Zchlüchterner Rettung
Anzeiger für Die amtlichen Lekanntmachungen im «Kreise 8chl6chtern. SHlSHt«r«<r Kreisblatt Aelteste Seiten im Kreise; segeßAdet im Jahre 1849.
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M 147. Dienstag, den 14 Dezember 1620. 72. Jahrgang
Frauetthilfe in der wirtschaftlichen Rot
Der Frauenbeirat im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft trat kürzlich im ReichswirtschaftS- ministerium zu einer Sitzung zusammen. Den größten Kaum nahmen Erörterungen der nächsten Aufgaben deS Frauenbeirates in Anspruch. Zunächst sollen alle Versuche, durch sparsame, d. h. rationellere Wirtschafts- sührung zur Ueberwindung der gegenwärtigen Not beizutrazen, gesammelt und die Erfahrungen an die entsprechenden Organisationen weitergegeben werden. Ermahnungen zur Sparsamkeit in Kleidung, Woh-.ung, Ernährung nützen nichts, wenn sie nicht von entsprechenden praktischen Anleitungen begleitet werden. Von besonderem Interesse waren Berichte über die in Heidelberg geleistete Arbeit. Dort sind für Häuser blocks Gemeinschaftsküchen, gemeinsame Roll-, Wasch- und Plätteanstalten eingerichtet und mit gutem Erfolg betrieben worden. Die unmittelbare Veranlassung zu diesem Versuch war der infolge unzulänglichen Ein kommens in vielen Einzelhaushaltungen erforderliche Verzicht auf eigene Hausangestellte. Die Erfahrungen haben schon jetzt gezeigt, daß die gemeinschaftliche Erledigung derartiger Arbeiten nicht nur eine Entlastung für die Hausfrauen bedeutet, sondern auch eine im volkswirtschaftlichen Jutereffe dringend notwendige Ersparnis an Kohle und anderen Rohstoffen zeitigt. In Berlin find ähnliche Unternehmungen auf dem Gebiete. der Kleider» und Wäscheherstellung in Vorbereitung. Durch fortlaufende und planmäßige Aufklärungsarbeit, verbunden mit praktischen Anleitungen hofft man zu erreichen, daß die Svarsamkeit nicht an falscher Stelle äuSgeübt, und daß nicht auf notwendige Ausgaben verzichtet wird zugunsten von weniger notwendigen Anschaffungen. Erforderlich ist es, daß auch solche Teile des Volkes sich größter Sparsamkeit befleißigen, die nicht schon iusolge ihrer unzulänglichen Einkünfte dazu gezwungen sind.
Aus der Heimat.
—* Rme Kopfbedeckung für die Landjäger. Pelzmützen sind die neueste Kopfbedeckung während des Winters für die Landjäger. Es find Pelzmützen mit Schirm, wie sie das Alpenjägerkorps im Felde trug. Sie stammen wohl aus den betreffenden Heeresbestäuden.
—* Dreizehn freie Schulstellen im Regierungsbezirk find zur Besetzung ausgeschrieben und zwar für evangelische Bewerber in Wtpperode (Eschwege), Birken- bringhaufen, Buchenberg und Noda (Kreis Frankeuberg,) Neffe und Obervorschütz (Kreis Fritzlar), Hersfeld und Philippsthal (Kreis Hersfeld), Deisel und Paake (Lehrerin) (Kreis Hofgeismar), Buchenau (Kreis Hün- selb), sowie für 1 katholischen Lehrer in Veitsteinbach (Kreis Fulda).
— * Nach Verfügung des ReichSwehrministerS sind Anträge auf Verleihung von Eisernen Kreuzen und anderen Auszeichnungen oder Abzeichen von jetzt ab für den Bereich des früheren XL A.-K. nicht mehr wie bisher an das Abwicklungsamt des XL A. K., sondern unmittelbar an das Wehrkreiskommando V in Stuttgart zu richten. Zulässig sind neue Anträge nur uoch für Kriegsgefangene, die nach dem 31. Juli 1919 aus Gefangenschaft zurückgekehrt sind. Die bisher beim Abwicklungsamt in Bearbeitung befindlichen An- träge werden von diesem zu Ende geführt. Das Abwicklungsamt bemerkt jedoch, daß Anfragen der Antragsteller nach dem Stand ihrer Angelegenheit zwecklos sind, da das Abwicklungsamt mit dem zur Verfügung Meuten geringen Personal nicht in der Lage ist, alle diese Anfragen zu beantworten, wenn dadurch nicht die Erledigung der Anträge bis zu dem vom Reichswehr- "linisterium gesetzten Schlußtermin unmöglich gemacht werden soll.
