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BezugSpreiS frei Haus, norau»zahlbar vierten. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell- gelb). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Berlag L. Hohmeistrr, verantwortl. H.-E. Hohmeister, Vchlüchtrr«. Fern» ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Är- schäftSverkehr mit der Firma Schüchtern.

Anzeiger für Sie amtlicher; Hekanntmachungen im Kreise Schlüchterir Schlüchterner Lreisblatt «Meste Seit»«« im Kreise; zxgrSMI im 3«hre 1849.

Anzeige«: N. Zeile oder deren Raum 70 Psg., «eNameMe 2,- Mk. Bei Betriebs- stgrungrn kein Echadenersatz oder Minder» gebühr einschließlich Bezug». Keine Bewähr für Platz, Lsfnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtticher, Zwifchenkosten. Zahlkarte Frankftrrt a. Mam Nummer 11402.

1 142. Vsnnevstag, den 2. DezEve« 1920. 72. Jertzngang

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Der Transport von Kartoffeln und Düngemitteln.

Der Reichsverkrhrsministers hat eine Anfrage im Reichstag wie folgt beantwortet:

Der Eisenbahuverwaltung ist es bekannt, daß die Wagenanforderungen für Düngemittel, insbesondere auch für Kali, zurzeit nur in unzulänglichem Maße gedeckt werben. Der Grund für diese ungüstigeWagcngestelluvg liegt vornehmlich darin, daß die bedeckten Güterwagen, in denen die Düngemittel sonst befördert werden, äugen- blicklich sehr stark für Kartoffeltransporte in Anspruch genommen werden, die im Jntereffe der VolkSernährvng nicht zurückgestellt werden können. Die Abfuhr der für die Wtntereiudeckuug bestimmten Kartoffeln vollzieht sich leider nur langsam, weil die Sendungen im großen und ganzen, 'weite Wege zurückzulegen fallen, sodaß der Wagenumlauf ziemlich lange dauert. Die Abbe­förderung der Düngemittel hat in den ersten 9 Monaten dieses Jahres rund 200 000 Doppelzentner mehr betragen, als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Diese günstige Verfrachtung hat zur Hauptsache in den Früh- jahrömouaten stattgefunden. Als dann die Wagenan- forderuugen zurückgingen, hat sich die Eisenbahnver­waltung bemüht, die Landwirtschaft und die Dünge» mittelindustrte für den Bezug der Dün- emittel im Sommer zu interessieren. Leider find ihre Bemühungen aber erfolglos geblieben, obgleich ste wiederholt darauf hingewiesen hat, daß die gedeckten Wagen in dm Herbßmonaten In erster Linie zur Abfuhr der Ernte verwende» »«den müßten uns somit .n. DüirzeRÜtt^l- beförderung Nur in sehr beschränktem Umfang zur Ver­fügung stehen würden.

Die Eisenbahnverwaltung ist stch der Bedeutung bewußt, die der Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemitteln zukommt, und ist dauernd bemüht, durch geeignete Maßnahmen die Befriedigung der Wagenau- forderungen nach Möglichkeit zu verbessern; es steht zu hoffen, daß es ihr nach Abwickelung der Kartoffel- transporte gelingen wird, den Düngemittelverkehr ohne nennenswerte Ausfälle zu.bedienen.

Aus der Heimat.

* Die Weihnachtsausstellung in den Läden die Weihnachtsanzeige in der Zeitung, fie gehören beide untrennbar zusammen. Das find Grüße des Weih­nachtsmannes für die Erwachsenen, und der Hausherr erblickt darin die freundliche Mahnung, den Schlüssel zu seinem Juliusturm für einige Zeit der Hausfrau anzuvertrauen. Denn, mag man über Frauenfähigkeiten dies und jenes sagen, in der Meinung, daß die Frauen das Weihnachtseinkaufen besser verstehen, als die Männer, ist kein Unterschied.

