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Wüchtemer Zeitung

aiijeiget für hie amtlichen Moimimadjtm im Greife 8chtüchtem.

BezugSpreis frei HanS, vorauSzahlbar Viertels. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell- Jtlb). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag L. Hohmeister, verantwort!. H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

M 130

D-nnevstag, den 4. N-vsmbev 1920

T3. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis

Schlüchtrr«, den 3. November 1920,

* Das Fest der silbernen Hochzeit feierten am 2.- November die Eheleute Heinrich Möller, Postschaffner in Schlächtern. Wir gratulieren!

* Gestern morgen fand ein Streckenläufer bei seinem Rundzange vor dem Tunnel die Leiche eines jungen Mädchens, das, wie verlautet, ein Kind unter dem Herzen trug und vermutlich deshalb den schnellen Tod auf den Schienen gesucht hatte. Der Kopf war vom Rumpfe vollständig getrennt. Es handelt sich um ein Dienstmädchen aus dem benachbarten Dorfe Neuen- gronau, welches bet einer hiesigen Familie in Stelle war.

* (Lehrer-Gesangverein.) Das, was andere Kreislehrervereine schon haben, soll nun auch bei uns Wirklichkeit werden; in der letzten Kreiskonferenz ist die Gründung eines Lehrer. Gesangvereins beschlossen worden. Herr Seminar Musiklrhr;r GremmelS hat sich in dankenswerter Weise bereit erklärt, die Leitung des­selben zu übernehmen. Damit volle Klarheit herrscht, werden hiermit alle Lehrer des Kreises, ganz gleich, ob

sie Mitglied des Hess. Volksschullehrervereins find oder nicht, ebenso herzlich wie dringend gebeten, sich zu beteiligen. Die erste Uebungsstunde findet, siehe vorige Nummer, am heutigen Mittwoch bei Hafner, Schlächtern, Brückenauerstr. statt. Die bekanntenKaiserbände"

find nach Möglichkeit mUzubringen- Hoffentlich ist die Beteiligung recht rege.

(Rskrr-Theater LchrLchtcrk.) Uuftsen Licht­spielen ist es gelungen, den SensationsfilmDie Sieger" von Felix Philipp! leider nur für die Zeit vom Freitag bis Samstag dieser Woche nach hier zu bekommen. Wir geben kurz den Inhalt: Konstanze, die schöne, hochbegabte Tochter des Musik ptofeffors Assing, hatte bei ihrem ersten Auftreten einen H -glänzenden Erfolg. Glückstrahlend sucht sie nach Schluß der Vorstellung ihren Vater In seinem Stamm­lokal, derLöwengrube", auf. Dort trifft sie noch mit dessen alten Freund, dem Buchbindermetster Gerum, zusammen und lernt Eamille Düpaty, den LicblingS- schüler ihres Vaters kennen, der sich sofort in Kon­stanze sterblich verliebt. Konstanze findet ebenfalls Wohlgefallen an dem stattlichen, interessant plaudernden jungen Mann, behandelt ihn aber etwas kühl, da sie von seinem Ruf alsFrauenjäger" bereits so manches vernommen hat. Siegmund Freystetter, Musikkritiker einer ersten Zeitung, ist schon seit langer Zeit heimlich zu Konstauze in Liebe entbrannt; sie bringt ihm, dessen Mutter fie kennt, achtet und schätzt, ehrliche Freund­schaft entgegen. Freystetter beobachtet mit eifersichtigen

Feindliche Brüder

Roman von Jost Kreiherrn von Steinach

(Fortsetzung folgt.)

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Es fehlt mir augenblicklich an Zeit, Ihnen meine weiteren Pläne zu enthüllen, und ich habe mit dieser Herzitterung nur bewirken wollen, daß Sie neuen Mut schöpfen sollen, wenn nicht alles trügt, werde ich mir die Extraprämie verdienen können."

Die ich Ihnen mit Freuden geben werbe 1" rief der Doktor, indem er ihm dankbar die Hand drückte.

Halten Sie mich aber nicht für einen Egoisten, ebenso heiß sehne ich die baldige Befreiung Ihres unschuldigen Freundes herbei."

Er begleitete seinen Besuch bis zur Türe, und nachdem er diese verschlossen, zog er schleunigst wieder seine Livree an.

. Inzwischen stieg Waldau, ganz selig vor Hoffnung, die Treppe hinab und schritt die FriedrichSstraße hinunter. Seine Gedanken waren noch immer bei diesen Tagebuchblättern, die er soeben studiert.

Armer Mann, was mußte er gelitten haben! Und was würde er saget*, wenn er wüßte, was nach seinem Tode noch sein Sohn leiden mußte!

Er war gerade an der Ecke augelangt, als er plötzlich durch gellendes Rufen und Schreien aus seinem Sinnen aufgeschreckt ward. Ein Pferd war scheu Ü-worden und raste durch die Leipzigerstraße. Im ichärssien Galopp kam es mit seinem Wagen daher- gejagt, während der Lenker auf dem Bock die Zügel verloren hatte und sich nun seinem Schicksal zu ergeben schien.

