Zchlüchlerner Mung
Anzeiger lür Die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise schlüchtern.
BeznaSpreiS frei Haus, vorauSzahlbar vintelj. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Berlag T. Hohmeister, verantwortl. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Be- schSstSverkehr mit der Firma Schlüchtern.
M 118.
Schlüchteraer SreiMatt
o gelteste Zett««8 im Kreise; gegrMet im Jahre 1849.
Anzeigen: N. Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2,- Mk. Bei Betriebs- störungen kein Schadenersatz oder Mnder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleolieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
Dsnnevstag, den 7. Oktsver 1920. 73. Jahrgang
Wirtschaftliche Wochenschau.
Zur Erfüllung des Gpaaer Abkommens. Der 1. Oktober war der Termin, bis zu welchem die 50 Kilometerzone im Westen geräumt und die deutsche Wehrmacht auf 150 000 Mann herabgesetzt werden sollte. Das Reichswebrministerium hat eine entsprechende Erklärung veröffentlicht. Es wird allerdings eine Nachprüfung seitens Verbandbevollmächtigter stattfinden. Erst dann, wenn diese Untersuchung die deutsche Erklärung^ bestätigt, ist — wenigstens vorläufig die Gefah- beseitigt, daß die Besatzungsarmeen rechtsrheinische Gebiete besetzen. Auch zu einer anderen Bestimmung des Versailler Vertrages hat die Regierung eine Erklärung abgegeben und zwar zur k Reichsfrage der Kohlen-Ab- lieferung. Der Reichskohlenkommissar Geh. Rat Stutz berichtet, daß nicht sowohl die Menge, als vielmehr die Auswahl der verschiedenenOSorten" bei der Belieferung Frankreichs-, Belgiens und Italiens einerseits und des deutschen Verbrauches andererseits Mühe 'gemacht habe. Immerhin ist die deutsche Industrie im Monat August Um 442 000 Tonnen Steinkohle und Koks zu wenig beliefert worden. Es ist aber wenigstens gelungen, den Kohlenbestand der Eisenbahn für eine Dauer von 26 Tagen (gegenüber einem Soll von 35 Tagen) sicherzustellen. Vor einem Jahr'jreiLten die Kohlenvorräte der Bahnen nicht einmal für 20 Tage. Die Haupt- Gierigkeit in der Erfüllung des Spaa'er Abkommens (Waffenabgabe und Kohlenbelieferung in den Wintermonaten) steht uns noch bevor. Damit ist auch die Bedrohung unseres westdeutschen Kohlen- u. Industriegebietes immer noch nicht beseitigt.
Deutsche Messen. In der abgelaufenen Woche hat die Königsberger Messe stattgefunden und mit Beginn dieser Woche ist in Frankfurt die Messe eröffnet worden. Beide sind Nachkriegskinder und dienen dem Bestreben unserer Wirtschaft, auf dem Weltmarkt von dem dort verlorenen Terrain wenigstens etwas zurück- zuerobern. Die letzte Leipziger Messe hatte im großen ganzen enttäuscht; sie fand zu Beginn der Wirtschaftskrise statt. Die Messen in Königsberg und Frankfurt tragen nicht den historischen und universalen Eharakter ^^.^e Leipziger Messe. Sie sind vielmehr von den verschiedenen Wirtschaftszweigen recht verschieden reich- «ch beschickt und kennzeichnen sich nicht als große Pro- outtions-Ausstellungen, sondern vielmehr als Export- A«uen. Der Ausverkauf um die Jahreswende 1919/ war kein gesunder Außenhandel. Die abgerissenen weltwirtschaftlichen Beziehungen können, — das bringen die Messen an unserer Ost- und unserer West- Srenze klar zum Ausdruck, — nur allmählich wieder «»geknüpft werden, und zwar über die Landgrenzen.
I Aus Stadt und Areis.
Echlüchteru, den 6. Oktober 1920.
