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ichtern.

M 66

SriHfidHerner Tageblatt.

-

Gegründet im Jahre 1841

unter dem Titel

Samstag, teil 19, März 1921

Anzeige«: H geile oder bereu Raum 70 Pfg., R-klamc- K, Mk. 3.-r- samt!, ohne besonderen Zuschlaz. Bei Betriebsstörungen kein Schgdeneriatz oder Mmdergebühr einschl. Bezugb. Keine Gewähr für Platz, .AnfnHmezeit und Brisglieftrung. Kein Nachlatz bei gerichtlichen Zwlschen. ks»ün. Beügert» Frankfurt q. M. Nipamer 11408.

73. JaSrg.

Hm ^enpvmatien.

Das Fest der Auferstehung rückt in immer greifbarere Nähe, und wieder naht sich schon vor dem Eintreten dieses Festes der für unsere jungen Menschenkinder so bedeutungs­volle Tag der Konfirmation. Der Tag, an dem sie die Weihe des Christen empfangen und damit zugleich Abschied von der Zeit ihrer unbekümmerten und sorglosen Kindheit nehmen.

Und es ist wirklich ein bedeutungsvoller Tag für den jungen Kosfirmanden oder die junge Konfirmandin. Man wird als Erwachsener und im Leben hart gewordener Mensch nicht ohne eine gewisie^wehmütige Rührung den tiefen, fal heiligen Ernst gewahren, der fiS auf dem jungen, unverdorbenes und vom unbewußten Gefühl kommender ernster Pflichten überfchau-rnten Antlitz wiederspiegelt. Noch ist dir Seele aller dieser jungen Menschenblüten rein und ««berührt, und jeder Gedanke, der in ihre beginnende Tiefe fällt, ivieaelt sich klar und unverfälscht in Blick und Gebärde wieder. Und die Augen, die heute am Altar fragend und fremd in die verhüllte Zukunft schauen, sprechen es deutlich aus, daß sich die jungen Seelen ihrer ethischen Aufgaben und Pflichten bewußt zu werden, beginnen und daß die gedankenlose Kind- beit, in der ste bis dahin gelebt, mit der empfangenen Weihe des heutigen Tages in ihnen zu Ende geht.

Möge der Lebensweg all dieser jungen Menschenkinder, die wir heute hei ihrem ersten Schritte ins Leben der Er- wachsen«» zum Gotteshause geleiten, sich ihnen so erfülle», wie wirMe es ihnen von Herzen gönnen und eS in ihrem, r^e. auch, in »"seres ganzen Volkes Interesse vüH$en. Möge ihre heutige Einführung in die GeEnschA des ShkistentumS für ihre fernere Entwicklung kein formaler Akt bleiben, sondern ihnen wirkliche, segensreiche Früchtr tragen. Möge aus ihnen eine in klarer, echter Frömmigkeit geläuterte und zu hohen Zukunftsaufgaben vorherbestimmte Generation heranwachsen. Und möge ihnen selbst ein arbeitsfrohes und vom Erfolge ihrer ehrlich schaffenden Arbeit gekröntes Leben betrieben sein, jenem von höchster sittlicher Kraft getragenen Bibelworte getreu, das da vom menschltchcu Leben spricht: »Und ist es köstlich gewesen, so ist es Mühe und Arbeit gewesen---".

Aus der Heimat

* Es ist als erwünscht bezeichnet worden, daß in der Mittagsstunde des Tages der Volksabstimmung in Ober- schlefien (20. Mär») überall Kundgebungen stattsinden, bei denen ernste deutsche Weisen spiel«» und wenn möglich Reden auf die Bedeutung des Tages gehalten werden, Lustbarkeiten aber unterbleibe». In Theatern und Kinos sollen nur deutsche ernste Stücke gegeben werden.

* (Erledigte Schulstellen.) Zurzeit sind im Regier­ungsbezirk Lasse! 18 Lehrer- und eins Lehrerinnenstelle zu besetzen.

* Schlüchtern. Konfirmiert werden am morgigen Palm- sonntag in der hiesigen evaugl. Kirche 42 Knaben und 39 Mädchen; hiervon entfallen 22 Knaben und 32 Mädchen auf Schlüchtern-Stadt, 9 Knaben und 5 Mädchen auf Nie- derzell, 11 Knaben aus die Anstalt Hof Reich und 2 Mär­chen auf Klosterhöfe.

