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Anzeiger iür Die amtlichen Lekanntmachungen im Kreise 8chlkchtern.

BezugSpreiS frei Haus, vorauszahlbar Viertels. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell- gelb). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStagS. Druck und Berlag $. Hohmeister, verantwort!. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Be- fchäftSverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlücht-nn-r Lreisbiatt

Aelteße ZertAxg im Kreise; gegrSsdet im Jahre 1849.

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B<i Betriebs-

störungen kein Schadenersatz oder Minder» gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwifchenkostnu Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

Kein- Gewähr

JS 108.

Dienstag, den 14. September 1920.

72. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Tchlüchteru, »eu 13. September 1920.

* (Keine Erhöhung der Brotration.) Von Seiten der Reichsgetreidestelle wird der kürzlichen Verlautbarung widersprochen, wonach nach dem Be­schluß der Ernährungskonferenz eine Erhöhung der Brotration für das kommende Erntejahr in Anssichr stände. Im Gegenteil seien die Aussichten für das neue Erntejahr noch sehr aussichtslos, sodaß nicht ein­mal die Erhöhung, wie sie bisher geplant war, durch- geführt werden kann.

* Wie bereits mehrfach bekannt gegeben, läuft die Frist zur Abgabe der Reichsnotopfererklärnng und Besttzsteuererklärung am 30 September d. Js. ab. Eine Verlängerung der Frist kann nur in ganz Leson ders begründeten DuSnabm-fällen auf Antrag erfolgen. Jede Person, die am 31. Dezember 1919 allein oder mit der Ehefrau zusammen ein Vermögen (Kapitalien jeder Art einschl der zu Hause aufbewahrten Grund­vermögen, Betriebsvermögen nach Abzug der Schulden) von 5000 Mk. oder darüber gehabt hat, ist zur Ab­gabe einer Reichsnotopfererklärung verpflichtet. Wer noch kein Formular erhalten hat, muß es sich beim Finanzamt aushändigen lassen.^ Wer diese Frist oer- läumt, wird mit nicht unerheblichen Geldstrafen zur Abgabe der ihm obliegeyden Steuererkläruna angehalten; auch kann ihm ein Zuschlag bis M 10 vorn Hundert der endgültig festgesetzten Steuer auferlegt werden. Gleich­zeitig wird nochmals auf die Vorteile bei Voraus­zahlungen auf das Reichsnotopfer hingewiesen. Bei Barzahlungen sind für je 100 Mk. Reichsnotopferab- gabe bis 31. Dezember d. Js. nur 96 Mk. zu ent­richten. JOte nachweislich selbstgezeichneten fünfpro- zentigen Schuldverschreibungen, Schuldbuchforderungen und Schatzanweisungen der KctegSanlethen des Deutschen Reiches werden bis zum gleichen Zeitpunkte zum Nenn­wert angenommen, die 4'/,vrozentigen Schatzanwet- sungen zum Werte von 96,50 Mk für je 100 Mk. Nenn­wert. Das ist in jedem Falle in Anbetracht des gegenwärtigen Kurswertes eine erhebliche Vergünstigung. Es liegt deshalb im größten Interesse der beteiligten Steuerpflichtigen, Anträge auf Zahlung in bar oder Kriegsanleihe möglichst sofort zu stellen, bei Barzahlung am besten persönlich. Wer glaubt, seine Abgabe nicht selbst berechnen zu können, kann die voraussichtliche Höhe jeder Zeit beim Finanzamt erfahren. Auch zur Vermittlung von Barzahlungen auf das Reichsnotopfer sowie zur Weiterleitung von Kriegsanleihepapieren^an die zuständigen Kassen ist das Finanzamt jederzeit bereit.

Feindtietze Brüder

Roman von Jost Freiherrn von Steinach. 52 (Fortsetzung.)

Uebrigens kann der sich nur in acht nehmen," fügte sie leiser hinzu,die Baronin hat ihn längst auf dem Strich, und wenn er sich noch das geringste zu Schulden kommen läßt, so ist es mit ihm Matthäi am letzten."

Sie nahm schnell von ihm Abschied, um nicht von dem Näherkommenden gesehen zu werden. Franz Lankwitz aber blieb ruhig stehen und faßte Josef scharf ins Auge, als wollte er sich seine Physiognomie ganz besonders einprägen.

Am nächsten Tage trafen sie sich wieder; diesmal erkundigte sich Franz ziemlich eingehend nach Josefs Verhältnissen, wo er vorher gedient habe, und weshalb ihm die Baronin nicht gewogen sei. Josef trank und wurde in einem gewissen Stadium unzuverlässig. Dies hatte sich schon bei verschiedenen Gelegenheiten gezeigt, so daß ihn die Baronin schon öfters hatte wollen ziehen lassen, und nur die Besorgnis, noch etwas Schlechteres zu bekommen, hatte sie bisher davon zurückgehalten.

Ein paar Tage nach Lisbeths letzter Unterredung witihrem" Franz, wie sie ihn bereits heimlich nannte, war Josef ausgeschickt worden, um neue Phenacetin- Pulver in der Apotheke machen zu lassen, die seine Herrin ihrer häufigen Migräue halber gebrauchte. An der Ecke begegnete er einem einfach gekleideten Arbeiter, der bei seinem Anblick stehen blieb und hocherfreut ausrief:Ja, Josef, bist Du es denn wirklich?"

