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Anzeiger für die amtlichen Lekannlmachungm im Kreise Schlüchtern

«eruaSpreis frei HauS, vorauSzahlbar viertel,. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell« seld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwortl. H.-T. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Be« schSstSverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlüchterner Lreisölatt Z

Netteste Zettmg iM Kreise; gegrSxdet in; Jahre 1849,

igen: kl. Zeile oder deren Raum ;fg., Reklamezeile 2, Mk. Bei Betriebs«

störungen kein Schadenersatz oder Minder« gebühr einschließlich BezugS.

für Platz, Aufnahme-Zeit und Bele^ Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwis

Keine Gewähr

Zählkarte Frankfurt a.

K 107. Samstag, den 11. September 1920.

73. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

GchMHreru, Leu 10. September 1920.

* Bei der am 7. u. 8. d. Mis. am Hies. Lehrer- tseminar abgehaltenen Abschlußprüfung der Klaffe D für jj ! Kriegsteilnehmer bestanden sämtliche 45 Prüflinge. | Zehn Kursisten würben. von der mündlichen Prüfung I befreit.

* Die Kartoffelernte gelangt zur Höhe. Bei M beu gegenwärtigen Verhältnissen ist allerdings damit 4 zu rechnen, daß sie erst gegen die Mitte oder zu Aus- 1 gang des Oktober beendet sein wird. Welchen Wert »die im Frieden nicht von jedermann geschätzte Kartoffel I besitzt, haben wir im Kriege und auch im letzten Jahre -M gelernt. Es ist leider viel Wucher damit getrieben M worden, und es kann gar nichts schaden, wenn die M Stadtbevölkerung immer mehr zur alten Gewohnheit, Mdte vielfach in Vergessenheit geraten war, ein Stück M Land selbst mit Kartoffeln zu bebauen, zurückkehrt. U Wir bleiben bei unseren Salz- und Pellkartoffeln, auch M Kartoffelklöße sind nicht zu verachten und lassen dem M Franzosen seinehommes irites". Die deutsche Kar- M toffelkrnte vor 1914 ist auf 38 Millionen Tonnen im G Jahre geschätzt worden. Die Welternte in Kartoffeln R betrug etwa 100 Millionen Tonnen. Durch den Ver- lust der ostdeutschen Gebiete an Polen hat unsere Kar- | toffelproduktion leider eine erhebliche Minderung I erfahren, die doppelt die Vergrößerung unserer An- | baufläche empfiehlt.

I* Von den anläßlich des am 5. September 1920 | stattgefundenen Sportfestes des Fußball-Vereins Schlüch- I teru 1910 zur Verlosung gekommenen Gegenständen sind noch die auf Lose Nr. 70, 1056, 1350, 1398, I 1488, 1521, 1876 entfallenen Preise gegen Abgabe I der Lose bis spätestens 20. Sept. d. Js. bet Herrn I Friseur Reinhols Rollmann, Schlüchtern, Fuldaerstraße I abzuholen.

I* (Allgemeine Arbeitsdienstpflicht?) Wie der I Münchener Vertreter der Täglichen Rundschau meldet, 1 bereitet das RetchsarbeitsmiNistertum einen Gesetzent­wurf zur Einführung einer allgemeinen Ardeusdtenst- k Pflicht im deutschen Reich zwecks Behebung der Notlage des Reiches und Erfüllung der wirtschaftlichen Frie« I densbedingungen vor.

s (Die Erwerbslosenunterstützang steuerfrei.) Der RetchSarbeitsmmister hat im Einvernehmen mit dem ReichSstnanzmintsrerium festgestellt, daß die Er- werbslosenuulerftützung zu den steuerfreien Bezügen zu [ rechnen ist. Ferner hat sie Reichsregterung beschlossen, die Unterstützung, die die Gewerkschaften zahlen, nicht ! mehr auf die EcwerdSlosenunterftützung anzurechnen.

