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Schlüchterner <K r e t s h (a 11. 8chlüch ferner Tageblatt.

Bezugspreis vorauszahlbar viarlelj durch die Post Mk. 12. , durch unsere Träger Mk. 10 80, bei uns abgeholt Mk. 10 Erscheial an Wochentagen nachmittags. Druck u. Berlag 6. Hohmeister, verantwortlich H.-C. Hohmeister, Schlächtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäfts­verkehr mit der Firma Schlüchter«.

Gegründet im Jahre 1849

unter dem Titel

Der Veztvkrbote

Anzeigen: kl Zeile oder deren Raum 70 Pfg., Reklame- | zetle Mk. 2 fämt!. ohne besonderen Zuschlag. Bei

Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mfnbergebühr einschl. BezugS. Keine Gewähr für Platz, Ausnahm, zeit und Beleglieserung. Kein Nachlah bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zahlkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.

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Aus der Heimat.

* (Die neuen Relchsbanknoie« zu 100, 50 und 10 Mark.) In der nächsten Z^it werden neue Reichsbaakuoten zu 100, 60 und 10 Mark ausge- geben werden. Die Ausgabe der Kupferdrucknow zu 50 Mark war bereits für das Jahr 1916 ge­plant und vorbereitet, konnte jedoch wegen der KriegsoerhäÜaifse nicht bewirkt werden. Die Net- wendigkeit, im Interesse der Sicherung des Papier Geldumlaufs schleunigst eine Kupferdrncknute herzu- stellen, führte dazu, die Note mit geringen, durch die Zeitverhältnisse bedingten Abänderungen nun­mehr zur Ausgabe zu bringen. Die Entwürfe zu den Buchdruckooten zu 100 und 10 Mark find neueren Datums.

Hk. Zollerhöhung in Spanien. Eine Uebersicht über die am 1. Dezember in Spanien e^getretenen Zollerhöhungen im Vergleich mit den früheren Zoll­sätzen liegt auf der Geschäftsstelle Hanau der Ber­einigten Handelskammern Frankfurt a. M.Hanau zur Einsichtnahme aus.

Hk. Lieferungen nach Oberschlefien einschl. Ab­stimmungsgebiet dürfen keinesfalls zu Export- bezw. Auslandspreisen berechnet werden.

* Schlüchter». Gestern abend sprach im Saale der Turnhalle im Aufträge der Liga zum Schutze der deutschen Kultur Herr Dr. Lasparsohn aus Petersburg über baß ThemaWie sieht es in Sowjetrußland aus?". Herr Easparsohn war Lehrer an der Moskauer deutschen S ^ und bat bis zum 20. März 1920 elf Monate lang als Hafenarbeiter in Petersburg sein Brot verdient. «Was ist dieLiga zum Schutze der deutschen Kultur" und was will sie? Sie ist keine Partei, sie stellt stch in den Dienst des gemeinsamen Wie­deraufbaues. Es ist schon viel, sehr viel, viel zu viel über Rußland und seine Zustände gesprochen und geschrieben worden. Doch von den vielen Besuchern Rußlands hat jeder nur etwas erschaut, und dieses eine Etwas in die Welt hinausposaunt. Das geknechtete Russenvolk sehnte sich nach Freiheit und Besitz. Es leidet«, duldete, hungerte und schwieg. Da kam die russische Revolution und mit ihr zog eine große Freude in das Volk ein. Aber die Erwartungen ginge» nicht in Erfüllung. Das Versprochene blieb aus. Vernichtung, Zerstörungs­wut griffen um sich. Mau begann zu sozialisieren und gleichmäßig zu verteilen. Aber die sozialisierten Betriebe mußten geschloffen werden, weil für die eingetretene» Defizite keine Deckung vorhanden war; die gleichmäßige Verteilung stand nur auf dem Papier. ArbeitSunlust, Diebstahl und Mord find die natürlichen Folgen. Jeder Kommunist schlägt den anderen tot, wenn er glaubk, sich da­durch einen Gewinn verschaffen zu können. Der russische Bauer läßt sich nicht sozialisieren, der Kommunist ist dem Bauern dem größten Be­standteile des Volkes gegenüber machtlos. Ka pitalisten gibt es nicht mehr, sie haben ihr Geld inß Ausland gebracht oder sind selber geflohen. Die Intelligenz muß dafür leiden. Haß ist in Rußland die Triebfeder nicht Liebe, Liebe zum Menschen uud zum Vaterlande. Auch bet uns gibt eS so etwas, auch bei uns sucht eine Partei die andere zu beschimpfen. Laßt uns die Parteikleider auSzteheu und den Menschen achten lernen. Dann haben wir eine Einheitsfront nach außen. Dann wird die Entente mit ihrem grtusenden Gesichte nicht mehr zuseheakönnen, wie wir uns selber zer­fleischen. Wir müssen selber den Willen haben, besser zu werden, denn eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Die Worte des Redners wurden von den zahlreichen Zuhörern mit großem Beifall ausge­nommen.