Hk. (Gütersperre nach Oesterreich.) Bis auf weiteres $ die Annahme von Eil- und Frachtgut, Stückgut und Wagenladungen nach und über Oesterreich verboten. Bereits erteilte Transportbewilligungen haben keine Gültigkeit, ausgenommen Lebeusmittel, Kohlen, Koks, Briketts.
* Schlächtern. Am Samstag abend wurde auf der Breitenbacher Straße kurz vor der Eisendahnunler- fiihrung ein Radfahrer von Wegelagerern überfallen. Bte Räuber versuchten ihrem Opfer das Rad zu entreißen. Ihr Vorhaben wurde aber durch das plötzliche Anfahren eines Fuhrwerks vereitelt. Sie entkamen unerkannt.
,* Hanau'a. M. Weil er in einem Kaffeehause «oldschmucksacheu angeboten haben sollte, hatte der Diamantschleifer Konrad Schmidt von hier eintn Straf-
befehl über 10000 Mark erhalten und richterliche Ent- scheidung beantragt, indem er Einspruch erhoben hatte. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht Hanau bestritt er, Schmucksachen zum Kaufe angeboten zu haben. Er wurde freigepsrochen.
* Hanau a. M An einem Maitage lieferte der Landwirt Peter Hans H. aus Hochstadt Milch an die Sammelstelle ab, die sich durch Wafferzusatz als verfälscht erwies. H. sagte, eine vorsätzliche Fälschung käme absolut nicht in Frage. Er wäre Mitglied verschiedener Kommissionen und in diesen wäre er selbst gegen die Milchfälscher aufgetreten. Er würde sich hüten, so etwas zu tun. Er gab aber die.Möglichkeit zu, daß in dem Milchgefäß versehentlich Waffer gewesen wäre. Wegen fahrlässigen Handelns wurde er mit 15 Mark oder 15 Tagen Haft bestraft.
* Frankfurt a. M. (Ein merkwürdiges Reifeerlebnis ) Eine Frankfurter Dame fuhr in einem D Zug von hier nach Süddcutschland. In Darmstadt wurde am Zug ihr Name ausgerufen und als sie sich meldete wurde ihr eine Geldbörse gezeigt, die sie sofort als ihr Eigentum erkannte und in deren Besttz sie durch Angabe des darin befindlichen Geldbetrages gelangte. Bei dieser Gelegenheit erfuhr die Dame erst, daß sie beim Einsteigen in Frankfurt von einem Taschendieb bestohlen worden war, und zwar mit solcher Virtuosität, daß sie überhaupt nichts davon gemerkt hatte, obwohl sich die Geldbörse in ihrer verflossenen Handtasche befand. Der Gauner hatte es verstanden, die Hand tasche im Gedränge zu öffnen und das Portemonnaie beravszuhülsn^^ die Tasche aber lieber zu schließen Zufällig hatte aber ein Frankfurter Kriminalbeamter, der nach internationalen D-Zugdteben fahndete, den Vorgang bemerkt und den Dieb verhaftet. In Darmstadt wurde der Dame dann ihr Eigentum wieder zugestellt. Bis dahin hatte sie keine Ahnung, daß ihre Reisekaffe inzwischen durch verschiedene Hände gegangen war. Leider ist nicht immer ein solcher polizeilicher Schutzengel der Reisenden vorhanden. Der Vorfall zeigt aufs neue, wie vorsichtig man fein muß.
