Schlüchterner Rettung
Anzeiger tür Sie amtlichen Kekanntmachurrgen im Kreise 8chtüchtem.
gelb). Erscheint Dienstags, Donnerstags und 8-mStagS. Druck und Verlag L. Hohmeister, icrnttworll. H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- nif 85. Erfüllungsort für den gesamten Be.
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AeLtestk AettLLg im Kreise; gegrK«det im Jahre 1849.
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rg-, ReNamtz-ilk 2,- Mk. Bei Betri^S-
fein Nachlaß bei gez Zählkarte Frankfurt a.
Nummer 11402.
M 138.
Dienstag, den 23. November 1920.
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AsLksmtfcheidNNg und WolksSegeyren,
Zu sozialistischen Kreisen ist in letzter Zeit verschiedentlich die Forderung erhoben worden, die So- zialisierung der Kohle durch einen „Volksents Leid" herbeizuführen. Diese Forderung entbehrt nicht eines gewissen Interesses, weil bet der Durchführung das deutsche Volk sich zum ersten mal unmittelbar an der Gesetzgebung beteiligen würde. Während politische Gewalt für gewöhnlich durch die gewählte Volksvertretung, der Reichstag, ausgeübt wird, kann in besonderen Fäll *4 aoU auf Grund des Artikels 78 der Reichsvcrß 7 selbst staatliche Funktionen verrichten. Der Reichsp.Lident kann z. B. ein Gesetz, das vom Reichstag beschlossen ist, bevor er es im Reichsgesetz- blatt verkündet, dem Volk zur Entscheidung vorlegen, einen „Volksentscheid" herbeizuführen. Ein Gesetzentwurf über das „Referendum" über die Art unb Weise, wie diese Volksabstimmung vor sich gehen soll, wird dem Reichstag wie verlautet, demnächst zugehen. Man-« wird sich dabei wohl auf die Erfahrungen stützen, die in den Republiken gesammelt sind, die ebenfalls das „Referendum" kennen, die Schweiz und die Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Das Volk aber kann nicht nur über ein Gesetz befragt werden, sondern selbst die Initiative ergreifen, die Vorlage eines Gesetzes von der Regierung fordern. Wenn mindestens ein Zehntel sämtlicher zurzeit stimm- Scte^itgtrr deutscher Reichsbürge, es '^.d.rt, und diesem »Volksbegehren" ein ausgearbeiteter Gesetzentwurf zugrunde liegt, so muß die Regierung den Entwurf dem Reichstag unterbreiten. Es kann also nicht einfach-„die Soztalifieruug der Kohle" gefordert werden, sondern eS muß ein genau formulierter Gesetzentwurf vorgelegt werden, damit etwa nicht nur. über ein kurzes Schlagwort, über eine einfache Idee, für die ja leicht viel Stimmen zu gewinnen sein würden, abge- stimmt wird, sondern damit wirklich von Grund auf erkannt werden kann, wohin der gesetzgeberische Wille der Antragsteller geht. Die Regierung gibt den Entwurf unter Darlegung ihrer Stellungnahme an den Reichstag. Nimmt dieser den Entwurf nicht unverändert an, so muß darüber ein „Volksentscheid" statt- stnden.
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Aus der Heimat.
—* Der diesjährige Totensonntag trug in seinem Verlauf ein der Bedeutung des Tages durchaus entsprechendes würdiges Gepräge. Der Besuch in den Gotteshäusern war wie stets an diesem Tage ein starker, und draußen auf dem Friedhofe hatten tausend Hände dafür gesorgt, durch Schmuck von Blumen, Immergrün und Kränzen einen letzten Schimmer von Sommer und
Fetirdttch« Brüder
Roman von Jost Freiherr« von Sietnach.
(Fortsetzung folgt.)
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„Ich will es Dir vorlesen," er widerte er, und las folgendes: „Das Testament. Unsere Leser werden noch des aussehenerregenden Strafprozesses erinnern, «orin der Sohn einer der augeseheudsteu Familien «r Vernichtung des Testaments seines Vaters bezichtigt überführt wurde. Nun ist neuerdings das Gerücht aufgetaucht, daß jenes besagte Testament nicht vernichtet worden sei, sondern daß der Täter es in dem ^treffenden Hause, aus dem es entwendet wurde, ver- Mgen habe."
»Man kann sich daher wohl in nächster Zeit weitere Enthüllungen in dirser Angelegenheit gefaßt Wachen."
Während des VorlesenS hatte die Baronin eine ^willkürliche Bewegung nach dem Halse gemacht; als es ihr da zu enge »geworden sei; dabei hatten Augen eine eigentümliche Starrheit angenommen, N sie stieß einen kleinen Schrei aus, der dem heim- Beobachter natürlich nicht entgehen konnte. Und Wenn er noch den geringsten Zweifel über ihre Schuld Sehkbt hätte, in diesem Moment wäre er völlig geschwun- Aber er kannte seine Pappenheimer genau; für war ihre Schuld längst ausgemacht, jetzt aber Muhte er auch darin seiner Sache sicher zu sein, er als bestimmt annahm, daß das Testament N existiere und allem Anschein nach in jenem ’^hnen Wandgelaß verborgen werde.
hu* Sohn hatte das Blatt sinken lassen und die Mutter an, die inzwischen schon ihre volle
Leben auf die vom Herbst bereits arg zerzausten Hügel zu zaubern. Fast an jedem Grabe sah man Angehörige der Entschlafenen; auch die wenig ansprechende Witterung hatte niemanden davon abgehalten, seinem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Der frühe Eintritt der Dunkelheit zwang allerdings zu einem baldigen Verlassen des Friedhofes.
