Sd)(ü$terner Kreisb
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Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel
Der Vezirksdste
Dienstag, dm 1. März 1921
achlerner Tageblatt.
Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 70 Pfg., Reklame- zeile Mk. 2.— sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. BezugS. Keine Gewähr für Platz, Ausnochmezeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 1.402.
73. ILyrg.
Aus der Heimat
—* (Die Eidesformel.) In letzter Zeit hat die Eides- formet wieder eine Aenderung erfahren. Vor der Revolution lautete ste: „Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich «ach bestem Wissen und Gewissen die reine Wahrheit sagen, nichts verschweigen und nichts hinzusetzen werde. So wahr mir Gott helfe!" — Nach der Revolution: „Ich schwöre, daß ich nach bestem Wissen und Gewissen die reine Wahrheit sagen, nichts verschweigen und nichts hinzusetzen werde!" — Jetzt: „Ich schwöre, daß ich nach bestem Wissen und Gewissen die reine Wahrheit sagen, nichts verschweigen und nichts hinzusetzen werde. So wahr mir Gott helfe!"
—* (Verschiebung des Trauertages.) Als Trauertag für die im Kriege gefallenen Opfer war der 6. März vorgesehen worden. Gegen die Festsetzung dieses Termins haben stch im Reichsrat Bedenken erhoben, weil die Frist zu kurz sei, um die Feier würdig vorzubereite«, namentlich da der Reichstag auch nicht in der Lige sei, bei bet kurzen zur Verfügung stehenden Zeit' das Gesetz rechtzeitig durchzu- bringen. Es soll daher der Gedanke eines Trauerfeiertages zwar nicht fallen gelassen werden, aber ein späterer Zeitpunkt gewählt werden. In den Besprechungen der Re- gierung mit den Parteiführern haben stch mit Ausnahme der Demokraten sämtliche anderen Parteien den Bedenken der Regierung angeschlossen.
* Schlüchtern. Vom Finanzamt wird uns geschrieben: Die infolge Hingabe von Wertpapieren zur Entrichtung der außerordentlichen Kriegsabgabe 1919, der Kriegsabgabe vom Vermögenszuwachs und des Reichsuotopfers von den Annahmestellen den Einzahlern zugegangenen Annahmebeschei- nigungen müssen der Finanzkasse unverzüglich vorgelegt werden, da sonst die Kasse von der Einzahlung keine Kennt- «!s "hält und die Abgabepflichtigen nach Ablauf der Zahlungsfrist Mahnzettel zugesandt erhalten.
* Schlüchtern. Der Herr Kanzleiasststent Dittert in Schlüchtern begeht mit dem heutigen Tage sein 25jährige- Dienstjubiläum als Kanzleibeamter des hiesigen Amtsgerichts. Wir gratulieren Herrn Dittert zu diesem Feste herzlichst mit dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sein möge, seinen Dienst noch viele Jahre bei bester Gesundheit versehen zu können.
* Schlüchtern, 1. März. Heute feiert Herr Obersekretär Schaefer fein- 25jährigeS Jubiläum als Kreisausschußsekretär des hiesigen Kreises. Herr Schaefer hat sich um den Kreis, insbesondere durch sein reges und verständnisvolles Interesse für die Landwirtschaft und durch seine Mitarbeit in der sozialen Fürsorge große Verdienste erworben. Möge ihm noch eine Reihe von Jahren weiterer Wirksamkeit beschieden sein.
* Schlüchtern. (Sport.) Am letzten Sonntag brächte der Fußballverein Schlüchtern 1910 drei Spiele mit folgenden Ergebnissen zum Austrag:
Sturmöewegte Schicksale.
Roman von Max Esch. 41
Prüfend ließ er seine Blicke über den Neffen gleiten. „Du siehst ganz wohl auS, Erwin. Berlin bekommt Dir anscheinend." redete er den Neffen an. Beide saßen bald darauf am gedeckten Frühstückstische.
Nach einiger Zeit fragte Bevern den Onkel nach dem Befinden und dem eigentlichen Krankheitszilstande Mizzis, von dem er sich kein klares Bild habe machen können.
