SchlüchternerMm^
Anzeiger für Sie amtlichen Bekanntmachungen im Kreise 8chlkchtern.
LchlSchter««r ^reisSlatt
Netteste SettMA im Kreise; gegrSxdet im Jahre 1849.
«ezngSvretS frei HavS, vorausznhlbar viertelt. 5,80 M., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und BamStagS. Druck und Verlag E. Hohmeißer, verantwortl. H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern» ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Te» schiistSverfehr mit der Firma Schlüchtern.
Anzeigen: II. Zeile oder bereu Raum 70 Pfg., Reklame,eile 2,— Mk. Bei Betriebs» ÜSrunzen kein Schadenersatz oder Minber» gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei genchtlichen Zwilchenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
JK 141 Dlenrtag, den 30. Hevember 1920. 7S. Jahrgans
Atenarsttz««- der Kaidetskammer zu Kanau am 10. November 1920.
Als neugewähltes Mitglied der Handelskammer wmde Herr Hans Neumetzger zu Hanau in sein Amt eingeführt. Beeidigt wurden als Probenrhmer für Kolonialwaren und Südfrüchte Herr Otto Deibel, für Hülsenfrüchte und Reis Herr Jsaak Sichel, für Landes- Produkte, Futter und Düngemittel die Herren Otto Thylmann und Jakob Oestrich, sämtlich zu Hanau. Die Vorschlagsliste für die Ernennung von Handelsrichtern wurde für 1921 aus folgenden Herren zusammengesetzt: Paul Philips, Heinrich Bracker fr., Karl Glaser, Ernst Ztmmermanu, Heinrich C. Deines, Marc Lavthal, Eonrad Schwahn, Moritz Berlizheimer, Ernst Haefliug.
Der Jahresbericht für 1920 wird in der Form gedrängter Uebersichten über die Geschäftslage der wichtigsten Industrie- und Handelszweige im Januarheft 1921 der „Mitteilungen" d^r Vereinigten Handelskammern Frankfurt Hanau erscheinen und liegt im Manuskript fertig vor.
Die Handelskammer ist mit Erhebungen über die Medereinrichtung der Hanauer Diamantschleiferschule beschäftigt, deren Bedeutung für die Zukunft der deutsche» Schleifindustrie fie für wesentlich hält. Sie beschloß ferner, rachdrückliu. dafür einzu'.retev, daß der Staatlichen Zeichenakademie zu Hanau die Befugnis zurWornahme^der Gesellen- und Meisterprüfung erteilt werde. Sie billigte die Stellungnahme ihres Industrie- | Fachbeirats zu den Entwürfen eines Arbeitsnachnach» weis» und eines ArbeitSlosenverficherungSgesetzes und W beschloß besonders noch auf die Gefahr hinzuweisen, welche zahlreichen Industriezweigen aus einer zwangsweise» Verpflanzung von Facharbeitern erwachsen könnten. Dem Entwurf etner Verordnung betr. Maßnahmen gegenüber Betrie-seinschränkungen und Still- legungru vermochte die Handelskammer nur insoweit zuzustimmen, als darin nicht Sozialifierungsversuche auf Umwegen angestrebt und ungerechtfertigte Erweiterungen des BetriebsrätegesetzeS im Berordnungswege herbeigeführt werden sollen. Den Plan der Gründung einer Reichswirtschaftsbank beschloß sie abzulehneu, weil für eine solche ein Bedürfnis nicht anzuerkennen ist und die stcher zu erwartenden Nachteile einen etwaigen Nutze» bei weitem überwiegen. Hinsichtlich der künftigen RetchswlrtschaftSorganisatlon, welche kürzlich namentlich auch die Vereinigung südwestdeutscher Handelskammern und den Hauptausschuß des deutschen Industrie- und Handelstags beschäftigt hat, sprach die Handelskammer sich insbesondere dafür aus, daß in der Unterstufe die bisherigen amtlichen Berufsvertretungen für Handel und Industrie, Handwerk und Landwirtschaft zu erhalten und für die Arbeitnehmer besondere Kammern zu bilden, in der Mittelstufe dagegen die Bezirks, wirtschaftsrate paritätisch zusammenzusetzen sind.
