Schlüchterner Zeitung
Anzeiger tür hir amtlichen Kekmmtmachungen im Kreise schlüchtern. Schlüchterner «rcisMatf Aelteste Seitaxg im Kreise; gegrtoet im Jahre 1849.
BezngSpreiö frei Haus, vorEzahN-ar liertelj. 5,80 Mk., (durch bie Post ohne Bestell- gelb). Erscheint DienStagS, DonnerStaaS und SamStagS. Druck und Verlag T. Hohuieistrr, veraatwvrtl. H.-L Hohmeister, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten ©e« schSstSverfchr mit der Firma Schlüchtern.
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M 114. Dienstag, den 28. September 1920. 73. Jahrgang
Die städtischen Bekanntmachungen der Stadt Schlüchtern erscheinen nicht mehr in -er „Schlüchterner Zeitung", würbe am ver- gangenen Samstag durch die „Ortsschelle" bekannt gegeben. Da es wohl manchen unserer Leser br leresfieren wird, zu erfahren, weshalb das jetzt anders geworden ist, so mögen ihm nachstehende Zeilen zur Aufklärung dienen:
„Die Stadt Schlüchtern zahlt an uns seit L April 1914 zweihundert und seit 1. April 1918 dreihundert Mark jährlich für Drucklegung der städtische« Bekanntmachungen in der „Gchlüch teruer Zeitung". Wir haben nun im Frühjahr dieses Jahres persönlich bei Herrn Bürgermeister Stückcath vorgesprechen und gebeten, darauf zu wirken, daß unsere Leistungen der Zeit entsprechend von Seiten der Stadt etwas besser bezahlt würden (den Umfang der fläbt. Bekanntmachungen kennt ja jeder). Herr Stückrath sagte unserem Vertreter, daß das mündlich nicht gehe, wir sollten uns schriftlich au den Magistrat wenden. Dies taten wir nun in einem Schreiben vom 28. Juni. Der Magistrat hielt es jedoch nicht für nötig, uns überhaupt eine Antwort zukommen zu lassen, und wir wiederholten am 8. August unsere Bitte, über die Angelegenheit zu verhandeln. — Es kamen nun immer und immer Bekanntmachungen. zum größten Teil hieß es, muß heute «och in die Zeitung, und wir haben unser Möglichstes getan und unsere Kräfte voll und ganz
8Üü Mark jährlich) in den Dienst der Stadt Schlüchtern gestellt. — Aber auf unser Schreiben vom 8. August blieben wir wiederum ohne jede Antwort, sodaß wir unS gezwungen sahen, am 8. September dem Magistrat der Stadt Schlüchtern mitzuteilen, daß wir eS nunmehr ablehnen müßten, die städtischen Bekanntmachungen »siterhia zu den alten Bedingungen in unserem Blatte zum Abdruck zu bringen und, da man uns keiner Antwort würdige, volle Bezahlung bei Aufgabe der Anzeigen verlangen müßten. Daraufhin hat sich die Stadt Schlüchtern mit einer Beschwerde an den Kreisausschuß gewandt. Was aber diese Behörde mit der Sache zu tun haben soll, ist uns völlig unklar".
So verhält sich also die Sache, und wir überlasten eä jedem, sich sein Urteil selber zu bilden.
Schlüchterner Zeitung.
Aus Stadt und Kreis.
Tchlüchterv, den 27. September 1920.
—* (Wert des ZeitungSinserats.) Kein Geringerer als der Milliardär Carnegie hat den LuSip.uch geprägt:
Feindliche Brüter,
Roman von 3oft Freiherrn von Steinach. 58 (Fortsetzung.)
„Dann melden Sie sich gleich morgen früh bei der Baronin, ich weiß bestimmt, daß Sie die Stelle erhallen!" setzte sie mit einem wohlgefälligen Blick auf seine schmucke Figur hinzu. „Sagen Sie nur, Sie hätten es in der Nachbarschaft gehört, daß bei uns etwas frei sei, aber erwähnen Sie mich nicht!"
„Gern, liebes Fräulein!" versetzte er, sie verheißungsvoll auschaueud. „Also auf morgen !"
Am nächsten Morgen wurde der Diener Franz zur Baronin geführt, die nach der Besichtigung der Zeugnisse froh war, so schnell einen guten Ersatz zu finden.
Damit war denn Franz bei seinem vorläufigen Ziel angelangt.
An demselben Tage aber überbrachte der Geldbote dem früheren Diener Josef, der sich augenblicklich bei einem Gesinde-vermieter eirquartiert hatte, eine Geldanweisung, lautend auf 50 Mark, Absender unbekannt. Josef Miß bis heutigen Tages nicht, wer ihm dieses reiche Genschenk gespendet hat.
Und zu derselben Zeit verreiste auch der Inhaber des Detektivbüros „Weiler" auf, einige Wochen in ^eschäftsangelegenheilen und ließ ' einen Angestellten, dem er das meiste Vertrauen schenkte, als seinen Vertreter zurück.
