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Schlüchterner Zeitung

Anzeiger für Sie amtlichen Bekanntmachungen im Greise 8chtüchlern.

Bezugspreis frei HauS, vorauSzahlbar virttelj. 6,80 Mk-, (durch die Post ohne Bestell» gelt). Erscheint DieuSlagS, Donnerstags und gamStogS. Druck und Verlag L. Hohmetster, verantwort!. H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Be- schästSverkehr . mit der Firma Schlüchtern.

Schlüchterner Msisßlatt

Aelteste Seitag im Kreise; gegriRdet im Jahre 1849.

Anzeigen: 11. Zeile oder dere r Raum 00 Pfg., Reklameznle 2,- M. Bei «etritbs- stSrungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich Bezug«. Keine GewShr für Platz, Aufnahme-Zeit und Velegliefernng. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwkschlmkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main NumwL 11402.

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Am Kartoffelverforgung in der Provinz Kessen-Waffau

führt der Oberpräsident in einem Erlaß vom 14. Sept. aus:In der Provinz Hefsen-Naffau sind 778 224 Zentner Kartoffeln durch die landwirtschaftlichen Haupt- genoffevschasten und den Großhandel auf dem Vertrags- Wege fichergestellt worden. DaS ist etwa ein Siebentel des Bedarfs der Verbraucher, berechnet nach den knappen Kopfmengen der Kriegszeit. Sechs Siebentel des Bedarfs würden somit den Verbrauchern in Stadt und Land durch den Kartoffelhandel zuzuführen sein. Der von der Zentralstelle in Berlin ohne Zutun der Landes- und Provinzialkartoffelstellen festgelegte Preis für die Vertragskartoffel brträgt bekanntlich 31,75 Mark je Zentner. Er ist für breite Schichten der Bevölkerung unerschwinglich. Diese Ueberzeugung beherrscht nicht nur die Gesamtheit der Verbraucher, sondern hat auch in immer zunehmenden Maße bei den Erzeugern volles Verständnis und ernste Würdigung gefunden. In wiederholten Verhandlungen mit den berufenen Ver­tretern der Landwirtschaft haben diese in Anerkennung der vaterländischen Pflicht, den wirtschaftlich Schwachen in dieser Zeit unerhörter Teuerung ein Durchhalten auch unter eigenen Opfern zu ermöglichen, die Zusage gegeben, daß für die Etndeckung der minderbemittelten Bevölkerung mit Kartoffeln zu einem Vorzugspreis von 20 Mark je Zentner gesorgt werden würde. Diese Zustcherung gilt für Hessen Nassau wie für den Freistaat Hessen und wird getragen von der einmütigen Willens­meinung aller landwirtschaftlichen Organisationen beider Gebiete."

Im Einvernehmen mit diesen hat der Oberpräfident für die Provinz die Unterlagen für die Bedarfsberech­nung beschafft, die BedarfSziffern auf die Kreise umge- legt und einen VertetlungSplau ausgestellt. Nach dem Ergebnis der Angestelltenermtttelungen müssen rund 1 800 000 Zentner zum Preise von 20 Mark aufge­bracht werden, um notdürftig die Versorgung der wirt­schaftlich schwachen Schichten zu sichern. Dte Stadt Frank­furt a. M. soll nach dem ausgestellten Verteilungsplan 320 000 Zentner erhallen, die wahrscheinlich aus den Kreisen Frltzlar, Gersfeld, Hersfeld, Biedenkopf, Lim- durg, Marienberg, Ufingen und Westerburg geliefert werden feilen.

Aufruf des Kurhefsischen Jenbes- ver-andes

an die kurhefstschen Landwirte zur freiwilligen Belieferung von Kartoffeln zu billigem Preise.

