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Zchlüchterner >itwig

* Anzeiger für Die amtlichen HeKannttnachnngen im Kreise Schlüchtern.

Bezugspreis frei HauS, vorauszahlbar viertelt. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und KamStagS. Druck und Verlag L. Hohmetster, »erantwortl. tz.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Gr« schSstSverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Weitste Seitwa im Äreife; gtgtixirt im Johre 1849.

Schlüchterser Meisßlatt MGMZM

für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglteferun,.

Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosterr.

Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11403.

M 146.

Samstag, den 11. Dezember 182V

72. Jahrgang

Wirtschaftliche Wochenschau.

Wirtschaftspolitische Arbeit des Reichs­tages. In der vergangenen Woche hat der deutsche Reichstag den Etat des Reichswirtschaftsministeriums zu Ende beraten. Dr. Scholz hatte zu Beginn der Woche (29. 11.) den augenblicklichen Stand unserer Wirtschaft und den der wirtschaftlichen Reformarbeiten geschildert und im weiteren Verlauf der Verhandlungen verschiedentlich Auskünfte gegeben. In die Verhand­lungen des Plenums hinein platzte eine Sensat on, die sich im Steuerausschuß des Reichstages ereignete. Rsichsbankpräsident Havenstein, der zu einem Bericht über die Notlage unserer Finanzen eingeladen war, vertrat mit Nachdruck ober gegen das Votum des Reichskabinetts den Plan einer Zwaugsanlethe. Hiernach gab sich Fivavzmtntster Dr. Wirth gleichfalls als Anhänger einer solchen Maßnahme zu erkennen. Bis Weihnachten soll sich auf Wunsch Dr. Wirths der Reichstag entweder für die beschleunigte Einziehung des Notopfers, oder aber für die Zwangsanleihe ent­schließen, damit das Reichsfinanzministerium die Mittel in die Hand bekommt, der verderblichen Entwertung unseres Geldes entgegenzuwirken.

Der Kampf der Ideen in Genf. Die abge- laufene Woche hat in den Verhandlungen der Völker- buudSversammlung zu Genf die Entscheidung darüber gebracht, daß das Völkerbundsstatut vorläufig nicht abgeändert werden wird. Besonders die europäischen Vitalen fühlten, daß sie sich du -ch-kritiklose. Annahme W Beibehaltung der bekanntlich mit dem Versailler Friedens-Vertrag eng verknüpften Völkerbunds-Satzungen zu Mitschuldigen machen würden an der Vergewaltigung Deutschlands und feiner früheren Bundesgenossen durch die siegreichen Verbandmächte. Der Vorsitzende des Ausschusses zur Beratung des Völkerbunds Statuts, der Engländer Valfour, gewann die Völkerbunds- Versammlung auch nur dafür, eine Abänderung des Statuts vorläufig zu unterlassen. Trotzdem erklärte sich der argentinische Vertreter dagegen. Gegen die Verknüpfung des Völkerbundes mit dem Versailler- Friedensvertrag hatten sich der Aussprache der frühere portugiesische Ministerpräsident Alfonso Costa und der Schweizer Bundespräfident Motta gewandt. Der Franzose Lson Bourgeois versuchte den Nachweis, daß eine Änderung des Völkerbunds-Statuts eine Abänderung des Versailler Friedens bedeuten würde und enthüllte damit die tiefe Bedeutung, die auch der äußeren Verknüpfung von Völkerbund und Friedens- vertrag zukommt. Fürs erste ist es der englisch- französischen Politik gelungen, Abänderungsversuche neutraler Länder gegenüber dem Völkerbunds-Statut als ein mit Neutralität schwer zu vereinbarendes Attentat auf den Gewaltfrieden hinzustellen. Es ist aber nicht zu erwarten, daß sich die Neutralen in Europa nnd anderen Erdteilen auf die Dauer damit aussöhnen werden, daß ein als Lieferant und Abnehmer gleich bedeutendes Land wie das deutsche Reich wirt­schaftlich zermürbt und entrechnet wird. Die geplante mitteleuropäische Konferenz zu Pretzburg, anf welcher Vertreter der valulaschwachen europäischen Staaten zur Lösung gemeinsamer Wirtschaftsaufgaben zusammen­treten sollten, ist dank den französischen Intriguen aufgegeben worden. Statt bissen soll eine Besprechung der österreich ungarischen Nachfolgestaaten im Anschluß an die VS kerbundsversammlung zu Genf stattfinden. Ob die Krise, die durch den drohenden AuStritt Argentieniens aus dem Völkerbund hervorgerufen ist, für den Bestand des Völkerbundes ernste Gefahren in sich birgt, ist heute noch nicht abzusehen.