Der Angeredete blieb nun gleichfalls stehen und faßte den anderen inS Auge. Aber er schien mit seiner

* Mit dem kommenden 1. Oktober beginnt auch für unsere Zeitung ein neues Bezugsvierteljahr. Für viele unsere zeitweiligen Leser, die sich bisher zu einem Abonnement auf dieTchlüchierner Zeitung" aus Be­quemlichkeit nicht entschließen konnten, sollte der neue Quartaisbeginn eine Veranlassung sein, durch Aufgabe eines Probeabonnements sich in die Annehmlichkeit eines dauernden Bezuges unserer Zeitung zu setzen. Erst der ständige Bezug eines Lokalblattes verknüpft den Leser eng mit seiner näheren Heimat. Denn gerade die Lokalpresse, die mit ihren Wurzeln fest auf dem Boden der heimischen Verhältnisse verankert ist, spinnt erst jene unsichtbaren und doch so dauernden Faden, die den Menschen mit seiner angestammten Scholle innig verwachsen lassen. Während die Groß­stadtpresse ihr Hauptaugenmerk darauf richtet, den Be­dürfnissen sensationslüsterner ASphaUmerrfchen gerecht zu werden, pflegt die Lokalpresse die Liebe zur Heimat und das Verständnis für deren Sonderheiten und Eigenarten. Achte deshalb niemand die Lokalpresse gering, nur weil sie nicht so protzig und marktschreierisch daherkommt wie die großstädtischenJuseratenplantagen". Und wer sich von der Richtigkeit unserer vorstehenden Ausführungen überzeugen will, der gebe zum 1. Okt ein Probeabonnement auf dieSchlüchterner Zeitung" für das erste Wintervierteljahr auf. Er wird diesen Entschluß nicht zu bereuen haben.

* Es geht von Zeit zu Zeit das Gerücht, das Finanzamt würde verlegt werden. Im Interesse aller Kreisbewohner liegt es, daß sich das Finanzamt in der Kreisstadt befindet, in der alle Orte sowieso amtliche Geschäfte haben. Es wäre geradezu unverantwortlich, würde dieses gemeinsame Interesse anderen Gesichtspunkten einer kleinen Gruppe unter­geordnet. Die Gesamtheit des Kreises kann bean­spruchen, daß ihre berechtigten Wünsche erfüllt werden.

* Der neue Darlehnskassenschein zu 1 Mark mit den Ausmaßen 6X9 Zentimeter ist auf Wasserzeichen­papier mit Vierpaßmuster gedruckt. Beide Seiten enthalten eine gegen die bisherige wesentlich veränderte Zeichnung. Die neuen Scheine dürften bald ausge­geben werden, doch behalten vorläufig wohl daneben auch die bisherigen noch Gültigkeit.

* (Genossenschaftliche Hilfe für blinde Gewerbe­treibende.) Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Stadt­rat, in Verbindung mit der Blindenanstalt Augsburg, der schäbischen Handwerkskammer und dem Verband gewerblicher Genossenschaften haben eine Ein- und Ver- kaufsgenossenschaft blinder Gewerbetreibender für den Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg gegründet.

Hk. Die Vereinigten Verbände Heimatstreuer Ober- schlefier, Hauptgeschäftsstelle Breslau 2, N-ue Taschen straße 10 haben einHandbuch für die Abstimmung

Prüfung nicht zufrieden zu sein, denn er versetzte: Habe nicht das Vergnüge« !"

Damit ließ sich aber der Arbeiter nicht abspeisen.

Na, Josef, kennst Du mir denn nicht mehr? Wir haben doch bei Schmidts, schrägüber von Deiner früheren Herrschaft, gar manchen gehoben ! Ich bin ja Wilhelm Lüdicke, erinnere Dir man!"

Jetzt ging dem Josef ein Licht anf. In der Tat bei Schmidts-in der Destillation hatte er häufig verkehrt, und mit Wilhelm hatte er manchen Nordhäuser zusammen getrunken.

Also, Du bist es Wilhelm," sagte er,Du hast Dich etwas verändert, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben."

Ja, das ist schon lange her, Du aber auch, Josef, Du bist entschieden schneidiger und hübscher geworden. Na, Kamerad, unser Wiedersehen müssen wir selbstredend begießen."

Josef war durch die Worte seines ehemaligen Trinkkumpans riesig geschmeichelt, sagte aber dennoch: Andermal, Wilhelm, augenblickliche muß ich rasch etwas für meine Alte besorgen; wenn ich sie zappeln lasse, dann reißt sie mir den Kops ab."

Na, einen können wer uns schon genehmigen, Joses, so lange kann sie schon warten. Ich weiß in der Nähe eine famose Kneipe, da wollen wir unsere nächste Zusammenkunft verabreden."

Josef weigerte sich noch, aber es war wohl mehr Schein, denn tatsächlich ließ er sich bereden, und da Wilhelm feine Spendierhosen an hatie und daraus bestand, alles zu bezahlen, so war er bald in seinem richtigen Fahrwasser.

