Schlüchterner IWm
Anzeiger für die amtlichen LeKanntmachnngen im Kreise 8chlüchtern.
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Schlüchteruer Meisölatt
Aelteste Aeits«g im Kreise; gegrMet im Jahre 1849.
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M 145.
Donnerstag, den 9. Dezember 1920.
Z2. Iahrgar g
Kntschädigungsgesche.
Dem Reichstag werden in kurzem 3 Gesetzentwürfe zu gehe», welche die Entschädigung deutscher Reichs- angchöriger zum Gegenstand haben. Das erste dieser Gesetze, „Verdrängungsschäden-Gesetz" genannt, betrifft Ersatz der durch die Abtretung deutscher Reichsgebiete entstandenen Schäden; das zweite und dritte Gesetz: das „Kolonialschäden-Gesetz" und das „Auslandsschäden Gesetz" werden durch ihre Namen hinreichend gekennzeichnet. Es wird noch emsiger Arbeit im zuständigen Reichstagsausschuß bedürfen, um zwischen den gleich wichtigen, aber einander schroff entgegenlaufenden Rück- fichten die richtige Mitte zu finden. Es gilt nämlich, die durch den Krieg sowie durch den Friedensvertrag und seine Ausführung geschädigten Grenz-, Kolonial- und Ausländsdeutschen vor Elend zu bewahren und in ihnen das Bewußtsein zu stärken, daß ihr Vaterland sie auch in eigener schwerer Not nicht im Stiche läßt. Die andere Rücksicht ist die auf die trostlosen Finanz- verhältuiffe des Reiches. Die von Deutschen erlittenen Schäden belaufen sich auf sehr viele Milliarden. An eine sofortige, restlose Auszahlung der Entschädigungssumme ist natürlich nicht zu denken. Auch ist es nur billig, daß die allgemeine Wirtschaftslage des Einzelnen Berücksichtigung erfährt.. Es wäre von keinem Standpunkt aus zu rechtfertigen, wenn arbeitsfähigen Männern der volle Wert ihres Auslandbefitzes zurückerstattet und damit eine hohe Dauerrente auf Kosten des deutschen Volkes gewährt würde. Sehr viel wird es auf die richtige Zusammenstellung der aus sieben Mitgliedern bestehende sogenannten „Festsetzungsbehörde" ankommen. Unter- allen Umständen muß. erreicht werben,' baß 5er" Deutsche nicht kolonial- und auSlands- müde gemacht wird. Wir haben im Kriege unsere ausländischen Wirtschaftsbeziehungen fast restlos einge- büßt. Nur dem frischen Arbeitsdraage und der Opfer- freudigkeit tüchtiger deutscher Männer aller BerufS- zweige und Schichten kann es gelingen, die zerrissenen Fäden wieder anzuknüpfen und neue Fäden anzuspinnen.
Aus der Heimat.
—* Ausfuhrabgabenfreiheit besteht nach Mitteilungen des Reichswirtschaftsministeriums: 1. Wenn die auszuführenden Wareu zum persönlichen oder dienstlichen Gebrauch von Angehörigen amtlicher Vertretungen des Deutschen Reichs oder des Auslandes oder von Mitgliedern militärischer Missionen, denen nach Völkerrecht und internationalem Brauch die Exterritorialität zusteht, bestimmt sind. 2. Wenn die auszuführenden Waren unentgeltlich und ohne gewerblichen Zwecken zu dienen ausgeführt werden, sofern der Betrag der Aus- fuhrabgabe 500 Mark nicht übersteigt. 3. Wenn die auszuführenden Waren von deutschen Behörden oder deutschen wissenschaftlichen Instituten versandt werden und ausschließlich der Förderung der Wissenschaft oder des Unterrichts dienen.
