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Anzeiger kür stik amtlichen Lekanntmachungen im Kreise 8chtüchtern.

»emaSpreiS frei Haus, voranszahlbar «iettklj. 5,80 Mk., (durch bie Post ohne Bestell- & Erscheint DienStagS, Donnerstags und agS. Druck und Lerlag $. Hodmeister, Vtt-ntwortl. H -T. Hohmeister, Schüchtern, gern« ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten ®r. schSstSverkehr mit der Firma Schlüchteru.

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Aus Stadt und Kreis

Lchküchteruer Kreisblatt

Aetteßr AettLAy im Greife; geyrMdet im Jahre 1849.

Samstag, bett 2S Oktsbev 1920

Schlüchteru, Neu 22. Oktober 1920.

* Wie wir hören, soll der am Sonnabend abend im Hess. Hof stattfindende Familienabend der Beamten- ereinigung des Kreises Schlüchteru sich zu einer recht feinen Feier gestalten. Wir unterlassen daher nicht, nochmals auf die Feier hinzuweisen.

* Die Erneuerung der Lose zur 5. Haupt« und chlußklaffe der 16 Preuß. C üdd. 242 Preuß. Klaffen- tlerie muß bei Verlust des Anrechts bis spätestens onnabend, den 30. Oktober abends 6 Uhr erfolgt sein.

* Wir berichteten bereits in unserer vorigen Nummer von der neuen Zeitschrift des Herrn Dr. Karl Srrünckmann-SodenDer christliche Revolutionär". Es ist uns nunmehr gelungen, einige Exemplare dieser Zeitschrift zu bekommen. In eressenten können sie zum HPreise von einer Mark durch unsere Geschäftsstelle, x Schlüchteru beziehen.

* Vergangener Tage wurde die Umgebung der

Evangelischen Kirche (alter Friedhof) in der ruchlosensten weise durch Bubenband geschändet. Einige Schulkinder pachten es fertig, 28 Grabsteine umzustürzen resp. zu schädigen. Man sollte es nicht für möglich halten, I die Ehrfurcht vor einer heiligen Stätte in jugend- Herzen so sehr gesunken ist. Die beklagenswerten u müssen für den Schaden aufkommen. Hoffentlich erden die Täter der gerechten Strafe nicht entzogen.

* Wie bekannt wird, ist der Verbrauch an Ein- mmensteuermarken zu 10 und 50 Pfg. auffallend st- Dies dürfte darauf Hinweisen, daß tu den reisen der Arbeitgeber vielfach die Bestimmung nicht annt ist, wonach der einzubehaltende Betrag bei Huzahlungen für eine Woche oder für einen längeren eitraum auf volle Mark nach unten abzurunden ist. 8 2 Abs. 3 der Bestimmungen über die vorläufige ebuug der Einkommensteuer durch Abzug vom eitslohn vom 81. Mai d. Js.) Es sei daher noch- als darauf hingewiesen.

* Die zur Zeit noch in Deutschland befindlichen egS- und Zivilgefangenen find hinsichtlich der Lohn- nd Arbeitsbedingungen den deutschen Arbeitern gletch- estellt. Sie werden daher gemäß § 2 II des Reichs- mmensteuergesktzes zur Einkommensteuer herangezogen, gemäß unterliegen sie dem Steuerabzug vom Ar» slohn, den die Arbeitgeber in solchen Fällen vor- hmen müssen.

obachtung der Vorschriften der §§ 1, 3 der Verordnung betreffend Maßnahmen gegen die Kopstalflucht vom 24. Oktober 1919 (Reichsgesetzblatt Seite 1825) mit ankaufen bezw. einlösen dürfen.

* Elm. Wir wollen nicht verfehlen auf die wunder­baren Darbietungen desHexenmeisters" und Gedanken­lesersLamari's" aufmerksam zu machen. Da der Andrang groß sein wird, empfiehlt eS sich frühzeitig zu erscheinen. Für angenehme Unterteilung sorgt Lamart. (Näheres Inserat).