\ Die Altersgrenze der Beamten ist durch einen Gesetzentwurf in der preußischen Landesversammlung dahin festgesetzt, daß vom L April L I. ab die Be­amten nach Vollendung des 65. Lebensjahres zwangs­weise in den Ruhestand versetzt werden sollen. Für richterliche Beamte und wissenschaftliche Hochschullehrer wurde das 68. Lebensjahr als Altersgrenze festgesetzt.

* (Zur Warnung.) Der Magistrat von Groß Berlin veröffentlicht folgende Mahnung: In großer Zahl strömen noch immer Arbeitslose aus Teilen des Reiches nach Berlin, in der Erwartung, hier Arbeit 8« finden. Vielfach find fie hierzu durch Mitteilungen von Berliner Bekannten veranlaßt, die ihnen Arbeit A diesem oder jenem Betriebe in Aussicht stellen. Auf Befragen erklären fie meist, von der großen Arbetts- wstgkeit in Berlin nichts gewußt zu haben. Die hier Zutreffenden befinden stch alsbald in größter Not, weil ue weder Arbeit noch Wohnung, noch Erwerbslosen Unterstützung erhalten können.

* (Töchteraustausch.) Wir leben in einer Zeit Einschränkung, überall müssen die Ausgaben be Mitten werden und weite Kreise fügen sich unter Opfern dieser Notwendigkeit. Doch bedrückt es viele Eltern und Erzieher, daß fie gezwungen find, an der Ausbildung ihrer Kinder zu sparen u. a. den Töchtern

sonst übliche PenstonSjahr zur Erlernung des Haus- Haltes nicht mehr gewähren zu können, weil die Pensionen und Tüchterheime unerschwinglich teuer sind. Die Aus- Mdung und Betättgung im Haushalt ist aber nie so M gewesen wie gerade jetzt, und eine alte Erfahrung M, dgß Ng jungen Mädchen lieber von anderen als Von der Mutter Lehre «»nehmen. Aus solchen Ermä- SUngen heraus hat der Frauenverband Hessen-Nassau

Waldeck beschlossen, eine Organisation zu schaffen,

die eS ermöglicht, ohne große Kosten den Töchtern eine wirtschaftliche Ausbildung im Kreise einer Familie zu verschaffen und zwar in der Weise, daß die Töchter verschiedener Familien ausgetauscht werden. Damit ist die Möglichkeit gegeben, Stadtkinder auf das Land und Landkinder in die Stadt zu bringen. Großstadt und Kleinstadt werden sich ergänzen können mit ihren vergebenen Lernmöglichkeiten und Anregungen. Diese Austauschtöchter sollen ganz an die Stelle der eigenen Kinder treten, was ihre Stellung in der Familie an» langt; sie sollen aber gründlich angelernt und in Gemeinsamkeit, mit der Hausfrau und deren Angehö­rigen ihren Kräften entsprechend zu jeder Arbeiter heranzezogen werden. Andererseits kann sich der Aus­tausch auch auf Töchter erstrecken, bei denen eS sich nicht um hauswirtschaftliche, sondern um anderweitige berufliche Ausbildung handelt. Die Organisation will die Vermittlung übernehmen, Vertrauensfeauen der verschiedenen Vereine sollen die nöt gen Erkundigungen einziehen, und die Zentralstelle setzt eS sich zur Auf­gabe, den Austüu.ch so passend wie möglich für die einzelne» Familien anzubahnen. Z.-.r Lösung dieser Aufgabe brauchen wir die Mitarbeit praktischer, tüchtiger Hausfrauen und ihnen gilt unser Werberuf! Sie sind am besten imstande den Eltern und jungen Mädchen die Vorteile eines solchen Austausches klar zu machen, wie sie auch mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen dazu helfen können, das schwierige, aber durchaus zeitgemäße Stück deutscher Kulturarbeit in die richtigen Wege zu leiten. Der Austausch soll sich allmählich über ganz J^^ und so dazu ^eisraaen, Nord und Süd, Ost und West durch gegenseitiges Kennen- lernen und Befruchten einander nahe zu bringen und das bisher fo oft Trennende dazu zu benutze», sich gegenseitig nützlich und gerecht zu werden. Aus diesem Grunde ist auch daran gedacht, möglichst verschiedene Stände heranzuziehen, um, soweit das angängig und erwünscht ist auch hier durch Austausch in ungleichen Familien den Gesichtskreis erweitern zu können. Wir bitten alle Frauen, die bereit find, diesem Gedanken nahe zu treten und ihre Töchter auszutauschen, sowie solche* die stch für unseren Plan interessieren, um An­meldungen, Vorschläge und Mitteilungen an unsere Geschäftsstelle in Frankfurt a. M., Hochstraße 49, 2. Stock, unter der Adresse:Töchteraustausch."

