt a. M. Dieser Tage hat die größte deutsche Lokomotive, die je gebaut wurde, Frankfurt passiert. Sie stammt aus den Kasseler H-nschelwe^en und hat die dreifache Zugkraft der Normalmaschinen. Die Lokomotive ist zum Dienst auf der badischen Schwarzwaldoahn bestimmt, eine der schwierigsten Streckm DeutsHtavds. Dort soll sie bis zu 400 Zugtonnen leisten.
§ Fuldtz. Ein- Beleidigung des Landrats von Hum-;d beschäftigte zum zweiten Male die hiestge Ferienstrafkammer. Im Februar d. Js. hatte der 41jährige Kaufmann Carl Wilhelm Medler von Hün- feld, Hauptstraße 53 eine ganzseitige Ankündigung in der „Hünfelder Volkszettung" erlassen. Die Anzeige enthielt beleidigende Behauptungen wegen Viehhaltungs- angelegenheiten. Die Staatsanwaltschaft griff ein und die Regierung sah sich veranlaßt, Aufschlüsse über den Sachverhalt einzuziehen. Der Angeklagte wurde wegen wissentlich falschen Anschuldigungen zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und der Landrat außerdem ermächtigt, den entscheidenden Teil des Urteils nach Rechtskraft einmal auf Kosten des Angeklagten in der „Hünfelder Volkszeitung" zu veröffentlichen.
8 Bebra. Der 21jährige Christian Lambach in Lispenhausen, Kreis Rotenburg, erhielt bei einem Fußballwettsp.'e! in B-öra durch einen Tritt eine derartige Verletzung, ^daß er an den Folgen 10 Tage später starb.
§ Hannöversch-Münden. Hier wurde ein großes Grab aus der Merowingerzeit freigelegt, in dem sich nicht weniger wie 100 menschliche und 4 Pferdeskelette befanden. Außerdem wurden Töpfe und Krüge, Bronzeschwerter und Speere und als ganz seltenes Stück das lebensgroße Bronzerelief eines fränkifchen Kriegers gefunden. Der Wert der gefundenen Gegenstände ist unermeßlich, da bisher ein solch gewaltiger Fund aus der Merowingerzeit in ganz Deutschlemd noch nicht gemacht wurde.
§ Eisenach. Mit Wirkung vom 1. September ab hat die hiesige Schneiderinnung einen Preisabbau von 10 Prozent für alle Schneiderarbeiten angenommen.
„Diktator Moskau."
In der Frage des internationalen Zusammenschlusses der Arbeiter bekämpfen sich bekanntlich eine gemäßigte Richtung: die 2. Internationale, die in Genf tagte und eine radikale Richtung: die 3. Internationale, die letzt- hin in Moskau tagte. Die von Moskau ausgehende Bewegung wächst sich immermehr zu einer Diktatur der russischen Führer aus. Diese wollen die deutschen U. S. P. zum Anschluß bewegen, verlangen aber strikte Unterwerfung unter die Moskauer Forderungen. In- nerhalb der U. S. P. selbst find um diese Frage, die tatsächlich über die zukünftige Entwickelung der Partei entscheidet, lebhafte Kämpfe entbrannt. Auch die K. A. P. D. (Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands) hat sich zum Anschluß an die Moskauer Internationale bisher nicht entschließen können. Im Gegenteil! Ihre Vertreter kehrten aus Moskau keineswegs entzückt zurück. Wie die Frankfnrter Zeitung am 30. d. MtS. im Morgenblatt mitteilt, erklärten sie, in Moskau könne man sich nicht wie in Berlin frei bewegen, man könne auch nicht legal arbeiten, denn man sei dem Exakutivkommitee vollständig ausgeliefert. Kein Mensch könne einen Schritt auf die Straße tun, wenn es dem Kommitee nicht gefalle und ohne, daß die Kommissare es wüßten. Die Die Diktatur Moskaus wollen stch auch die gemäßigten Elemente der U. S. P ntcht gefallen lassen. Am 39. ih Mts. schreibt Hilferding, Redakteur der unabhängigen .Freiheit" am Schluße eines längeren Artikels: Die Probleme des Anschlusses:
Ja Westeuropa ist diese eiserne militärische Disziplin, diese Orgamsationsform, die die Massen der Mitglieder dem Diktat der Leitung bedingungslos unterwirft, eine blanke Unmöglichkeit. . Das lassen sich sozialistische geschulte Arbeitermassen einfach nicht gefallen! Die Uebertragung dieser russischen Form wäre einfach eine Tollheit. Die Bestimmungen über die Organisation allein machen die Moskauer Bedingungen unannehmbar."
Der deutsche Arbeiter solUe sich also sehr bedenken, ehe er sich auf Gnade und Ungnade der bolschewistischen Diktatur, dtz auch für ihn nichts Gutes bedeutet, in die Arme wirft,