* (Theater in Schlächtern.) Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich eröffnet die Theaterdirektion Johs. Bernhard Breiholz am Sonntag, den 27. d. McS. in der Turnhalle eine Theaterspielzeit. Da dem Unternehmen ein guter künst­lerischer Ruf vorangeht, wollen wir nicht unterlassen unsere geehrten Leser in Stadt und Land auf die bevorstehenden genußreichen Abende hinzuweisen.

* Schlächtern. Am Montag, den 21. März 1921 abends 8 Uhr findet eine öffentliche Sitzung der Siadtverordm-tenj Versammlung mit nachstehender Tagesordnung statt 1) . Steuerordnung über die Besteuerung des. reichsetnkommen- steuerfeten Einkommens. 2) Umbau des Nebengebäudes beim Köhler'schen Anwesen in einen GeschäftSladen. 3) Herrichtung der Räume im Wachthaus für eine Wohnung 4) Pachtvertrag mit dem Techniker Erspar S emon über einen Sandsteinbruch in der Kohlgruvc. 5) Ausbau der Lateinschule. 6) Uebernahme der Kosten für Wetlervorhcr- sagen auf die Stadtkasse- 7) Berschieoenes.

* Vollmerz. Herr Mühleubesttzer August Fink von hier hat am 14 März in Hanau a. M. die Meister Prüfung für das Müllerhandwerk mit sehr gut bestanden.

* Lauterbach. (Höchstpreise für Hühnereier.) D« KreiSamt teilt mit: Die KceisprüfuugSstelle hat nach Prü­fung der Verhältnisse und Gestehungskosten den Richtpreis für frische Hühnereier auf 8085 Pfg. für das Stück herabgesetzt. Höhere Preise find im Einkauf beim Geflügef- Halter zurzeit nicht mehr gerechtfertigt. Die Geflügelhalter auf dem Lande haben bet diesem Preise und den jetzigen Verhältnissen einen DöHtg ausreichenden Nutzen.

Die Verlorsung der HeeresansehSr^e^.

DieVossische Zeitung" in den nächsten Tagen mit gesehes zu befassen haben, gelehrt hat. Es enthält u.

Mk Unteroffiziere und

meldet: Der Reichstag wird sich dem Entwurf eines Wehrmacht- das dem Reichsrat bereits vor- a. folgende Bestimmungen: Mannschaften, die nach Ablauf

hrer 'wölffährigen Dienstverpflchtung oder nach miirdesteus uersähriger Dienstjeit wegen Dienstunfähigkeit entlassen wer­den, sieht der Entwurf ausser den laufenden Uebervanas- Mühren, die je nach der Länge der Dienstzeit 13 Jahre nach der Entlassung bezahlt werden und von sechs Achtel aus vier Achtel des Gehaltes sinken, eine einmalige Ueber- g a n g s b ei h i lf e von 700 bis 2100 Mark vor. Dazu kommen noch Kinder- und Teuerungs z u s ch l ä g e sowie eine einmalige Umzugsentschädigung zur Erleichterung des Uebertritts in einen bürgerlichen Beruf, wenn der Ümzua sechs Monate nach Dienstaustritt erfolgt. Außerdem kao ein Zivildienstschein 'erteilt werden, der dem bisherigen Zivil Versorgungsschein entspricht. Offiziere Jinben Ansvrue auf ein lebenslängliches Ruhegehalt, wenn sie'nach mindestens zehnjähriger Dienstzeit wegen Dienstunfähigkeit oder unzu­reichender Befähigung entlassen werden. Das Ruhegehalt steigt von 30 auf 75 Prozent des zuletzt bezogenen ruhe­gehaltsfähigen Diensteinkommens. K ap i t a l a b f i n - W n g ist vorgesehen. Die im alten Heere, geleistete Dien'reit wird ungerechnet Die für Unterosfinere und Mannschgiu-g gegebenen Vorschriften finden auf Offiziere, die vor vollende- !'r zehnjähriger.Dienstzeit, aber nach mindestens vierjähriger Dienstzeit entlassen werden, Hinsichtlicht der Gewährung von ltebergangsgebübrnissen UmzugSentschädigung usw Anwen- dung. Den versorgungsberschtigten Offizieren' bis zum Oberleutnant aufwärts kann auf Antrag der Z t b t l - 1- d, |." r> ».PP^. ... ' .^ q »^*y £_yjr8T -»«SM??*^-* ; .. , z .

