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SchlüchtemerAttung
Mzetzer für hie amMchm LeKansitmachunffen im Kreise WUchtern
Bezugspreis frei HauS, vorauszahlbar viertelj. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und EamStagS. Druck und Verlag E. Hahmeister, verantwort!. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- , ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge.
schSftSvcrkchr mit der Firma Schlüchtern.
J2 123
Dienstag, den 19. Ottober 1920
78. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
KchUchters, des 18. Oktober 1920
—* Bei den Waffensammelstellen des Kreises Schlüchtern sind bisher u. a. abgelkesert worden: 280 Gewehre, 580 Karabiner, 158 Revolver und Pistolen, 6195 Patronen, 2 M. G., 40 M. G -Läufe, 7927 Munitionen für Handfeuerwaffen. Das Ablie- strungSergebnis kann danach als günstig bezeichnet werden. Wir machen darauf aufmerksam, daß eine Erhöhung der Ablteferungsprämie unter keinen ^ Umständen stattfindet, vielmehr mit ihrem Wegfall vom 21. Oktober ab unter allen Umständen zu rechnen ist.
—* Die Konzertsaison hat wieder begonnen. Wir haben auch in unserem kleinen Städtchen bereits sehr ansprechende Darbietungen hören dürfen. Der Besuch des ersten Konzerts der „Kammer-Musik-Vereinigung Schlüchtern" war zufriedenstellend. Trotzdem sollte die Pflege guter Musik namentlich in den kleinen Städten und Orten noch viel intensiver betrieben werden, als es z. Zt. der Fall ist, denn nichts wirkt veredelnder aus Gemüt und Geschmack als eine gute klassische Musik. In den größeren Städten herrscht ja in dieser' Hinsicht kein Mangel und jeder Musikliebhaber kommt dort hinreichend auf feine Rechnung. In den kleineren Orten dagegen liegt in dieser Hinsicht noch sehr viel im Argen. Gute Konzerte sind nur. dann als häufigere Erscheinungen zu erwarten, wenn seitens unseres Publikums solchen Veranstaltungen auch stets ein hinreichendes Interesse entgegengebracht wird. — Wir erwarten von der „Kammer Musik Vereinigung Schlüchtern", daß sie sich öfter« hören läßt.
, —* Dienstag und Donnerstag bringen die hiesigen U. T. Lichtspiele den 1. Teil des großen Abenteurerromans „Gewissenlose Bestien", einen Film, der in den größten Städte« des In- und Auslandes mit durchschlagendem Erfolge gegeben wurde, zur Aufführung. Außerdem steht das reizende Lustspiel „Die beiden Gatten der Frau Ruth" mit Henny Porten in der Hauptrolle auf dem Programm. Die Direktion der ü. T. Lichtspiele scheut nicht die großen Unkosten, einige Mann der Regimentskapelle aus Fulda kommen zu lassen. Wir wünschen dem Theater ein ausverkauftes Haus.
—* Am Mittwoch, dem 20. d. Mts., abends 7 Uhr wird in der Turnhalle das Trauerspiel „Kabale und Liebe" von Schiller als diesjährige erste Vorstellung des Rhein-Mainischen Künstler-Theaters gegeben. Wir bringen dies hiermit nochmals in Erinnerung und wünschen dem Unternehmen besten Erfolg.
* Hütten. Bei den am 30. September u. 1. Oktober unter dem Vorsitz des Gewerbeschuldirektors
Letn-liÄtze Srä>a.
Roman von Jost Freiherr» von Steinach.
(Fortsetzung.)
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Er teilte dem Kutscher ein bescheidenes Gelaß auf dem Dachboden; er müßte also, um seinen Plan auszuführen, warten, bis sein Zimmerkamerad eingc- schlafen war. Zu diesem Zweck hatte er einen schweren Schlummerpunsch gebraut und der Kutscher, der i« dieser Beziehung kein Kostverächter war, hatte auch so wacker zugelangt, daß er schon nach Verlauf von einer Stunde wie ein Toter auf feinem Bette lag. Alles war still im Hause. Weiler öffnete die Tür und lauschte wenigstens eine halbe Stunde. Nichts rühte sich. Der Augenblick war gekommen.
Er zündete seine kleine Blendlaterne an, fühlte noch ^"wiLob er auch keines seiner Instrumente vergessen habe,^auu schloß er leise dieKammertür von außen und machte sich auf den Weg.
Er ging auf Strümpfe» und wenn nicht der ungewöhnliche Fall eintrat, daß jemand aufwachte, so war nicht das geringste zu befürchten. Sachte stieg er bis zum ersten Stock hinunter und wandte sich hierauf rechts, wo der Vorplatz seinen Anfang nahm, der zu dem Arbeitszimmer des Freiherr« führte. Die Zofe hatte ihm alles ganz genau erklärt, so daß er unmöglich leyl gehe« -konnte. Endlich gelangte er auch zu der -tur, die die rechte sein mußte.
- Leise steckte er den einen Schlüssel in das Schlüssel- und drehte langsam herum. Er hatte es getroffen;
U schnappte, und im nächsten Augenblick befand
Nch in dem Allerheiligen, das wie tot dalag und as er zwingen wollte, Leben zu gewinnen und r« reden.
