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chlüchlerner Nrei 8 b'la 1 t

Gegründet im Jahre 1849

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Mmeifter, verantwortlich H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. rnrus 65, Erfüllungsort für den gesamten GeschLfts-

unter dem Titel

65, Erfüllungsort für den gesamten verkehr mit der Firma Schlüchtern.

Sdjlüditerner TageklaN

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Aus der Heimat.

_* (Erhöhte Zuteilung reinen Weizenmehls.) Das chorium der Reichsgetreidestelle liefert seit dem 1. Ro­ter v. Js. den Kommunalverbänden auf Antrag Koch- l (Hasshaltsmehl), das in einer Menge von 600 g auf M monatlich neben der Brotkarte zur Verteilung «gt. Auf Anordnung des Herrn Reichsministers für Ehrung und Landwirtschaft ist diese Menge mit Wirkung 16. Februar d. Js. von 600 g auf 800 g erhöht der. Der den Kommunalverbänden von der Reichsge- »estelle berechnete Kiliogrammpreis beträgt zurzeit Mark ), entsprechend den günstigeren Einkaufs- und Devisen- fen; dazu treten geringfügige Zuschläge für den Klein- id. DaS Mehl ist 75%igeä reines, aus amerikanischen nun im Inlands hergestelltes Weizenmehl, das zum er und Backen sehr geeignet ist. Zahlreiche Hausfrauen er von dieser Gelegenheit, vortreffliches, reines Weizen- sür einen weit geringeren Preis zu erhalten als im »Wandel, keinen Gebrauch, weil sie glauben, daß dieses l von der Beschaffenheit desjenigen Mehles sei, das er alsCerealienmehl" verteilt wurde. Es ist wünschens» , daß die Kommunalverbände die Haushaltungen durch iklkavfsstellen oder auf andere Weise darauf aufmerksam m, daß dieses Vorurteil in keiner Weise berechtigt ist.

Den gesetzgebenden Körperschaften liegt der Gesetz- mrf vor, der die so oft geforderte Bekämpfung des eichhandels und des Wuchers mit Gegenständen des chen Lebens ermöglichen soll. . Man beabsichtigt, Schieber Schleichhändler schweren Verbrechern gleich zu verfolgen, ste mit Zuchthaus zu bestrafen. Denjenigen Land- M, welche ihr Brotgetreide noch nicht abgeliefert haben, nicht dringend genug empfohlen werden, dies schleunigst M«, damit sie nicht in Verdacht geraten und sich mchmlichkeiten zuziehen, die jeder gern vermeidet.

" Bom Vogelsberg. Endlich mal ein Preisabschlag in uuseru Gebtrgsdörfern, der stch sehen lassen darf, ist das Billinerwerden des Oeles, das von 30 Mark Liter auf 16 Mark gefallen ist. Ja man bietet das bereits mit 15,50 Mark an. Wer weiß, welche Rolle tRüböl im Haushalt spielt, der kann auch erwägen, daß inrke Abschlag des Rüböls nicht bedeutungslos ist. gering die Oelvorräte in den einzelnen Haushaltungen n, das zeigt der starke Einkauf des Oeles beim Bekannt­en des Preissturzes. Manche Schlagmühlen hatten in Kürze ihre Vorräte verkauft. Auch andere Produkte im Preise gefallen. In den Landorten ist aber noch J von diesem Preisabschlag zu spüren. Bet dem starken W des Fettes muß doch folgerichtig ein Bill'gerwerdeu d«fe auch eintreten.

Vor der Oberweser. Seit kurzem ist bet den meisten Wstteln des täglichen Lebens ein starker Preisrück- °inge!reten. Schlachtschweine sind von 16 auf 811

Dienstag, den 8. Ieöruar 1921

Merk zurückgegangen und es gibt selb! zu diesen Preisen wenig Käufer. Rüböl, Reis u. a. kosten nur noch die Hälfte. Auch in Nutzhölzern, besonders Eich«, ist seit vorigem Jahre ein heftiger Preissturz eingetreten, das ist ja auch erklärlich, da selbst bei den jetzigen zurückgegangenen Preisen sich nur einzelne ein HauS bauen oder Möbel kaufen können.

Die Anschlußfrage auch eine Kuliurfrage.

