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Z 154

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Vierteljährlich 5,80 Mark.

ftleituny und Geschäftsstelle Dreikrüderstr. 9.

Fernruf Nr. 65.

Lchlüchtcrncr Zeitung

(Kreisbtalt.)

Postscheckkonto Frankfurt «./M Erscheint:

Dienstags, Donnerstags und Samstags.

Donnerstag, 30. Iezemö-r 1920

Zeitung für eilige Leser.

Der Gewerkschaftsführer «nd ReichstagSavgeorönete Karl Legten ist im Alter von 60 Fahren gestorben.

M Japan fand ein sehr heftiges Erdbeben statt. Die Zahl der Opfer soll sehr hoch sein. Nähere Nachrichten sehleu.

Pasitsch wird die Bildung des neuen südslawischen Kabi- «ettg übernehmen

I« der Wiener tschechoslowakischen Gesandtschaft ist ein EinbruchSdiebstahl verübt worden. Den Dieben sielen 1,5 Millionen Kronen in die Hände.

Während der Feiertage fanden zahlreiche Zwischeusänc tn Arland statt. 11 Personen wurden getötet und zahlreiche ver- WN«det. Zwei Banken wurden ausgeplündert.

Der König von England hat die Homerule Bill für land gebilligt.

Fr-

tot

In Rom ist das Gerücht verbreitet, daß d'Anunuzio

^Dic Legionäre von Zinnie haben die Brücke zwichen Su- n«d Fmme in die Luft gesprengt.

Die finnische Abordnung zum Austausch der FriedenS- Vertragsratisikationen zwischen Finnland und Rußland ist nach Moskau abgereist.

Aus der Heimat.

* Herolz. Der hiesige Gesangverein hielt am zweiten Wethnachtsfeiertage eine Abendunterhaltung ab. Auf viel­seitigen Wunsch wird das gut zusammengestellte Programm am Neujahrstege wiederholt. Siehe Inserat.

* Hanau. (Die neue Heimat der Vertriebenen.) Das Anwesen des früheren Bekleivungsamtes des 21. Res. A.-K. ist für eine Million Mark in den Besitz der SiedlungSze- fellschafiNeue Heimat" übergegangen, die die Seßhaft- machung der vertriebenen Elsaß-Lothringer bezweckt. Auf dem Gelände werden 104 Wohnungen und Arbeitsstätten hergerichtet. Ein Teil der Wohnungen ist bereits beziehbar.

* Hanau a. M. Eine Wilderergeschichte mit tödlichem Ausgang stand vorige Woche vor der Strafkammer Hanau zur Verhandlung. Am 7. März begaben sich der 20jährige

| Schreiner Eugen Desch und der 24jährige Zimmermann Jstdor Brand von Merues in Begleitung ihres Freundes Betz zur Ausübung der Jagd in den Wald, alle drei mit Gewehren ausgerüstet. Im Begriff, einen Fichtenschlag abzusuchen, wurde Desch von dem Betz, der ihn für ein Siöd Wild hielt, erschaffen. Die Kugel ging ihm durch den Kopf, sprengte die Schädeldecke und führte seinen sofortigen Tod herbei. Betz und Brand hatten sich wegen unberech­tigten Jagens und Waffenbesitzes, ersterer außerdem wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Der Vertreter der Anklage beantragte gegen Betz 1 Jahr 3 Monate, gegen Brand 3 Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte ersterer zu L Monaten, letzteren zu 3 Monaten 2 Wochen Gefängnis. »

Druck und Verlag C Hohmei sster Verantworlich H K Hohmeite^

Nr. 1L402.

An^iqeapreiS:

Die kl Zeile 70 Pfg.. R-rlamezeile 3 Mk.

72. Jahrgang.

* Fulda Wegen Ketteuhandel stand ein 19jähriger Gehülfe vor dem Wuchergericht Fulda. Von einem Domänenpächter in der Rhön hatte er 400 Zentner Kartoffeln zum Preise von 25 Mark der Zentner erstanden, die er zum Preise von 32 Mark Weiterverkauf»?, wodurch er binnen weniger Stunden 2800 Mark verdiente. Da er zum Aufkauf von Kartoffel keine Genehmigung hatte, ver­urteilte ihn das Wuchergericht zu 3 Monaten Gefängnis, 1000 Mark Geldstrafe und Einziehung von 2000 Mark Gewinn. Erschwerend kam in Betracht, daß der Angeklagte wegen Unterschlagung und Diebstahl vorbestraft war.

* Hersfeld. (Warnung.) Am Freitag abend wurde von einem fremden Handwerksb^rfchen, w-lcher um eine Unterstützung nachsuchte, in einem Hause an der Ho nberzer- straße, während ihm die Wohnungsinhabertn die Unter­stützung holen wollte, eine silberne Herrenuhr «ntweadet. Es empfiehlt sich derartige Unterstützungsmchen'oe schärfer zu beobachten und nicht in die Wshuung einzulaffm.

Der Streit um die Mandate über die deutschen Svlenien.

Aus einem Artikel Pertiunx imEcho de Paris" erfährt man über die Regelung der Deutschland weggenommenen Kolonien allerhand bemerkenswerte Einzelheiten.

Danach hätten die Vereinigten Staaten vor zehn Tagen all die englische Regierung eine sehr heftige Note gerichtet. Sie fordern, daß ihnen das Mandatsprojekt mitgeteilt würde, welches England über einzelne frühere deutsche Kolonien in Afrika und Australien auszuüven gedenke. Die amerikanische Note erklärt, daß es nicht dem Völkerbünde, sondern den alliierten und assozierten Mächten zukomme, die Frage der deutschen und türkischen Kolonien zu regeln. Pertinax er­klärt, die englische Regierung werde dem amerikanischen Staatsdepartement zu verstehen geben, daß die amerikanische Haltung unlogisch sei. Amerika hat denFrieden" von Ver­sailles nicht ratifiziert habe der Türkei keinen Krieg erklärt, und fordere nun Rechte, die im Vertrage von Versailles und Sävres eingeschrieben seien. Anfangs hätten die Alliier­ten und das Exkutivkomitee des Völkerbundes sich auf fol­gendes Vorgehen geeinigt:

Die Alliierten würden die Mandatsfrage nach ihrem Gutdünken erledigen und der Völkerbund hätte nichts ande­res zu tun, als dies zu genehmigen. Man begab sich an die Arbeit. Zunächst weigerte sich England sein Mandatsvrojekt für Palästina zu veröffentlichen. Ebenso weigerte es sich, Aeußerungen über die Mandate in Mesopotamien und Syrien abzugeben. Frankreich will, daß es für Togo und für Kamerun kein Mandat B bekomme, was seine Handlungs- freiheit einschränken müßte, sondern es fordere, daß ihm das Mandat G übertragen würde, d. h. Frankreich fordert die einfache Annexion. Man gesteht Frankreich ein Mandat B prima zu, welches seinen Ansprüchen Genugtuung gibt, aber den Grundsatz unrecht erhält, daß für Kolonien in Zentralafrika nur lZ-Plandate zu gewähren seien. Was dir F-Mairdate. die auf die einstige» türkischen Kolonien sich beziehe», an langt, so ist deren Prüfung bis zru Ratifizie- rung des Friedens von Sövres verlast-