* Fulda. (Viel umworbenes Amt.) Um die Stelle eines Magistratsaffeffors, die bei unserer Stadtverwaltung eingerichtet werden soll, haben sich 23 Bewerber meistens Volkswirtschaftler, gemeldet. Die Regierung hat aber jetzt gegen alles Erwarten auch die Besetzung dieser Stelle auf Grund des Unterbringungsgesetzes für sich in Anspruch genommen.
* Kirchheim. (Der Tod unter dem Vieh.) In dem benachbarten kleinen Dorfe Gersdorf wurden die Landwirte durch die Klauenseuche besonders arg heimgesucht. Es gingen 24 Stück Vieh ein.
* Joffa (Kreis Fulda). In die Waldmühle bei Joffa drangen nachts fünf unbekannte Männer mit Blendlaternen und Revolver» ausgerüstet, ein und raubten 6000 Mark. Daraufhin suchten sie den Rhön- Hof heim, drangen durch die Küche ins Schlafzimmer und zwangen den dort im Bette liegenden Landwirt Günther mit vorgehaltenem Revolver, seine gesamte Barschaft in Höhe von 7000 Mark herauszugeben. Nachdem sie sich in der Küche gestärkt hatten, zogen sie in der Richtung nach Fulda ab.
* Treffurt. Um Geld zu sparen für die nach seiner Anstchr zu teure Tapetenborte verwandte ein Einwohner dazu Eschweger Stadtgeld und zwar die originellen 5-Pfg.»Schetne mit dem „Tütemann " Die Scheine „sollen sich sehr gut machen." Der Meter dieser Gelborte kam auf 1.25 zu stehen.
* Bebra. Einsteigen in der Richtung nach . . . Das Abrufen zu den Zügen in den Wartesälen erfolgt nach neuerer Anordnung der Effenbahn-Direktion Frank furt nur noch auf folgenden Stationen: Alsfeld, Bad Salzschlirf, Bebra, Fulda, Gelnhausen, Hersfeld, Hün- seid, Joffa und Lauterbach-Nord. Die Eisenbahn- direktion Frankfurt a. M. ersucht alle Bahnhöfe, auf denen das Abrufen in Wegfall gekommen ist, dafür zu sorgen, daß Schilder mit dem Aufdruck „Zum Elnpeigen wird nicht abgerufen" angebracht werden.
* Niederhone. In schweres Leid ist die Familie B. von hier versetzt worden. Ihre 21jährige Tochter Hertha ist von dem 23jährigen Lehrer Otto Picht tm Stephans- wald in Erfurt erschossen worden. Der Täter hat sich darauf ebenfalls durch einen Schuß in die Schläfe ge- tölet. Allem Anschein nach hat Pkcht die Tat vorbei reitet. Er hatte feine Sachen bereits vorher versauft. Ueber die Beweggründe zu der unseligen Tat ist nichts bekannt. Sie hatten nur aus Erfurt geschrieben, daß sie gemeinsam auS dem Leben scheiden würden und in | Erfurt begraben fein möchten.
-Helft unserm Atüchtlingen durch Aröeitsffeschaffung.
