Müchtemer Zeitung
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Ächliichteraer Lreisölatt
Aettkßk ZeitN«g im Kreise; gegrtoei im Jahre 1849.
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Ammer 11402.
=r
M 122.
Samstag, den 16. ©sicher 1920.
73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den 15 Oktober 1920
—* Am nächsten Mittwoch findet eine Krels-Lchrer- Konferenz statt. Zugleich sei auf die am Nachmittag stattfindende Tagung des Heimalbundes aufmerksam gemacht. (Siehe Inserat!)
-* Die von der Postverwaltuvg eingerichtete Krastwagen-Personenpost Corbach—Frankenberg verkehrt vom 14. Oktober ab.
—* Am Mittwoch, den 20. d. Mls., abends 8 Uhr wird in der Turnhalle das Trauerspiel „Kabale und Liebe" von Schiller als diesjährige erste Vorstellung des Rhein-Mainischen Künstler-Theaters gegeben. Der Rhein Mainische Verba d für Volksbildung hat in Verbindung mit dem Heimatbund für den Kreis Schlüchtern es unternommen, sein künstlerisches Wandel Theater mit eigener Stilbühne in Schlüchtern in jedem Monat einmal spielen zu lassen. Spielplan für die Winterspielzeit 1920: a) Klassiker. Schiller: „Kabale und Liebe", Kleist: „Der zerbrochene Krug", Goethe: „Jphigenie", Goethe: „Die Mitschuldigen", Ein altes Weihnachtsspiel, Gutzkow: „Liesli", Kotzebue: „Die deutschen Kleinstädter". b) Neuere Dichtungen. Gerhard Hauptmann: „Der Biberpelz", Ibsen: „Hedda Gabler", Strindberg: „Ostern", Harlan: „Das Nürnbergisch Ei", Scholz: „Das Herzwunder", Käßler: „Jean der Wunderbare", Schönthan-Kadelburg: „Der Raub der Sabinerinnen" -D-^e städtischen Körperschaften haben zur Förderung dieser volksbildnerischen
dem Verband ihre besondere Unterstützung durch Abschluß eines Vertrages zugesagt. Wir wünschen dem Unternehmen, das einem seit langem empfundenen Bedürfnis abhilft, den besten Erfolg und verweisen auf das Inserat in der heutigen Nummer unserer Zeitung.
—* Geschäftsdrucksachen find für eine Firma, die viel mit auswärtiger Kundschaft zu tun hat, in Bezug auf Empfehlung etwa dasselbe, wie ein von der Firma ausgesandter Reisender. Trotzdem pflegen Geschäftsin-
i" dieser Hinsicht von einer oft geradezu ge« '^'^schädigenden Gedankenlosigkeit zu sein. Einen "icht ansprechenden, ungewandten oder mit schlechten ümgangssormen behafteten Reisenden wird niemand »Sagiere«. Für den schriftlichen Verkehr mit der Kundschaft ist aber oft das schlechteste Papier noch gut genug. Unsauberer Druck, schlechtes Papier usw. find 8at ?u oft ein Beweis dafür, daß der Geschäftsmann u^cht die Reklame für seine Firma, sondern einen Glichst billigen Preis für die notwendigen Geschäfts- Drucksachen im Auge gehabt hat Es ist aber grund-
Feindliche Brüder
Roman von Jost Freiherr« von Steinach 58 (Fortsetzung.)
Ich fuhr ihn also hin und wartete draußen, aber mcht vor dem Eingang, sondern in der Nähe, am Bahnhof. Mindestens eine Stunde war er drin, und er endlich zurückkam, da glänzte eine Träne in Auge. Damals hat er sich sein Bild angesehen, von dem alle Zeitungen voll waren, und deshalb bin lch der Ansicht, daß es mit seiner Feindschaft Segen Otto nicht so schlimm bestellt gewesen sein kann.
Darin mußten ihm allerdings die anderen bei- mmmen. Weiler aber war dies ein Fingerzeig, nun einmal die Sache von einem anderen Standpunkt zu Drachen. Und da kam er denn auf eine ganz neue von der er natürlich auch nicht sagen formte, sie zu einem greifbaren Resultat führen würde, die doch manches für sich hatte.
Wohl hatte der Freiherr jedem, der es hören out,, nütgeteilt, daß er seinen ältesten Sohn zu t beabsichtigte, mußte er denn aber auch die ^-»hrhett gesagt haben? Sprach nicht vielmehr jener von dem der Kutscher erzählt hatte, für die unahme, daß der Freiherr durchaus nicht so feindlich S gen seinen Erstgeborenen gewesen sein könne, wie er . ; den Leuten den Anschein gab? Die Liebe ^ / alledem, die sein Sohn durch die Porträtierung - . Vaters kundgegeben hatte, schien doch ihren Eindruck ' den alten Mann nicht verfehlt zu haben.
putzte zudem, wenn er nicht ein steinernes Herz satz, diese Liebe anerkennen, die sich durch alle Zurück
verkehrt, gerade in dieser Hinsicht zu sparen, denn, wie gesagt. ein Geschäftsbriefbogen empfiehlt eine Firma ebenso sehr wie ein guter und gewandter Reisender. Zur Herstellung guter und ansprechender Geschäftsdruck» sachen, deren Ausführung und Herstellung jederzeit im Benehmen mit uns überwacht und vereinbart werden kann, hält fich die Druckerei unserer Zeitung jederzeit bestens empfohlen und hofft, unserer einheimischen Geschäftswelt auch bei dieser Gelegenheit ihre Leistungsfähigkeit beweisen zu können.
