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EllS^ssaSvöeiS vorauszahwar viertelt, durch die Post Mk. 19.—, C iBunfere Träger Mk. 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10—, («eMrfieiut an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag - L Lohmeifter, verantwortlich H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. W kmuf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäfts- verkehr mit der Firma Schlüchtern.
Gegründet im Jahre 1849
unter dem Titel
Anzeige«: N Zeile oder deren Raum 70 Pfg., Reklame- zeilc Mk. 2.— sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Lei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. Bezugs. Keine Gewähr für Platz, Aufnahmezeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zahlkarte Frankfurt a. M. Nummer 11408.
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Arettag, den >1. Januar 1921
73. Sahrg.
Die Reichsdruckerei.
Die Reichsdruckerei ist 1879 aus der Zusammenlegung ^erworbenen R. v. Deckerschen Hofbuchdruckerei mit der
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»ßtscheu Staatsdruckeret hervorgegangen. I» der ersten ihrer Tätixketi bestanden die Geschäfte der Reichs» fern hauptsächlich in der Wetterführung der mit den <u Stammdruckereien übernommenen Arbeiten, nämlich »er Herstellung von behördlichen Drucksachen und in dem id von Banknoten, Retchskassenscheinen und Postwert- je«. Bald hatte sie sich das Vertrauen weiter Kreise khre Sicherheitsmaßnahmen bei Anfertigung geldworter geheimer Drucksachen erworben. Industrie und Berg- lKunternehmungen ließen ihre Aktien und Gewinnanteil- ine, Vereine und Genossenschaften ihre Spar- und Ver- chlnzsmarken in der Reichsdruckerei herstellen. Der kta$ab gab seine Geländekarten, das Kriegsministerium »geheimen Druckvorschriften, der Bundesrat seine Sitzungs- «rschristen zur Drucklegung in die Reichsdruckerei. Durch iSeßung von Setzmaschinen und neuzeitlichen Druck- Minen, Einführung neuer Druckverfahren, Ausstattung USchriftgießerei mit Komplettgießmaschinen usw. hat sie in Verpflichtungen Nachkomme» können. — Der Betrieb bin den letzten Jahren sprunghaft an Umfang zugenommen. RAnferttgung der Vordrucke für die Kriegsanleihen und jSpllrprämtenanlethe erforderten die äußerste Anspannung »Kräfte. Die Auflage der Banknoten und Reichskassen- fne hat sich vervielfacht. Drei Papierfabriken arbeiten
ruhe für .diese Gewerbe insoweit eingeschränkt werden solle, als mindestens das Offenhalten der Geschäfte während zwei Vormittagsstunden erlaubt werden soll: die nämliche Erlaubnis wird euch für den Koloaialwarsn-Kkeinhandel verlangt.
—* (Erhöhung der Getreidcpreife im laufenden Wirtschaftsjahre cmsx «schloffen!) Aus Berlin geht uns folg. Mitteilung des Reichs Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu: Wie bereits wiederholt von zuständiger Seite in der Öeffentltchkcit hsrvorgeho-en worden ist, entbehrt die trotz aller Dementis nicht verstummende Behauptung von einer demnächst erfolgenden Erhöhung der Preise für Brotgetreide, Gerste und Hafer der Ernte 1920 jeder Grundlage. Richtig ist nur, daß zur Zeit Besprechungen der sogenannten Jndcx- kommission zur Feststellung der Indexzahlen über die Veränderung der landwirtschaftlichen Produktionskosten, die als Material für eine Neuregelung der Getreidepreise der kam- menden Ernte dienen sollen stattfinden. Diese Besprechungen beziehen sich aber lediglich auf das Getreide der kommenden Ernte. Im laufenden Wirtschaftsjahr ist eine Erhöhung der Getrcidkpreise ausgeschlossen.
* Fulda. (Für die Kinderspende.) Die Firma Kaisers KoffecgesSäst, G. m. b. H., Viersen, Filiale Fulda, Marktstraße 31, hat dem hiesigen Ortsausschuß für deutsche Kinderhilfe 1000 Mark überwiesen. Jede Niederlassung überweist denselben Betrag. Bei über 1000 Filialen find das über 1000 000 Mark Spende.
Zeitung für eilige Leser.
I« Mecklenburg-Schwerin wurde eine teilt sozialistisch Regierung gewählt.
Als Nachfolger Legieus wurde der Leiter des Holz. arbeiter-Verbaudes Leipart zum Vorsitzende« deS Deutsche« Gewerkschaftsbundes gewählt.
Der neue frav-ösische Kriegsminister sprach sich für eine erhebliche Herabsetzung der Militärdienstpflicht aus.