* (Erledigte Schulstellen.) 17 erledigte, zur Zeit weist auftragSweise verwaltete Schnlstellen sind sogleich zu besetzen, uno zwar in Crumvach, Elgers- Hausen, Obervellmar uno Wolfsanger ^Landkreis Caffel), Löhlbach (Kreis Fiankeuberg), Obervorschütz (Kreis Fritzlar), Mtttelkalbach, Neuenverg und Ruckers (Kreis Fulda), Tann (Kreis Gersfeld), Großauheim, Langen- drebach und Ravolzhausen (Landkreis Hanau), Nieder- Möllrich (Kreis Weisungen), Marbörn (KreiS Schtüch- tern) und Etchenberg (Kreis Witzenhausen). Darunter sind je eine evangelische und katholische Hauptlehrerstelle | und noch 5 katholische Stellen.

* (Postsendungen nach Polen.) Wie erst jetzt bekannt geworden ist, hat die polnische Posidtrektion in Posen vor einiger Zeit ihre Postanstalten angewiesen, alle von Deutschlauv eingehenden Postsendungen, bet denen Bestimmungsort und Straße nicht polnisch an­gegeben sind, als unbestellbar zu behandeln. (!) Seit­dem gelangen zahlreiche nach Orten in der früheren Provinz Posen gerichtete Postsendungen mit dem pol­nischen Vermerk, daß der Ort unbekannt sei, nach Deutschland zurück. Briefe nach Posen müssen demnach, wenn sie den Empfänger erreichen sollen, die Bezetch- «««8Poznan" tragen. Wegen Aenderung der An­ordnung sind sofort Schritte emgeleüet worden. Zu- Nächst aber ist es aus Gründen der unaufgehaltenen «wrvtckung des Verkehrs nicht zu umgehen, daß die Adsendcr bet Postsendungen nach der früheren Provinz Posen den Ortsnamen und die Straße in der pol- mschen Bezeichnung angeben und als Bestimmungsland die AngabePolen" beifügen.

Ht. Der Güterverkehr nach dem Saargebiet ist w.eder vollständig frei gegeben.

Hk. Die Zwangsbewirtschaftung für Herbstkartoffel II ab 15, September aufgehoben. Verladung der steten Kartoffel ist bereits ab 5. September zulässig.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Bad Orb. Seit nahezu drei Wochen herrscht im Barackenlager Wegscheide bet Orb ganz neues Leben, es ist zu einer Ktnderkolonie geworden. Die Frank­furter Kinderhilfe hat 500 Frankfurter Schulkinder/ Knaben und Mädchen,'dort untergebracht.

§ Fulda. Großer Landhunger herrscht bei unserer Stadrverwaliung. Um denselben einigermaßen bester befriedigen zu können, werden sämtliche städtische Grundstücke, die an Auswärtige verpachtet, nunmehr gekündigt.

§ Fulda. Bei einem Einbruch in den im Erdge­schoß gelegenen Schlafraum im Heiz.Jesu»Helm wurden in der Nacht zum Dienstag einem schwerkriegsbeschä- digten Kriegsteilnehmer ein umgearbeiteter Mtlttäravzug, Vorhemd, Selbstbinder und Sportkragen, sowie Uhr und Brieftasche mit 434 Mark gestohlen. Die Täter­schaft ist noch nicht aufgeklärt. Der Dieb hat Geld und Uhr behalten und die anderen Sachen dem Be- stohlenen wieder zugestellt.

§ Castel. Der Kaufmann Gl. betrieb vor etwa 12 Jahren ein Konsttürengeschäft in Castel, lebte aber auf großem Fuße und ging schließlich nach Paris und dann nach Amerika, während die trauernden' Hinter­bliebenen, seine Gläubiger sich mit 23 Prozent ihrer Forderungen zufrieden geben mußten. Nach langen Irrfahrten landete Gl. wieder in der Heimat. Wegen Verstoßes gegen die Konkursordnung und mangelhafter Buchführung erhielt er eine Strafe von 3000 Mark, sowohl er ftch erboten hatte die Gläubiger mit 30000 Mark zu entschädigen.

Ier dreizehnte Juni, von Philipp Lotz.