* Frankfurt a. M. Ein Arbeiter hatte eines Morgens vergessen, seine Arbeiterwochenfahrkarte für die Straßenbahn mitzunehme», und zahlte infolgedessen die Fahrlt zur Arbeitsstelle, als er zu spät die Karte vermißte. Seine Frau hatte an dem Morgen eine Besorgung in der Stadt zu machen, von der ihr Mann nichts wissen sollte. Sie nahm nun die Karte und fuhr hin und zurück. Bei beiden Fahrten wurde von den Schaffnern die Entwertung durch Blaustift vorgenommen. Die Frau, die nicht haben wollte, daß ihr Mann von ihrem Ausgang erfuhr, radierte vor­sorglich die blauen Striche aus. Als abends ihr Mann heimkehrte, mußte er nochmals fort, nahm die Karte und setzte sich in die Elektrische. Der Schaffner sah, daß auf der Karte radiert war und behielt fie. Der Ehemann wußte zunächst nicht, was geschehen. Es kam dann zu einer Anklage gegen die Ehefrau wegen Betrugs und Urkundenfälschung, und die Strafkammer verurteilte sie zu zwei Wochen Gefängnis. Da die Frau noch unbestraft war, so gewährte das Gericht Strafaussetzung und setzte eine zweijährige Bewährungs- frist.

* Frankfurt a. M. Um die Gasversorgung der Stadt sicher zu stellen, werden auf Vorschlag des Magistrats in Verbindung mit Bürger Ausschuß und anderen Korporationen Versuche über die Vergasung von Torf angestellt.

* Aus der Rhön. Unter den Schulkindern in Mittelstreu tritt die Diphtherie stark auf. Die Schulen mußten geschloffen werden. Einige Kinder sind bereits der tückischen Krankheit zum Opfer gefallen.

* Flieden. Wie schon früher berichtet, wurden am hiesigen Bahnhöfe in den ersten Wochen der Revolu­tion umfangreiche Diebstähle verübt. Einem Bahn­meister, der hierher versetzt wurde, stahl man fast das ganze Möbel und wertvolle Kleidungsstücke, Eßgeschirre, Wäschestücke ic. Nicht mit Unrecht bemächtigt sich der Bevölkerung eine ängstliche Stimmung. Man sagte sich, wenn die dem Smat zur Beförderung übergebenen Wertsachen vor den Händen der Diebe nicht mehr sicher sind, muß das Staatswesen in seinen Grundfugen er heben. Zum Glücke gibt eS auch noch eine Gerechttg.

feit auf Erden, davon dürften sich die listigen Einbrecher nach der am letzten Freitag in Fulda stattgehabten Verhandlung vor der dortigen Strafkammer überzeugt haben. Es wurden folgende Strafen verhängt: Josef Scheich und Josef Müller je l/4 Jahr Gefängnis, August Herbert und Jfidor Heil je ein Jahr Gefäng­nis, August Strupp, Anton Abel nnb Josef Staubach je 9 Monate Gefängnis, Frau Müller, Mutter des Angeklagten Müller erhielt wegen Hehlerei 6 Monate Gefängnis. Die Angeklagten Scheich, Herbert, Müller und Heil wurden wegen Fluchtverdachts sofort in Haft genommen.

