Müchterner Zeitung
Anzeiger für Öle amtlichen Keklinntmachungen im Kreise 8chtüchtern.
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K 129.
SchliichtEr Kreisßlatt
Netteste Sdtxxg im Kreise; geZrii«dkt im Jahre 1849.
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Dienstag, den 2. Nsnember 1920. 72. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
GchlSchteru, den 1. November 1920.
—* Allerheiligen und Allerseelen, zwei in der katholischen Kirche hochgehaltene Feiertage, fallen auf den 1. und 2. November. Der erste Tag ist zur gemeinsamen Gedächtnisfeier für alle Heiligen und Märtyrer der katholischen Kirchengeschichte, der zweite S für die Erinnerung an die Verstorbenen eingesetzt. Beide Tage werden im katholischen Gottesdienst mit f Entfaltung vieler feierlichen Sitten und Gebräuche be- ; gangen. Am Allerseelentage ist es in vorwiegend ; katholischen Gegenden namentlich die Sitte, Kerzen auf den Gräbern der Verstorbenen anzuzünden, die für ' den nicht an diesen Anblick Gewöhnten einen seltsam feierlichen und tief.zu Herzen gehenden Eindruck macht, ‘ den man nicht so leicht wieder vergißt.
—* Die am Sonnabend vam Fnßallvcrein 1910 Schlüchtern verunstaltete theatralische Abendunterhaltung , hatte sich eines starken Besuches zu erfreuen. Nachdem : Herr Föller einige Begrüßungsworte gesprochen hatte, kam das gut gewählte Programm zur Aufführung. Die Mitwirkenden waren keine Berufsspieler, aber es gelang ihnen doch die Zuschauer durch ihr überaus natürliches Spiel zu fesseln. Alle Spieler haben ihr möglichstes getan, den Gästen und Mitgliedern des Vereins einige schöne Stunden zu bereiten.
—* Die Versicherung von Fahrrädern gegen Dieb- stahl übernimmt die Deutsche Fahrräder-Verstcherungs» Akt.-Ges. in Altona-Sibe, Büro Marktstr. 43. Nähere Auskunft wird gern erteilt.
-* (Erheblich billigeres Schweinefleisch in Sicht.) Wie ein Privattelegramm aus Halle meldet, teilte in einer dortigen Versammlung der Obermeister der halleschen Fleischerinnung mit: Es könne mit Bestimmt- .heit angenommen werden, daß mit der Jahreswende das Fleisch namentlich das Schweinefleisch im ganzen Reich erheblich billiger sein werde.
—* (Kein Weihnachtszeugnis mehr ?) Der Kultusminister hat eine Rundfrage ergehen lassen, ob noch ein Bedürfnis nach den WeihnachlSzensuren vorliegt oder ob diese Zensuren ganz beseitigt werden können. Kurz vor dem Weihnachtsabend wurden früher die Zensuren zum mindesten in Schülerkreisen oft sehr unangenehm empfunden. '
—* (Die körperlichen Züchtigungen in der Schule.) Ja einem neueren Erlaß hat der Preuß. Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung wiederum zur Frage der körperlichen Schul Züchtigungen Stellung genommen. Als Grundsatz wird aufgestellt, daß die Körperstrafe nur in Ausnahmefällen, wenn alle anderen Zuchtmittel erfolglos geblieben find, als letztes äußerstes
Feindliche Seub«.
Roman von Jost Freiherr« von Steinach
(Fortsetzung.)
st
Urbrigens verwahrte ich ein Pastellbild von Machen, auf dem sie mit derselben Brosche abgebildet steht. Nun wurde mir erst die Handlungsweise Ottos klar; sollte ich ihm daraus einen Vorwurf machen, und gab es hier nicht einen ganz andern, der schuldig war, nämlich mich ? Und deswegen soll ich ihn enterben ? Nimmermehr!"
Waldau blickte sein Gegenüber mit fragenden Augen an, als er ihm dieses Schriftstück zurückreichte;
wat ihm, als wenn plötzlich ein Lichtstrahl in das Heinbar undurchdringliche Gewirr dränge, und seine Seele erzitterte unter einer gewaltigen Freude.
,A nur schnell, weiter, weiter!" rief er ungeduldig.
Der andere lächelte fein.
"Ihre Ungeduld wird noch zeitig genug befriedigt werden. Hier, dieses Blatt wird Ihnen weitere Erklärung bringen."
Mit wahrem Fieber ergriff er die bargebotene «rite.
„Heute früh wurde ich wahrhaft gerührt durch die meines ältesten Sohnes. Er hat frei aus dem Gedächtnis mein Bild gemalt und es, wie ich aus den tunken ersehe, tu die Ausstellung gebracht. Alle Suiten sind voll des Lobes, man prophezeit ihm allge« eine glänzende Zukunft."