Wie die alte Zeit mit ihrer Gemütlichkeit und ihren Originalen, so sind auch die alten Volksfeste, die alle einen historischen Hintergrund hatten, verschwunden. Der Ernst der Zeit läßt sie nicht mehr aufkommen, so die rheinischen Volksfeste, so der Frankfurter WäldcheStag, so der dreizehnte Juni, der Lamboywald. Wer denkt nach der Belagerung und ruhmvollen Befreiung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von anno 1636; drei Jahrhunderte wurde der Tag von Hoch und Niedrig feierlich begangen. Es war ein Volksfest ersten Ranges. Schon am Nach­mittag des 12. Juni schickten sich die Hausväter an, einen zweckentsprechenden Platz im Walde auszusuchen und die nötigen Vorkehrungen zu treffen, und um Mittag des dreizehnten zog dann Jung und Alt schaaren- weise dem beliebten Walde zu. Für Esten und Trinken wurde in reichstem Maße gesorgt. Da schickte der wackere Handwerker feinen Lehrling, der reiche Fabri­kant seine Dienstboten mit schwerbeladenem Fuhrwerk hinaus unter die Bäume. Die befreundeten Familien wählten einen benachbarten Platz. War das ein Leben und ein Treiben! Außer den zahlreichen Tanzplätzen mußte für die Familie auch ein Orgelspieler zum Tanz ausspielen. Da tanzte der Meister und die Frau Meisterin, da tanzte Geselle und Köchin, da tanzte Matrone und Greis; da tanzte Alles. War das ein Jubel und Vergnügen, auf das sich das gaßze Jahr hindurch Hoch und Nieder freuten. Auch in Schlüchtern wurde der 13. Juni als nationales Volksfest mit Scheibenschießen, Musik und Tanz auf der Platte ge­feiert. Für den Schlüchterner Bürger gab es keinen anderen Namen; der Name Acisbrunnen ist willkür­licher Aufbau und entstammt nicht dem Volksmunde. Erst die Strafbayern anno 1850 machten auch dem 13. Juni ein Ende. Es war am 13. Juni 1843. Am Abend vorher war Zapfenstreich der Bürgergarde, am frühen Morgen TagSreoetlle mit Tambour und Pfeifer. Früh nachmittags erfolgte der Abmarsch. Am Morgen wurde ein prachtvoller Hammel durch alle Gassen geführt, und jede Bürgerstochter hielt es für eine Ehre, den Hammel mit dem schönsten Bande zu schmücken. sodaß er zuletzt mit bunten Bändern voll behängt wurde. Der Hammel war der Preis für das Scheibenschießen der Bürgergarde.

_________(Fortsetzung folgt.)____________________

Ei« weißer Rade.

LautNieuwe Courant" wird drahtlos aus New- york berichtet, daß Universitätsprofessor Cravach, der in Finanzkretsen großen Einfluß besitzt, und auch auf der Konferenz von Spaa zugegen war, eine Rede hielt, worin er für die wirtschastitche und politische Unter­

stützung der augenblicklichen gemäßigten deutschen Re gierung eintrat. Er sagte, das sei die einzige Art, um Europa wieder hochzubringen, den Alliierten ihre Entschädigungen zu verschaffen und den Bolschewismus abzuwehren. Er sei der Anstcht, daß alle Berichte über die Unzuverlässigkeit der deutschen Regierung unrichtig seien. Die Entwaffnung gehe allmählich vor sich. Die Behauptungen über geheime Munitionsvor­räte seien vollständig aus der Luft gegriffen. Das deutsche Volk leide jedoch sehr viel, daher komme es, daß die Kohlenlieferungen noch nicht auf der Höhe seien. Zum Schluß erklärte sich Cravach gegen die Auflösung des Deutschen Reiches, da dies zu einem Chaos führen werde. Wenn sich diese überaus zu­treffenden Ansichten in den Ententestaaten durchsetzten, würde unendlich viel gewonnen sein. Vorläufig ist Profestor Cravach noch ein weißer Rabe unter den verbohrten Deutschlandfeinden in den Ententestaaten.

f Wtlthä»dkü

(Die Steuervorrechte der Beamten.) Von zu­ständiger Stelle erfahren die Politisch^Parlamentartschen Nachrichten, daß der preußische Minister des Innern zugleich im Namen des Finanzministers auf eine An­frage des deutschen StädtetagS erwidert hat, alle Steuervorrechte der Beamten seien durch das Reichsein- kommensteuergesctz aufgehoben.