Im 2^'"sschuss sPeamtensraoenss gab der Vertreter des ReichssiNünzministeriums die Erklärung ab, dass die Rege­lung des O r t s k l a s s e n g e s e tz e s v o r O st e r n nicht ine h r m ö gli ch sei.

ausWSrtigeK Ailo«»e«ten

werden hiermit dringend ersucht, die Er­neuerung des Abonirevients auf unsere Zeitung für das neue Quar­tal beim Postamt des Wohnortes bezw. beim? Briefträger oder bet unsere« Agenturen schon jetzt

zu bewerkstelligen, daw.it in d - Zu- stell«»» unsere- Blattes keine unloebs-rme- Q . Unterbrechung e-ntriti.

Aer Werlag der Schküchterner Itg.

Einstellung desdeuWenK mdels nach teM&

In der englischen Industrie- und Handelswelt herrscht vollkommene Unzufriedenheit über die von der Regierung geplante SOprozentige Abgabe auf die deutsche Einfuhr. Nach Berichten desManchester Guardian" hat das Gesetz den Handel zwischen Nordenglaud und Deutschland schon völlig stillgclegt, bevor es überhaupt in Kraft getreten ist. Sowohl die Ein-, wie auch die Ausfuhr hat aufgehört. Die deutschen Fabrikanten weigern sich, Ware zu liefern, bevor der ganze Gegcilwert bei einer deutschen Bank hinterlegt ist. Dasselbe Blatt bemerkt dazu, die geplante Abgabe bringe nicht nur der englischen Regierung Schaden, sondern sie bilde auch eine Verletznna der von England gegenüber Deutschland eingegangenen Berpflichinng vom Oktober 1920, den deut­schen Besitz in England nickt zn beschlagnahmen. Die mili­tärische Besetzuna und das neue Zollsystem verletzen auch den Bersatller Vertrag.

Fürst BAow in Rom.

Nach einer Meldung desGiornald d'Jtalia" befindet sich der ehemalige deutsche Reichskanzler Fürst v. Bülow seit einigen Tagen in Rom. Er wird wieder in die Villa della Rose einziePn, sobald sie wieder vollkommen instand gesetzt worden ist. Im vergangenen Jahre hatte der Fürst den Wunsch ausgesprochen, nach Rom zurückkehren zu dürfen. Er wurde jedoch von italienischer Seite gebeten, aus verschiede­nen Gründen die Reise aufzuschieben.

Die Svprozrnkiqe Ansstchrasi labe.

Nach- einer Meldung der Niederländischen Aaentv- " nsses hat mich das belgische Handelsministerium stuer rozentigen Preisethebung von deutschen Waren ni- yflimmt. Die Vorlage soll erst nach Ostern an die Kammer 'zelliket werden.

Merlan: ig -er Zensur im besetzten Gebiet.

Die Interalliierte Rheinlondskommission verlängerte die Zensur für den Telegramm- und Telephonverlehrs sowie über die Zeitungen bezüglich der Truppenderschiebungen um acht Tage. - M

Deutscher Reichstag.

Berlin, 17. Mär».

87. Sitzung.

Der Ergänzungsetat des ReichswtrtfchaftSrates wtrö nach kurzer Debatte angenommen.

Die

Etats des Reichskanzlers und des ReichS«i«istrrn»mO des Ae«tzer»

werden miteinander verbunden-

Abg. V e r n st e i n (Soz.); Es ist nicht zu bestreiten, dass Wilhelm II. den Ausbruch des Krieges herbeigeführt hat. (Protest rechts.). (Präsident L öb e bittet, mit Rücksicht auf die tagelangen Debatren über die Schuldfrage diese nicht nochmals zu besprechen ). Das deutsche Volk ist nur mora­lisch nichtschuldig am Kriege. (Zuruf: Lloyd Georgel) Auch das Ausland kennt unsere Leistungsfähigkeit und ihre Grenzen. Umso bedauerlicher ist es, bat; die uns auferleg- ien Jahreszahlungen noch unsere Enkel belasten. Nehmen wir daher die Schuld am Kriege auf uns. (Stürmische Rufe rechts: Nein, nein!) Dann werden sich die Forderungen ermäßigen- Wix setzen unsere Hoffnung auf die internatio­nale Arbeiterschaft, welche den Vertrag zerreißen wird. (Lachen rechts.) -.

Abg. Dr. Breitscheid (U. S. P-): Minister Simons will den Friedensvertrag aus Zweckmätzigkeitsgründen innehalten- Bedauerlich ist, daß nicht alle Mitarbeiter des Ministers die gleiche Einsicht haben. General Seeckt hat die Art, wie man uns in Spaa und London behandelt hat, die Behandlung eines Kaffernvolkes genannt. Frankreich tön -chMTSe-wezen p rote stiert. Die Rede des Herr« von Kahr am vorgestrigen Tage mit dem Protest gegen die Auf- lösung der Einwohnerwehren und die Entwaffnung ist un­erhört. Die Abberufung der auswärtigen Minister in London, Brüssel und Paris macht den Eindruck einer De­monstration.