„Ja, mein Junge," antwortete Braunhofen, „was sollte ich Dir darüber schreiben? Mizzi hat sich von ihrer Erkrankung körperlich sehr schnell erholt, aber ihr ganzes Wesen gefällt mir seit der Zeit gar nicht mehr, eS hat jetzt etwas Duckmäuseriges an sich, das mir ernste Sorgen einflößt. Mit einem Worte, Mizzi neigt zur Schwermut. Stundenlang sitzt sie eingeschlossen und grübelt vor sich hin. Dabei ist sie aber nicht etwa verwirrt im Kopfe. Auf den Reisen, die ich mit ihr auf ärztliches Anraten nach ihrer Qk-nefung unternahm, lebte sie ja einigermaßen ivieder aus, die frühere Lustigkeit aber erlangte sie nicht wieder.
Aber doch glaubte ich sie einigermaßen geändert, als ich mit ihr die Rückreise antrat. Du weißt ja, daß die Zwangsversteigerung Bannewitz mich dazu jmmig, schleunigst hier- herzuretsen. um nicht noch mehr emzubüßen, als das schon der Fall war. Ich wußte damals nur von dem kleinsten Teile der Manipulationen, durch die sich Ladewig Geld verschafft und baß Gin entwertet hatte."
„Weiß man denn noch immer nicht, wo der Leichtsinnige weilt?" fragte Benenn
„Er ist zuletzt in Monaco gesehen worden, von dort fehlt irbe Spur von ihm," erwiderte nachdenklich der General- u - or „Ich nehme an, daß er baß mitgenommene Geld bis i. ' c % letzten Rest verspielt und dann Selbstmord begangen
> Aber etwaß Bestimmtes werden wir darüber wohl nicht ballten.“
„Ein merkwürdig-- Mensch!" gab Bevern dem, waö ihn «füllt». Ausdruck.
1. Manasch. 1910 gegen 1 Mannsch. Horras 1901 1:3.
3. „ 1910 „ 3. „ Steinau 4:3.
4. „ 1910 „ 4. „ Steinau 2:1.
* Fulda. Der Preissturz aus dem Fischmarkt, der kürzlich von den Großhandelsplätzen gemeldet wurde, wirkt sich jetzt auch in lokaler Beziehung aus. ®‘e Preise für Fische sind nach der Ankündigung hiesiger Fischgeschäfte um 40 bis 50 pCt. gefallen.
* Hersfeld. (Ausgrabungsfunde.) Bei Ausschachtungsarbeiten in der Braunschen Fabrik vor dem Peterstor wurden in diesen Tagen in einer Tiefe von zweieinhalb bis drei Metern drei irdene Gefäße gefunden, die vermutlich dem karolingischen Zeitalter angehören. Da an dieser Stelle früher das alte Siechenhaus mit der Siechenkapelle gestanden hat, liegt die Vermutung nahe, daß es sich um einen ehe- mäügeu Friedhof der Siechenkapelle handelt, da unter den irdenen Gefäßen menschliche Knochen gefunden worden sind. Es ist aber auch die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß es sich um prähistorische Gefäße handelt und daß sie aus der frühgeschichtlichen Zeit vor der Gründung des Klosters stammen. Da Urnen in der Regel in der Nähe von alten Verkehrswegen gefunden werden, ist es möglich, daß diese Funde in Verbindung stehen mit dem alten Höhenwrg. der von Nürnberg, über Frankfurt, Alsfeld und den JohanneSberg «ach Thüringen hineinführte. Dieser Höhenweg ging in unmittelbarer Nähe der heutigen Braunschen Fabrik über die Haune. Schon 1910 wurde bereits bei dem Bau der Braunschen Fabrik ein den jetzigen ähnliches Gefäß gefunden. Die Funde wurden von den Firma Georg Braun dem Hersfelder Museum überwiesen.
* Eisenach. Die Schmalz- und Fettpreise find nun auch hier noch etwas weiter gesunken, nachdem in verschiedenen Städten der Preis für ein Pfund Schmalz auf U Mark zurückgegangen ist. Auch in einzelnen Eisenacher Geschäften wird das Fett jetzt zu diesem Preise verkauft. Der Rückgang der Fettpeeise hat auf die Hamsterei in Ln L««dorten dezimierend eingewirkt. ____________________________
Hesundhettspflege.