* Hk. (Beschleunigtes Ent- und Beladen der offenen Güterwagen!) Zur Aufrechterhaltung unseres Wirtschaftslebens ist der ungestörte Umlauf der Eisen- bahnzüterwagen namentlich in der gegenwärtigen Zeit eine äußerst wichtige Vorbedingung, auf welche die Verkehrtreibenden nicht oft genug immer wieder hings- wiesen werden können. Augenblicklich herrscht im Ruhrkohlengebiet starke Knappheit an offenen Wagen, und die Empfänger und Versender werden daher ersucht, für schleunigstes Entladen und Beladen gerade der offenen Güterwagen mit allen Mitteln Sorge zu tragen, wozu speziell auch Arbeitslose herangezogen werden sollten.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Ranm 60 Pfg., ReNamezeUc 2, Mk. Bei Betriebs-

stSrungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS.

für Platz, Ausnahme-Zeit ui

Keine BewShr

72. Jahrgang

* Es wird von zuständiger Seite erneut darauf mgewtesen, daß die Banken beim Ankauf von Wert- leren bereits fällige, von den Stücken noch nicht etrennte Zins- oder Dividendenscheine nur unter Be-

§ Fulda. Abgefaßt wurde auf hiesigem Bahnhof eine gewerbsmäßige Schleichhändlerin von Frankfurt a. M., die um ganz sicher mit ihrer Schleichhandels­ware ans Ziel zu kommen stets D Züge , on hier nach Frankfurt benutzte und 2. Klaffe f<hr. % Zentner Mcbl konnten ihr ditsmol abqmo" werden.

8 Neuhof (Kr. Fulda).' Ja der Nacht wurde in die hiesige Bahnhofswirtschaft eingebrochen. Zahlreiche Vorräte an Zigarren, Zigaretten, Branntwein, Cognac und bergt fielen den Dieben in die Hände.

§ Eisenach. (Das Hirschbrüllen einst und jetzt.) Seit einigen Tagen ist tu den Hochwäldern des Thüringer Waldes das Brüllen der Hirsche zu ver­nehmen. Infolge des außerordentlich starken Abschusses des Wildes ist es aber nur sehr vereinzelt zu hören. Während sonst die Zeit des Hirschbrüllens ganze Scharen von Menschen zu abendlichen Ausflügen in die Wälder veranlaßte, bleibt man jetzt meistens daheim, denn man muß schon Glück haben, einen schreienden Hirsch zu hören. Auch durch fortgesetzte Wilddiebereien ist der Wildbestand bedeutend zurückgegangen.

§ Fritzlar. (Strafe für Steuerhinterziehung). Der Landwirt Heinrich O. aus Niederroth bei Fritzlar hatte sich wegen Steuerhinterziehung vor der Strafkammer in Caffel zu verantworten. Er hatte seinen Besitz mit nur 20 000 Mark angegeben, es wurde jedoch ein Wert von mindestens 54 000 Mark festgestellt und der

Grundbesitz auf 80000 Mark eingeschätzt. Auf diese Weise war der Staat um einen Steuerbetrag von 4000 Mark geschädigt worden. Der Angeklagte konnte zu seiner Entschuldigung wenig vorbringen und gab den abgeschätzten Wert zu. Während der Staatsan- walt einen Monat Gefängnis und 20 000 Mk. Geld­strafe beantragte, ließ das Gericht Milde walten, da der Landwirt noch unbestraft ist und ihm, wie es an« nahm, die erforderliche Orientierung gefehlt habe. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 5000 Mark.