Berlin, 10. Sept. (Kredit Italiens an Deutsch­land.) Wie es heißt, wird Italien Deutschland bet der Banca d'Jtalia, der Staatsbank, auf den 1. Dezember ein Guthaben von 21 Millionen Lire zu Ernährungs- zwecken eröffnen.

Berlin, 7. Sept. (Mord.) Ein Holzsammler fand gestern im Grunewald 2 Karions, in denen sich in Papier gehüllt ein angebrannter menschlicher Kopf und andere Leichenteile befanden. Nach dem Ergebnis der Untersuchung dürfte die ermordete Person ein etwa 17 Jahre altes Mädchen gewesen sein.

Beratungen über eine Zwangsanleihe find, wie dieDeutsche Allg. Ztg." mitretlt, im Reichsfinanz« Ministerium noch nicht abgeschloffen. Der Plan wird von verschiedenen Seiten mit gewichtigen Gründen vertreten, doch bestehen auch mancherlei Bedenken. Es ist damit zu rechnen, daß in allernächster Zeit der Oeffentlichkeit genauere Mitteilungen darüber unter- drettet werden.

(Ueber die nächsten Wahltermine.) Ueber den Termin der preußischen Landtagswahlen, der Neuwahl des Reichspräsidenten und der noch nicht erledigten Reichstagswahlen in den Abstimmungsgebieten ist, wie dieDemokratische Parteikorrespondenz" im Gegensatz zu Preffemeldungen erfährt, noch nichts bestimmt. Das wäre höchst bedauerlich. Wir glauben aber zu wissen, daß im ReichZkabinett Strömungen vorhanden find, die auf ein beschleunigtes Tempo in der Aufrollung dieser Frage hinwirken.

(Beihilfe für die Erwerbslosen.) Wie der Vorwärts" mitteilt, erklärte der Retchsarbettsmintster Dr. Brauns in der Sitzung des Volkswirtschaftsaus- fchusses, daß das Reich für eine einmalige Beschaffungs- deihttfe an Arbeitslose 50 Millionen Mark ausge- worfen habe. Unter Hinzuziehung der auf die Länder und Städte entfallenden Beträge soll jeder Erwerbslose, der länger als acht Wochen arbeitslos ist, etwa 400 bis 450 Mk. einmalige Beihilfe erhalten.

(Politisches Attentat in Japan.)Telegraaf" meldet aus Tokio, daß der Unterstaatssekretär Saigo durch einen Revolverschuß, der von einem Ausländer auf ihn abgegeben worden ist, schwer verletzt wurde.

Die-Kartoffelwirtschaft fahrt fort, böses Blut zu machen. So ist in derAltenburger Ztg." zu lesen: Aufkäufer der Retchskarioffelstelle haben den Freistaat Heimgesucht und 120 000 Zentner Kartoffeln im Rönne« burger Bezirk, 80 000 Zenmer im übrigen Ostkreis und 70 000 Zentner im Westkrels, zusammen 270 000 Ztr. zum Preis von je 32 Mk. aufgekauft. Diese Kartoffeln werden also im Reich in der üblichen Weise herum­kutschiert werden und vielleicht w.ll eS der Zufall, daß wir sie dann erhalten, um auf jeden Zentner noch 10 Mk. Fracht zu zahlen. Teure Kartoffeln werden es auf jeden Fall, wenn wir sie durch die Reichskartoffelstelle erhalten. Mit papiernen Protesten wirb wenig ausge­richtet werden. Die Staatsregierung muß schon zu anderen Maßnahmen greifen, um diesem Umfug Einhalt zu tun, denn die Bevölkerung ist im Recht, wenn sie sich eine solche Verteuerung nicht gefallen läßt, haben doch selbst genug Landwirte schon verkündet, daß der