Bon Emil Anacker in Schlüchtern. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
Luft ist ein aus Sauerstoff (cr. 20,8%), Stickstoff (ca. 78,4%,) Kohlensäure (ca. 0,04%) und anderen Gasen (ca. 0,76%) bestehendes Gasgemenge, das die Atmosphäre der Erde bildet. In dieser Lufthülle leben wir und entnehmen derselben durch Aimung den für den Stoffwechsel nötigen Sauerstoff, der durch Stickstoff verdünnt ist. Durch die Bewegung des Atmens folrb die Luft und somit der Sauerstoff in die Lungenbläschen hineingezogen, durchgingt die Gisäß: und verc^niot sich mit fein Blut, welches nun zum
„Ja, es war ein Charakter, den ich nicht begreifen noch ergründen kann, ein leichtsinniger Mensch ohne feste Grundsätze," fügte Braunhofen sinnend hinzu, um dann nach kurzer Pause fortzufahren: „Wenn ich mich nun der Hoffnung hin- gab, daß Mizzi in ihrem Wesen wieder die frühere werden würde, so sah ich mich bald eines anderen belehrt. Sie hat sich vollständig verändert und meidet beinahe jeden Verkehr mit ihren Freundinnen. Wohl erhoffte ich von unserer Ueber- stedelung nach Bannewitz eine heilsame Wirkung, aber Mizzi will von einem solchen Umzüge durchaus nichts wissen. Ob ich sie denn mit Gewalt in ihr Unglück treiben will, fragte sie mich, als ich nur eine leise Andeutung machte. So wie sie überhaupt die Namen Ladewig und Bannewitz hört, gerät sie in hohe Aufregung und schließt sich dann regelmäßig stundenlang ein, deshalb habe ich ihr von dem Stande der Dinge noch nichts gesagt."
„Verzeih, Onkel," unterbrach Bevern, „wenn ich hier etwas einfüge. Ich glaube, Du hättest Mizzi von den veränderten Verhältnissen doch sollen Mitteilung machen müssen, umsomehr, da Du ihr aus die Dauer die Veränderung dort doch nicht verschweigen kannst. Meiner Ansicht nach hat Mizzi nur einen Widerwillen gegen das Gut, weil ihr dort das fatale Abenteuer zustieß. Wenn Du ihr nun aber sagst, daß ernste Pflichten dort ihrer harren, dann würde sie ihren Widerwillen wohl uutefbrüden und die Arbeit wird das übrige tun, Mizzi von ihrer fixen Idee ganz zu heilen. Sie wird und muß genesen, das sagt mir eine innere Stimme, die mir auch die Hoffnung gibt, Mizzi dereinst doch noch als meine Gattin heimführen zu können, obgleich meine teure Cousine mich recht von oben herab hat abblitzen lassen."
„Das möge Gott geben, mein Junge," erwiderte Bcaun- Hofen, „aber vorläufig kann ich Deine Zuversicht nicht teilen. In mir erweckte Ladewigs unb Mizzis Verhalten aus Bannewitz den Anschein, als ob beider Herzen sich trotz des Altersunterschiedes gefunden hatten, deshalb hatte ich bereits den Vorsatz gefaßt, mit Mizzi Bannewitz zu verlassen, welcher Entschluß dann das Unglück, we«in auch auf andere Art. zur sofortigen Ausführung brächte. Ich glaube, daß Mizzis Zustand mit bem Verschwinden Ladewigs im Znjammeu- bange steht. DaS Kind scheint eine tiefe Zlmeigung zu ihm gefaßt zu haben und härmt sich nun ab, daß er nicht um
Herze« unb von diesem nach alle« Teilen des Körpers hineingetriebe« wird. Aas de« feinen Haargefäßen (Kapillare«) des Blutkreislaufs verbreitet stch der Sauerstoff in das Gewebe unb wird dort in Verbindung mit Kohlenstoff unb Wasserstoff verbrannt. Diese Verbrennung oder Oxitation erzeugt die tierische Wärme. Die Verbrennungs- Produkte — Kohlensäure und Wasser — werden wieder vom Blut ausgenommen und erstere durch die Lungen aus- geschiede». Es erhellt aus diesen Vorgängen, daß die Lunge die bedeutsamsten Funktionell im menschlichen Körper verrichtet unr sowohl Aufnahme- als auch Ausscheidungs- organ ist. Stickstoff ist der Hauptbestandteil der Luft und schon in seinem Namen kommt zum Ausdruck, daß ein Mensch tu einem nur mit Stickstoff gefüllten Raum ersticken müßte. Kohlensäure ist Gift für Menschen und Tiere, wird von diesen unausgesetzt ausgeatmet — als Verbrennungs» Produkt im Körver — ist aber in dem geringen Maße, in welchem es in der Lust enthalten ist, unschädlich.
