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SchKchterner Krnsßiatt Aeitetzr Seltxxg im «reife; gegrihrtet im Jahre 1849.
M 128 Samstag, den 30. Oktober 1920. 72. Jahrgang
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Aus $faM und Kreis.
S^Hteni, des 29 Oktober 1920
BezngSprets frei Haus, vorauSzahlbar Viertels. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Berlaa T. Hohmeister, verantwort!. $.»$. Hohmeister, Schlüchtern. ffern- mf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.
—* Die Martinsgans, die am 10. November bei denjenigen Familien fällig ist, die in sich leisten können, ist bekanntlich ein leckerer Vogel, daher denn auch der berühmte Göttinger AuSspruch stammt: „Eine chutc chebratene Chans ist 'ne chute Chabe Choties." Sie kostet zwar heutzutage soviel wie früher eine Kuh, und bloß die zum Füllen der Gans benötigten Aepfel verlangen heute eine höhere Ausgabe als früher die ganze Gans. Aber wenn man erst soweit gelangt ist, sich über diese Nebensächlichkeiten hinwegzusttzen oder sie durch den lobenswerten Vorsatz, seinen lieben Nächsten um die Mehrkosten zu bewuchern, überwunden hat, dann ist an der fertig gebratenen GanS tatsächlich nichts mehr auszusetzen. — Für junge Mädchen im Alter von 15—20 Jahren, die die Absicht haben, später einmal einem eigenen Hausstande vorzustehen, sei als Extralektion angeführt: Man füllt die Gans mit Aepfeln, brät sie im Ofen, schöpft häufiger daS Fett ab, begießt zeitweilig den Braten damit, bis er recht schön braun und knusprig ist, und gibt ihn mit Rotkohl zu Tisch. Ein Glas Wein soll den Geschmack wesentlich verfeinern. Ein Auswendiglernen dieser Extralektion hat aber nur dann Sinn, wenn man die begründete Aussicht hat, von einem Kricgsschieber, Zechenbaron oder notleidenden Landwirt zum Altar geführt zu werden.
—* Kommenden Samstag findet in der Turnhalle Wiederholung der AbendunterhalPng des Kriegervereins Schlüchtern vom 29. 9. statt. Die vielseitige interessierte VorfirLuAg soll auch Mchtmitzikrdcr zugängig gemacht werden, wie auch den vielen Mitgliedern, welche wegen Ueberfüllung des Hess. Hofes am Festabend nicht - anwesend waren. Nach der Vorstellung findet ein Tanzkränzchen statt.
—* (Volksbildungsabend.) Am Sonntag, den 7. November d. Js. veranstaltet die Sozialdemokratische Partei Schlüchtern einen Volksbildungsabend, bestehend in einem Vokal- und Jttstrumentalkonzert. Das vom Volksfest her sich noch in sehr guter Erinnerung befindliche Quartett der Frankfurter-Union, sowie Herr Leo Stern (Bariton) und die konservatorisch ausge- dildete Kouzertsängerin Frau Kirstner (Sopran) haben ihre Mitwirkung bestimmt zugesagt. Da dieser Abend unpolitischer Art ist, so ist allen Einwohnern, ohne Unterschied welcher Partei sie angehörcn, Gelegenheit geboten, dieses Konzert zu besuchen. (Siehe Voranzeige in heutiger Nummer.)
—* Zur Heizung der Eisenbahnzüge wird von amtlicher Seite geschrieben: Nach Bestimmung des Reichsverkehrsministers muß wie im vorigen Winter auch während des kommenden HeizzeitraumeS die Hei- zung der Züge zur Herabminderung des Kohlenverbrauchs soweit irgend angängig eingeschränkt werden. In erster Linie soll nach Möglichkeit für eine ordnungsmäßige Heizung der Fernzüge gesorgt werden. Die Personen- züge des Nahverkehrs und des größten Teils der Nebenbahnstrecken des Eisenbahndirektionsbezirks Frank- surt (Main) müssen von einer Beheizung gänzlich ausgeschlossen bleiben. Den Fahrgästen wird deshalb empfohlen, sich durch Winterschutzkleidung Decken und dergl. vor Kälte zu schützen. Sie müssen damit rechnen, daß auch die Fernzüge nicht immer ausreichend geheizt werden können. Es darf angenommen werden, daß die Fahrgästr den obwaltenden Umständen volles Ver- ständnis entgegenbringen. Beschwerden über mangelhafte Beheizung der Züge werden im allgemeinen keine Berücksichtigung finden können.