15. Kapitel.
Jetzt war Leutnant Edgar endlich mit Hilfe seines Burschen fix und fertig geworden. Während er sich die schneeweißen Handschuhe zuknüpfte, stand er vor dem Spiegel und betrachtete sein Kontersei mit geradezu
„Während der Geschäftsmann schläft, arbeiten seine Inserate". Die Erkenntnis von der Richtigkeit dieses Ausspruchs will aber vielen Geschäftsleuten, namentlich kleineren, noch immer nicht aufgehen. Die Großstadtfirmen allerdings setzen seit Jahr und Tag in ihren Geschästselat eine bestimmte, nicht zu niedrig gegriffene Summe für Inserate ein und wissen, daß sie durch gesteigerten Umsatz und Verdienst gut dabei fahren. Der kleine Geschäftsmann dagegen sträubt sich nach wie vor gegen diese selbstverständliche Forderung eines modernen Geschäftsbetriebes. Das ist eine der Hauptur- sachen, weshalb so viele kleine Geschäfte zeitlebens über eine knappe Rentabilität nicht hinauSkommcü wollen. Möchten alle diese kleinen Geschäftsleute erst einmal die Probe machen, inwieweit durch zielbewußtes Inserieren ihr Umsatz jieigeruvgssähtg ist. Sie würden dann weniger abfällig über das Inserieren urteilen, als es zurzeit geschieht.
—* Am vergangenen Sonntag fand im Hotel Stern eine zahlreich besuchte Versammlung des Landwirtschaftlichen Kreisvere!n3 statt. Nach Erledigung der geschäftlichen Punkte ergriff Herr Inspektor Preis das Wort. Er führte aus, daß einem wesentlichen Bedürfnis der landwirtschaftlichen Bevölkerung, nämlich die Einrichtung einer landwirtschaftlichen Winterschule in Schlüchtern entsprochen worden sei, und daß sie schon am 2. November d. Js. eröffnet werde. Der nächste Redner, Herr Dir. Remmer aus Fulda, betonte die Wichtigkeit der künstlichen Düngers und erläuterte in sachlicher Weise seine Anwendung. Im Anschluß an seine Ausführungen betonte auch er wie Herr Preis die großen Vorteile einer theoretischen Ausbildung des Landwirts. Anschließend daran beantwortete der Redner die zahlreich in der Versammlung aufgetauchten Fragen bezal. des Kunstdüngers und der Verbesserung des Kartoffelbaues. Zum Schluß eröcttrte Herr Preis eine der brennensten Tagesfragen, die Versorgung des Kreises mit Kartoffeln. Die Landwirte sind gewillt die Kartoffeln an die Minderbemittelten des Kreises für 20 Mark pro Zentner abzugeben, im übrigen den Preis von 25 Mark nicht zu überschreiten.
—* Hk. (Freigabe des Silstückgutverkehrs.) Wie die Eisenbahndirektiou Frankfurt der Händelskammer mitteilt, ist die Beschränkung wonach bei der Beförderung als Eilstückgut nur die in der sogenannten Stückgutfreiliste genannten Güter zugelassen werden, nunmehr aufgehoben. Der gesamte Stückgutverkehr ist bis auf weiteres keinerlei Einschränkungen gegenüber den Tarif- bestimmungen unterworfen.
Aus Urovinz und Wachöargeöiet.
§ Hanau. Auf dem Transport von Frankfurt
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verliebten Blicken. Donnerwetter, er war doch ein hübscher, patenter Kerl, und man konnte eS den Damen nicht übel nehmen, wenn sie sich in ihn bis über die Ohren verliebten! Und heute erst gar, wo er in vollster Gala erschien! Der prachtvolle beschnürte Attilla, die engen mit Schostasch besetzten Beinkleider, woran sich glänzende Wadenstiefel schlössen, dazu die Säbeltasche mit dem klirrenden Degen, fürwahr, er konnte sich schon sehen lassen. Und als er nun gar, als Krönung des Gebäudes, die Pelzmütze mit dem Kolpak auf den frisierten Kopf setzte, da kam er sich ganz unwiderstehlich vor.
Natürlich hatte dieser besondere Pomp heute auch seinen besonderen Zweck- Galt eS doch nichts geringeres als bei dem alten Querkopf, dem Oberst von der Traun, um die Hand seiner Tochter anzuhalten.
Der Oberst war bereits von seinem Kommen verständigt und hatte, wie er dem jungen Manne bei einer gelegentlichen Unterredung mitgeteilt hatte, nicht das geringste dagegen einzuwenden.
„Haben Sie denn schon mir meiner Tochter Rück spräche genommen? hatte er den xOsfizier gefragt. „Sie werden gewiß schon herausgefunden haben, daß meine Hilde ein ganz kapriziöses Persönchen ist, die ihren eigenen Kopf aufsetzt.^ Da sinn selbst der Vater nicht viel ausrichten, und Sie werden mir recht geben, daß es leichter ist, ein Regiment zu kommandieren, als einen einzigen Weiberrock."