—* Wie wir erfahren, wurde Herr Georg Muche, der Sohn des Rentmeisters Muche aus Ramholz, au das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Professor Muche hat die Berufung angenommen. Er ist ein ehemaliger Schüler des hiesigen Progymnasiums.
(Union-Theater Schlüchtern.) In der Zeit von Freitag bis Sonntag kommt der Film „Die ein- y Insel", ein Erlebnis aus dem Lande der Mitternachtssonne, zur Vorführung. Der Zuschauer wird in die wunderbarschöne Gegend Norwegens ver- a seltsam greift oft das Leben in der Menschen scheinbar festgefügten, unerschütterlich geglaubten Werde- gang. Zufall wird Schicksal, und ein Schritt abseits
Ungewöhnliche bestimmt fortwirkend über Leben und Tod. — Hans Mierendorf, einer der bekanntesten
’ tritt in der Hauptrolle als Lebemann auf. Allein die ausgehängten Photos beweisen die wun- Han^lu" ^fa^™™ und Darstellungen der einzelnen
—* Wie wir von unterrichteter Seite hören, findet ,.^utag, den 17. Oktober er. in der hiesigen Turnhalle ^/oustrumental'Conzert statt. Es ist sehr zu be- uns "»4 langer Zeit wieder einmal gute
8e?"teu wird. Damit auch die Jugend zu ihrem kräHchxu^tt^' ^^ nach dem Conzert ein Tanz- gn, 7"* (Umsatzsteuer und Grunderwerbssteuer.) Mit beb "^ "ow 1- ^ MtS. gehen Verwaltung und Er- &« ^ Umsatz- und Grunderwerbssteuer auf die o anzämter über. Sie verbleiben bei den kommunalen
Steuerstellen vorläufig in Cassel, Frankfurt a. M., Wiesbaden.
—* (Das Pfund Zucker im freien Kleinhandel für 3,60 Mk. ?) Der Retchsrat nahm am 30.'September den Entwurf einer Verordnung für Zucker und Melasse an. Danach wird die Zwangsbewirtschaftung von Zuckerrüben fallen gelassen und die Bewirtschaftung der Mellaffe aufgehoben. Auch die Einfuhrzentralisation für Zuckerrüben wird aufgehoben. Als Grundpreis für den Zentner Verbrauchszucker, der aus Fabriken bezogen wird, gilt 275 Mark. Dazu kommt aber ein Aufschlag von 5 Mark für den Zentner für den im Betriebsjahr 1920/21 gelieferten Verbrauchszucker. Bet den neuen Preisen würde ein Pfund Zucker im Kleinhandel etwa 3,60 Mk. kosten. Die Verordnung soll bereits am 1. Oktober in Kraft treten.
—* (Errichtung einer Schornsteinfeger-Zwangsinnung für Hessen.) Nachdem bei der Abstimmung der beteiligten Gewerbetreibenden fich die Mehrzahl für die Errichtung einer Zwangsinnung für das Schornsteinfegerhandwerk im ganzen Bezirk des Volksstaates Hessen erklärt hat, wurde mit Wirkung vom 1. November 1920 ab eine Zwangsinnung für das Schornsteinfegerhandwerk in dem Bezirke des Volksstaates Hessen mit dem Sitze in Mainz und dem Namen „Schornsteinfeger Zwangs-Jnnung für den Volksstaat Hessen" errichtet. Von dem genannten Zeitpunkt ab gehören alle Gewerbetreibende, die das Schornsteinfegerhandwerk im Volksstaat Hessen selbständig betreiben, dieser Innung an. Gleichzeitig, also vom 1. November 1920 ab, wird die bisher für Hessen bestehende Freie Schornstetnfeger-Jnnung, Sitz Mainz, geschlossen.
Aus Provinz und Wachöargeöitt.