—* (Der ausgehungerte Boden.) Das Reichs- Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft teilt mit: Die dieMhrige Getreideernte hat einen erheblichen Ausfall am Körnerertrage gegenüber früheren Ernten ergeben. Der Grund hierfür ist hauptsächlich der, daß dem Boden di^ nötige Phosphorsäure gefehlt hat. Es kann auf eine ausgiebige Phosphorsäuredüngung auf keinen Fall mehr verzichtet werden. Jetzt zeigt der einheimische Boden einen erschreckenden Mangel an -phosphorsäure und unsere auSge-uagerte Kulturboden ™ 5*» den Pflanzmwurzeln nicht mehr die erforderlichen Nährstoffe bieten.
Atts Provinz und WachSargeöiet.
8 Caffel. Ein neuer großer EinbruchSdiebstahl wurde in der Nacht vom Montag zum Dienstag bei
der Firma Mey-r u Co. in der Laiherstraße verübt. Den Einbrechern fielen Stoffe im Werte von 15 bis 20000 Mark in die Hände. Als Täter kommen ver. mutlich dieselben Personen in Frage, die vor einigen Tagen den großen Stoffdiebstahl in der Fünffensterstr. ausführten. Zwei verdächtige Personen wurden des nachts von Polizeibeamten zwar bemerkt, konnten aber infolge der Dunkelheit entkommen.
§ Pößneck, 28. Okt. Heute wurde im benachbarten Friedebach der 50jährige Landwirt Hermann Engel ermordet ausgefunden; er lag mit dem Gesicht nach unten auf einem Kartoffelacker. Man vermutet, daß er einem Raubmord zum Opfer gefallen ist, der am Montag begangen wurde. Vom Täter fehlt noch jede Spur.
Die Not der Post
Kürzlich wurde in Leipzig eine Tagung des Reichs- bundes deutscher Technik abgehalten, bei der ein höherer Beamter des Postministeriums, M-nistertal-Direktor Dr. Bredow, über die Fehlbeträge im Telegraphen- und Fernsprechwesen referierte. . In der deutschen Finanzreform spielt der Fehlbetrag im Eisenbahn- und Postwesen eine beträchtliche Rolle. Auf beiden Verkehr- gebieten müßten die Sätze etwa verdrei- oder vervierfacht werden, um eine Kostendeckung zu erzielen. So arbeitet die Eisenbahn mit einem Fehlbetrag von 16 Milliarden Mark, die Post mit einem solchen von 2 Milliarden Mark, im Jahre. Diese Fehlbeträge müßten letzten Endes von der Gesamtheit des Volkes aufgebracht werden und belasten also den einzelnen in dem Verhältnis, in welchem er zur Deckung der öffentlichen Unkosten beiträgt. Das Wesen dieser Gebühren besteht aber eigentlich darin, daß der Nutznießer dieser betreffenden Einrichtung für die Unterhalts- und Betriebskosten aufkommt. Es ist unbillig, daß jemand, der aus Sparsamkeit oder aus sonstigen Gründen weder telegraphiert noch telephoniert, fast wie jeder Benutzer dieser Einrichtungen dafür auskommen muß. Um nun auf diejenigen Rücksicht zu nehmen, die auf Telegraphen-^ oder Fernsprechwesen angewiesen aber nicht in der Lage sind, auch das Vielfache des Gegenwärtigen an Gebühren zu entrichten, wird jetzt geplant, die Telephon- gebühren zu staffeln. Die Vielsprecher sollen nicht nur absolut, sondern auch relativ mehr bezahlen als die Wenigsprecher. Wir kommen damit zu ganz neuen Grundsätzen in der Bemessung von Gebühren. Die bisher bestehende Gleichheit soll einer sozialen Stüffellung weichen.