—* Vom 1. Dezember d. I. ab kommen die Mindestpreise für Schuellzugsreisen in Wegfall. Vom genannten Tage ab werden bei Schnellzugsbenutzung auf Entfernungen bis zu 75 £111 neben den Personen- zugfahrpceisen der betreffenden Stationsverbindung nur noch die Schnellzugszuschläge der ersten Schnellzugszone (1. und 11. Klaffe ---- 6 Mk., 111. Klaffe = 3 Mk.) erhoben.
—* Die Gänse sind im Kreise gefallen. In Berlin wurden in den letzten Tagen für beste inländische Mastgänse bis zu 10 Mark für das Pfund bezahlt. Aufkäufer zahlten 7—9 Mark.
* Schlüchtern. In unserer Stadt hat sich ein Wanderklub anfgetan, der es sich zur Hauptaufgabe macht, seinen Mitgliedern in den langen Abenden der Wintermonate das Guitarre- und Mandoltnespiel bet- zubringen. Unter den bereits bestehenden Mitgliedern befindet sich ein Herr, welcher diese Uebungsstunden leitet. Vereinslokal der neuen Gesellschaft ist die Wirtschaft von Wilh. Ebert. Herren und Damen, die Lust haben, dem Verein „Fidelio" beftutreten, können sich jederzeit beim Vorstand oder im Lereiuslokal anmeiden. Die erste Versammlung findet Dienstag, der 23. November, abends 8 Uhr statt.
* Schlüchtern. Das Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main wird Mittwoch, den 24. November und Donnerstag, den 25, November in Schlüchtern ein zweites Gastspiel geben. Am 24. November abends 7 Uhr wird Gerhard Hauptmanns Komödie „Der Biberpsiz" zur Aufführung gelangen, für den zweiten Abend ist eine Wiederholung von Schillers „Kabale und Liebe" geplant, damit diejenigen, die das erste Mal die Vorstellung nicht besuchen konnten, jetzt noch einmal die Gelegenheit wahrnehmen können.
* Schlüchtern. (U. T -Lichtspiele.) Das diesmalige Programm des ü. T. hat sicherlich nicht enttäuscht. Henny Porten, deren Darstellungkunst wir in letzter Zeit oft genug bewundern durften, verstand es auch in diesem Film das Publikum ganz zu fesseln, die ganze Tragik eines verfehlten Lebens miterleben zu lassen. Die Sehnsucht der veruachläßigten Frau nach Liebe und Leben kam so klar zur Darstellung, daß wir Evas Fehltritt verstehen konnten, daß wir ihn wohl verurteilen, aber nicht Eva die Schuld alleinzuweisen mußten. Wenn der tragische Zufall des Eisenbahnunglücks auch etwas unnatürlich, krampfhaft gesucht
Fassung wiedererlangt hatte: „Nun, was sagst Du dazu?"
„Klatsch!" meinte sie wegwerfend, indem sie ihre grauen Augen angelegentlichst an die Wand heftete.
„Sollte etwas Wahres daran sein," für Hans fort, „so , können wir uns auf nette Scherereien gefaßt machen. Ich denke doch, die Sache ist endgültig erledigt, und kein Mensch hat noch ein Interesse daran, zu wissen, wo sich das gestohlene Schriftstück befindet."
„Du hast recht, mein Sohn, und deshalb glaube ich auch nicht, daß man in dieser abgetanen Sache noch wettere Erhebungen anstellen wird."
„Der Ansicht bin ich nun ganz und gar nicht," erwiderte der Sohn mißmutig, „im Gegenteil, sobald die Behörde Grund zu einer solchen Annahme hat, wird sie sicher nicht zögern, uns ihre Beamten auf den Hals zu schicken und hier das Unterste zu oberst zu kehren."
„Dann dürfte wohl das beste sein, wenn ich derartigen Absichten zuvorkomme und mich so rasch als möglich auf die Reise begebe."
„Um mir die ganze Last und Unannehmlichkeiten gütigst zu überlassen," antwortete er in bitterem Tone.
Sie erhob sich kerzengerade und blickte ihn hoheits- voll an: „Allerdings, mein Sohn. Du bist mein Vertreter in jeder Hinsicht. Ich glaube doch, etwas Dankbarkeit von meinen Söhnen verdient zu haben. Ich beginne noch heute meine Angelegenheiten für die nächste Zeit zu ordnen, und hoffe bestimmt, daß Du Dich meinen Wünschen und Anordnungen ohne weiteres fügen wirst."