Schliicht-r«er KreiMatt Z
AeLtche Beitag im Kreise; gegrillt im Jahre 1849.
Geißler in Hanau abgehaltenen Meisterprüfungen hat Herr H. Merx von hier die Meisterprüfung als Wagner bestanden und damit das Recht zur Anleitung von Lehrlingen und zur Führung des Meistertit els erworben.
Aus Provinz und Aachöargeöiet.
§ Gießen. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof. Als sich um 10 Uhr der v'Zug von Frankfurt in Bewegung setzte, wollte ein 50jähriger Gießener Werkstättenarbeiter noch schnell über das Gleis. Der Schnellzug erfaßte und Überfuhr ihn. Der Unglückliche verlor beide Beine und wurde am Kopf schwer verletzt. Beim Einliefern in die Klinik starb er. Der Verunglückte feierte gerade feinen Geburtstag.
§ Neukirchen. (Das gefundene Jagdgewehr.) Vor der Strafkammer in Caffel hatte sich der Maurer Heinrich Sch. von hier wegen Jagdvergehens zu verantworten. Er wurde am Himmelfahrlsmorgen von dem Jagdaufseher Zang im Walde mit umgehängtem Gewehr ««getroffen. Als der Angeklagte den Jagdaufseher bemerkte, ging er auf ihn zu und gab nach Aufforderung das Gewehr ab. Das Gewehr will er im Walde gefunden habe«, als er nach seiner Wiese gegangen sei. Das Gericht erachtete ihn des Jagdvergehens für schuldig und verurteilte ihn zu 1 Monat Gefängnis.
§ Caffel, 16. Okt. Ein Sittlichkeitsverbrecher wurde gestern in der Person eines 60 Jahre alten Mannes in der Holländischen Straße verhaftet. Der Unmensch hatte sich fortgesetzt an einem 14jährigen Mädchen vergangen.
§ Caffel, 16. Okt. Irenas Ladengeschäft eines Schneidermeisters in der Weserstraße ist in vergangener Nacht auf äußerst raffinierte Weise eingebrochen worden. Der gesamte Bestand an Herrentuchen im Werte von 25 000 Mark ist von den Dieben, die bis jetzt noch nicht bekannt sind, mitgenommen worden.
WelLhaNdel-
— Paris, 16. Okt. Wie Echo de Paris mitteilt, hat die französische Regierung die Vorschläge der englischen Note betreffend die Sachverständigenkonferenz und die vorgeschlagene Konferenz mit deutschen Vertretern zur Erwägung der Wiedergutmachungsfrage angenommen, aber die Einberufung einer dritten Konferenz verlangt, auf der nur die alliierten Regierungen vertreten sein sollen. Die englische Ansicht geht dahin, daß man sich mit Deutschland auf freundschaftliche Art einigen solle. Der französische Standpunkt dagegen
Bald hatte er sich orientiert. Don in jener Ecke stand ein
angelehnt; Bibliothek überzeugte, stand ein
offener Geldschrank, die Tür war nur leicht auf der anderen Seite befand sich eine mit einigen Büchern, wie sich der Detektiv ausschließlich technischen Inhalts; daneben
hohes Aktenregal, von oben bis unten mit verstaubten und vergilbten Faszikeln ungefüllt. Und auf der rechten Seite des Zimmers, ganz nahe dem Fenster, endlich stand der ominöse Schreibtisch, der in der Tragödie des Hauses eine so wichtige Rolle gespielt hatte. Er erregte natürlich die größte Aufmerksamkeit Weilers; zuerst untersuchte er genau seine Konstruktion von außen, darauf zog er das Fach langsam heraus, das damals angeblich erbrochen worden und noch in demselben Zustand gelassen war.
Er wühlte sorgsam unter den darin aufbewahrten Papieren, gab diese Beschäftigung aber bald auf, da es durchweg nur gleichgültige Schriftstücke waren. Nun untersuchte er genau das abgebrochene Schloß, ohne etwas Besonderes daran finden zu können. Hierauf durchstöberte er das ganze Zimmer, durchsuchte auch den Geldschrank, in dem nichts weiter mehr enthalten war, als einige unleserliche, alte Kontrakte, kurz, nirgends war das geringste Außergewöhnliche zu entdecken und
immer wieder kehrten feine Blicke zu dem Schreibtisch zurück. Sollte denn der Freiherr niemals den Drang in sich gespürt haben, etwas Persönliches, Intimes zu Papier zu bringen? Wie es doch in jedem Menschenleben Augenblicke gibt, wo man unwillkürlich die unbe- zwingliche Neigung verspürt, einen Gedanken, ein Erlebnis oder sonst etwas Aehnliches für künftige Zeiten aufzubewahren.