* Fulda. In der letzten KreistagSsitzung wurde die Feststellung des Kostenanschlags für die Unterhaltung der Landwege im Kreise Fulda für das Jahr 1921 auf 195000 Mark angenommen. Frhr. v. Dörnberg und Direktor Gichler vom Ueberlandwerk Fulda-Hünfeld-Schlüchteru berichteten ausführlich über den Stand des Ucberlandwerkes. Die Hauptleitung durch die Kreise Hünfeld, Fulda, Schlichtern ist fertiggestellt. Mit der Gewerkschaft Hatlörs ist ein Vertra; auf Stromndgabe abge­schlossen und wkden einzelne Orte noch tu diesem Jahre der größte Teil aber erst bestimmt spätestens zum Herbst 1921 beliefert.

Dienstag. den 4. Januar 1931

Zeitung für eilige Leser.

. Die Ratifikationsurkunde« zwischen Mudland und Räte- SiNklaud wwrde« am Mittwoch iu Moskau ansgetanscht, sa- M der Friede zwischen Finnland und Nutzland am 29. De­zember in Kraft getreten ist.

Der frühere Reichskanzler Freiherr von Bethmann Holl- weg ist i« der vergangenen Nacht nach kurzer Krankheit ver- M«de«.

F« Argentinien haben neue Erdbeben stattgefunden. Man zahlt 7000 Verwundete. Der Sachschaden ist bedeutend.

Zwischen Deutschland und dem Freistaate Danzig wird ei« Abkomme« zur gegenseitigen Auslieferung der Steuer- drückeherger abgeschloffen.

Em neues Mr - neue Ent-ü jUe.

Wir haben schon zu oft gehört, daß wir vor einer Schicksalswende ständen, um uns über die Redensart an sich besonders aufzuregen. Allein die Verhältnisse haben sich nun so zugespitzt, daß ein Geschehen- und Gehenlassen wie bisher zu einem Zusammenbruch führen muß, aus dem es nact menschlicher Voraussicht seinen Wiederaufstieg gibt. Unsere Ernte war schlecht, so schlecht, daß die Brotversorgung bei deutschen Volkes schwer bedroht ist. Vielleicht reichen wir noch bis zum Frühjahr vielleicht auch nicht. Unsere Kohlen­förderung hat sich zwar etwas gehoben, sie deckt aber angesicht- der Kohlenauflage des Verbandes nicht einmal unseren not. wendigsten Bedarf. Unsere Tertilindustrie vermag wegen bei Tiefstandes der Wechselkurse das Rohmateria. 'cht herein-' ^U^telMil,. sH^^ Nachfrage uaa- Lexni- erzeugnissen besteht. Der Baumarkt liegt vollständig dar­nieder, was zu einer weiteren Verschärfung Der Wohnungsnot führen muß. Wenn es gelingt, allein die Bautätigkeit wieder zu beleben, so würden reichlich eine Million Arbeiter Beschäf­tigung finden.