Auf eine Anfrage des Landetzfinanzamtes beschloß die Handelskammer zu befürworten, daß für die Zahlung der Umsatzsteuer Erleichterungen durch eine kürzere, etwa vierteljährliche Bemessung der Steuerabschnitte und durch die Einrichtung von Steuerrücklagen-Kontin ermöglicht werde». Die Handelskammer nahm Mittet» lungen und Bericht entgegen über folgende Angelegenheiten Hauptausschußfitzung des Deutschen Industrie» und Handelstags am 28. 29. Oktober, an welcher Herr Geh. Kommerzienrat Canthal teilgenommen hat, Tagung der Vereinigung südwestdeutscher Handelskammern am 6, Oktober in Frankfurt, erfolgreiches Vorgehen der Handelskammer wegen Schlachtvieheinfuhr aus Bayern, Versorgung der Edelmetallindustrie mit Breuvspiritus und Kohlen, Aufrechterhaltung der Hanauer Postprü fungsstelle, Verordnung über Preisauszeichnung im Detailhandel. _
Aus der Heimat.
* Schlüchtern. Eine lustige Posse spielte Samstag und Sonntag im Kino. Ein junger Mann im Liebes- rausch. Höchst drollig überwandt dieser junge Mann sämtliche Hinternisse, die sich seiner Verlobung entgegen stelle» wollten. Zuerst seinen eigenen ganz soliden Rausch, die Gefahr als Eisenbahnräuber eingesponnen zu werde» und vor allem die entsetzten Schwiegereltern. Immer mit der Beteuerung: ich habe keine Zeit, ich muß dringend eine Familie gründen. So wenig Sinn der Film auch hatte, so war doch die Darstellung so gelungen, daß man mal wieder herzlich lachen sonnte. Das Drama, der Hauptteil des Programms, war in seiner
Handlung zwar verworren, aber spannend. Kinofreunden muß die tolle Wettjagd zwischen Auto und Motorrad gefallen haben. Die Detektivkünste der jungen Dame haben wohl im Publikum manches mitleidige Lächeln hervorgerufen. Desto höher ist ihr der sensationelle Erfolg, die glückliche Verlobung, anzurechnen. Ganz erfolglos war also ihr Bemühen nicht. Nicht von Nachteil würde es sein, wenn das Publikum sich etwas pünktlicher und ruhiger einfinden würde.
* Oberkalbach. Die früher hier, jetzt in Amerika wohnhafte Frau A. Gerlach hat der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde zur Neuanschaffung von Glocken und Wiederherstellung der Orgelpfeifen 18 500 Mark gespendet.
* Büdingen. Aus der Stockmühle bei Eichelsdorf wurden in einer der letzten Nächte zwei schwere Schweine aus dem Stall gestohlen und im Hofe der Mühle geschlachtet.