Sie rauschte hinaus, ohne ihre Kaffeetasse zu leeren,
73. Jahrgang
wirkte, so ließ die Kunst der Darstellung den Fehler des Filmdichters vergeffen. Das Ausrücken der Feuerwehr, die neugierige Hast der herbeiströmende« Volksmenge und die Trümmer des verunglückten Zuges dürften als blendende Naturaufnahmen nochmals besonders gewürdigt werden. Der Schluß brächte m'L dem Tode der Frau Eva eine Lösung der ganzen Spannung, stirbt Eva doch im Traum von Vergebung und Wiedersehen. — Der 2. Teil des Programmes war belehrenden Inhaltes. Die Herstellung des Porzellanes. Es ist zu begrüßen, wenn das Kino öfter derartige Sachen bringen will! Porzellan, das jeder kennt, jeder täglich gebraucht, einmal entstehen, sich aus einem rohen Klumpen Erde unter den geschickten Händen des Mensche« in ein kleines Kunstwerk verwandeln zu sehen erweckte allgemeines Interesse. Sämtliche Stadien, die ein Porzellangeschirr durchläuft bis eS gebrauchsfertig ist, wurde« vorgeführt. Nicht nur Teller und Tassen, sonder« auch die „Feiuarbetten", über deren Herstellung man sich wohl im stillen oft genug gewundert hat, entwickelten sich vor unseren Augen aus einer Menge kleiner Teilchen zu einem künstlerisch schönen Ganzen. Eine weitere Ausnutzung des Filmwesens für derartige bildende Darstellungen würde sicher Anklang finden.
* Aus dem Vogelsberg. Der her Ochste Boum Oberhiffens, die uralte Buche an der lv: .rellruhe bei Schotten, ist von Brandstiftern vernichtet worden. Die unbekannten Rohlinge hal" $enu angelegt unb den alten Baum, den uralten Zeuge« längstvergangener Zeiten, zur Ruine gemacht.
* Bad Orb. Wiederum suchten Verbrecher unsere Pfarrkirche heim. Nach Zerstörung eines Teiles des Fensters über der Türe des Turmes öffneten ste diese. Nach Erbrechen der beiden Tabernakelteile fielen ihnen nur ein kleiner Speisekelch und eins Noimonstranz in die Hände.
* Frankfurt a.M. (Ueberfüllte Gefängnisse.) Dar Frankfurter Gefängnis in Preungesheim ist so sehr überfüllt, daß man dorten nur noch solche Häftlinge aufnimmt, die länger als 6 Monate zu sitzen haben. Alle anderen hat man auf unbestimmte Zeit entlasten oder ihnen mitgeteilt, daß vorerst keine Möglichkeit besteht, sie in Kost und Wohnung des StaateS zu nehmen, worüber diese nicht gerade böse sein sollen.
* Willingshain. (Heimkehr eines Totgeglaubten.) Uuerwartet kehrte am Mittwoch der ehemalige Musketier Jakob Prenzel von hier aus russischer Gefangenschaft (Sibirien) zurück. Die Freude seiner Mutter und Geschwister war umso größer, als sie gefürchtet hatten, daß er nicht mehr zu den Lebenden zählen dürfte; seit 1917, also über drei Jahre, waren sie ohne jede Nachricht von ihm.
den Sohn in nicht gerade rosiger Laune zurücktaffend. Weiler hatte kaum noch genügend Zeit, um sich ' -ch die andere Tür zu entfernen.
Jetzt war er sich über die nächsten Maßnahmen völlig klar; ohne Zweifel würde sie, falls sich das Testament noch in ihm Besitz, und zwar in jenem Versteck befand, nichts eiligeres zu tun haben, als es bet der nächsten sich darbietenden Gelegenheit zu vernichten. Nun aber, wo sie vor der vermeindlichen Gefahr stand, daß das ganze Hans einer peinlichen Durchsuchung unterzogen werden könnte, wo man doch darauf gefaßt sein mußte, daß ein besonders findiger Kopf das Versteck entdecken konnte, da würde sie sicher darnach trachten, das Testament der Vernichtung preis- zugeben./
Und das hatte er mit dem von ihm inspirierten Zeitungsartikel beabsichtigt.
Da er sich nicht getraute, das winzige Schloß gewaltsam zu öffnen, denn falls er sich doch getäuscht hatte, alle seine Berechnungen gründeten sich doch nur auf Vermutung, und die Baronin fand das Schloß erbrochen, so schlug sie Lärm, war jedeafalls gewarn* und er konnte getrost jede Hoffnung, zum Ziel zu gelange«, auf immer begraben.
'"Vor allen Dingen instruierte er Lisbeth, die er in der letzten Zeit etwas vernachlässigt hatte, dahin, daß sie ihm sofort mitteilen sollte, wenn die Baronin sich einschließe, und gebrauchte dabei einen Vorwand, der ihr einen heillosen Schrecken einjagte. Zuerst ließ er sie schwören, daß sie es keinem wieder sagen wolle, und teilte ihr darauf mit, daß alle Anzeigen dafür spräche« daß die Baronin melancholisch sei.
„Seien Sie überzeugt, Fräulein Lisbeth," sagte er geheimnisvoll, „ich kenne mich in diesem Zustand aus,