Unsere blühende Ostmark, deren Bewohner bei Beginn des Krieges durch die Russen heimgesucht wurden, ist nach kurzer Fremdherrschaft durch deutsche Arbeit und deutschen Fleiß wieder neu erstanden. Deutsches Land, welches uns im Osten keine Waffengewalt rauben konnte, ist durch den Willen der Entente der Habgier der Polen zugefallen. In den abgetretenen Gebieten von Ost- und Westvreußen sind die deutschen Staatsangehörigen schütz- und rechtlos geworden und den ständigen Drangsalierungen der Polen ausgesetzt. Wer seine deutsche Gesinnung bekannte, wurde von seiner heimatlichen Scholle vertrieben. Die drückende Last der Friedensbedingungen lernten alle diejenigen in ganzer Härte erkennen, welche auf ihrer Flucht Hab und Gut zurücklossen mußten, um nur das uackte Leben zu retten. Der Notschrei aus den abgetretenen Gebieten hat in allen Teilen deutschen Vaterlandes Mitgefühl und Opferwilligkeit geweckt. Wie sich das rote Kreuz während der Kriegszeit mit unermüdlicher Hingebung der Leidenden annahm, hat es auch zur Linderung der Not unserer Flüchtlinge eine durch greifende Hilfsarbeit organisiert, wodurch bereits vielen die Möglichkeit zu einer neuen Existenz geboten wurde. In Posen, Bromberg und Graudenz, wie an verschiedenen Grenzorten sind Flüchtlingtzkommtffariate und Kowmiffare vom Roten Kreuz mit der Flüchtlingsfürsorge beschäftigt, welche im Auftraae der FlüchtlingSzentrale Ost in Frankfurt-Oder die Wüterleitung der Flüchtlinge verau- laffen. Mehr als 2000 Fürsorgestellen hat das Rote Kreuz in Deutschland eingerichtet, welche fich der Flüchtlinge bereits bei ihrer Ankunft annehmen und auch weiter mit ihrer Fürsorge betraut find. Um den gestellten Ansprüchen der Flüchtlinge aus dem Osten auf Wohnung und Beschäftigung gerecht zu werden, ist die Hauptstelle für Arbettnachweis bei der FlüchtlingSzen» trale Ost in Frankfurt-Oder eingerichtet. In Stadt und Länd wird die Werbearbeit für offene Stellen planmäßig betrieben, und die Ueberweisung der Flüchtlinge erfolgt in allen Fällen durch die öffentlichen Arbeitsnachweise. Auch bisher selbständig gewesenen Handwerkern aller Berufe und Landwirten bietet die Hauptstelle für Arbettnachweis durch Etablierung wie Ankauf von Grundbesitz Gelegenheit zur Begründung einer eigenen Existenz. Besonders von Landgemeinoen liegen zahlreiche Anträge auf Zuweisung btshrr im abgetretenem Gebiet selbständig gewesener Handwerker vor, wofür es teilweise noch an Angeboten fehlt.
Flüchtlinge, welche zunächst nur vorübsrgchende Unterkunft fanden und um eine eigene Existenz bemüht sind, wollen sich sofort an die Hauptstelle für Arbeit- nachweis, Frankfurt-Oder melden, deren Aufgabe es ist, die Arbeitsbeschaffung zur Befriedigung unserer Flüchtlinge und zum Nutzen unseres daniederliegenden Wirt- schaftsleben auSzuüben. Wer daher für Unterkunft und Beschäftigungsmöglichkeit einzelner Fluchtltnge beitragen kann, wird gebeten, an die Hauptstelle für ArbettnachwetS bet der FlüchtlingSzentrale Ost, Frank- furr-Oder, geeignete Mitteilungen gelangen zu lassen, welche auch von privater Seite erwünscht sind.
Nur durch eine rege Unterstützung kann in S:adt und Land eine schnelle und restlose Unterbringung durchgeführt werden, darum helft unseren Flüchtlig.» durch Arbeitsbeschaffung!
Welthandel.
— (Kriegsallleihe zum Reichsnotopfer wird bis 31. Januar 1921 angenommen.) Im Steuerausschuß des Reichstages, der in die Spezialberatung über den Entwurf zur beschleunigten Erhebung des ReichSnot- opfers eintrat, gab Reichefinanzminister Dr. Wirth eine formulierte Erklärung zum bestehenden Gesetz über das Reichsnotopfer ab. Er erklärte sich bereit, die Frist zur Annahme von selbstgezeichneter KriegSanlethe zum Nennwert nach Paragraph 43 des RetchSaotopfrrgesetzes bis zum 31. Januar 1921 zu verlängern. Dtefe Frist soll als gewährt gelten, wenn der Steuerpflichtige vor ihrem Ablauf die Banken, Sparkassen usw., bet der die Kriegsanlethestücke hinterlegt sind, aawetst, diese Stücke oder einen ziffermäßig angegebenen Teilbetrag zur Errichtung seiner Notopferschuld au eine der vom Reich bestellten Annahmestellen zu überweifen. Entgegen hervorgetretenen VertagungSwünschen hielt Staatssekretär Moesler es für dringend notwendig, doch mindestens den Teil des Gesetzes bald zu verabschieden, der sich mit dem VeranlagungSverfahren beschäftigt.
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