—* (Wiedereinfuhr von Kaffee.) Wie die „Neue Berliner Mittagszeitung" aus dem ReichSministerium für Ernährung und Landwirtschaft erfährt, wird der vom Kaffee-Einfuhr-Verein in Hamburg eingebrachte Antrag auf Einfuhr von Kaffee ohne Bindung an ein bestimmtes Kontigent bewilligt. Es wird damit eine wesentliche Besserung der Kaffeeversorgung und eine Senkung des Kaffeepreises erreicht werden.
* Schlüchtern. Am Freitag, 17. Dez. findet in der Aula des Lehrerseminars Schlüchtern eine Beethoven- Gedenkfeier in Form eines öffentlichen Konzertes statt. Anfang 8 Uhr. Eintrittskarten im Vorverkauf in den Buchhandlungen Lotz und Marti«.
* Schlüchtern. Wie wir bereits in unserer Nummer 144 unter Schlüchtern berichteten, entspricht die Meldung, daß das Lehrpersonal der hiesigen Lateinschule m Streik getreten sei, nicht den Tatsachen. Der Ueberbringer der falschen Botschaft wollte sich scheinbar damit einen Witz erlauben. Wir sehen uns veranlaßt, unsere Notiz vom Samstag zu widerrufen.
* Zritlofs. (Einges.) Vergangenen Samstag- und Sonntagabend veranstaltete der Turnverein Zeitlofs im Saale des Gasthauses „Zum Fränkischen Hof" zwei Wtge Abende für Zeitlofs und Umgebung. Der Andrang war derart, daß nicht alle Gäste ausgenommen werden konnten. Die Zuschauer, welche Sonntag aus naher und weiter Umgebung erschienen waren, wurden durch die Fülle der guten Darbietungen für ihr Er- icheinkn reichlich belohnt. Den einzelnen Darstellern wurde der verdiente Beifall in hohem Maße zuteil.
Anwesenden verließen den Saal mit dem ange
nehmen Empfinden, einen schönen und genußreichen Abend verlebt zu haben. Möge dem Turnverein Zeit- loss auch fernerhin solcher Erfolg beschieden sein! T. R.
* Bad Orb. Am Samstag abend um 9 Uhr entstiegen dem hiesigen Zuge drei verdächtige Männer. Ein Polizeibeamter folgte ihnen; er ging, nachdem sich die drei getrennt, demjenigen nach, der zwei Handtaschen trug; als dieser sich verfolgt sah, schleuderte er die zwei Handtaschen gegen den Verfolger uud entkam in der Dunkelheit. Die beiden Handtaschen enthielten Dolche, Dietriche und andere Einbrecherwerkzeuge. Das hiesige Polizeiaufgebot und die Larü>jäger nahmen die Verfolgung auf und stellten auch in Aufenau drei Mann. Es- wurden Schüsse gewechselt. Ein Mann entkam. Da bei den beiden anderen keine Waffen gefunden wurden und es nicht bezeugt werden konnte, daß jene drei Mann von Aufenau identisch mit denen von gestern abend waren, wurden sie vom Unter« suchungsrichter wieder entlassen.
* Aus dem Spessart. In Wombach wurde ein sechsjähriger Knabe, als er von einer Wiese einen Schafbock vertreiben wollte, von dem Tiere so schwer zugerichtet, daß er nach kurzer Zeit verstarb.
* Fulda. Einen guten Fang machten Beamte der hiesigen Wucherpolizet. Sie beschlagnahmten auf dem Bahnhof Fulda eine Sendung von 3 Tonnen mit 2'/, Zentnern Butter, die aus Lauterbach Ober- hessen stammte und entgegen den neu erlassenen Ausfuhr-Bestimmungen nach Klein-Krotzenburg am Main gehen sollte.'