WelthäM!
- (Ein Putsch in Aussicht?) Die „Freiheit" bringt folgende Meldung: „Auf Grund festgestellter Tatsachen hat sich ergeben, daß von linksradtkaler Seite versucht wird, durch Putschversuche und Ueber- rumpslungen die Arbeiterschaft in eine Aktion zu treiben. Wir warnen die Arbeiterschaft, sich an solchen törichte» Unternehmungen zu beteiligen. Ganz besonders ergeht diese Warnung an die Arbeitslosen, die von den' Putschisten als Stoßtrupps ausersehen find. Die Arbeiterschaft kann nicht durch solche, aus dem Arsenal spießbürgerlicher Revolutionsromantik stammenden Putschversuchen, sondern nur durch, zielbewußten Klaffen- kampf zum Siege kommen. Solche, von unklaren unsozialiftischen Elementen unternommenen Putsche dienen nicht der Sache des Proletariats, sondern nutzen nur der Konterrevolution/"
— München. (Die Aufgaben der Organisation Escherich.) Die Oberleitung der Organisation Escherich hebt in den Morgenblättern nochmals hervor, daß sich die Organisation nicht mit militärischen Dingen befaßt. Als Grundlinien eines Arbeitsprogramms werden dargelegt: Wiederbelebung des nationalen Gedankens, Festhalten am Reichsgedanken^ Bekämpfung des Bolschewismus und Nationalbolschewismus, Stärkung des Arbeitswillens und Schutz der Freiheit der Arbeit Und endlich Ausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
— Berlin. (Der russisch Ukrainische Krieg.) Den amtlichen ukrainischen Heeresberichten vom 20. und 21. Oktober zufolge zeitigte die ukrainische Gegenoffensive ansehnliche Erfolge in östlicher und südöstlicher Richtung. Ostwärts haben die ukrainischen Rationaltruppen bei Winnitza und Choloniewsk die bolschewistische Front durchbrochen, die Eisenbahnlinie Schmerinka-Kiew überschritten und sind gegen Berditschew tief in die feindliche Etappe eingedrungen. Die Stadt Winnitza sowie
Anzeigen: kl. Zeile oder deren Man»
60 Pfg., R-klamezrile 2,- M. Bei Betriebs- störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufäahme-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei genchtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Stummer 11402.
der wichtige Eisenbahnknotenpuakt Kasjatyn an der Linie Kalinowka-Kiew wurde genommen. Südwärts wurde nach harten Kämpfen die feindliche Front bei Bar und Jarytschew durchbrochen. Hier zieht sich der Feind fluchtartig auf dem ganzen Abschnitt zwischen Schmerwaka and Mohilew zurück. Die Ukrainer haben die Orte Dznryn und Jaruga am Dnjestr besetzt und marschieren auf Jampol.
— Saarbrücken. (Die französische Ausbeute aus dem Saarbergbau.) Nach einer Statistik der franzöfi- schen Grubenverwaltung beläuft sich im Monat Sept. hie Förderung auf den vom französischen Staat ausge- beuteten Saargruben auf 795 267 Tonnen (im August 686 042), auf der an eine französische Aktiengesellschaft verpachteten Grube Frankenholz auf 16 043 Tonnen (im August 16 638), somit insgesamt auf 811310 Tonnen (702 680 Tonnen im August). Die mittlere Förderleistung pro Tag beträgt bei 26 Arbeitstagen 31204 Tonnen gegen 28107 Tonnen im August. Die Gesamtförderung auf den Saarkohlengruben im Jahre 1919 erreichte 8 970 848 Tonnen.