Harding wird sofort nach seinem Amtsantritt eine neue Friedenskonferenz nach Washington einbernfe«.
7" Aufficht von Beamten der Reichsdruckerei, der Reichs- D und der Reichsschuldenverwaltang fast ohne Unter- mg an der Bereitung des dazu erforderlichen Wasier» tpapiers. Besonders umfangreich ist die Anfertigung % Postfreimarken und verschiedenen Steuerzeichen. — Die W Bbruderei ist gegenwärtig in 6 Abteilungen gegliedert. —
Zahl der planmäßigen Beamten beträgt 162, die der H blichen Angestellten 92 l Außerdem beschäftigt die f -Druckerei gegenwärtig 8 800 Arbeiter und Arbeiterinnen » über nur rund 3000 im Jahre 1914.
Aus der Heimat.
-* Wir machen darauf, aufmerksam, daß Persoueu, die 8 Memelland einretsen wollen, in jedem Falle ein l|uw der zuständigen Sichtvermerksbchörde (Landrat)
^ ■* (Abbau der KriegSgesellschaften.) Mit dem 31. ta s^r 1920 ist die Baumwollabrechnungsstelle in Bremen öst. Ihre restlichen Abwicktunglungsarbeiten werden » Retchskredit- und Kontrollstelle unter Aufficht des schatzmiutstertumS fortgejührt.
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* (Unterbrechung der Sonntagsruhe im Kleinhandel.) jächstschs Gewerbekammer hat den Wunsch der Tabake 8'gacren-Ktetnhändler unterstützt, daß die Sonntags-
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Mom Aröeitsmarkt.
(Nach den Berichten der LandeSarbeitsämter. Abgeschlossen 6.-9. Januar.) Die Landwirtschaft ist zurzeit außer für MSzde nur hier und da für jüngere Knechte aufnahmefähig. Ja den Steinbrüchen im Rheinland und Westfalen macht sich vereinzelt wieder Mangel an gelernten Steinbrechern bemerkbar. Die chemische Industrie in Hanno- ver, Schleswig Holstein nad Ludwigsyafen a. Rh. ist gut beschäftigt. Letztere hat Bedarf an Fach- und ungelernten Arbeitern. Trotz im allgemeinen wenig günstiger Lage forderte das Metallgewerbe Facharbeiter an. Im Spinn- stoffqewerbe Berlins, Brandenburgs, Sachsens, Harburgs (Elbe), Rheine (Westfalen) herrscht Mangel an Arbeitskräften. Gute Polsterer und Sattler werde» vereinzelt im Rheinland angefordert, Möbeltischler in Schlesien, Horn- drechsler, Holzbildhauer und Böttcher in Seile (Hannover), Modelltischler in Varel und Brake, Bau- und Möbelschreiner sowie Küfer im Rheinland. In der Putz-rauche in Berlin fehlten geübte Kräfte. Nach Schneidern besteht im allgemeinen in den Landkreisen Hannovers Nachfrage, nach geübten Stickerinnen in Pommern. Im Rheinland weist das Schneidergewerb« günstige Verhältnisse auf, vor allem das Mafg-schäft. Das Handelsgewerbe sucht nach wie vor Kurzschreiber (innen), sowie Sanibeamte. Haus- personok s-b" ’« dm meisten LandeStecken.
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Lloyd George und die Konferenz.
Lloyd George unb das britische Personal der Kom ferenz werden am Donnerstag nach Paris abreisen. Lloyd George hofft, am 27. wieder in London zurück zu sein. Man glaubt, daß man nicht imstande sein wird, in dieser kurzen Zeit andere Fragen zu behandeln als die Entwaffnung Deutschlands, die Wiedergut machung und die griech is ch e F r a g e. In bezug auf die letzte Frage sind bii englischen Kreise sehr skeptisch infolge des Widerstandes bet Griechen gegenüber den Kemalisien. Dennoch will man in Serben den Vertrag von Sevres nicht revidieren. Die Frag, der Herrschaft über die Meerengen berührt England am Leisten.
Bezüglich der Konferenz ist man in Paris der Ansicht, daß die Verhandlungen über die Entwaffnung Deutschlands einige Schwierigkeiten machen werden, da Frankreich sich sicherlich nicht geneigt zeigen wird, von vornherein gewisse Milderungen in den ^Bestimmungen des Versailler Vertrages anzuerkennen, auch wenn dies der Wunsch Englands sein sollte. Bezüglich der Auflösung bet Einwohnerwehr:» ist es jedoch möglich, daß man neue Aufschübe genehmigen wird und Konzessionen doch zustande kommen, die jedoch nur von begrenzter Frist sein werden und man nimmt heute schon an, daß sich die vier Regierungshäupter binnen kurzer Zeit zur Beratung der gleichen Frage wieder zusammenfinden werden.