§ Hanau a. M. Ein schwerer Automobilunfall hat sich auf der Fahrt von Caffel nach Frankfurt ereignet. Ein mit vier Personen, drei Holländern und einem Deuschen, besetztes Automobil durchfuhr Langenselbold, als plötzlich auf einer stark abschüssigen Strecke die Bremsvorrichtung versagte. Während die Holländer ruhig fitzen blieben, sprang der Deutsche aus dem Wagen, wurde aber dabei so heftig gegen den Baum geschleudert, daß er einen Schädelbruch davontrug und alsbald verstarb.

Frankfurt a. M. (Briefzensur der Franzosen). Wie eine Anzahl in Frankfurt aus dem besetzten Gebiet eingelassener Briefe erkennen lassen, ist der französische Zensor wieder eifrig am Werk. Also Vorsicht hüben wie drüben.

§ Zimmersrode. Vor kurzem war in einer hiesigen Gastwirtschaft ein Mann, der von sich behauptete, Kranke auf eine wunderbare Weise heilen und Blinde sehend machen zu können. Es kamen auch viele Leute von der Schwalm zu ihm um seine überuatürliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit große« rednerischem

Bevölkerung Glauben zu finden.

Zum Zusammenbruch der IL L. P. D.

(Ebbe in der Parteikasse).

Die nunmehr vollzogene Spaltung in derH-SP'-D. bedeutet den vollständigen Zusammenbruch dereinst so stolzen Partei, der sich auch ganz besonders in finanzieller Hinsicht geltend machen muß. Schon jetzt beginnt die Rauferei um die Parteigelder. DieTribüne" will übrigens erfahren haben, daß die Erbschaft, auf die die beiden feindlichen Lager der U. S. P. D. Anspruch erheben, recht kärglich sei. Die Parteitage find, wie das genannte Blatt in seiner Nr. 41 berichtet, im Laufe des letzten Jahres sehr unregelmäßig nnd unpünktlich geleistet worden. Die Gesammtsumme der eingegangenen Gelder stehe in einem schreienden Mißverhältnis zur Zahl der eingetragenen Mitglieder, die sich auf 893 932 (darunter 135 446 weibliche) belaufe. In der Zeit vom 1. April 1919 bis zum 31. März 1920 seien nur 397 251 Mark eingegangen, was nicht einmal 50 Pfg. auf ein Mitglied ausmache.

feinMi^e Brüder

Roman von Jost Freiherrn von Steinach (Fortsetzung.)

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, Waldau hotte seit ungefähr vier Wochen vergebens ein Lebenszeichen von jener Stelle erwartet, konnte seine Ungeduld so wenig bezwingen, daß er mehreremal nach der Friedrichstraße gegangen war, um Erkundigungen nzuziehen, hatte aber stets die wenig tröstliche Aus» iunst erhalten, der Chef sei verreist und niemand wisse, wohin er sei.

. M nun war dieses Schreiben gekommen, dessen «urze nur dazu angetan war, feine Neugier und seine Unruhe noch mehr zu steigern. Doch traf es sich gut, er gerade heute zu Weiler kommen sollte, da onnte er gleich zwei Fliegen mit- einer Klappe schlagen; Z^ fl"t einziger Protektor, Kommerzienrat Bendemann, ihn avfgrfordcrt, ihn zu besuchen.

^Mau wußte schon im voraus, was der alte Herr ^ beabsichtigte; er wollte ihn dazu veranlassen, l «kn früheren Beruf als Ingenieur wieder aufzu - und seine Arbeitskraft sowie sein Erfindertalent

to ^S Rats, Dienste zu stellen. Damit war aber

Mtau durchaus nicht einverstanden, wenigstens in

Augenblick nicht; denn das sah er jetzt als sei»!» Ä g* Pflicht an, die verfahrenen Angelegenheiten k? , Freundes in das rechte Geleis zu bringen und diese wieder zur Freiheit zu verhelfen, und

foit. Aufgabe nahm so sehr sein ganzes Denken und

Jtt Anspruch, daß ihm für andere Dinge war» «L ^ k"$ nötige Interesse fehlte. Und dann Mm.t - uunütz anfirengenl Für thu genügten seine