...--Mein alter Freund Goswin hat es gesehen und uhmt die Aehnlichkelt. Er versichert, daß so nur das nuge der Liebe malen kann. Und gerade diesen habe von mir gestoßen; Ist das nicht tragisch? Meine «wen jüngeren Söhne, krasse Egoisten, die kein
Mittel angewandt werden solle. Die körperliche Züchtigung sei ein Strasmittel, das mit dem Geiste unserer Zri^ nicht mehr zu verneinen sei und am besten aus der Schule gänzlich beseitigt werde. Bei Mädchen hätten Körperzüchtigungen überhaupt zu unterbleiben. Als Mißbrauch sei es anzusehen, Züchtigungen als Strasmittel für mangelhafte Aufmerksamkeit oder gar ungenügende Leistungen zu verwenden. Die Lehrerschaft müsse dahin streben, durch Eingehen auf die kindliche Eigenart und eine von Geist und Leben erfüllte Lehrweise die Teilnahme des Kindes derart zu fesseln, daß körperliche Strafen überflüssig würdeu.
—* (Keine Trauungen in der Bußtagswoche.) Nach § 8 des KirchengesetzeS für die evangelische Kirche im Bezirke des Konsistoriums zu Cassel dürfen Trau unzen in der Woche, in welche der jährliche Bußtag fällt, in diesem Jahr vvm 14.—20. November, nicht gehalten werden.
—* (Die Kartoffelausfuhr aus Hessen verboten?) Um der durch Aufhebung der Zwangswirtschaft be« stehenden Gefahr vorzubeugen, daß Aufkäufer Kartoffeln außer Landes führen, sodaß die hessischen Städte und Jndustriegemeinden in Not geraten, ordnete der Minister des Innern eine Besprechung mit den Händlern an, bei der ihnen dargelegt werden soll, daß die Ausfuhr der Kartoffeln in den einzelnen Kreisen nur durch solche Händler erfolgen dürfen,' welche eine besondere Ausweiskarte der Kreisämter besitzen.
—* (Vor der Hochzeit.) Nach neuerer gesetzlicher Bestimmung soll das Aufgebot künftig nicht mehr die Angaben über Stand des Vaters, Geburtsdatum des Brautpaares und ob ehelicher Abkunft enthalten, sondern lediglich folgenden Wortlaut: „Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß der Schneidermeister ... und die Haustochter ... die Ehe miteinander eingehen wollen. Das dürfte auch vollkommen genügen, Besonders aber werden sich die Damen, vor allem die älteren Semesters, freuen, daß sie ihr Alter nicht mehr der Oeffentlichkeit preiszugeben brauchen.
(Hersf. Ztg.)
Hk. (Stenografisches Prüfungsamt.) Von dem Stenografischen-Prüfungsamt der Vereinigten Handelskammern Frankfurt a. M.—Hanau haben die am 19. September d. Js. abgehaltene Prüfung als Geschäfts- stenografen bestanden: Wilhelm Hilbig, Paul Lange, Hans Nees, Helene Marms-Kreuznach, Emil Baier, Hch. Banz N -Jsenburg. Karl Börner, Dr. Anton Dietz-N.-Jsenburg, Johanna Keller, Hermann Kuch, Hch. Litzinger, Milda Pauly, Walter Pohl, Rosa Sattler, Anna Siegmund, Charlotte Thormann, Hch. Wollenhaupt, Friedrich Graser-Hanau.
—* Aus dem Kreise^Fulda wird dem „Fuldaer
Füukchen Liebe für mich zeigen, sollen von dem Einzigen, der mir trotz aller Zurücksetzung seine Anhänglich bewahrt, bevorzugt werden ? Nimmermehr! Ich werde mir in den nächsten Tagen sein Bild ansehen, aber heimlich. Lona darf nichts davon wissen, erstens würde sie mir das Haus zur Hölle machen, und zweitens habe ich noch einen triftigen Grund für meine Heimlichkeit."
„So", meinte der Detektiv, indem er ihm ein neues Blatt reichte, „und nun mögen Sie dieses noch lesen, es ist die Krönung des Ganzen!
„... ich habe mir daher das Testament vom Gericht zurückgeben lassen, um es ihrem Wunsche entsprechend zu ändern. Natürlich denke ich gar nicht daran, dies zu tun. O, mein Gott, ich fühle, es währt nicht mehr lange mit mir, meine Tage sind gezählt, nnd bald werde ich vor Deinem Richterstuhl stehen. Aber vorher will ich das Unrecht gut machen, das ich meinem Aeltesten angetan, dem einzigen Pfand der Liebe, was mir mein angebetetes Weib zurückgelassen. Und rächen will ich mich an diesem Weibe, das mein Leben vergiftet hat, das mich geplagt und drangsaliert, bis ich völlig zermürbt war, so daß ich jetzt den Tod als eine Erlösung betrachte. Aber wenn ich nichts gewünscht habe, eins möchte ich gar zu gern erfüllt sehen, eines, das leider zu den Unmöglichkeiten gehört: ich möchte nach meinem Tode das Gesicht dieser Frau sehen, wenn mein Testament eröffnet wird, ach, das wär/ die einzige Freude, die sie mir je bereitet hätte! Jetzt habe ich meinen letzten Willen aufgesetzt, aber anders, als sie sich das denkt. Ich verwahre das Testament in meinem Schreibtisch und werde es morgen sofort auf dem Gericht abgeben."