Vor Vriands Erklärung.
Die französische Deputiertenkammer hat sich am vorigen Dienstag nach dem Sturz des Kabinetts auf heute vertagt. Herr Briand hat jedoch um eine neue Vertagung bis übermorgen, Donnerstag, gebeten zur Entgegennahme der Programmerklärung der neuen Regierung. Wie Briand zu Vertretern der Presse bemerkte, will er das Ergebnis seines bereits eingeleiteten Meinungsaustausches mit Lloyd George über bis bevorstehende Konferenz der Entente abwarten, ihn bet Kammer das neue Datum dieser Konferenz mitteilen zu können. Die Konferenz ist nach Londoner Meldungen aus den nächsten Montag festgesetzt worden. An die Verlesung bei Regierungserklärung wird sich am Donnerstag eine allgemeine Debatte schließen. Es liegen bereits zahlreich Fntcrvellationcn vor.
Sturmbewegte Schicksale.
Roman von Max Esch.
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II Die- meiste Mizzi an einem der folgenden mondhellen hche tun. Aber, so überlegte sie auf der Rückfahrt, sagen sie sie von ihrer Entdeckung nichts, sonst würden fidEier bet i, ter und Lndewig, die leidenschaftliche Jäger waren und »als des Abends auf den Austand gingen, dieses stille * ckchm durch Blutvergießen entweihen. Das wollte das ge Mädchen nicht. Nein, Mizzi beabsichtigte, die scheuen ^e des Waldes in ihrem Skizzenbuch« festzuhalten.
Ein wunderbar milder Abend war dem Tage gefolgt, ^bem die Komteß sich davon überzeugt, daß sowohl der 1"' als auch Ladewig auf ben An and gehen wollten, be- »ß auch st«, heute ihren Plan gut Ausführung zu briu-
Immer iangjamer tauchte Mizzi bie R,ider ein, um die Fahrt in die Länge zu ziehen und den Frieden dieses Abends gründlich auSautoften.
Aber dann tat die still« Bucht sich vor ihr auf. Phantastisch« Schatten warfen bie Bäume und Büsche am Ufer auf baß mondbeschieuene Waffe«. Glühwürmchen zogen am Rande deS Wassers dahin, in weiter Ferne schlug eine Kirch- turmuhr. Zehn Schläge zählte Mizzi. Knirschend fuhr das Boot auf das sandige Ufer auf.
Mizzi zog die Roder ein, ergriff die Kette und sprang auf einen Stein, das Boot fester auf den Strand ziehend und an dem Steine befestigend. Dann bracht« ein behender Sprung sie auf das trockene Ufer.
einander beißend. Dann wurde sie ruhiger. Die wunderbare Stille der Natur, die nur durch das monotone Frvnit» konzert unterbrochen wurde, legte sich beruhigend auf ihre Nerven.
Ihr Skizzenbuch krampfhaft umtlaiuinernd, spähte sie auf» merksani durch die Zweige auf den Weg. Aber daß auf einem Flecke stehen wurde ihr unbequem, sie untersuchte nun ihr Versteck nach einer Sitzgelegenheit und fand wenige Schritte weiter in den Büschen einen Baumstamm liegen, auf dem sie
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Unwillkürlich blieb das junge Mädchen mit klopfenden Pulsen stehen. War eS nicht ein gewagtes Unternehmen, so ahne jede Begleitung und irgend eine Waffe zu dieser späten
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1 Mit ihrem Skizzenbuche begab sie sich, ein leichtes Tuch Stuude diesen einsamen Fleck aufzusuchen? Die Komteß war [
Er die Schultern geschlagen, eilenden Fußes durch den Park nicht furchtsam ueranlagt, doch flößte ihr bie Erkenntnis, daß !
Et' bensSeeufer. Dort hakte sie das kleinere Boot von der sie fernab von jeder menschlichen Wohustätte weil«, ein Ge- !
1 "Zmd führte es mit eiligen Ruderschlägen im Schatten fühl des Unbehagens ein, dazu kam noch jenes ungeklärte
beeufers nach der verträumten Bucht.