Von der Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalt der Lust hängt der Wärmeverlust und die Verdunstung aus dem Körper durch die Haut ab und dies? wieder bedinge« die Masse der aufzunehmenden und zu verarbeitenden festen und flüssigen Nahrungsmittel.
Licht.
Alle Menschen verlange« «ach dem Licht, das eine Voraussetzung des Lebens ist, insofern es das Nervensystem und die Energie der LebenSerscheinungen und somit den tierischen Stoffwechsel anregt. Ich verweise hier auf die in manchen Sanatorien eingerichtete Lichtbäder. Am wohltuendsten wirke« auf den menschlichen Organismus die Lichtstrahlen der
Souue,
welche als Spenderiv von Licht und Wärme die Quelle alles organischen Wesens ist. Abgesehe« von der mittelbaren Einwirkung der Sonne durch die uns zur Nahrung dienende« Pflanze« wirkt solche auch bireh auf den menschliche« Körper, indem die direkte« Souve.-.irahlen eine erhöhte Tätigkeit der Haut hervorrufen unb dadurch günstig auf den Stoffwechsel etawirken. Sind auch Licht und Sonne für die Gesundheit des Menschen unentbehrlich, so können dieselben in ihrer unausgesetzten bezw. allzulange« Einwirkung auch Krankheiten oder den Tod herbeiführe«. Ununterbrochene Helligkeit ruft Nervosttät und Augen- entzündung (Tränenfluß), der direkte Sonueustrahl auf unbedekten Kopf Hitzschlag und Sonnenstich hervpr. Durch längere Eillwirk^ng der Sonne auf die unbedeckte Haut wird letztere entzündet, der Stoffwechsel der überreizte« Hautzelleu liefert Abfallstoffe, die als Pigmente in den Hautzellen abgelagert werden, wodurch die betreffende« Hgutstelleu braun werden.
(Fortsetzung folgt.)
ihre Hand «»hält, ja sich überhaupt nicht mehr blicken läßt."
Vollständig überrascht, blickte Bevern seinen Oheim zweifelnd an, konnte er es sich doch nicht denken, daß seine stolze Cousine zu dem umso viel Jahre älteren Manne eine ernstliche Zuneigung sollte gefaßt haben können. Ungläubig warf er deshalb ein: „Das kann ich mir nicht denken!"
„Und doch," gab Braunhofen zurück, „glaube ich nicht, mich getäuscht zu haben." Zur Bekräftigung seiner Worte erzählte er noch die Beobachtungen auf Banneivitz, naiueut- lich kurz vor und nach dem Ueberfall auf Mizzi.
„Doch Bevern wollte das noch immer nicht glauben. „Gestatte mir, Onkel, Mizzi selbst einmal aufzusuchen," bat er. „Ich verspreche Dir, daß ich sie in keiner Weise attfregett werde, aber ich möchte doch einmal selbst sehen, ivie sie sich zu mir stellt."
„Meinetwegen," stimmte Braunhofen zu, „doch befürchte ich, daß sich Mizzi eiugeschlosseu hat unb gar nicht sprechen läßt."
Diese Befürchtung Braunhofens war begründet. „DaS gnädige Fräulein Kointeß sind unpäßlich und für niemand zu sprechen," lautete der Besch-id der Zofe. Als der junge Offizier sodann einen Versuch unternahm, trotz deS abweisenden Bescheides die Cousine aufzusuchen^ mußte er die Wahrnehmung mamen, daß äe sich eingeschloffen hatte »md auf sein Rufen gar feine Antwort gab.
Aber ganz aüberS, als der Vater argwöhnte, waren daS Tun und bei •Sefrnnfengang der Tochter. Mit ihrer G "ung war die Kv»t«ß ^e bis dahin gleich fv vielen ihrer A^-rs- genossin««n beliebig unb verguKguugssüchttg die Lage gebauhnls» ws^a^te, eine andere geworden.
&'nge:tr«r«g* kett« sie über den Zweck des Lebens nachge» dachl und ^.ar Li. -er Ütif?n* hu8 ^knmt baß ein ieber einzelne $Ri<&«n giern '•: .e Minnen) He» zu erfüllen tz we, also mich % M«r wt« and wo sollte sie sich zum Wohl« ihrer Mitmensch«' bet8%tf »
Ur» »vtM wo» -4 Z-tch eu:^ Erleuchtung über sie ge- tomnnw Si* besaß K-neusisje und wollte studieren und - - ^r Medizin 1^,20