Tagungen und Kongreffe. Der Spätherbst ist tue Zeit der Tagungen und Kongrefie. Die deutsche Volkspartei hat sehr zahlreiche Delegierte auf dem Parteitag in Nürnberg versammelt, die Kommunisten ihre alten und neuen Anhänger zum Parteitag in Berlin. Von beiden Tagungen ist die Aufstellung eines umfassenden, bezw. an das Bestehende anknüpfen­den wirtschaftlichen Reformprogramms nicht zu erwarten. Weiter ist am vorigen Freitag in Berlin der deutsche Industrie- und HandelStag zu einer Volksversammlung zusammengetreten. Die Vertreter der Handelskammern erblicken in der Zuziehung der Arbeitnehmerschaft in ihre Organisation für beide Teile keinen Vorteil. Der Generalsekretär Dr. Soetbeer rechtfertigte in einem eingehenden Referat die ablehnende Haltung des Judstrie- und HandelstageS gegenüber den bisher vor- gebrachten Vorschlägen einer Soztaltfieruug des Berg-

m An unsere Leser!

Ab 1. Januar 1921 erscheint die

ISchLüchterner Zeitung" | . mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage tiig-1 lich.

Demzufolge und als Folge der von diesem. Termin ab bedeutend erhöhten Postzeitungsge-, bühren sind wir gezwungen, den Bezugspreis zu ' erhöhen.

Die Zeitung kostet vom 1. Januar 1921 an vierteljährlich:

bei uns abgeholt Mk. 10, durch unsere Träger 10,80 durch die Post 12,-

Bei den Postbeziehern fällt nach der neuen, Gebührenordnung das seitherige Bestellgeld fort, sie bekommen also die Zeitung durch ben Brief­träger frei ins Haus gebracht.

Wer die Zeitung am Postschalter abholen will, hat eine Extra Gebühr von 12 Mark' jährlich für die Zeitung zu zahlen. Es wird also in Zukunft Zeitungsabholer kaum noch, geben, weil die Zustellung durch den Briefträger billiger ist.

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baues. Schließlich haben auch die Ausländsdeutschen zu einem ersten Kongreß nach Hamburg eingeladen. Es ist zu erwarten, daß von diesem Kongreß direkte Anregungen für die Ausgestaltung der Entschädigungs- gesetze ausgehen werden. Eine fachgemäße Lösung der Entschädigungsgesetze ist geradezu Vorbedingung dafür, daß wir den früheren wirtschaftlichen Einfluß in der Welt wiedergewinnen und Beziehungen schaffen, welche uns den sicheren Bezug und den sicheren Absatz von Produkten gewährleisten.

Vor der Lösung der Wiederherstellungs­frage. Ende voriger Woche wurde gemeldet, die Sachverständigenberatung über die Wiederherstellungs­frage solle bereits zwischen dem 10. und 20. Dezember in Brüffel stattfinden. Damit wird der erste Schritt zur Festsetzung der deutschen Zahlungsflicht getan; die endgültige Entscheidung dürfte im späten Winter oder im nächsten Frühjahr fallen. Ueber die Höhe der ersten Wiedergutmachungsrate hat vor wenigen Tagen der französische Ministerpräsident LeyzueS eine Andeu­tung gemacht. Er erklärte, Frankreich habe im laufen­den Jahre 16 Milliarden Franken für Wiedergut­machungszwecke aufgewandt und müsse darauf bestehen, daß diese Summe als erste Jahresrate von Deutschland zurückerstattet werde. LeygucS meint, Deutschland müsse seinenguten Willen" zur Erfüllung der ver­traglichen Verpflichtungen dadurch erweisen, daß es diese Summe zur sofortigen Rückzahlung übernähme. Am 4. Dezember betrug der Wert des Franken Mk.

4.27. Die von Frankreich angeblich geforderten 16 Milliarden Franken würden also bei dem gegenwärtigen Kursstand 68,3 Milliarden Papiermark bedeuten. Wie Deutschland bet seinem jährlichen Unterschuß von etwa ebensoviel Milliarden Mark eine solche Ricsensumme ausbringen kann, deutet der französische Staatsmann nicht einmal an. Der Wert der deutschen Mark hat sich in der Berichtswoche nur wenig geändert. Der holländische Gulden kostete an der Berliner Börse in der Woche Mk. 20,97'/*, Ende der Berichtswoche Mk. 21,40. ____________________________________

Aus der Heimat.

(Der silberne Sonntag.) Nun lassen wir es nicht mehr beim Anschauen bewenden, es geht zum Kaufen, denn alle die schönen Sachen sollen nicht umsonst aufgebaut sein. Das Praktische wird ja noch manches Jahr im Vordergrund stehen, aber denken wir auch an etwas fürs Herz. Ein gutes Buch ist billiger, als vieles andere, und es behält seinen dauernden Wert.

* Im Forsthaus Thalhof (Kr. Schlüchtern) ist eine Telegraphenhilfsstelle mit Unfallmeldedienst und ö ffentlicher FernsprechsteÜe in Wirksamkeit getreten.