Ilbg. Schulz- Bromberg (Dtsch.-Natl.) bedauert die leb­haften Angriffe auf den bayerischen Ministerpräsidenten. Die große Mehrheit dieses Hauses steht in der Schuldfrage auf anderem Bode« wie die beiden Vorredner. Solche Be­hauptungen dürfen nicht unwidersprochen ins Land gehen. Mir dem ewigen Nachgeben retten wir nicht Deutschland, Abg. Dr- R i e ß e r (Dtsche. Vpt.) (wird mit dem Rufe empfangen: Noch ein Mitschuldiger!): Viele hervorragende Ausländer haben fick selbst gewundert, daß wir so schnell die Schuld.DeulschtandS anerkannten. (Lärm links ) Das deutsche Volk hat keine Schul- am Kriege- (Zurufe und Lärm bei den Sozia, zemokrateu.)

Abg. Peters (Dem.): Es ist traurig, daß über diese Frage nur ünldr parteipolitischen Gesichtspunkten verhan­delt wird. Es sind bei Ausbruch des Krieges viele intellet^ tuelle Fehler begangen worden.

Abg. Stöcke r (Komm-): Hätte die Regierung nicht den . Fehler begangen, mitzllbauen an der chinesischen Mauer um Sowjetrußland würden wir ein blühendes Wirtschaftsleben haben und Hander!taufende von Arbcitslvsen Arbeit finden.

Abg. Müller- Franken (Soz.) betont, die schönsten Re­de« über die auswärtigen Fragen hätten keinen Zweck, da sie an den Tatsachen nichts ändern könnten.

Abg. Dittmann (U- S. P.): Wir haben steis auch den Militaristen im Auslande die Mitschuld zngeschobeu. nicht einseitig den deutschen Militaristen.

Damit schließt die allgemeine Besprechung- Der Tirei Technische Rothtzfe" ivird gegen die Linke genehmigt: des­gleichen der Titel über Ausschmückung des Reichstages so­wie der Rest des Etats mit den Entschließungen. Der Etat deS Reichskanzlers wird bewilligt, desgleichen ö«r deS ReiWministeriums und der Reichskanzlei, ebenso des Aus­wärtigen Amtes zum größte« Teil.

Der Rest des Etats wird ohne weitete Debatte an­genommen. Der Haushalt des Reichstages wird ohne Aus­sprache bewilligt Zur Beratung kommt hierauf der

Haushalt des Neichsverkehrsministerinms.

Reichsverkehrsminifter Grüner- Mit dem vorberei­teten Eisenbahnfinanzgesetz wollen wir unser Eisenbahn­wesen auf eine gesunde kaufmännische Basis stellen. DaS Gesetz wird dem HaM bald zugchcn können. Ein,- wichtige Aufgabe ist auch die Gesundung des technische« Apparates zu mögli» ister Lei'UluqSfähigrcil. Die Personalteform ist bei dem Riescupcrsvual der Eisenbahn eine schwierige Auf­gabe. Dieser hrMep-Mrieb läßt sich nur zusammenhalten, wenn in den deutscher! Eisenbahnern der Sinn für Ordnung und Staatsau!«rität bereits wieder im Wachsen ist. (Beifall.) Die birbejtLfrendigleit nimmt zu. Ich halte es für meine Pflicht, in der rKMekielle» Fürsorge für das Per>onal an der Spitze zu gehen-. Bei den Aufträgen wollen.wir mög­lichst die Industrie^.-befruchten- Der Gesämizustand der Eisen-bai-neu bringr mick zu der Ueberzeugung, daß ihre lieb ernährn,, auf HM Reich nicht nur posttisch, sondern auch nihiidmftlid) ein Vorteil war. Die Diebstähle werden im­mer mehr eingeschränkt. Der Gedanke an -die Lerktungen im Kriege berechtigt zu den besten Erwar.ungen. (Beifall.)

Zum Etat ReiLZpcrkebrZminisieriums führte nach bet Rede des Ministers oüöner Abg. Brunner (Soz.) aus. daß an dem Princip des Achtstundentages festgevalten werden mMe. Abg. Wine.r (Ztr.) fordert Maßnachnren. um den Güterverkehr schneller abzuwickeln. Mlnrster Grauer er­klär'., daß in Polen 182 000 deutsche Güterwagen zurück­geblieben seien.

Gegen Mitternacht beginnt das HauS die Beratung des Postetats.