* Caffel. (Zopfabschartder.) Einem 17jährigen Mädchen wurden im Gedränge auf Sem Oberstadt- Bahnhöfe die beiden langen Zöpfe unbemerkt abgeschnitten
* Caffel. Es ist nicht alles Gold . . . Dessen mußte sich dieser Tage ein biederer Schornsteinfeger erinnern, der bet Ausübung seines Berufes in einem verstohlenen Kaminwinkel eines Hauses in der Mittel- gasse ein ansehnliches Päcklein anscheinend neu gedruckter Banknoten fand. Er lieferte es auf der Polizeibehörde ab, mußte dabei aber die sehr betrübliche Erfahrung machen, daß die Scheine sämtlich gefälscht waren. Eine in dem Hause abgehaltene Durchsuchung verlief ergebnislos. Der Effekt dieser an Räuberromantik erinnernden Begebenheit: Mit dem gehobenen Schatz warS mal wieder nichts.
* Caffel. (Ein ehemaliger ZwangSzögling als „Gerichtsreferendar".) Der hiesigen Kriminalpolizet ist es gelungen, einen falschen Gerichtsreferendar in der Person des früheren Zwangszöglings, jetzigen Monteurs Jean W., der zahlreiche, sehr erträgliche Schwindeleien verübt hatte, endlich zu verhaften und in das Untersuchungsgefängnis abzuführen. Der Gauner setzte sich in den Zuhörerraum deS Wuchergerichts und notierte sich die Namen der Landwirte, die wegen Wuchers und Schleichhandels verurteilt wurden. Einige Tage später suchte er nun die verurteilten Landwirte auf. Er stellte sich als Referendar des Landgerichts Caffel vor und öffnete seine Ledertasche, aus der er Akten und Schriftstücke herauszog. Dann log er,-daß er auch im Besitze von anonymen, an die Polizei gerichteten Briefen sei, nach denen noch eine weitere Anklage wegen Schleichhandels und Wuchers zu erwarten sei. Diese anonymen Briefe halte er natürlich selbst verfaßt und mit verschiedenen Namensunterschriften versehen. Er äußerte weiter, daß er mit dem Herrn Minister in Berlin befreundet sei und bei ihm um ihre Begnadigung anhalten werde. Für den menschenfreundlichen Liebesdienst verlangte er dann 2000 Mark. Selbstredend im voraus zahlbar. In den Taschen des Verhafteten wurde neben einer beträchtlichen Geldsumme eine ganze Anzahl gefälschter Legittmationspaviere gefunden. Wie die Ermittlungen ergeben haben, sind es nicht wenige leichtgläubige Landwirte, die auf den Leim des Schwindlers gekrochen sind. Von einem Bauern erhielt er sogar ein schweres, gemästetes Schwein. Das Erwachen der von dem Gnadengesuchskünstler enttäuschten Landwirte wird bitter sein.
Eine neue Ahstimmuugskomödie
Kaum ist die Abstimmungskomödie von Eupen und Malmö)ie vorüber, da wird in Oberschlesien eine neue Abstimmungskomödie vorbereitet, diesmal nicht von einem der direkt internierten Länder, sondern von d,m Verband selbst. Man gibt sich den Anschein, als ob man mit der Durchführung der Abstimmung dem Friedensvertrage Genüge leisten wolle; in Wirklichkeit
aber will man Oberschlesien unter allen Umständen den Polen zuschauzen, indem man durch allerhand Ab- stimmungs-Schikane die deutschen Stimmen fern« hält.