* (Wie schreibt manWage" ?) Da durch die SchreibartWage" für Meßgeräte zum Wägen mehr­fach Verwechslungen vorgekommen sind, wird die Reichs- anstatt für Maße und Gewichte im Einverständnis mit der beteiligten Industrie und dem Reichspatentamt in Zukunft die SchreibartWaage" benutzen.

* (Beförderung von Wintersportgeräten.) Wia- tersportgeräte werden als Gepäck und Expreßgut wieder angenommen. Ebenso ist die Mitnahme von Schnee­schuhen und Rodelschlitten als Handgepäck in die 3. und 4. Klasse der Personenzüge auf den Strecken der Reichsbahnen wieder gestattet; die Mitnahme in die 1. und 2. Wagenklasse sowie in die Schnellzüge bleibt ausgeschlossen.

* Das Wuchergericht in Heiligenstadt verurteilte zwei Bauern, zu je einem Monat Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, weil sie entgegen dem von den Bauernvereinen festgesetzten Einheitspreis von 22 Mk., Kartoffeln zu 35 Mk. an Mitbewohner ihres Dorfes verkauft hatten.

* (Grenzspende Oberschlesien.) Die Bezirksgruppe heimattreuer Oberschlefier Fulda berichtet uns, daß in letzter Zeit wiederholt Schwindler in allen Städten auftreten, welche Sammlungen zum Besten für die Oberschlestsche Volksabstimmung vornehmen und, daß denselben bereits bedeutende Beträge in die Hände ge­fallen find. Die Bezirksgruppe sieht sich daher veran­laßt, das Publikum vor derartigen Schwindlern ein­dringlichst zu warnen und beim Auftreten derselben, sofort die Bezirksleitung, Fuldg Mittelstraße 8. bezw. die Polizei in Kenntnis zu setzen. Zur Entgegennahme von freiwilligen Spenden für die OderMestsche Volks­abstimmung, sind nur dieVereinigten Verbände heimattreuer Oberschlefier" (Für Schlächtern und Um­gegend ist Fuloa Mittelstraße 8. zuständig) sowie der Deutsche Schutzbund berechtigt. Nach eingangenen Nachrichten, soll die Abstimmung in allerkürzester Zett erfolgen. Die Bezirksgruppe Fulda der vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlefier richtet zum letzten Male an alle Oberschlefier die dringende Bitte, welche noch nicht Mitglied sind, sich sofort bet ihr anzumelden, da der Anmeldeschluß vor der Tür steht und zu spät erfolgte Anmeldungen nicht mehr berücksichtigt werden können.

* Höf und Haid. Am verflossenen Freitag Nach­mittag zwischen 5 und 7 Uhr wurde bet dem 60jähr. Tagelöhner Josef Schäfer dahier etugebrochen. Es wurden ca. 1200 Mark in bar und mehrere Kassen­bücher entwendet. Es find dieses die Ersparnisse des fleißigen Tagelöhners für die Tage seines Alters. Die Diebe scheinen lokalkundig gewesen zu sein.

* Stork. Der Metzger und Hüttner E. H. dahier wurde wegen Schleichhandels er versuchte ca. 40 Pfund Butter nach Frankfurt a. M. zu verschieben zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt.

* Biedenkopf. In einer Ftchtendickung fand ein Hilfsförster Teile eines menschlichen Skeletts, daneben einen Arbeitsschuh und einen Strumpf und mit Gift gefüllte Arzneiflaschen.

* Fulda. Ermittelt würbe von der Kriminalpolzet eine Frau aus der Leipzigerstraße, die eine große Anzahl hiesiger Lebensmittelgeschäfte betrog, indem sie Lieferungszettel mit den Namen von Kunden der be­treffenden Geschäftsinhaber fälschte.

* Fritzlar. Die Stadtverwaltung hat sich wegen der Teuerungsverhältnisse genötigt gesehen, den Preis für elektr. Strom zu erhöhen, aber derselbe ist immer noch erheblich geringer, als in anderen Städten, weil die Herstellung im eigenen Betriebe unter Ausnutzung der guter Wasserkraft der Eber erfolgt. Es beträgt die Abgabe für Licht 1,30 Mk., für Kraftzwecke 1 Mk. pro Kilowattstunde. Eine Erhöhung der Wassergebühr ist auch in Aussicht genommen.

* Caffel. (Der falsche Referendar.) Wie wir soeben erfahren, handelt es sich bei der unter dieser Spttzmarke gebrachten Notiz nur um einen harmlosen, von anderer Seite aber mißverstandenen Scherz des Herrn Monteurs Jean Wiesenberger, der auch nach kaum einstündiger Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

Unsere Aleischversorgung.

Ein krasses Licht auf unsere Fleischversorgung wirft eine soeben veröffentlichte amtliche Statistik über die Schlachtungen im preußischen Staate in den Jahren 1913, 1914, 1918 und 1919. Daraus geht hervor, daß der Genuß des vorher so verachteten Fleisches von Pferden und Z'egen der Not gehorchend bedeMmh