Verstehen mir uns recht: Das sind alles nur die Anfänge nicht die eigentlichen Gefahrzeiten der Krise. Wenn diese ein- treten, so ist die Hoffnung nur gering, sie zu überwinden. Es ist wohl möglich, die Hochwassergefahr abzudämmen, es ist aber unmöglich, wenn die Schutzwehren einmal eingeriffer sind, die Ueberflutung zu verhüten. Das Nahen der Gefahr- zeit wird durch Streiks beschleunigt, besonders dann, wenr diese Streiks die Hauptnervenstränge der Wirtschaft berühren Es ist ein Zeichen des geistigen und sozialen Verfalls, wenr jed^ Forderung sofort durch die Drohung mit der Arbeits­einstellung erzwungen wird. Daß wir durch Krieg und Niederlage arm geworden sind, wird leider so gut wir gar nicht berücksichtigt. Während wir alle Energie an spannen sollten, um den Staat als äußere Form der 23oifsgemcinfi.ir.ft stark und widerstandsfähig zu machen, tun wir tatsächliä alles, um die Staatsgewalt zu schwächen und zu unterhöblen. Vom Staate verlangt jeder, er solle in allen Nöten vollen. Kapitalien aufzubringen und für jeden nur erdenklichen Zweck (Selb hergeben. Allein der Staat hat gar seine andere Ein­nahmequelle, als die Wirtschaft. Wenn ez der Wirtschaft schlecht geht, so kann bet Staat nicht Seifen, wenigstens nicht in dem Sinne, daß er jedem die Erfüllung seiner Wünsche und Ansprüche gewährleistet. Wohin wir dann kommen, zeigt die Zerrüttung der Währung. Ihre Wiederberstellung ist des Kernproblem der Wirtschaft. Das verlangr allerdings anch von Regierung und Reichstag Entschlüsse, die hart und folge­richtig sein müssen. Während das Reich über eigene Ein­nahme nur in Höhe von 25 Milliarden Papiermark verfügt, geben wir auf der anderen Seite etwa 75 Milliarden Papier mark aus. Eine Fortsetzung dieses Finanzgebabrens wird uns eines Tages die Finanzaufsicht durch den Verband bringen. Damit würde aber unsere gesamte Wirtschaft in Abhängigkeit Dom AuSlande geraten, du ihr alles vom Ver­band angemessen werden würde. Das Scbicksalsjahr 1921 läßt diese äußerste Gefahr unmittelbar und drohend vor uns erstehen. Auck die Kommunisten werden sie nicht abwenden können, du es für ben Verband genügt, die Rherngren^e und das Rnhrgebiet zu besetzen.' Oberschlesien füllt dann an Polen, während der Rest Seals Alants politisch und wiMckartlich gärizlich phnmächtig wird und sich nur kümmerlich zu ernähren vermag. Der öffentliche Haushalt muß planmäßig abgebaut, in der Ernährungspolitik müssen neue Wege ein geschlagen und vor allem muß ^ie berabgewirtschastete Autorität der Gesetze dadurch wieder! orgestellt werden, daß eine sorustA me Auswahl unter den erlassenen, aber nicht beachteten Mfetten und Verordnungen getroffen wird, die Heim behaltenden (Se setze aber rücksichtslos und einheitlich durchgeführt werden Es gilt also, nicht nur mutige, weittragende EntWM' ' L fassen, vielmehr auch sie unter allen Umständen feftm 'Um und- durch:«führen. Wir müssen arbeiten und mehr er n unsere Lebenshaltung ein schränken, den Mut zur wenigstens für diese Geschlechterfolge aMr- oen. um um b - schlechtern, die nach uns folgen, einen Staut und ein Volt zu hinterlassen, die wieder zur Höhe aufzusteigen nermögen.

M AaHrg.

Die Sicherung unserer Vroiversorgung.

Die brennende Nvtwendigleit, mit allen Mitteln das Ernährungsproblem, das wichtigste aller Wirtschaftsprobleme, zu lösen, ist bisher immer noch nicht vom gesamten Volke klar erkannt worden. Die diesjährige schlechte Getreideernte zeigt drohend, wohin wir treiben, wenn nicht schleunigst Vorsorge getroffen wird. Sie beträgt bei Roggen und Weizen zusam- mne im Höchstfall 7 Mill. Tonnen gegenüber 8,7 bezw. 8,9 Mill. Tonnen in den beiden Vorjahren, sodaß gegenüber der Vorkriegszeit - 1913: 18,8 Mill. Tonnen - der Rück­gang selbst unter Berücksichtigung der Gebietsverluste geradezu furchtbar ist. Der Minderertrag ist, vor allem durch den Dungerniangel im Ackerboden hervorgerufen, der wieder auf die Unmöglichkeit, im Kriege Phosphorsäure und Salpeter aus dem Auslande zu beziehen, zurückzuführen. Der im Inlands gewonnene Stickstoff wurde aber zum größten Teil von den Munitionsfabriken verbraucht- Jetzt steht wieder genügend, künstlicher Dünger zur Verfügung; auch die im Durchschnitt auf das zehnfache gestiegenen Preise bet land­wirtschaftlichen Produkte haben mit denen der künstlichen Düngemittel abgesehen von der 2030 mal teurer gewor­denen Phosphorsäure Schritt gehalten. Aber eine Änwen- Dung der künstlichen Düngemitte im Friedensumfang wird außer durch das gegenüber der Vorkriegszeit erheblich ge­steigerte Wirtschastsrisikv besonders dadurch verhindert, daß das Betriebskapital des einzelnen landwirt- schaftlichen B etriebes nicht in gleichem Maße wie die Preise eine Erhöhung hat erfahren können. ~ Vermehrte Düngeranwendung ist demnach ein Gebot der Selbsterhaltung unseres Volkes; anderenfalls wirj eine Hungersnot über Deutschland hereinbrecken, wie sie die W^lt rrosh .!>chr geschru Dar. Den Bez.