—* Der Magier Fakier-Abend des Herrn Professor Wels hatte sich eines sehr starken Besuches zu erfreuen. Dichtgedrängt saßen und standen die Zuschauer und verfolgten mit spannendem Interesse die Vorgänge auf der Bühne. Besondere Erwähnung verdient das Gelingen des Zauberfürsten mit Hilfe seines anmutigen Mediums die inszenierte Mordgeschichte aufzudecken. Es ist dem Künstler und Gelehrten in allen Stücken gelungen, das Interesse des Publikums keinen Augenblick ermüden zu lassen. Wir nehmen mit Bestimmtheit an, daß jeder mit dem Bewußtsein den Saal verlassen hat, einen schönen und interessanten Abend verbracht zu haben.
Hk. Güterverkehr mit den Niederlanden. Nach den ab 1. Oktober geltenden besonderen Bestimmungen für den deutsch niederländischen Güterverkehr -ist in der Spalte „Routenvorschrift" des Frachtbriefes vom Absender der Grenzübergang zu bezeichnen, über welchen das Gut befördert werden soll. Frachtbriefe ohne diesen Vermerk werden zurückgewtesen.
—* Kübelpflanzen müssen j^t in geschlossene Räume verbracht werden. Namentlich ist dies hinsichtlich der immergrünen Blattpflanzen der Fall, die man auch im Winter im Schmuck ihrer oft prachtvoll gemusterten Blätter erhalten will. Obwohl die Blätter aller dieser Pflanzen oft eine nahezu lederartige Beschaffenheit haben, find fie doch in Bezug auf unge- wohnte Temperaturen sehr empfindlich und offenbaren damit ihren Charakter als echte Zimmerpflanzen.
Die „Hersfelder Zeitung" erfährt aus Rhina: Der 25jährige Kaufmann Arthur Buxbaum von hier kaufte bei vielen Geschäftsleuten in Frankfurt Waren ein und beglich die Rechnungen mit wertlosen Schecks. Auch seine Hotelrechnungen beglich er auf diese Weise. Dem Burschen kannte jetzt endlich sein Handwerk gelegt werden. Die Zahl der Geschädigten ist außerordentlich groß. (Sollte dies etwa derselbe Herr Buxbaum sein, der vor ungefähr einer Woche in Schlüchtern war, um auch hier sein unseliges Handwerk zu betreiben. Vielleicht kommt unser Herr Buxbaum aber noch, um seine Rechnungen zu bezahlen. Red.)
—* Wir machen auf das zeitige Programm der hiesigen U. ll?.-Lichtspiele besonders aufmerksam. Henry
setzungen und zuletzt sogar durch die völlige Lossagung nicht ersticken ließ.
Das Ehepaar hatte selbst vor der Dienerschaft über seine intimen Angelegenheiten eine außergewöhnliche Zurückhaltung bewahrt, doch trotzdem war so viel durchgefickert, daß die Ehe durchaus keine so glückliche zu nennen war.
Und was die beiden Söhne aus dieser Ehe anbetraf, so war es ja zur Genüge bekannt, daß der Vater auch von ihnen nicht allzu sehr erbaut war und daß er sie deshalb hatte auf den Pflichtteil setzen lassen wollen. Weshalb hätte er also, dessen Gerechtigkeitsliebe allgemein von den Untergebenen gerühmt und anerkannt wurde, gegen sein Fleisch und Blut ungerecht sein sollen noch dazu dem einzigen Sprossen gegenüber, der der Ehe mit seiner ersten Frau entsprungen war, die er aus inniger Liebe geheiratet hatte.
Je mehr Weiler sich das alles vor Augen hielt, um so mehr gelangte er zu der Ueberzeugung, daß auf diesem Wege vielleicht die lang gesuchte und ersehnte Wahrheit zu finden sei.