Wie aus Wien gemeldet wird, veranstaltete der Deutsch- Oesterreichische Lehrerbund in der Volkshalle des Rathauses eine Kundgebung für den Änschluß an Deutschland. Die Ver­sammlung nahm einstimmig eine Entschließung an, in der der Anschluß Oesterreichs an Deutschland als einziger Weg zur Wirtschaftsgesundung und zum kulturellen Gedeihen Oesterreichs bezeichnet und von'der Regierung ausdrücklich die Vornahme einer Volksabstimmung über den Anschluß ge­fordert wird. In der vorhergehenden Debatte ergriff Bundes­rat Dr. Ludo Hartmann das Wort, um die Versamm­lung als Vertreter der sozialdemokratischen Partei zu be­grüßen. Wie dieArbeiter-Zeitung" meldet, erklärte er, die Anschlußfrage sei nicht zuletzt auch eine Kulturfrage. Die Lehrer müßten daher an der Spitze der Anschlußbewegung stehen. Die Volksabstimmung über den Anschluß müsse kom­men, und dann können wir vor den Völkerbund hintreten und den Anschluß verlangen.

Sturm im Danziger Parlament.

Zu skandalösen Vorgängen kam es in der Vollsitzung 8es Danziger Parlaments bei der Debatte über die Hergabe des Generalkommandos zu Wohnzwecken für den General Haking, den Oberkommissar für Danzig. Der Präsident braute eine Denkschrift zur Verlesung, die auf Beschluß der sämtlichen Parteien (die Polen hatten sich wiederum ausgeschlossen) an den Völkerbund o^aefandt werW sollte mit her ^rüeiuny, das ehemalige Generalkommando dem Danziger Parlament zu belassen, da kein anderes Gebäude in Danzig das Parla­ment fassen könne.

Nun stellte jedoch ein Sprecher der bürgerlichen deutschen Parteien den Antrag, dieses Gebäude schleunigst zu räumen, um es dem Oberkommissar zur Verfügung zu stellen. Diese Erklärung wurde von der Linken mit einer ungeheuren Ent­rüstung, ausgenommen. Es sprachen zunächst ein Pole, ein Mehrheitssozialist, ein Unabhängiger und ein Kommunist. Diese,Parteien verurteilten das Vorgehen der bürgerlichen Parteien scharf. General Haking sei ein großer Pantoffel­held, und nur weil feine bret Damen darauf Wert legten, in diesem feudalen Gebäude zu wohnen, setze er dem Willen des Danziger Volkes so großen Widerstand entgegen.

Es fielen die schärfsten Ausdrücke gegen den Oberkommis­sar, der hier nicht englischer General fei und vor dem man sich nicht zu verkriechen brauche. Schließlich kam es seitens der Unabhängigen zu scharfen Ausfällen gegen den Senator des Innern, der den Antrag zu rechtfertigen suchte. Die Linke sprang Bon den Sitzen auf und drang auf den Senator ein, bot dem sich schützend die Senatspräsidenten und die bürger- lieben Abgeordmeten Gruppierten. Die Situation wurde' 1

73. Iahrg.

außerordentlich bedrohlich. Die Radikalen verlangten SSi Auslieferung des Senators, um ihn tätlich anzugreifen. Z« Tätlichkeiten kam es jedoch nicht. Der Präsident des Parla-, ments konnte nur dadurch die Situation retten, daß er sich^ den Hut aufsetzte und so das Zeichen zu einer halbstündigen^ Vertagung der Sitzung gab. Nach Wiederaufnahme der Ver-^ Handlungen folgte ein ordnungsmäßiger Vertagungsantrag^ aus Dienstag. Die Kommunisten warnten den angegriffenem Senator, zu der Dienstagsitzung zu erfchernen, da sie sonst für nichts garantieren könnten. ,

Sireitsall DanzigPolen. (

Die außerordentlich schwierige Lage, die sich aus den Vor«' schriften der Danziger-Polnischen Konvention für Danzig er­gibt, fängt bereits an, sich bemerkbar zu machen. Das Gebiet des Danziger Freistaates darf nicht zur militärischen Basis irgendeines Staates gemacht werden, und polnische Soldaten' dürfen nur im Urlaubszustande unbewaffnet sich in Danzig aufhalten. Nach dem Abzug der alliierten Truppen aus Danzig im Dezember vorigen Jahres haben schon die Polen die Kaserne im Danziger Hafenvorort Neufahrwaffer mit Truppen' . belegt, mit der Motivierung, daß sie diese Truppen benötige, um die Lebensmitteltransporte durch den Freistaat Danzig, bewachen zu lassen. Die Regierung von Danzig besteht nun darauf, daß diese Kaserne von polnischen Truppen geräumt werden muß; die polnische Regierung vertritt die gegenteilige Ansicht, so daß der erste Streitfall zwischen der Danziger Re­gierung und den Polen gegeben ist. In einem solchen Falle schreibt die Konvention vor, daß der Oberkcinmifsar des, Völkerbundes um die Entscheidung anzuruftn ist, was nun- . mehr geschehen ist. '

Der Reichspräsident ertrankt.