Im Handumdrehen war sein Auftrag vergessen, aus einem Glas Bier wurden bald mehrere, aus dem

in Oberschlesten" herausgegeben, das alles Wissens­werte über die bevorstehende Abstimmung enthält. Das Buch wird Interessenten kostenlos zur Verfügung gestellt- Änmeldnngen hierfür nimmt die Handels­kammer entgegen.

Die Rothilfe im Rahmen der Weltwirtschaft.

Bei dem diesjährigen Nobelfeste in Schweden hat der eine der deutschen Nobelpreisträger, Professor Dr. phil. und Dr.-Jng. Fritz Haber, Gelegenheit genommen über die Stellung der Nathilfe im Rahmen der wirt­schaftlichen Weltgestaltung Ausführungen zu machen, denen wir das Folgende entnehmen:

Das Jahrhundert, in dem wir leben, ist von allen Jahrhunderten, die vergangen sind, dadurch unter­schieden, daß wir uns gewöhnt haben, einen unge­heuren Verbrauch von Kohle unter unsere Lebensot- wendigkeit aufzuvrhmen In früheren Jahrhunderten diente den Menschen ihre eigene physische Kraft und die ihrer Haustiere; heute ist die menschliche Kraft nur noch das Relais, das den hundertfach stärkeren Strom der Kohleenergie in die Adern des Lebens steuert. Mit diesem gewaltigen Anwachsen des Kohleyer­brauchs ist der Verbrauch aller anderen Rohstoffe in gleich ungeheuerem Verhältnis gestiegen. Die Industrie­staaten des westlichen Europas, deren natürliche Reich­tümer knapp sind, können nur fortbestehen durch die Leistungen des Erfindungsgeistes und durch die Be­schränkung der wirtschaftlichen Kämpfe. Diese Be­schränkung wird zugleich gefordert durch die Rücksicht auf die menschliche Würde. Die Kinder, die sich im Zorn prügeln, schlagen sich nicht absichtlich die Augen aus, die Völker, die die Waffen gegeneinander erhebe«, verbieten den Mord der Gefangenen, den Todschlag der Wehrlosen. Es ist ein Rückfall in die Barbarei, wenn die Lohnkämpfe dazu führen, daß die Kraaken in den Spitälern erfrieren, die Kinder ohne Milch, die Frauen ohne Wasser bleiben. Der Kampf ist der Vater aller Dinge, und der Kampf um die wirtschaft- liche Stellung ist ein Grundrecht der Mensche«, aber er darf nicht zur blinden Brntalität werden. Die Technische Nothilfe soll über den Parteien stehen, als eine Einrichtung des Staates dafür Bürgschaft leisten, daß der Kampf in den Grenzen bleibt, die mit dem Fortbestand der Kultur vereinbart sind, und daß die Achtung vor dem Recht und dem Leben der anderen in den Menschen sich festsetzt und die Wirrschaftskämpfe soweit mildert, daß sie mit dem Zukunftsbestaude unserer europäischen Wirtschaft verträglich bleiben."

Diese Ausführungen fanden den lebhaftesten Beifall bei p-n anwesenden Gelehrten aller Kulturländer.

einen Schnaps eine ganze Anzahl; Wilhelm traltieuc seinen Freund, bis er sich einen mächtigen Rausch ange­trunken hatte.

Vergeblich wartete die Baronin auf ihr Linderur Mittel; Josef kam nicht, und als Ach die Nacht Yer- niedersenkte, war er immer noch nicht zurück.

Und am anderen Morgen war er noch immer ntr da; endlich, die Baronin glaubte schon, es sei ihm etwas zugestoßen, und wollte gerade auf die Polizei schicken, da kam er die Straße .herausgeschwaukt, zum Entsetzen sämtlicher Insassen oer Villa Baron Hans war bereits in die Fabrik gefahren aber die Baronin befahl den Josef sofort in ihr Zimmer. Doch als sie ihm Vorhaltungen machte und zu wissen oerlangte, wo er sich die ganze Nacht herumgetrieben, da gab er noch patzige Antworten und das Ende vom Liede war, daß er Knall und Fall entlassen wurde.

Binnen einer Stunde war die Stelle Josefs frei.

Am Nachmittag um die bestimmte Zeir aber stand schon Fräulein Lisbech an der Garteniüre und schaute mit fieberhafter Spannung nach der Richtung, von der Franz Lankwitz kommen mußt«. Und als er am Ein» gang der Straße sichtbar wurde, da konnte sie sich nicht mehr halten, sondern rannte dem hübschen Kerl ein ganzes Stück entgegen und sprudelte vo- Vergnügen ihre willkommene Neuigkeit hervor: daß der Josef aus dem Haus« geworfen und daher seine Stelle frei sei, und daß er sich beeilen müsse, um allen anderen zuvorzukommen.

Sie haben doch gute Zeugnisse? fragte sie am Schluß.

Vorzügliche, von den angesehnsten Herrschaften!" erwiderte er lei t lächelnd-

(Fortsetzung folgt.)