Die Frage der Kartoffelversorgung der städtischen Bevölkerung bewegt zur Zeit die Gemüter auf das Lebhafteste. Die Städter befürchten, daß sie sich nicht rechtzeitig und nur zu unerschwinglichen Preisen ein- beden können. Dte Landwirte find durch die vielen Verordnungen, durch die verschiedenen Preisfestsetzun­gen und endlich durch dte völlige Freigabe der Kar- toffelbewirtschaftung derart unsicher geworden, daß sie, zumal die Ernte kaum begonnen hat, dle Preisent- wickelung zunächst abwarten wollen, ehe sie verkaufen. Obwohl dies ihr Verhalten an sich begreiflich ist und den Gewohnheiten des freien Handels durchaus ent­spricht, trägt es zur Verschärfung der Lage bei, da es nur zu sehr geeignet ist, die Beunruhigung der städtischen Bevölkerung über ihre Versorgung zu ver­mehren. Ja dieser Lage haben sich die Vertreter der staatlichen Behörden, der Großstädte und der land­wirtschaftlichen Korporationen zusammengeschlosien, um

Verwirrung zu klären und die dringend nötige Beruhigung zu schaffen. Auf einer gemeinsamen Be- sprechung zu Marburg ist beschlossen worden,die Kartoffeln für die minderbemittelte Bevölkerung zu einem Vorzugspreis von 20 Mark pro Zentner durch eine freiwillige Umlage der Landwirtschaft auszu» bringen, wogegen es dem Landwirt freibleiben soll, die ihm darüber hinausverbleibenden Kartoffeln zum lreien Handelspreis zu verwerten.

1800 000 Zentner sollen durch diese Umlage ^°n den Landwirten der Provinz Hessen-Nassau auf« Fracht werden, die Unterverteilung ist die Sache der Kreise und Gemeinden im Einvernehmen mit den Vertretern der Landwirtschaft.

Die Vertreter der Landwtrtschast haben, obwohl sie dessen bewußt sind, daß die Produktionskosten in vielen Fällen höher sein werden, diesem Vorschläge iugestimmt in der Ueberzeugung, daß dadurch die Versorgung der Städte ganz wesentlich erleichtert

Samstag, den 25. September 1920. 72. Jahrgan«

wird, sowie in der Hoffnung, daß eine Beruhigung der Bevölkerung nunmehr eintreten wird.

Landwirte, wir wenden uns an Euch, damit Ihr unsere Zusage nunmehr erfüllt! Was wir Euch zu- muten, einen Teil Eurer Kartoffeln freiwillig zu einem- geringeren Preis herzugeben, es soll dem allge­meinen Frieden dienen, es soll die breite Brücke der Verständigung zwischen Stadt und Land schlagen helfen. Darum laßt uns diese Umlage als eineEhren­sache" betrachten, von der sich niemand ausschließen darf, deren Erfüllung Ihr selbst kontrollieren müßt. Denke und handle jeder nach dem alten genossenschaft- lichen Wahlspruch:Einer für Alle, Alle für Einen!"

Darüber hinaus aber richten wir an alle Landwirte die Mahnung, mit ihren Forderungen für die nach Erfüllung der freiwilligen Umlage noch verbleibenden Kartoffeln Maß zu halten und keinen Preis zu fordern der über den gesetzlichen Mindestpreis von 25 Mark hinausgeht.

Kurhessischer Landverband: Landwirtschaftskammer Gaffel. Bezirksverband der Bauernschaft KurheffenS. Hessischer Verband ländlicher Genossenschaften. Verband der landwirtschaftlichen Genossenschaften. Bund der Landwirte.

Deutscher Bauernbund.

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, den 24. September 1920.

* Die Erneuerung der Safe zur IV. Klasse der 16. Pr. Südd. 242. Pr. Klaffenlotterie muß bei Verlust des Anrechts bis Freitag, den 1. Okwber abends 6 Uhr erfolgt sein.

* Dem bisherigen kommiffarischen Leiter des Finanzamts Schlüchtern, Obersteuersekretär Schewe, wurde die endgültige Leitung unter gleichzeitiger Be­förderung zum Obersteuerinspektor übertragen.

* Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, hält der hiesige Kriegerverein am kommenden Sonntag eine Veranstaltung zur Ehrung der Veteranen verbunden mit Familienabend ab. Zu der Generalprobe hat jeder Zutritt, zu der eigentlichen Feier nur Vereinsmitglteder und deren Angehörige. Nach den Aufführungen gemüt' liches Beisammensein beim Kaffee. Kuchen ist mitzu- briugen.

* (Union Theater Schlüchtern.) In der Zeit, vom Freitag bis Sonntag kommt in den hiesigen U.-T.sßidjtfpielen der FilmRetter der Menschheit" zur Vorführung. Eine Fachzeitung schreibt darüber kurz den JnhaÜ: Das Filmwerk erfüllt den Zuschauer mit außerordentlicher Spannung. Es arbeitet Scene für Scene mit hochdramatischen Mitteln, die der Regisseur Carl Reißer mit großem Geschick verwendet hat. Die Inszenierung der Straßenkämpfe im Vor­spiel stellt ein Meisterstück dar. Auch sonst zeichnet sich der Film durch lebenstreue, effektreiche Gestaltung aus. Baß alle Rollen mit erstklassigen altbewährten Schauspielkräften besetzt sind, kommt ausgezeichnet zur Geltung. Harry Liedtkes Spiel ist so lebenswahr, daß es bei der Darstellung von Hausers schwersten Stunden zu Tränen zu rühren vermag. Er, als auch seine Partnerin Käthe Haack, zwingen den Zuschauer zum Miterleben. Wir wollen hier für Liedtke einmal das Wort desKönigs der weißen Wand" prägen. Ludwig Rcx spielt den Schuldbewußten Generaldirektor mit großer Kraft und Walter Formes als sein Sohn vermag den zynischen Nebenbuhler mit lebensechter Mimick wiederzugeben. Den kalten rücksichtslosen Verbrecher in Verkleidung bringt Alexander Eckert wirksam zum Ausdruck Die Photographie des Films ist von wunderbarer Klarheit, die besonders bei vielen Außenaufnahmen überraschend wirkt. Der Film wird auch im Ausland Erfolg haben.

* (Fußball.) Am kommenden Sonntag beginnen wieder die diesjährigen Verbandsspiele. An diesem Tage stehen sich auf dem hiesigen Sportplatz die 2te Mannschaft Fußdallverein Schlüchtern 1910 und der Stetuauer Fußballklub gegenüber.

* DasFuldaer Tageblatt" schreibt in seiner Nummer 219 vom 22. ds. Mts.:(Aerztliche Instru­mente kein Betriebsvermögen.) Die in Aerztekreisen vielfach erörterte Frage, ob Instrumente und sonstige, für die Ausübung des Aerzteberufs notwendigen Gegenstände als Betriebsvermögen bei der Steuerer­klärung für das Reichsnotopfer in Betracht kommen, ist nach einem Bescheide des Retchsfinanzministeriums,

^iwm«iiMin»Mi«Mr,mi»io,.^^ ^ **. der in denAerztlichen Mitteilungen" veröffentlicht wird, verneint worden." Wir haben daraufhin beim Finanzamt Schlüchtern" in dieser S : Erkundig­ungen eingezogen und den Bescheid erh^.en, daß nach dem Vordruck für HeSteuererklärung zum Reichs­notopfer", wo es unter A 14 u. a. heißt:Dazu treten Vermögen, das dem Betriebe des Bergbaues oder eines Gewerbedienst pp. (pp. Kliniken, Instru­mente der Aerzte usw.)", auch die für die Ausübung des Aerzteberufs notwendigen Gegenstände bei der Steuererklärung für das Retchsnotopfer in Betracht kommen.

* Wie wir im Inseratenteil der heutigen Nummer lesen, brgi .t am 5. Oktober die diesjährige beliebte Tanzstunde des Herrn Breitenbach im Saale des Hessischen Hofes in Schlüchtern. Herr Breidenbach dankt gleichzeitig der Schlüchterner Jugend für ihre freundliche Einladung, den Kursus doch recht bald zu eröffnen.