Die für diese Woche angeiasten Diplomatenenrpfiirrg« beim Reichspräsidenten E b e r i mußten vorläufig abgesagt werden, da der Präsident an einem Grippeanfall leicht er­krankt ist. Diese Krankheit könnte man fast eine dipl»- inatische Krankheit nennen, denn es war der Empfang des, italienischen Botschafters Frassati vorgesehen, der v'er-, amtlich in seiner Ansprache beut bekannten Programm der italienischen Regierung Ausdruck gegeben hätte, nach dem, Italien gemeinsam mit Deutschland an dem europäischen Wiederaufbau und au dem Ziel der Wiederherstellung eine» wahren Friedenszustandes mitarbeiten wolle. Dieses Pro- S:amm hätte angesichts der Pariser Entscheidungen, zu deren nterzeichnern auch die italienische Regierung gehört, wie eine Ironie gewirkt, besonders, nach dem der italienische Außenminister Graf Sforza sich bemüßigt gefühlt habe,' die Pariser Abmachungen als für Deutschlandzufrieden- steMnd" zu bezeichnen. Es ist deshalb besser, daß der tta- Uerrische Botschafter Frassati, an dessen Gesinnung unb. gutem Willen man im übrigen nicht zu antet fein braucht, noch eine Zeitlang maltet, bis die Disharmonien zwischen

SturMöewegte Schicksale.

Roman von Max Esch.

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. Für ihn blieb er ein Hochstapler, sollst miirbe|et sich nicht WeB falschen Namens bedient haben. Eutiveder war der «ame von Wolff oder der de Beaulieu falsch, einer mußte jeden Fall sein. Zu ivelchem Zwecke aber hatte sich der Mensch denn einen falscher» Namen beigelegt? Doch nur dazu, dichter Eingang in die besseren Gesellschaftskreise zu er- Men und diese dann durch Falschspiel auszubeuten. Ge- uvezu erschreckend grassierte ja die. Spielleidenschaft in den vornehmen Klubs des Westens. Beinahe gewann es Anschein, als ob jeder, der zur Gesellschaft zähle, dem ^nion des Spiels verfalle»! wäre. Unsummen wurde»! an «"'Spieltischen umgesetzt.

$a wär- H aersdezu verwunderlich gewesen, wenn nicht Elemente unter erborgten klangvollen Namen Lf ^MiöZen versuchten. Indes war er, Bevern, noch jA !o wage Zeit r..er, um das Echte vorn Talmi unter U zu können ^.»tal ihn das Leben und Treibe»! in den | c?eren ®ü'f ^ bisher gewesen, geradezu abgestoßeu h j In seinen Reflexionen mürbe er durch die erstaunten d,e Kamrraden:Polizei!" unterbrochen, fodaß er L unb ernsten Blickes um sich sah. Da gewahrte «ich» öMchen dem Grün des Unterholzes die Helmspitzen Pv!»zeibeamten.

E Bevern auf seinen Sekundanten zu, auf die iv- i'tzm deutend, bemerkte er sarkaltisch:Mein ehren- | Gegner läßt uns eine Komödie anfführen!"

das kann ja nicht möglich sein, Kamerad," kam es I "es anderen LippM.

genug wir? -M der Herr Polizeilentnant das be» l 5 gab Bev^r- wÄd, auf den Polizeioffizier zeiaeud, Bet,,,»Ejolgi vvn »rareren Unterbeamten, den Platz

IC «jrOfienb, tritt 5« Beamte auf den ihm bekannten loi.: ' W »e» als UuparKitsch«! Lm Ehrenhandel leiten

^^!«m tta^, »b vylzt«» M« sämtlich Zivilkleidung

trugen, auf die beiden Herren zu, die sich angelegentlich zu unterhalten schienen.

Major Bernhardseck stellte die Kameraden dem Polizei» leutnant vor, der darauf die Offiziere ansprach:Meine Herren, ich bedaure es lebhaft, in Ihrer Gesellschaft so lange verweilen zu müssen, bis Sie die Rückfahrt antreten. Aber ich darf Ihnen zugleich verraten, daß die von Ihnen erwarteten Herren heute und auch später nicht erscheinen werden, denn sie sind plötzlich aus Berlin abgereist."