Und das sollte gerade dem Freiherrn nie passiert sein, der einer der größten Fabriken Vorstand, und der
eigen: kl. Zeile oder deren Raum
^kg., Neklamezeile 2,— Mk. Bei Betriebs« stSruugen kein Schadenersatz ober Minder« gebühr einschließlich BezugS. Keine Bewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
geht dahin, daß Deutschland seinen Verpflichtungen nur dann Nachkomme, wenn es dazu gezwungen würde. Eine Formel für eine definitive Einigung sei bisher noch nicht gefunden worden.
— Wien, 16. Okt. (Freude über Kärnten.) Die Blätter drücken ihre große Freude über das Abstim- mungsergebnis in Kärnten aus, wodurch dieses Land deutsch und ungeteilt bei Oesterreich verbleibe. Sie betonen weiter, daß der heutige Tag auch den Signataren des Vertrages von St. Germain den Beweis erbracht habe, wieviel Unrecht dem Volks Oesterreichs durch diesen Vertrag geschehen sei, und drücken die Erwartung aus, daß der Vertrag revidiert werde.
— Kopenhagen, 16. Okt. (Neue Offensive der Bolschewisten.) Wie Berliuske Titende aus Stockholm telegraphiert, haben nach einer Moskauer Meldung die Bolschewisten den Kampf auf der ganzen polnischen Front wieder ausgenommen. Sie berichten eine Reihe von Erfolgen, u. a. melden sie, daß sie die Stadt Molodetzschno zurückerobert haben.
— London, 16. Okt. (Explosion in einer Bomben- werkstatt.) „Dublin Castle" meldet authentisch: Ja einem Haus in Tintern (Grafschaft Waxford) ereignete sich eine heftige Explosion, die das Haus vollständig zerstörte. Dabei wurden 7 Männer getötet und 15 verwundet. Zwei andere werden vermißt. Vermutlich waren die Männer mit der Herstellung von Bomben beschäftigt.
— (Das aussterbende Petersburg.) Die Petersburger bolschewistische „Kraßnaja Gaseta" (Die rote Zeitung) berichtet, daß täglich gegen 1800 Personen aus Petersburg wegreisen. Natürlich, meint das Blatt, wollen bedeutend mehr die Stadt verlassen, aber der Wazenmangel schiebe der Massenflucht einen Riegel vor. In der ersten Hälfte dieses Jahres hätten 189000 Personen Petersburg verlassen.
— Rotterdam, 16. Okt. (Schreckensherrschaft in Irland.) Laut Rieuwe Rotterdamsche Courant veröffentlichen Lord Grey und Lord Robert Ceril gemeinsam einen Brief zur Rede Lloyd Georges über Irland, in dem sie erklären, daß erdrückende Beweise dafür bestehen, daß bewaffnete Streitkräfte der Krone seit Monaten systematisch Häuser verbrannt oder zerstört, Frauen und Kinder in die Wälder nnd Berge verjagt haben. Unter den Opfern befänden sich Protestanten und Unionisten, die erbitterten Gegner der Sinnfeiner. Die Politik, die zu solchen Ergebnissen geführt habe, würde von Ministern, darunter Lloyd George, gebilligt. Dies seien ernste Anklagen, die sofortige öffentliche Untersuchung durch das gesetzliche Gericht heischten.
— (Die russischen Gewerkschaftsvertreter in Deutschland). Das Auswärtige Amt hat die Frist für den
sicher in seiner Familie genügend Gelegenheit hatte einmal in einer erregten Stunde sein Herz auszuschütten! Und hier nichts, kein Zeichen, daß hier ein Mann lange Jahre gehaust hatte, der die Verantwortung über ein Riesenwerk trug, der üder tausend Arbeiter gebot.
Weiler durchsuchte noch einmal alle Gegenstände, in denen Schriftstücke enthalten sein konnten, ohne etwas für feine Zwecke zu entdecken. Als er aber das Fach des Schreibst kretärs zum zweiten Mal herauszo^ da fiel ihm plötzlich etwas auf. Das Fach schien hm nicht ganz mit der Länge des mit grünem Tuch bespannten Oberteils übereinzustimmen. Jetzt zog er es ganz aus der Oeffnung hervor und maß seine Seiten- wand an der des Schreibtisches, und da machte er in der Tat eine überraschende Entdeckung: das Fach war sechs Zentimeter kürzer als jener.
Noch einmal leuchtete er jetzt in die Oeffnung hinein, die zur Aufnahme des Faches bestimmt war. streckte auch den Arm hinein, aber auch nicht die geringste Erhebung oder Vertiefung wies auf einen Knopf oder ein Schlüsselloch hin. Nun rückte er leise den ganzen Schreibtisch und untersuchte die Rückwand, doch auch hier konnte er nichts entdecken. Und doch unterlag es keinem Zweifel, daß sich hier ein geheimes . Versteck befinden mußte, da sonst die Verkürzung des Faches keinen Zweck gehabt hätte. Schon wollte er mißmutig für heute seine Nachforschungen aufgeben, als er beim Hinwegstreichen über die Rückwand plötzlich einen kleinen Schmerz verspürte. Er sah näher zu und bemerkte eine kleine Spitze, so groß wie ein Stecknadel- knopf. Er zog daran, suchte sie hineinzustoßen, doch sie rührte und bewegte sich nicht.
(Fortsetzung folgt.)