* Im Interesse der vielen Bruchletdeuden sei an dieser Stelle nochmals ganz besonders auf das Inserat der Herrn Ph. Steuer Sohn in heutiger Nummer hingewiesen.

* Zur Vermeidung nicht unerheblicher Geldstrafen und Zuschläge zur Steuer wird im Interesse aller Steuerpflichtigen nochmals darauf hingewiesen, daß die Frist zur Abgabe von Steuererklärungen zur Besitz- steuer und zum Reichsnotopfer am 30. Sept. d. Js. abläuft. Wer die Erklärung noch nicht abgegeben hat, muß dieselbe umgehend an das Finanzamt einsenden oder dort zu Protokoll abgeben. Vorautzahlungeu auf die noch nicht veranlagte Steuer in bar »der in Kriegsanleihe bieten erhebliche Vergünstigungen; Aus­kunft hierüber erteilt das Finanzamt.

(Der neue Kurator der Universität Göttingen). Wie wir hören, ist anstelle des in Ruhestand tretenden Geh. Rats Dr. Osterrath der Geh. Regierungsrat und Vortragende Rat im Preußischen Staatsministerium Valentiner zum Kuratur der Universität Göttiugen ernannt worden. Geheimrat Valentiner wurde am 9. August 1869 in Guayra (Venezuela) geboren. Er studierte in Heidelberg, Rom, Berlin «ud Marburg Rechts- und StaatSwissenschaften sowie Nationalökonomie, daneben Geschichte, Philosophie nd Kunstgeschichte. Studienreisen führten ihn nach Jtalieu, Griechenland, Holland, Belgien, England und Parts. Valentiner wurde nach anfänglicher Tätigkeit als Gerichtsreferendar 1896 zur Regierung übernommen, arbeitete von 1900 an bei den Landratsämtern Hanau und Wiesbaden sowie an der Legierung in Düsseldorf, wurde 1106 zum Landrat in Schlüchtern (Reg.-Bez. Kassel) ernannt, in gleicher Eigenschaft 1Sl6 nach Burgdorf beiHannover versetzt. Während des Krieges nahm er an den Käm ^ n in Flandern teil; seit 1917 ist er im Preußc^en Staatsministerium vortragender Rat.

* Sterbfritz. Am Sonntag, den 26. September 1920 begeht der OrtSdiener Kaspar Mack von hier feinen 90. Geburtstag. Herr Mack versieht bei feinem hohen Alter noch treu feinen Dienst. Er ist Inhaber des Allgemeinen Ehrenzeichens und des VerdiensUreuzeS. Wir gratulieren dem Jubilar.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Mauswinkel (Kr. Geluhausen). Der Einwohner Abraham M. hat seinem Leben ein Ende bereitet. Es wird angenommen, daß Krankheit den Lebensmüden i" den Tod getrieben hat.

§ Hanau a. M. In da« Filialgeschäst der Firma Latscha wurde eingebrochen. Die Diebe erbrachen bh Kasse, die jedoch leer war.

§ Hanau a. M. In der Nähe des Bahnhofs Wilhelmsbad wurde ein Mädchen von einem jungen Manne überfallen. Dtefer trug fie in das nahe Ge­büsch, ergriff jedoch die Flucht, als die Ueberfallene um Hilse schrie.

§ Hanau a. M. Die Obstwucherer nimmt die hiesige Wucherstelle jetzt erfreulicherweise scharf aufs Korn, eine große Anzahl von ihnen ist ber.-itS ange­zeigt worden und sieht strenger Bestrafung entgegen. Jeder Verbraucher schützt sich selbst, indem er jeden Wucherfall, der ihm bekannt wird, bei der Wucherstelle anzeigt.

§ Mannheim. (Holzschieber.) Wegen verbotener Ausfuhr von 80 Waggon Nutzholz nach Frankreich verurteilte die Mannheimer Strafkammer den Hol Händler Hans Ried ans FriedrichSfeld zu^ 6 Monate