Silbern erglänzte die stille Wasserfläche im matten Lichte 'ollen Mondscheibe. Ruhe und Frieden lag über den sNl und in bet Natur, eine Nacht wie selten dazu geeig« ’ “sie Träume zu spinnen. Nur zuweilen blitzte es auf ^ Wasser beniantglci^ auf, wenn ein Schuppeuträger über »lax« Flut schoß und eine Fontäne silberuglüttzender Was- üahlen aufwirbelte. Leise wiegte sich das Röhricht bei lr- Aon fern her erschollen die Rufe eines Käuzchens und erklang ringsum ein souores Froschkonzert, erst in ver-
Wien Solis, bann in vollen Akkorden, um plötzlich abzu- und tiefer Stille zu weiche», aber nicht lange, dann Frösche Chor wieberhm im lautesten Forte ein. Und
E1 Wasser strich balsamische Luft von srischdufteudem 11 l|on den Wiesen und aroiuatische Wohlgerüche aus dem
Walde.
einzig fihänes Bild tiefen Friedens ringsum. Ergris ^sibm Mizzi es auf und lauschte andachtsvoll dem Walten - Schöpfers, daß sich hier so erhebend offenbarte. War es
als ob sein Odem über das Wasser strich? 0, wie war bieIe Fahrt einzig schütt I
^' dem"Geeufer. Dort hakte sie das kleinere Baat van der
Geheimnis des Sees, daß sie zwar auf eine unerlaubte Fische-
rei eines Dorsbewvhusrs schvb, aber ihr immerhin noch nicht , ganz geklärt zu sein schien, sodaß sie beinahe wieder im Begriffe war, ins Boot zu steigen und Mrückzuruderu.
Aber mit lautem Auflache»« verspottete sie sich selbst. „Wahrhaftig, Mizzi," rief sie auS, „Du scheinst mir ein elender Feigling auf Banuewitz bewerben zu sein, daß Du kneifen willst, nur weil Du um zehn Uhr allein in weiter Flur
weilst!"
Schnellen Schrittes suchte die Komteß dann ein bereits bei ihrer ehemaligen Anwesenheit ertunbeteS Versteck mr, eine dichte Gebüschgruppe in der Nähe deß Wildpjades, nur wenige Schritte von ihm entfernt.
Vvrsichlig bog das junge Vstidche» die Zweige auseinander, um znnächst einen Blick in das niagtsche Halbdnnkel zu tun, das in dem Gebüsche herrschte. Aufmerksam lauschte es, ob irgend ein Geräusch die Anwesenheit eines Tieres verkünde, aber nichts rührte sich. Tratchrni die Komreß gewähnt, jede bängliche Anwaüdlnng avgeschüllelt zu haben, mußte sie indes sesistellen, daß idr.öerpüüNng umeller ging.
Aber mutig betrat sie das Vecs.cn, die Zähne lest auf*
sich niederließ, sodaß sie den Pfad im Auge behielt.
Aufmerksam beobachtete sie weiterhin den Pfad, aber kein Hirsch, kein Reh, nicht einmal ein Hase wechselte nach dem Wasser. Plötzlich sprang das junge Mädchen heftig erlchrocken in die Höhe, denn in nächster Nähe war ein Schuß abgegeben worden, der ein lauthallendeS Echo hervorrief.
Mit fiebernden pulsen und weitaus gerissenen Altgen starrte das junge Mädchen in die Einsamkeit hinaus, ängstlich auf jedes Geräusch hörend. Tiefe Stille trat nach dein Schusse ein, selbst die uuermüdUcheu Musikanten des Wasser- schienen vor Schreck erstarrt zu sein.
Heftig pochte daS Herz des jungen MädchenS, das in seiner krampfhaften Stellung erstarrt zu sein schien. Dann anet war es ihm, als ob eine eisige Hand sich über da- Herz lege und es zilsammenziehe. Hell »om Mondenlicht beschienen, schlich vom Waldrand« her ein Mensch den Wildpfad hinab, . dessen Gesicht mit einer schwarzen MaSK bedeckt war. Aus dein Rücken trug er ein erlegtes Reh, das er soeben geschossen haben mußte, es mit der linken Hand festhaltend, während sie rechte ein Gewehr umklammert hatt«. Immer näher kam
der unheimliche Geselle.
Vor Angst fast vergehend, nicht fähig, einen klaren Ge« danken zu fassen, verharrte das junge Mädchen regnngslaS auf der gleichen Stelle. Als aber der unheimliche Mensch schon ganz nahe gekoinmen, halte die Komteß ihre Lethargi« abgeftreift.
Eiligen Schrittes flüchtete sie den Wildpfad hinunter nach dein Wasser zu. Aber auch der Fremde hatte die Seränbenmg der Szenerie wabrgenvmmen. Kanin sah er die schlanke Gestalt vor sich auftmtcben, als auch schon feine Jagdbeute zu Boden fiel. Im nächsten Aligenblicke stand er in Deckuuz in : einer Gebüschgrappe, buS Gewehr im Anschlag«. 255,20