Die Gefahr war außerordentlich groß, denn gerade

Schtüchteruer ^ireisblatt

Netteste Seitexg im «reise; gegriibet im Zahre 1849.

Blicken Typatys Liebeswerben Ein Schlaganfall wirst den alten Assing aufs Krankenlager. Vor seinem nahen Ende überreicht der Professor seinem Schüler den Schlüssel zu seinem Nachlaß. Er bittet Düp^y, sein nachgelassenes großes Werk, die Oper Die Sieger", nach seinem erfolgten Ableben heraus- zubringen, was dieser ihm auch feierlich verspricht Am Totenbette Assings finden sich Konstanze und Düpaty, und die weihevolle Stimmung bringt ihre Herzen einander näher. Dem ungestümen Flehen Düpatys etwas nachgebend, sagt ihm Konstanze, sie wolle sein Weib werden, wenn es ihm gelänge, eine große Arbeit fertigzustellen, wodurch er sich als Schüler ihres Vaters würdig erweise. Dadurch läßt Düpaty sich verleiten, das von Assing hinterlassene Manuskript Die Sieger" unter anderem Titel als das seine herauszugeben. Das Werk wird mit Konstanze in der Hauptpartie mit großem Erfolg aufgeführt, und der vermeintliche Autor feiert Riescutriumphe. Hingerissen von diesem Freudentraume, schenkt nun Konstanze ihr Herz dem um sie Werbenden. Er sucht sie während ihres Urlaubs in der Sommer­frische auf, wo sie selige Stunden verleben. Sieg­mund Freystetter ist der einzige, der einen stillen Arg­wohn gegen Düpatys Autorschaft hat. Sein Zweifel wird noch durch den Buchbindermeister Gerum gestärkt, der einer Aufführung beiwohnend die Musik erkennt, deren Notenblätter er einst für den Professor gebunden, und die dieser ihm oft vorgesptelt hatte. Konstanze erfährt davon; dieser Schlag trifft sie un­endlich schwer. Sie hält dem Geliebten seine Tat or. ist «mu LUW» l/eHüst der Beweise nicht leugnen und bittet reumütig um Verzeihung, weil er ja nnr aus Liebe zu ihr gefehlt. Kalt weist sie ihn hinaus. Schmerzlich enttäuscht fühlt sie, daß ihre Neigung zu Düpaty keine echte war, sondern ihr Herz einzig und allein dem bisher so verkannten Jugend­freunde gehört. Reumütig eilt sie zu Freystetter, ihn um Verzeihung bittend und um ihm für alle seine Anhänglichkeit und Treue zu danken. - Jetzt endlich erkennt Konstanze den Wert der wahren Liebe und zwei Herzen finden sich zu Dauerndem Bunde. Da voraussichtlich die Vorstellungen stark besucht werden, empfiehlt es sich, die Einlaßkarten im Vorverkauf im Zigarrengeschäft Katzenstein, Fuldaerstr. zu besorgen.

* Zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche wurden im Preußischen Ministerium für Landwirtschaft usw. folgende Beschlüsse gefaßt: Zur Verhinderung der Todesfälle ist sofort in größtem Umpfange vom Impf- verfahren mit Blut oder Serum durchgeseuchter Tiere Gebrauch zu machen. Um dirs Verfahren kennen zu lernen, werden an den Tierärztlichen Hochschulen, au größeren Schlachthösen usw. Demonstrationskurse abge-

an dieser Stelle herrschte der regste Fuhrwerks- und Personenverkehr, so daß das größte Unglück entstehen kennte. Der Durchgänger hatte bereits mehrere Ge­spanne zur Seite geschleudert und jeden Augenblick war ein Zusammenstoß mit einer der schweren elektrischen Bahnen, ein völliges Zertrümmern des Wagens und der Tod des Insassen zu erwarten.

Waldau blickte hin, und plötzlich stand ihm eine Szene greifbar vor den Augen, die er einst in Spanien bei einem Stiergefecht mit angesehen hatte. Ein wütender, zum Tod verwundeter Stier hatte seine letzte Kraft zusammen genommen und wollte wenigstens im Tode sich noch an seinen grausamen Feinden rächen: mit einem Satz stürzte ec auf einen der Bandilleros zu, um ihm den Bauch mit seinen gewaltigen Hörnern aufzuschlitzen. Der Torero war verwirrt, er hatte diesen Angriff gar nicht erwartet und schien verloren; schon war das rasende Tier nur noch fünf Schritte von ihm entfernt, als ihm ein rettender Gedanke kam; er ergriff eine der Capas, der roten Mäntel, wie ihn die Chulos tragen; und der auf der Erde lag; er war außen blutrot, um bett Stier zu reizen, und im Innern weiß gefüttert. Er drückte ihn zusammen, und in dem Augenblick, da der Stier direkt vor ihm stand, rollte er die weiße Seite schnell auseinander. Was er beabsichtigt gelang ihm; der Stier stutzte und blieb am ganzen Leibe zitternd wie angcwmzelt stehen, der Bandillero war gerettet und tausendstimmiges Hurra lohnte seine Geistesgegenwart.