§ Frankfurt a. M. (Entlarvter Schwindler.) Der angebliche Fürst Golitzin, der vor etwa 3 Monaten wegen Hochstapeleien zu 1'/, Jahren Gefängnis von der hiesigen Strafkammer verurteilt wurde, hat sich jetzt nach den vou der Frankfurter Kriminalpolizei unternommenen Nachforschungen als ein gut bürgerlicher Mann entpuppt. Der Hochstapler ist ein geborener Russe, der feit Jahren Schauspieler an kleinen Provinzbühnen war. Die Feststellungen ergaben, daß er in der letzten Zeit fast nur von Schwindeleien und Hochstapeleien gelebt hatte und wegen dieser Strafen schon vorbestraft ist.
§ Frankfurt a. M., 5. Okt. (Zahlreiche Ausländer auf der Frankfurter Meffe.) Schon am Tage vor der 3. Frankfurter Meffe waren zahlreiche Ausländer in Frankfurt eingetroffen, darunter von den Philippinen, aus Indien und Ausstralien. Ein Sonderzug mit dänischen Kaufleuten ist am Sonntag abgegaugen. Es ist damit zu rechnen, daß der Besuch der 3. Frankfurter Meffe aus dem Ausland diesmal besonders groß sein wird.
§ Fulda. Eingebrochen wurde in einer der letzten Rächte unter Benutzung von Nachschlüffeln in eine hiesige Konditorei. Der Feinschmecker nahm von der besten Chokolade, dem besten Kakao re., auch einen kühnen Griff in die Kaffe riskierte er. ,
§ Eschwege, 6. Okt. Hier fand eine Kartoffeldemonstration statt, in der der Stadtverordneten-Vor- steher Roßbach die Anwesenden aufforderte, zur Selbst- Hilfe zu greifen. Nachdem aber bekannt wurde, daß durch den Letter des Landw. Vereins, Dr. Schäfer, die Zusicherung gegeben worden sei, daß nächsten Sonnabend mit der Lieferung von Kartoffeln begonnen würde, vertagte man die angedrohte Anwendung von Gewalt. Für die minderbemittelte Bevölkerung der Stadt sollen 7000 Zentner Kartoffeln geliefert werden.
§ Jena. Der Oberstaatsanwalt in Jena hat sämtliche Staatsanwälte in Thüringen ersucht, gegen die Preistreibei mit Kartoffeln überall schleunigst einzu- schreiten, auch die Beschlagnahme der aufgekauften Kartoffeln zu veranlassen Dieser Schritt des Oberstaatsanwalts ist dankbar zu begrüßen, denn die Aufregung in der Bevölkerung über die Aufkäufer ist bereits im Wachsen. In der »Sonneberger Ztg." wird übrigens bereits ein Landwirt in Mürschnitz namhaft gemacht, der 50 Mk. für den Zentner fordert. Da hat der zuständige Staatsanwalt gleich Gelegenheit, einzuschreiten.
Deutschlands Kaliindustrie im Jahre 1919.
Das deutsche Kalisyndikat veröffentlicht die Zahlen
über den Absatz an Kalisalzen im Jahre 1919. Sie gewähren einen guten Einblick in die gegenwärtigen Verhältnisse dieser Industrie, die dazu berufen ist, mit an erster Stelle am Wiederaufbau unseres zerrütteten Wirtschaftslebens mitzuwirken. Denn das Kali ist das einzige große Aktivum Deutschlands, das im Friedensvertrags unberührt geblieben ist. Während der Verband, gestützt auf den Versailler Vertrag, in unsere Kohlen- wirtschaft eingreift und unsere Kohlenversorgung beschränkt, ist ein ebensolcher Eingriff in unsere Kaliwirt« schüft bisher nicht möglich. Das will viel heißen, denn die Kalisalze stehen in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung den Kohlen nicht nach und sind in steigendem Maße ein begehrter Artikel im internationalen Handelsverkehr. Durch ihren Verkauf an das Ausland, das im Jahre 1919 nur die verhältnismäßig geringe Menge von 740 000 Tonnen rein Kali (K. 20) von Deutschland bezog, erhalten wir