Die Abstimmung soll zwar noch vor der Wieder- gutmachungskonferenz, also etwa Januar 1921,stattfinde«, um aber Deutschland keine Zeit zu lassen, die Einreise von etwa 300 000 in Deutschland wohnenden Stimm« berechtigten zu organisieren, hat der Verband bisher weder den Abstimmungstermin, noch das AbstimmungS« statut bekannt gegeben. An sich ist der Winter wegen der schwierigen Unterbringung der einretsenden deutschen Oberschlesier für die deutsche Sache denkbar ungünstig; aber ohne festen Termin kann auch die Eisenbahn nicht das nötige vorbereiten. Zudem verlangt die französische Abstimmungskommission strenge Ausweise über die Abstimmungsberechtigung, ohne aber durch Statut festzulegen, wie sie beschaffen sein müssen, und wer überhaupt stimmberechtigt ist. Denn nast em Friedens- vertrage (§ 4 der Anlage des Artikel 88) sind stimmberechtigt alle Personen, die am 1. Januar des Abstimmungsjahres bereits 20 Jahre gew Jett find und im Abstimmungsgebiet geboren ober Ut einem von dem interalliierten Ausschuß festzusetzenden Zeitpunkt, der aber nicht na^ oem 1. 1. 1919 liegen darf, bod ihrem Wohnsitz haben. Zu Diesen knappen Bestimmungen muß das Statut außer dem genannten Zeitpunkt noch Ergänzungen, z. B. bezüglich der St fronen, auch b« im Abstimmungsgebiet wohnende». Fremden Staatsangehörigen festsetzen und Anordnungen über die Form der Ausweise und den Hergang der Abstimmung treffen. Das AbsttmmungSstatul muknIX mindestens 3 Monate vor dem Äbstimmüngstermiu veröffentlicht werden, wenn die deutsche» Stimmberechtigten nicht in erheblichem Umfange ausgeschaltet werden sollen.
Aber noch andere Schikane zur Fernhallung der deutschen Stimmen planen die Verbandsmächte, oder genauer die Franzosen. Das ganze Abstimmungsgebiet wird unter eine französisch geleitete Abstimmungspolizet gestellt und die Grenze nach Deutschland für die ganze Abstimmungszeit vollständig gesperrt. Von einer Absperrung der polnischen Grenze dagegen verlautet nichts, sie bleibt vermutlich wie jetzt für den Zu- und Abstrom von allerhand Gesindel völlig offen. Die Stimmberechtigten aus Deutschland dürfen nur in bestimmten geschlossenen Bahntransporten einretsen und werden von Franzosen in Sammellagern bis zur Prüfung ihrer Ausweise — also etwa vier Tage — bewacht. Solche Behandlung soll die kulturell Höher« stehenden, die natürlich deutsch stimmen, von der Reise abschrecken, während sie die westfälischen Bergarbeiter oberschlefisch polnischer Abstammung kaum stören dürfte.
Welthändel.
— Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Fehrea- bach erlassen folgenden Aufruf zur Grenzspende: „Der Tag der Abstimmung über Oberschlesien naht heran. Allen Oberschlestern muß die Beteiligung an der Wahl ermöglicht werden. Große Mittel find d^zu erforderlich. Noch einmal ergeht der Ruf an die freiwillige Liebestätigkeit, damit durch die Hilfe Aller deutsches Land dem Deutschen Reich erhalten bleibt. An der Opferfreudigkett des deutschen Volks mögen die Oberschlesier erkennen, daß das Vaterland an ihnen hängt. Sie mögen daraus neuen Mut zu treuem Beharren schöpfen. Um so einmütiger werden sie ihre Stimmen für das Deutsche Reich abgeben, je sichtbarer hinter ihnen der Wille des deutschen Volks steht. Der Ausdruck des Willens ist "die Tat. Zu solcher Tat bietet die Sammlung zur Grenzspende Gegelrn^.-it. Keiner darf fehlen, wo es gilt, der Heimat die T zu beweisen."
— Aenderungen am Umsatzsteuergesetz sind vom ReichSrat genehmigt worden. Danach wird eine Reihe Erleichterungen der LoxuSsteuer eingeführt, z. B. für Bürsten, Pinsel, Kämme und Gegenstände, die mit Glas verbunden sind.
— Die Kriegsausgaben Amerikas berechnet der Staatssekretär des Krieges, Baker, auf 15 784 000 000 Dollar.
— Ueber die Einfuhr von Salzheringen nach dem 15. Dezember b. Js. haben Erwägungen der beteilig:.«« Stellen stattgefunden. Im Interesse der Volksernährung ist beschloffen worden, von einer kontingentierten Einfuhr abzusehen und die Einfuhr vom 16. Dezember d. J4 ab bis auf weiteres freizugeben. Eine dahtngeh.ude Vetordnung wird demnächst erlaffen werden.