Das Geschriebene hatte ein Ende. Waldau hob
Tageblatt" geschrieben: Vor einigen Tagen kam ein Ber- kehrsbeamter in ein größeres Dorf, um Weizen zu Hamstern. Bei einer Bauersfrau erstand er einen Zentner zu dem überhohen Preise von 500 Mark. Billiger wollte die Menschcnfreundin die Frucht nicht ablassen. Am Tage nach diesem Wuchergeschäft erhielt die Frau ein anonymes Postpaket, dessen Inhalt auf einem Totenhemd und zwei Kerzen bestand. Diese Sendung wirkte derart auf die Bauersfrau, daß sie geistig gestört wurde.
—* (Keinö Aufnahme in die Präparandenanstalten mehr.) Nach Mitteilung des Provinztal-Schulkollegt- ums hat der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung angeordnet, daß zu Ostern kommenden Jahres bei sämtlichen Präparanden- und Präpar^n- dtnneu-Anftalten von der Aufnahme neuer Schüler n^d Schülerinnen Abstand genommen werden müsse. b zu dem genannten Zeitpunkt die Grüurr g deutscyer Oberschulen erfolgen kann und in wenigen Orten solche Schulen gegebenenfalls einzurichten sind, läßt sich zurzeit noch nicht bestimmen. Die Schüler und Schülerinnen der gegenwärtigen 3. Präparandaklaffe müssen mit Aenderungen in der Lehrerausbildung rechnen.
* Steinau. (Silberne Hochzeit.) Das Fest der silbernen Hochzeit feiern am 2. November, die She- leute Adam Schäfer, hier.
Aus Uroviuz und WachöargeSiet.
8 Gelnhaufen. (Strafe für Steuerhinterziehung.) Der Landwirt I. S. in Aufenau wurde von der Strafkammer in Hanau'wegen Einkommen-und Kriegs- steuer-Hinterziehung zu 5000 Mk. Geldstrafe und 2 Monaten Gefängnis und zur Tragung sämtlicher Kosten verurteilt neben der Nachzahlung der hinterzogenen Steuer.
§ Aus dem Vogelsberg. In Ulrichstein wurden nachts aus der Molkerei 130 Pfund Butter von Einbrechern gestohlen. — Ein Darmstädter Fsrienktud, der 12 Jahre alte Ph. Stork, Sohn eines Postschaffners, der einige Wochen zur Erholung in Giechenhausen (Kreis Schotten) untergebracht war, ist von dort seit 12. Oktober spurlos verschwunden.
§ Hanau. Kürzlich wurde gemeldet, daß ein in der Sammelwaseumetsterei (Abdeckerei) tätiger Metzgergeselle verhaftet worden sei, der im Verein mit zwei Spießgesellen aus der Abdeckerei Fleisch gefallener Tiere entwendet und nach Hanau wie auch nach Frankfurt verkauft habe. Auf eine Anfrage erwidert der Landrat und Polizeidirektor, daß die Angelegenheit immer weitere Kreise ziehe. Gegen einen Händler sei schon eine Untersuchung eingeleitet worden mit dem Ziele, sein Geschäft auf Grund der Verordnung über Fern
den Kopf und schaute sein Gegenüber erwartungsvoll an.
„Nun, und weiter?"
„Sehen Sie nach dem Datum, welches über dem letzten Blatt steht!"
Es war der 10. November.
„Der Todestag des Freiherr»!" sagte Weiler erklärend. „Er hat es also kurz vor seinem Tode niedergeschrteben. Er hatte die Absicht, sein Testament am andern Tage dem Gericht zu übergeben, der Tod ist ihm zuvorkommen."
„Wir wissen aber nicht, was dieses Testament enthielt?" '
„O doch, Herr Doktor, wir wissen es sogar ziemlich genau. Es enthielt, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen versteht, so ziemlich gerade das Gegenteil von dem, was er seiner Gattin versprochen hatte. Meine Vermutung geht also dahin: Ihr Freund war also absolut nicht in dem Testament enterbt, vielmehr sogar darin bevorzugt!"
„Und was folgern Sie daraus?"
„Erstens, daß er nicht das geringste Interesse an dem Verschwinden hatte, daher schuldlos sein muß; zweitens, daß ganz andere Personen in Frage kommen, die es nun zu entdecken gilt."
„Allerdings, das ist die richtige Folgerung. Von seiner Unschuld war ich so wie so überzeugt. $8 handelt sich also um Ihre zweite Bemerkung: haben Sie jemand im Verdacht?"
Der Detektiv zog die Uhr.
„Jetzt muß ich leider gehen," erklärte er läche^ d. „Vertrauen Sie mir, das ist alles, was ich vorläufig von Ihnen verlange.
(Fortsetzung folgt.)