DaS ist ein starkes Stück!" wetterten der Major und der Arzt los, während ein ironische» Lächeln die Mund­winkel des PolizeioffizierS umspielte,

Da haben sie uns gar wohl noch die Polizei auf den Hals gehetzt?" fragte einer der Offiziere.

Möglich wäre das," erwiderte der Beamte,doch hatten mir von dem geplanten Ehrenhandel schon seit einigen Tagen Kenntnis und ließen die Herren beobachten. Obgleich ihre Papiere in Ordnung erschienen, zogen wir vorsichtshalber noch Erkundigungen in Paris ein. Das mußte den beiden Herren, die davon jedenfalls Kenntnis erhielten, wohl un­angenehm fein, denn sie sind spurlos von der Bildfläche ver­schwunden."

Und weiß man denn nun, wer und waS die Herrer» ei­gentlich sind?" fragte Bevern.

Achselzuckeud erwiderte der Polizeileutnant:Wahrschein­lich Spieler, möglicherweise auch Hochstapler." Sich an Be- vern wendend, setzte er hinzu:Wenn Ihre Mutmaßung, Herr Leutnant, zutrifft, daß dieser Professor de Beaulieu aus PariS und von Wolff eine Person ist, dann handelt es sich i bei dieser Person um einen berufsmäßigen Spieler, dem vor Jahren bereits in Berlin und im vergangenen Jahre auch in Ostende der Borwurf deS Falschspiels gemacht mürbe, weshalb die Polizei auf ihn ein wachsames Auge haben wollte, wenn er in Berlin auftauchen sollte. Da ihn aber unter der vortrefflich gewählten Maske niemanb vermutete, blieb eS bei unserem guten Willen."

Entweder heißt der Kerl von Wolff, dann trägt er den Namen Beaulieu zu Unrecht, oder er hat Anspruch auf bett letzten Namen, und bann wäre der Name von Wolff erborgt!" entgeguete erregt Bevern,eine andere Möglichkeit gibt es i nicht!" '

Jedenfalls haben wir es mit dem Spieler von Wolff zu tun, dessen Personalakten uns nicht unbekannt sind. Ueber Thurandot wissen wir nur, daß er Arzt sein soll, auch hat er wiederholt in Berlin geweilt. Da er Wolff protegierte, scheint auch« ein Spieler zu sein," erwiderte der Polizei» leutnant.

Da der AuStrag des Ehrenhandels unter diesen Umstän­den unmöglich geworden, begaben sich die Offiziere unter Begleitung deS Polizeileutnants nach den Automobilen.

Höflich verabschiedete stch der Beamte, als die Offiziere die Gefährte bestiegen hatten, nachdem die Offiziere ihr Th- renwort gegeben, daß sie die notwendigen Formalitäten selbst erfüllen würden.

Dann fuhren die Gefährte davon. Bald darauf verließ auch die Polizei den Platz.

Obwohl Bevern darüber eine große Genugtuung empfand, daß er sich nicht mit dem Abenteurer zu duellieren nötig hatte, konnte er es sich nicht enthalten, die ganze Schale ferne» Spottes über die Leichtgläubigkeit der Gesellschaft auSzu» gießen, welch letztere sich gedankenlos von den größten Gau­nern nasführen lasse, wenn solche es nur verständen, unter tönenden Titeln aufzutreten.

So manchen Seitenhieb bekam auch der Ehrenrat ab, der 'ich ebenfalls von dein Schwindler hätte täuschen lassen, war 'ehr leicht hätte vermieden werden können, wenn unter Zu» grundelegung seiner, BeoerirS, Behauptung er sich an die Polizei gewandt hätte.

6. Kapitel.

Vorsichtig weiter reitend, waren der Verwalter und fein Begleiter zu der Zeit, als der Kahn auf den Strand schoß, er Stelle ziemlich nahe gekommen, nach der der Bandit die Komteß verschleppt hatte, als ein Rascheln in den Gebüschen vor ihnen sie schnell nach den Gewehren greifen ließ.

Noch konnten die beiden Beamter» nichts erkennen, doch vernahmen sie, daß auf dem Pfade, auf dem sie sich befanden, ei»» Mensch oder ein Tier näher kommen müsse, verfolgt von dem wütenden Gekläff eines Hundes.

Wenige Minuten später aber sahen sie sich dem mas­kierten Wilddiebe gegenüber, dessen MaSke allerdings Nur noch in Fetzen vor den» stark blutenden Genchre

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