* Fulda. Aus Gefangenschaft in West-Sibirien und Rußland zurückgekehrt ist nach nahezu fünf Jahren Herr Karl Hartmann von hier. Herr Hartmann war beim hiesigen Artillerieregiment eingetreten, er hüt sich unter mancher Gefahr, mehrfach bestraft und mit dem Tode bedroht, u. a. als Landwirt, Hirt, Postillon und als Heilkundiger zu betätigen gehabt. Nach feinen Berichten erwartet das russische Volk wirtschaftliche und geistige Hilfe tot allem von Deutschland.

* Hersfeld. Die Polizeiverwaltung löste die zum Jungdeutschen Orden gehörendeBruderschaft Hersfeld" zwangsweise auf und verbot der Organisation jede weitere Betätigung unter Androhung empfindlicher Strafen.

* Weinheim. Beinahe von einem Meteorstein ge­troffen wurde Gerichtsvollzieher Kautz. Die schwarz­graue lavaähnliche Maffe, die so dicht neben dem Manne niederste!, daß ste feine Kleider berührte, war etwa ein Kilogramm schwer und blieb noch eine Zeit­lang glühend.

* Frankenberg. Während der Lehrer im b.nach- barten Sehlea verreist war, drang ein Dieb in das Schrrlhaus und stahl sämtliche Federbettdecken und Kleidungsstücke.

* Werbe (Waldeck). 'Das neunjährige Söhur jen des Landwirts Söhne hier wollte die Gänse vom Äse des Reiherbach-Vorbeckens holen und brach durch die dünne Eisdecke. Es konnte, da das Aufhacken des Eises längere Zeit beanspruchte, nur noch als Leiche geborgen worden.

* Messungen. Eine unangenehme Entdeckung machte ein hiesiger Viehbesitzer am Lindeuberg. Seit einiger Zeit waren ihm mehrere seiner jungen Hühner ver- schwunden, ohne daß er deren Verbleib feststellen konnte. Es geschah im verschlossenen Stall. Kürzlich bemerkte er, wie sein Schwein etwas kaute. Er faßte ihm in die Schnauze und konnte gerade noch die Zehen eines Hühnerfußes retten. Jetzt ging ihm ein Licht auf!

* Worbis. Die Frau eines gerade abwesenden Einwohners erhält Besuch von Famtlieubekannten « o macht Feuer in derguten Stube" an. Den zurück- kehrenden Mann empfängt die freudig errregte Kran mit entsprechender Mitteilung. Vor entsetzen starr, hörts der Ankömmling; denn in dem Ofen waren, wohlversteckt 91000 Mark mitverbrannt.

* Hann. Münden. Ein Huhn des Bahnwärters Hills (Wohnhaus 117 an der Strecke Müuden-Eaffel) hat sich etwas geleistet, das wohl nicht allzuoft vorkommen dürfte. Es hat es fertig gebracht, bet dieser kalten Witterung tu einem Busch seitwärts des Hauses am Bahndamm 11 Eier auszubrüten. Drei der auSge- brüteten Tiere sind wahrscheinlich erf.oreu, während die übrigen 8 die Wärtersftau in ihrer Küche in eine wärmere Obhut hat.

Das Ende der Aideikommisse.

Die Reichsverfaffung bestimmt im Artikel 155: Die Fideikommiffe find aufzulösen." Heute erläßt nun die Preußische Staatsregterung eineVerordnung über die Zwangsauflösung der Famil'sngütcr und Hausvermögen," vom 19. November 1920. Das Fideikommißvermögen geht danach beim Wegfall seines am 1. April 1921 verhandenen Besitzers auf dessen zunächst folgenbercchtlgteu Abkömmling über und wird in dessen Hand freier Besitz. Die übrigen nächste» Verwandten können Anspruch auf Zahlung einer Abfindungssumme bis zu */6 des Fideikommißver- mögend erhebe«. Doch kann diese Summe auf Antrag des Besitzers herabgesetzt werden, wenn z. B. die betreffenden Verwandten im Verhältnis zum Fridst- kommißvermögen größere eigene Einkünfte beziehen. Der Anteil der einzelnen an der Abfindung Berechtigten wird nach den Regeln des gsfetzlichen Erbrechtes bestimmt. Durch diese Abstndung darf kein öffentliches Jntereffe, das gegebenenfalls an der Elhattung des