Blitzschnell ging es ihm durch den Kopf und wie von einem dunklen Dränge vorwärtsgestoßen, stellte er sich mitten auf den Fahrweg, und erwartete das Nahen des scheuen Pferdes.

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halten. Ein Merkblatt darüber wird allen Tierärzten zugestellt. Die Landwirte werden aufgefordert, ihr. durchgefeuchten Viehbestände zur Blutgewinnung zur Verfügung zu stellen.

* (Der Kampf gegen die Doppeltbeschästigten.) Auf Grund einer Verordnung des Demobilmachungs- kommissars, wonach Personen, die außer ihrer Haupt­beschäftigung noch einer Nebenbeschäftigung nachgehen, sofort diese Stellung aufgeben müssen, um dadurch für erwerbslose Leute Platz zu schaffen, findet in Frankfurt a. M. seit einigen Tagen in alle» Betrieben durch die Betriebsräte eineRazzia" auf derartige Leute statt. Die Organisation der Betriebsräte hat bereits mehr als 10 000 Personen festgestellt, die doppelte Beschäf« tigung haben. Darunter befinden fich etwa 1000, die im Hauptberuf schon außerordentlich hohe Besoldungen erhalten. Außerdem sollen aus den Betrieben nach Möglichkeit alle jene Leute entfernt werden, die außer­halb Frankfurts wohnen und dort noch Besitzer von Bauerngütern u. bergt find. Die Zahl der daselbst beschäftigten Güterbefitzer beträgt 4500. Diesen Doppelbeschäftigten stehen in Frankfurt etwa 4100 Erwerbslose gegenüber, für die nun Raum durch Ent­lastung jener Leute geschaffen werden soll.

* Steinau, 2. Nov. Der bisherige Pächter der Domäne Hundsrück bei Steinau hat in der Nähe von Stralsund ein größeres Gut käuflich erworben und wird voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres dort­hin übersiedeln. Wer als Nachfolger für die Pach­tung des Hundsrück, zunächst bis zum Ablauf der gegenwärtigen Pachtzeit, infrage kommt, steht noch nicht fest. v i

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Fulda. Ja Erfurt wird ein Zweigverein des Rhönklubs inS Leben gerufen. In dem Aufruf zur Gründung heißt es:Die Rhön in ihrer erhabenen Naturschönheit hat, seitdem dem deutsche» Wanderer fernerliegende Ziele faßt unerreichbar geworden sind, in den vergangenen Jahren immer mehr Freunde ge­funden, zumal auch die biedere arbeitsfreudige Nhöu- bevölkerung in ihrer Gastlichkeit schwer zu übertreffen ist."

§ Hersfeld. (Durch die Polizei festgenommen.) Dieser Tage wurde ein ausländischer Reisender am hiesigen Bahnhof festgenommen, welcher auf der Fahrt von Frankfurt nach Leipzig war. Der Reisende soll ein Verbrechen an einem hiesigen Schulmädchen ver­sucht haben. Er wurde dem Amtsgericht übxführt. Der Schlosser Z. von hier wurde wegen Ausführung von Schwindeleien bet der hiesigen Firma K. festge­nommen und ebenfalls nach dem Amtsgerichtsgefängnis überführt.

Unter wildem Geschrei uud Angstrufen der Menge raste es herbei, und in dem Augenblick, als es r r noch einige Schritte von ihm erfernt war, faßte -t krampfhaft seinen Schirm und spannt, -hu mit ei.. scharfen Ruck auf. Entsetzt fuhr das Tier auf und blieb dicht vor ihm zitternd und bebend stehen. Schnell ergriff er die Zügel, von allen S üten sprangen die Leute hinzu, und die Rettungstat w st vollbracht.

Bleich stieg jetzt der Insasse des Gefährtes aus, es war Leutnant Erich von Neudeck. Stumm ging er auf den Docktor zu und drückte ihm schweigend die Hand. Erst allmählich schien er die Sprache zurück- zubekommen. Endlich öffnete er den Mund und sagte leise:Ich danke Ihnen mein Leben, Herr Doktor.;!"

O, Sie nehmen die Geschichte wohl zu tragisch, Herr Leutnant!" sagte Waldau einfach,ich tat nur, was ich für meine Menschenpflicht hielt."

Unterbetten war der Diener herbelgeeilt; er hatte sich durch einen Sprung zu retten versucht, und es war ihm geglückt.

Das Pferd war ganz ruhig geworden, der Leutnant ließ es von dem Diener nach Hause führen, während er Waldau bat, mit ihm auf seine glückliche Rettung anzustoßcü.

Wir waren einst Rivalen," sagte er, leicht lächelnd, aber nach dieser Heldentat würde ich gern selbst der Freiwerber für Sie sein."

Er faßte ihn unter den Arm und schritt mit ihm davon, während die angesammelte Menge Waldau, während er weiterging, ganz spontal achtungsvoll

begrüßte.

(Fortsetzung folgt.)