Auslande wird von Jahr zu Jahr schwieriger, weil zur Be­zahlung nicht genügend Ausfuhrartikel zur Verrügrrng sieben, und außerdem eine wachsende und nicht durchweg volkswirt­schaftlich vernünftige Einfuhr den Wert der Mark immer mehr mindert, ganz abgesehen davon, daß das Auslands- getreibe durch Reichsmittel ganz bedeutend verbilligt werden muß. Eine Tonne Auslandsgetreibe kostet heute 7500 Mk., während dem deutschen Landwirt nur ca. 1500 Mk. gezahlt werden. Wir müssen aber bereits bis zur Ernte 1921 wenigstens 2M? Millionen Tonnen Brotgetreide einführen, von denen noch wenigstens II2 Mill. Tonnen zu importieren sind. Dafür haben wir mindestens 8 Milliarden Mk. ans Ausland zu zahlen. Hinzu gesellt sich der Bedarf an Futter- getreide. Die Aufbringung dieser Summen wird vielleicht noch einmal gelingen. Wird jedoch keine Vorsorge für die Zukunft getroffen, so sind die Aussichten für 1921/22 hockst traurig.

Zur vermehrten Düngeranwendung ist jedes Mittel reck . wenn es nur Erfolg Hai, mag es auch manchem zu Unrecht als eine Bevorzugung der Landwirtfckaft gegenüber andern Wirtschaftszweigen erscheinen. Vor allem kommt eine staat­liche Verbilligung der Düngemittel in Betrackt. Sie würd-' die Bereitstellung von 1% Milliarden Mark erfordern: aber dies ist keine Ausgabe, sondern ei n e A u s sage, denn das so produktiv angelegte Kapital, bringt dem Rück hohe Zinsen und erspart ihm infolge der dann möglich wer benben geringeren Einfuhr viele Milliarden, die also der deutschen Volkswirtschaft jährlich erhalten bleiben. Jeder eirzelnc Steuerzabler ist mithin an der Verbilligung der Düngemittel interessiert.

Durch vermehrte Düngeranwendung nehmen nicht nur in den nächsten Jahren die Ernteerträge zu, sondern es werden auch durch eine Kopfdüngung im Frühjahr die jetzigen Wintersaaten gekräftigt und sonnen leichter solche Schädi­gungen überwinden, die sie bereits jetzt durch -ben fräs zeitigen Frost erlitten haben und möglicherweise im Winter noch er- leiden werden. Eine starke Anwendung künsrkichen Düngers ist der wichtigste Schritt zu einem intensiven Betrieb bei Landwirtschaft, welcher die Grundbedingung zum Wiederauf bau der gesamten Volkswirtschaft ist. Wird nun auch end­lich anstelle des Meinungsstreites verschiedener Ministerien über diese Frage positive Arbeit geleistet werden, um -e Verbilligung in die Wege zu leiten? Wird das ^^d^^il ' Ministerium die Bedeutung solcher Aktion erlernen um >. Interesse der Allgemeinheit die erforderlichen Summen bereit stellen?

Vereinbarung über Syrien.

Bom französischen Miniuerpräsidenten Leygues und vom englischen Botschafter in Paris, Lord Harding, wurde ein Abkommen bezüglich eines Ewbietes wn Syrien unter.;eidi net, welches an der Grenze von Palästina liegt. Dieses Ab- kommen bezieht sich auf die franzöü'cke Zone in Syrien, auf die englische Zone in Palästina auf die Benvalurag der Gewäffer Syriens, soweit diese Palästina bitrdndjueibeu in > endlich auf Verwaltung Per Eisenbahnen, die die franzen We Kiisteuzetle -urchzieben und das englische Hinterland «0 dem Mittelmeer verbinde».