— (Die Arbeitslosigkeit in England.) Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London, daß fünfzehn zur Arbeiterpartei gehörende Bürgermeister in einem Schreibe« an Lloyd George erklärten, wenn die Regierung nicht großzügige Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit treffen würde, müßten sie die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung ab- lehnen.
— (Japan verstärkt seine Flotte.) Das letzte japanische Marinebudget beläuft sich auf 340 Millionen Am (51 Millionen Pfund Sterling).
— (Italien kämpft mit Nahrungsforgen.) Nach amtlichen ÄUttclluugen beträgt. Ue. bisherige..Weizen- ernte Italiens 3875 Millionen Doppelzentner gegenüber 46 7, Doppelzentner im Vorjahr. Auch.alle übrigen Getreidesorten weisen große Minderbeträge auf. Die Regierung verkündet nun die Wiedereinführung der Brotrationierung und stärkere Mischung des Brot- mchls mit Mais- und Kartoffelmehl. Ein weiteres Dekret stellt die Wiedereinführung der Fleischrationierung in Aussicht.
Das AröettsnachVetsgefetz.
Im RetchSarbektSminister'um ist vor kürzem der Entwurf eines Arbeitsnachweisgesetzes fertiggestellt worden. Damit wird dem seit Jahren schon von der interessierten Arbeitnehmerschast geäußerten Wunsche nach einer Zusammenfassung des Arbeitsnachweises auf einheitliche Grundlage Rechnung tragen. Weiter ist damit ein Fortschritt auf dem Wege zu einer befriedigenden Lösung des Arbeitslosenproblems getan worden.
Das Gesetz bezweckt eine lückenlose Organisation und einen einheitlichen Aufbau der gesamten Arbeitsnachweise auf der Grundlage örtlicher und beruflicher Dezentralisation. Als Arbeitsnachwrisämter sollen gelten: 1. Die Arbeitsnachweise, 2. Die Landesämter für Arbeitsvermittlung und 3. Das Reichsamt für Arbeitsvermittlung. Den Arbeitsnachweisen sollen dir Arbeitsvermittlung und die Mitwir kung bei der Arbeitslosen- Versicherung obliegen. Sie sollen ferner befugt sein, ihre Tätigkeit auch auf die Berufsberatung und Lehr- stellenvermittlung auszudehnen. Wettere Aufgaben zur Regelung des Arbeitsuächwetses, insbesondere auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung, der Erwerbsbeschränkten und Wanderfürsorge, können den ArbritSnnchwetsen übertragen werden. Arbeitsnachweise sind für den Bezirk jeder unteren Verwaltungsbehörde, Kreise und Gemeinden, zu errichten. Die Landesämter gelten als Ausstchts. und Beschwerdestellen gegenüber den Arbeitsnachweisen, sie haben den Arbeitsmarkt zu beachten und den Ausgleich von Ort zu Dit zu segeln. Nach Bedarf sind bei den Arbeitsnachweisen Fachabteilungen zu gründen. In welcher Weise die Arbeitsvermittlung zu erfolgru hat, dazu heißt eS im § 41 des Entwurfes, daß sie unparteiisch und ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit zu einem Berufsvereine zu erfolgn habe. Sie hat dahin zn wirken, daß jede freie Stelle durch möglichst geeignete Arbeitskräfte besetzt wird. Dabei sind-einerseits die besonderen Verhältniffe der freien Stelle, andererseits die berufliche und kör perüche Eignung sowie die persönlicheu und Familienverhältniffe des Bewerbes zu berücksichtigen, soweit cs die Lage des Arbeitsmarktes gestattet. Wenn ein Tarifvertrag besteht, so hat der Arbeitsnachweis die Bermittwng beteiligter Arbeitnehmer an beteiligte Arbeitgeber zu anderen als den tariflichen Bedingungen abzulehnen.
Die bestehenden Arbeitsnachweise werden nach den