Aber wenn sich auch die Sache so verhielt, wie er vermutete und auch hoffte, woher die Beweise dafür schöpfen? -Er beschloß zu allererst Schritte zu tun, um jenes seit der Katastrophe verschlossene Zimmer in Augenschein zu nehmen, das als Aufbewahrungsort für das Testament gegolten hatte. Und dazu mußte ihmdie nicht ganz interesseloseZuüeigung Lisbeths verhelfen. Er brächte einst das Thema geschickr darauf und vernahm zu seiner Befriedigung, daß die beiden ominösen Schlüssel in dem Schmuckkästchen der Baronin auf- bewahrt würden. Uebrigens schien sich die Zofe gar kein Gewissen daraus zu machen, sie ihm, wenn sich die Gelegeuheit fände, zu übergeben; er hatte ihr
Porten, der Liebling der Kinowelt, spielt in dem ergreifende Drama „Die Schuld" die Hauptrolle. — „Der Weiberfeind", ein reizendes Lustspiel in drei Akten mit Paul Heidemann, einer der bekanntesten Filmgrößen der Gegenwart, rollt als Beiprogramm über die Leinwand. — Es dürfte deshalb jedem Kinofreund empfohlen werden, sich diese glänzende Vorstellung nicht entgehen zu lassen. (siehe Inserat in heutiger Nummer.)
* Altengronau Vor einigen Tagen wurde eine Frau Knauf aus Neuengronau auf der hiesigen Bahnstation von dem bayrischen Zuge erfaßt und eine Strecke mitgeschleift. Die Bedauernswerte wurde in das Kreiskrankenhaus nach Schlüchtern verbracht und ist, wie wir soeben erfahren, ihren Verletzungen erlegen.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
§ Hanau a. M. Entwischt ist ein sehr abgerissener junger Mann, der sich in einem hiesigen Hotel als Student Franz Reicher einlogiert hatte, von einem scharfsichtigen Beamten unserer Kriminalpolizei gelegentlich einer Revision beargwöhnt und mit zur Polizeiwache genommen wurde. Der junge Mann behauptet, er sei der 22jährige Student Franz Reicher, sei in Aschaffenburg geboren und seine Mutter und sein Stiefvater lebten in München. Nun scheint er jedoch mit einem jungen Mann identisch zu sein, der von der Staatsanwaltschaft in Würzburg gesucht wird und daher sollte er gestern vormittag vor Gericht vernommen werden. Nachdem ihm ün Polizeibeamter dort eisge- liefert, ließ man ihn in einem Zimmer das Erdgeschosses eine Zeitlang mit einem anderen Vernehmurzä- genoffen allein, und diese Gelegenheit benutzte er, um zu entfliehen.
tz. Marburg. (Wieder heimgefunden.) Zu den Hunden und Katzen, die über Land den Weg wieder heimgefunden haben, kommt jetzt auch eine Kuh. Ein hiesiger Landwirt hatte sie nach Bürge! verkauft; doch gestern fand sie sich wieder in ihrem alten Stall ei«.
§ Nordhausen. In Görsbach erschoß ei« junger Mann aus Nordhausen die Näherin Elsa Ellinger. Der Täter richtete dann die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich so schwer, daß sein Zustand hoffnungslos erscheint.
§ Settmarshausen. Der zehnjährige Sohn des hiesigen Landwirts Wilhelm Nolte kletterte an einem Mast der Hochspannungsleitung hoch, kam mit der Leitung in Berührung und stürzte sofort tot ab.
§ Bebra. Beim Abbruch einer Scheune in Holz- hausen stürzte plötzlich eine Wand ein. Zwei Arbeiter wurden tot unter den Trümmern hervorgezogen. Die anderen Arbeitern konnten sich noch rechtzeittg retten.
nämlich gesagt, daß er gar zu gern jenes Zimmer einmal besichtigen möchte, von dem eines der sensationellsten Geriätsdramen der letzten Jahre seinen Ausgangspunkt genommen habe.
Und richtig, eines Morgens nahm sie ihn geheimnisvoll beiseite und berichtete ihm ohne besondere Gewissensbisse, daß sie die beiden Schlüssel aus der Schatulle genommen habe. Selbstverständlich dürfe niemand etwas davon merken, sonst seien sie beide die längste Zeit hier gewesen.
„Da können Sie sehen," sagte sie, indem sie ihn zärtlich anblickte, „was ich für Sie wage, nur um Ihnen eine Gefälligkeit zu erweisen und Ihre Neu- gierde zu befriedigen."
Obgleich nicht anzunehmen war, daß die Baroat« gerade jetzt auf den Einfall kommen würde, ihren Schmuck zu revidieren, so war doch höchste Vorsicht geboten und so beschloß Weiler, schon in der nächsten Nacht sein Vorhaben auSzuführen Eine Blendlaterne, sowie Die:riche und sonstigen Werkzeuge deS Diebs» Handwerks hatte er bei sich, und so konnte die nächtliche Forschungsreise vor sich gehen.
Auch einen Revolver steckte er zu sich, man konnte nicht wissen, wie die Geschichte ablief;. und wenn eS ja einen Schuldigen hier im Hause gab, so konnte derselbe, wenn er einen an der Arbeit sah, ihn zu entlarven, leicht zur Verzweiflung getrieben werden; die Narbe, die quer über seinen Hals lief und die er bei einer solchen Gelegenheit empfangen hatte, sagte ihm mehr als alle Erwägungen.
(Fortsetzung folgt.)