* Das „Gelnhäuser Tgbl." schreibt: Gelnhausen, 26. Nov. (Der Fremdenlegion entwischt.) Gestern sprach ein junger Mann, Walter Schwade aus Erfurt, auf unserer Geschäftsstelle vor und berichtete uns folgendes: Ich war in Erfurt in einer Wollwaren- fabrik beschäftigt, war am 16. ds. Mts. krank und kam gerade vom Arzt, als mich in der JohanniSstraße zwei gutgekleidete Männer ansprachen, von denen mir der eine dem Gesicht nach bekannt zu sein schien, doch konnte ich nicht auf den Namen kommen. Sie vermuteten in mir einen Fachmann in Wollwaren und erzählten, daß sie zwei Waggons Wolle in Mainz stehen hätten, die sie erwerben könnten, es sei anscheinend gute Wolle, doch wollten sie sich erst durch einen Fachmann dies versichern lassen. Ich müsse aber gleich mitfahren. Da ich ihnen sagte, daß der Tod umsonst sei, boten sie mir für meine Mitfahrt «ach Mainz außer dem Fahrgeld und den sonstigen Reisesp-sen zweitausend Mark und zahlten mir sofort auf dem Bahnhof, als ich das Billet nach Mainz gelöst hatte, im Wartesaal erster und zweiter Klaffe fünfhundert Mark aus. Zuerst ging die Fahrt nach Frankfurt a M. Dort blieben wir bis zum vergangene» Dienstag. Die beiden nahmen mich in verschiedene Weinstuben mit und halten offenbar die Absicht, mich betrunken zu machen. Ich war immer noch ahnungslos. Am Dienstag abend fuhren wir endlich nach Mainz hinüber. Beim Verlassen des Bahnhofs Mainz Süd sagte der eine zu mir: Er wolle mir jetzt reinen Wein einschenken, sie seien Werber der Fremdenlegion und ich möge den betr. Schein unterschreiben. Auf dem Schein stand auf französisch, daß der Unter» zeichnete sich verpflichte, fünf Jahre in der Fremdenlegion zu dienen, vorläufig werden 80 Centimes Löhnung gezahlt, beim Eintreffen beim Regiments fünfhundert Franks und 120 Eentim.S Löhnung pro Tag. Falls nicht ein halbes Jahr vor Ablauf der fünf Jahre gekündigt wird, läuft der Vertrag auf weitere fünf Jahre. Ich weigerte mich zu unterschreiben, da zog der eine eine Pistole heraus und drohte mich zu erschießen. Ich weigerte mich trotzdem, denn ich sagte mir, daß im Fall des Unterschretbeus mein Leben doch so gut wie verwirkt sei. Daraufhin nahmen sie mir zunächst das Geld wieder ab. Dann stiegen wir auf dem Hauptbahnhpf Mainz aus. Dort bemerkte ich, daß ich in einem Coupee gesessen hatte, das für fran- französisches Militär reserviert war. Sie führten mich zum Bahnhof hinaus nach der Fabrik von Kupferberg Gold. Dort fragte ich, wohin sie mich eigentlich bringen wollten. Sie antworteten: Ins Hotel. Darauf sagte ich ihnen (ich war in Mainz früher in Garnison), daß dort oben gar keine Hotels existieren, sondern im Zentrum der Stadt. Der eine faßte mich am Arm. Nun wurde ich Dschtu Dschttsu — das hatte ich früher als Sportlehrer gelernt, versetzte dem einen einen Handkantenschlag gegen die Schläfe und dem andern einen Tritt gegen den Magen und lief schnell weiter. Der eine rief mir nach, er wolle schießen, aber ich ließ mich nicht irre machen, sondern lief weiter. In Mainz ging ich zur Polizei und bat um ihren Schutz, weil man mich direkt zur Fremdenlegion pressen wollte. Die Polizei verweigerte mir den Schutz, sie müßte ein Protokoll aufnehmen und mich zur weiteren Veranlassung der französischen Kommandantur überweisen. Nun marschierte ich in der Nacht bis nach Goldstein und fuhr ohne weitere Behelligung mit der Bahn nach Frankfurt, und hoffe diese Woche noch nach Erfurt zu kommen, um eine große Lebenserfahrung reicher.
* Wiesbaden. (Nur für Franzosen!) Der Exer» zierplatz an der Schiersteinerstraße, der der Jugend ein beliebter Sport- und Spielplatz war, ist ton ben Franzosen zur Schaffnung eines Stadions mit Rennbahn in Aussicht genommen.
* Kirchhain. Ein tätlicher Angriff wurde auf den Bahnhof auf den hiesigen Landjäger verübt. Derselbe hatte einen Burschen wegen Diebstahls verhaftet -,nb wollte ihn nach Niederaula in das Amtsgerichtsges" „nis überführeu. Mit einem Knüppel wurden dem Beamten mehrere heftige Schläge auf ben Kopf versetzt. Das Durcheinander der Anwesenden benutzte der Verhaftete, um zu entfliehen.
* Friedberg. (Kartoffelablieferung.) Die hiesigen Landwirte, die dem Hessischen Bauernbund angehören, haben mehr als 12 000 Zentner Kartoffeln abgeliefert, davon über die Hälfte zum Zentnerpreis von 20 Mark.