„Ich habe allerdings, Herr Oherst," war Edgars Antwort, „noch keine direkte Frage in diesem Sinne an Fräulein Tochter gerichtet, aber ich glaube, nicht fehl zu gehen, wenn ich annehme, daß mir von dieser Seite keine Schwierigkeiten erwachsen würden."
nach Büdingen sind in der Nähe von Hanau b* Pferde angeblich entlaufen. Es wird vermutet, die Pferdetransporteure die Pferde verkauft haben.
§ Frankfurt. In einer hiesigen Tages Rettung sucht ein Schriftsteller für sich und seine Fam einen alten, ausrangierten Eisenbahnwagen zu mieten, damit er wenigstens wohnen bitte.
§ Frankfurt a. M. Mit einem Kostenaufwand von mehreren Millionen hat man bekanntlich in Frankfurt ein neues Gerichtsgebäude erbaut, aber beim Bauen zufällig die Brandmauern vergessen. Nun weigern sich sämtliche FeuerversicherungSgesellschaften das Gebäude zu versichern. Der JustizfiSkuS läßt also jetzt noch notgedrungen 11 Brandmauern aufführen, was die Kleinigkeit von I V, Millionen kosten dürfte.
§ Marburg. Ein in der Dunkelheit auf dem Heimweg begriffener Einwohner aus Michelbach stürzte im Wrlde über einen über den Weg gespannten Draht. In demselben Augenblick wurde auch ein Schuß auf ihn abgegeben, der jedoch fehlging. Der Bedrohte gab nun ebenfalls einen Schuß ab und hörte auch einen Schmerzenslaut. Angestellte Nachforschungen hatten keinen Erfolg.
§ Niederzwehren. Ein junger reicher russischer Geschäftsmann, welcher sich im Gefangenenlager auf- hielt, wurde abends auf dem Nachhausewege plötzlich von 4—5 jungen Burschen Überfällen, zu Boden geschlagen und auLgeplüadert. Außer einer größeren Summe baren Geldes raubten die Kerle verschiedene Wertsachen und die goldene Taschenuhr. Die Räuber entkamen in der Dunkelheit.
§ Rotenburg. (Der „taubstumme" Geldsammler.) In Hergerrheim wurde ein isjähriger Bursche früge- nommen und in das GerichtSgefängniS ein geliefert. Der Bursche gab sich als „taubstumm" aus und sammelte Geld für die Taubstummenanstalt Friedenau. Eine kräftige Ohrfeige feilend eines Einwohners von Hergershausen hatte dem Burschen die Sprache wieder hervorgezaubert.
§ Oberkansungen. Die Maul- und Klauenseuche ist unter den hiesigen Viehbeständen so stark aufgetreten, daß 130 Ziegen verendeten.
§ Siadtüm. (Hundefutter für Menschen.) In einem hiesigen Geschäft wurden 415 Pfund Warst polizeilich beschlagnahmt. Es waren bereits 80 Pfund verkauft, als ermittelt wurde, daß das Fleisch von einem Rinde herrührte, das vom Tierarzt als zum menschlichen Genuß schädlich verworfen und als Hunde- futter bezeichnet worden war. Der Verkauf wurde sofort eingestellt. Der Urheber der unsauberen Sache sieht seiner Bestrafung entgegen.
„Sie sind sehr selbstbewußt, Herr Leutnant," k^te knurrend der Alte, „aber das ist wohl ein Vo.»-cht der Jugend, war zu meiüer Zeit ebenso; na, nicht« für ungut, meinetwegen kommen Sie, ich werde unterdessen bet meiner Hilde das Terrain sondieren."
Hilde war anfangs, als der alte Herr ihr von Edgars Vorhaben Mitteilung machte, nicht sonderlich erbaut davon; sie erklärte, daß sie vorläufig noch gar keine Lust habe, sich in Fesseln schlagen zu lassen. Beide Eltern redeten ihr so zu, machten sie auf die ungeheuren Vorteile dieser Verbindung ausmerkfam, die sie mit einem der ersten Häuser Deutschlands verschwägerten, und malten ihr das Bild ihres Zukünftigen in den leuchtendsten Farben, bis Hilde wenigstens versprach, sich die Sache durch den Kopf gehen zu lassen. Sie konnte sich in der ersten Zeit durchs nicht an den Gedanken gewöhnen, und immer, wenn pe ernsthaft daran dachte, erschien vor ihrem geistigen Auge die schlanke männliche Gastalt Doktor Waldaus, sein geistvolles Antlitz, das ihr lange Zeit als das Ideal erschienen war, und wenn ste dann Vergleiche anstellte, kam sie jedesmal zu dem deprimierenden Ergebnis, daß an dem Leutnant einzig und allein die Uniform das Interessanteste war. Aber warum etwas, das doch notwendig geschehen mußte, auf die lauge Bank schieben! Mit Waldau war es ja doch ein für allemal aus, und hinter der glänzenden Außenseite hatte sie schließlich auch nichts anderes gesundcn als .krassen, blassen Egoismus.
(Fortsetzung folgt.)