1 reichsten Matze, und für wen hatte er denn

noch zu sorgen? Er hatte kein Heim, kein geliebtes Weib, keine Kinder, also wozu sich neue Pflichten auf die Schultern laden! Oder gar neue,, technische Wunder aus denken, wozu! Damit die Menschheit noch bequemer, noch denkfauler würde! Er haßte sie, diese Menschheit, bei der bdr äußere Schein alles galt und der innere Wert nichts. Eines Tages hatte er auf sich genommen, freiwillg, einen Freundschaftsdienst, einem Mann gegen­über, den er seiner Freundschaft für würdig hielt und an dessen Unschuld er unverbrüchlich glaubte, das war vorläufig sein einziges Ziel, das er für erstrebenswert hielt. Alles andere galt für ihn nicht einen Pfifferling.

Trotzdem wollte er zu dem alten Herrn hingehen, um nicht undankbar und unhöflich zu erscheinen, und von dort aus gedachte er Weiler seine Aufwartung zu machen und seine Neuigkeiten entgegenzunchmen, nach denen er mit allen Fasern seines Herzens verlangte.

Der Kurfürstendamm, in dem Bendemauns Villa gelegen war, war nicht weit von seinem Hause entfernt, und er beschloß, zu Fuß hinzuwandern. In einen warmen Pelz gehüllt, einen Regenschirm gegen das' immer heftiger werdende Schneegestöber unter dem Arm, so schritt er hinaus in den Wintcrtag. Die Sonne stand am Himmel fahl und bleich, ohne zu wärmen, und in ihren Strahlen spiegelten sich die Millionen Schneeflocken und fielen glitzernd zu Boden. Allmählich wurde die ganze Erde weiß, wie mit dnem sauberen Linnen überdeckt. Es war ein herrlicher Anblick!

Doch die meisten Menschen nahmen davon nichts wahr, sondern eilten beflügelten Fußes weiter, um recht schnell unter ein schützendes Dach zu gelangen.

Waldau schritt rnhig weiter, ihn focht das Wetter nicht an, er war lange Zeit in Amerika gewesen und von dort her ganz andere Schneestürme gewöhnt, wo ganze Eisenbahnzüge eingeschneit wurden und ganze Strecken wie Etsblöcke aussahen. Endlich bog er um die Ecke in den Kurfürstendamm ein, nun noch ein paar Häuser, und er war angelangt.

Der alte Herr empfing ihn sehr liebenswürdig, schalt ihn aber, wenn auch in scherzhaftem Tone, aus, warum er sich gar nicht sehen lasse.

Seit meiner Soiree habe ich Sie nicht zu Gesicht bekommen, und auch da scheinen Sie sich bald gedrückt zu haben, denn als ich Sie suchte, waren Sie nirgends zu finden." ,

Entschuldigen Sie nur, Herr Rat," log Dr. Waldau, aber mir war damals nicht ganz wohl."

Das ist ja sehr nett", polterte der alte Herr lachend, nun belügen Sie mich auch noch. Seit wann haben Sie sich das angewöhnt?"

Ich lüge?" erwiderte er, rot werdend.Wieso wollen Sie das"

Behaupten?" ergänzte Bendemann seine Rede. Ja, das ist sehr - einfach. Da war so ein liebes Fräulein namens Hilde, na, was ist Ihnen denn? die besam ich so. zufällig unter die Finger, und da kam denn das Gespräch unter anderem auch auf Sie, na, von der erfuhr ich denn, daß Sie ganz wohl und munter wären. Ihr Uebel müßte sich denn später plötzlich eingestellt haben. Uebrigens, Verzeihung, was haben Sie denn mit dieser Dame vorgehabt? Die schien ja nicht schlecht wild auf Sie zu fein!"

(Fortsetzung folgt.)