* Hardegseu. Für etwa 20000 Mark Kupferdraht, der der Fertigstellung der Starkstromleitung Hardegseu» Borgholz dienen sollte, wurde in einer der letzten Nächte entwendet. Den Tätern hofft mau mit Hilfe eines Polizeihundes auf die Spur zu kommen.
* Riederzwehren. Ein Mädchen von 17 Jahre» wurde, als es zur Arbeit wollte, von der Straßenbahn beim Aufspringen überfahre». Es wurde ihm der rechte Fuß abgefahren.
* Oberzwehren. (Erschütterndes Familiendrama.) Hier verstarb vor einiger Zeit der Professor K. Seine Schwester, die ihm Jahre lang eine treue Pflegerin war, machte aus Gram über den ihr unersetzlich dünkenden Verlust ihrem Sehen durch Vergiften ein Ende.
* Eschwege. (Reiche Labakrrute.) Air in den letzten Jahren, so übertreffen auch diesmal die ange» bauten Mengen Tabak die der vorjährigen Ernte ganz wesentlich, ein Beweis dafür, daß der früher etwas vernachlässigte Tabakb:u infolge seiner sich stetig steigenden Neutralität im Werratal immer mehr zu» nimmt. Die Kauflust der meist auswärtigen Händler ist eine recht rege; es werden je nach Güte des Tabak« 650 bis 700 Mark pro Zentner bezahlt. Der vorjährige Preis war etwas geringer.
Wie stkhtS Mit dm Preir«»b»,?
Wiesbaden, den 25. Rom >er 1920.
Zar Erörterung der brennenden F^age des Preisabbau» fand auf V-'-anlaffung des Regierungspräsidente» Dr. Momm im Wtcsbad-ner Rathaus heute eine Tagung statt, zu welcher Einladungen an alle Magistrate und Landräte, sowie an alle PreisprüfungSstellen des Regierun i sbezirks Wiesbaden, ferner an die V "!sprüfungSorgane des Regierungsbezirks Kassel und des Freistaates Hessen, sowie an die mit der Bekämpfung des Wuchers befaßten Behörde», an die Staatsanwaltschaften, Landespoltzeiämter und Wucherämter, an die LandwirtschaftS», Handwerks- und Haudelskammern, Gewerkschaften, Ler- braucherkreise usw. ergangen waren.
Die Beteiligung war aus allen behördlichen uud wirtschaftlichen Kreisen außerordentlich stark.
Regierungspräsident Momm führte nach Begrüßung der Erschienenen einleitend aus, daß die Tagung dazu dienen solle, Verständnis für die Ursachen der Preisbildung zu gewinnen, und die Mittel und Wege zu erörtern, auf denen den Auswüchsen der Teuerung, dem Wucher und Schleichhandel zu begegnen sei.
Der geschäftsführende Vorsitzende der Preisprüfungsstelle für den Regierungsbezirk Wiesbaden, Dr. Busch, Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Frankfuü a. M., ging dann in längerem Vortrag auf die Frage des Preisabbaus ein. Der Ruf nach Preisabbau, so führte er aus, wird heute überall laut erhoben. Was will er besagen? Der Verbraucher bringt damit zum Ausdruck, daß die Kosten des Lebensbedarfes zu seinen Einnahmen in krassem Mißverhältnis stehe» und ihm eine auskömmliche Lebenshaltung nicht ermöglichen. Was kann nun geschehen — abgesehen von den volkswirtschaftlichen und weltwirtschaftlichen Einflüssen — um einer Preissenkung die Wege zu ebnen? Die Oeffent- ltchkeit glaubt nach behördlichen Eingreifen rufen zu sollen. Es kann aber nicht eindringlich genug betont werden, daß weder Gewaltmaßregeln der Behörden, noch etwa Gewallmaßregeln der Verbraucher eine Gesundung des Wirtschaftslebens erzwingen könuen. Höchst- und Richtpreise haben erfahrungsgemäß meist die Ware vom Markt vertrieber und sie dem Wucher