ausländische Devise», die zur Erhöhung unseres Kredits und zur Erfüllung unserer drückenden Verpflichtungen unerläßlich sind. Unserer Kaliindustrie muß also die unabhängige Stellung erhalten bleiben; alles, was sie erschüttern oder sie beeinträchtigen könnte, muß jetzt, wo der Verband auf Grund des Friedensvertrages 15 Jahre lang unsere Wirtschaft beaufsichtigt, unterbleiben. Der Friedensvertrag bestimmt, daß der Verband bet Nichterfüllung der uns mit Gewalt abgepreßten Lieferungsverpflichtungen Rückgriffsrecht in erster Linie auf alle Einrichtungen und Industrien hat, die in Geme!»wirtschaft des Staates stehen. Würden wir die Kaliwirtschaft in das Eigentum des Staates überführen, so würden wir Gefahr laufen, einen wichtigen Aktivposten zu verlieren. Daß der Verband nur darauf wartet, die deutschen Kaltschätze in Zwangsverwaltung zu nehme«, konnte neulich in der französischen Preffe festgestellt werde«, wo gefordert wurde, Deutschland solle Frankreich soviel Kalisalze liefern, daß Frankreich den Bedarf der Verbandländer voll befriedigen könne. Unsere Kaltindustrie soll also die Rohsalze liefern, die hohen ausländischen Devisen aber will Frankreich einhetmsen und „auf Wiedergutmachungskonto verrechnen." Diese Forderung zetgt, wessen wir uns von jenseits der Vogesen zu gewärtigen haben.
Das Ausland hat im Jahre 1919 im Vergleich zu früheren Jahren nur erst geringe Mengen Kalisalze bezogen. Das war auch kaum anders zu erwarten. Es ist der Kaliindustrie, indessen bereits im Jahre 1919 gelungen, fast in jedem einzelnen Lande ihre Produkte wieder abzusetzen. Dieser Umstand berechtigt zu den besten Hoffnungen für die zukünftige Entwicklung, sollte uns aber andererseits zu bedenken geben, daß wir keine grundstürzenden Umwälzungen in der Kali- industrie vornehmen dürfen. In der Absatzstatistik der Vorkriegszeit fehlten 1919 nur Frankreich, Australien, Neuseeland und Portugal; sonst sind alle Länder in der Statistik wieder vertreten. Einige davon haben ihren Bezug an Kalisalzen gegenüber dem Vorjahre sogar erheblich vermehrt. So bezogen die skandinavischen Länder 83 000 Doppelzentner Kalisalze mehr als im Jahre 1918, Holland 70 000 Doppelzentner mehr. Die Vereinigten Staaten von Amerika, die vor dem Kriege von allen Ländern die meisten Kalilasalze erhielten, bezogen im Jahre 1919 700 000 Doppelzentner, das sind 7,7 % des Absatzes vor dem Kriege. Deutschland selbst verbrauchte 674 Million Doppel- zentner Kalisalze gegenüber 8,6 Millionen Doppelzentner im Jahre 1918. An dem Absatz waren im Jahr 1919 206 Kalibergwerke beteiligt, die Mehrzahl von ihnen liegt in der Provinz Hannover, die das reichste Land an Kalisalzen ist.
WelthMel.
— (Die Versorgung der Kriegerwitwen.) Im Arbeitsministerium wird gegenwärtig mit Vertretern der Kriegsbeschädigten über die Ausführung des neuen Versorungsgesetzes beraten. Ueber einzelne Fragen gab es erregte Auseinandersetzungen, besonders über die Renten an die Kriegerwitwen. Schließlich verließen die Vertreter des radikalsten Internationalen Bundes den Saal, der nun die Kriegerwitwen gegen das Ministerium mobil machen will.
— (Erhaltung deutscher Fliegerhallen.) Nach dreimonatigen Verhandlungen der Reichsregierung mit der Entente ist es gelungen, daß zwei Fliegerhallen und das Werkstättengebäude in Gotha, die nach dem Ver- fatller Vertrage niedergelegt werden müßten, erhalten