Zchlüchternkr Nrei 8 8 latt. — - — S^lüsterner Tageblatt.
»HimövreiS vorauszahlbar Viertels durch die Post Mk. 12.—, durch unsere Träger Mk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.-. «Meint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag L Hohmeister. verantwortlich H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. a-Mrus 65. GrsüüungSort für den gesamten EeschSstS- ° Verkehr mit der Firma Schlüchtern.
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Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel
Dem Be$ig|>&»te.
Montag, den 4. April 1921
Anzeigen: tl. Helle oder deren Raum 70 Pfü) Reklame- Seile Mk. L— sämil. ohne besonderen Zulchlax. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebsthr einschl. BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahmezeit und Beleglieftrung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen. kosten. Zahlkarle Frankfurt a. M. Nummer 11402.
73. Aayrg.
—* Wie wir soeben erfahren, ist die Frist zur Abgabe der Einkommensteuer- und KapitakeriragSftenererklärung bis einschließlich 30. April d. JS. verlängert worden. Siehe auch Bekanntmachung im amtl. Teil der heutigen Nummer-
—* (Die neuen Gebühren im Telegrammverkehr.) Vom 1. April ab sind im Zusammenhangs mit der Erhöhung der Telegraphengebühr im innerdeutschen Verkehr auf 30 Pfg. für das Wort, mindestens 3 Mark für ein Telegramm, zum Teil auch die Telegraphen-Ntbengebühren erhöht worden. Danach kostet die Hinterlegung und Anwendung einer abgekürzten Telegrammanschrift jährlich 180 Mark. Für die Silbestellung von Telegrammen nach Steten ohne Telegraphen- anstalt find bei Vorausbezahlung 3 Mark zu entrichten. Reueingeführl ist eine Lagergebühr von 30 Pfg. für jedes post-, telegraphen- und bahnhsflageru'se Telegramm. Der Absender eines Telegramms hat künftig stets seinen Namen und seine Wohnung auf der Telegrammzufchrist anzugebso.
—* Eine ringförmige Sonnenfinsternis wird am 8. April eintreten. Sie wird bei uns von 8 Uhr 38 Min. bis 11 Uhr 14 Min. zu beobachten fein. Der Höhepunkt der Verfinsterung, die 96 Prozent beträgt, wird 9 Uhr 58 Minuten erreicht.
—* (Apriltemperaturen anderswo.) Die Sonne, die im April in das Zeichen des Stieres tritt, meint es nicht allerorts auf Erden gleichmäßig warm Während in Nord- und Süddeutschland die durchschnittliche Apriltemperatur etwa 8-10 Grad Wärme beträgt, mißt mau zur gleichen Zeit in Spanien bereits 12—14 Grad, in Italien 14—16 Grad, in Zentralasien, China, Palästina und Mexiko 16—20 Grad, in Batavia, Kalkutta, Zentralafrika und Südamerika 25 bis 26 Grad Wärme. Umgekehrt wartet Sibirien noch mit 14 Grad Kälte auf, während merkwürdigerweise in Newyork, das mit Neapel auf dem gleichen Breitengrade liegt, die Temperaiux nicht höher ist als in Nord- u^d Mitteldeutschland.
—* (Eiu neuer Abgeordneter für Hcflen-Raffau.) Kreis- tagsabgeordneter Wick aus Oberurfel erhielt im preußischen Landtage ein Mandat, da der Rsichstagsabgeordnete Hütt- manu für den Landtag zurückgetreten ist. Wick ist Mitglied der U.S.P.D.
* Schlüchtern. Als nächste Aufführung, bringt das Frankfurter Künstlertheater August Strindbergs Jahresfestsplel »Ostern" mit Musik von Haydn. Karten Vorverkauf Mittwoch, den 6. April, nachmittags 5 Uhr im Schlößchen.
* Schlüchtern. (Einbruchsdiebstahl.) In das Gebäude > der auf dem Agisbrunus» gelegenen Sommerwirtschaft wurde ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der oder die Räuber nahmen Sognac, Zigarren, Zigaretten und zwei Metzger- kittel mit.
* Flieden. Am 1, April waren es 30 Jahre, daß Herr S. Freudenberger, Lehrer an der hiesigen israelitischen Volks- sb»l-. In dieser Stellung wirkte. Die Gemeinde ce^a^t«
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an diesem Ehrentage dankbar seiner nun durch ein Menschen« alter in ihrem Dienste und als Jugendbildner hingedend geübten Tätigkeit.
* Fulda. (Romreise.) Der Bischof von Fulda wird am 7. April die vorgeschriebene Reise nach Rom zu den Gräbern der Apostelfürsten antreten.
* Fulda. Die Bahnhofsumbauten, die im Oktober vorigen Jahres begonnen wurden, werden dieser Tage vollendet sein. Durch den Vorbau des Bahnhofes wird eine wesentliche Erweiterung der Eingangshalle erreicht, wodurch sich der Verkehr der Reisenden ««gemein leichter und schneller abwickel« wird, wie seither. Durch den Erweiterungsbau wurde auch Platz für neue Fahrkartenschalter gewonnen.
Aus Budapest wird gemeldet: Nach des hier aus Stein« mauger erugegaugeneu Nachrichten hat Exkaiser Karl aast langem Sträube» eine Einwilligung zur Rückreise ant Ungarn gegeben und zugleich angekündigt, daß er in einen Bmet an den Nerchsverweser Horthy seinen Grundsatz, rrchen Standpunkt festlegen werde.
In dem Brief wird er erklären, er verlasse das Land gesehen habe, daß dies im gegenwärtigen Augenblic! die höchsten Interessen des Landes erfordern, doch betracht« dr sich nach wie vor als rechtmäßigen König von Ungarn unt vchalle sich vor, in einem günstige» Zeitpunkt den Throo wreder eruznuehmeu. In dem Brief wird schließlich bei steichsverweser Admiral Horthu als Gouverneur von Um gar« bestätigt.
Ursprünglich wollte Karl einen Anfruf an das Volk erlassen, nahm jedoch hiervon Abstand, da der Ministerpräsident T e l e k i nicht geneigt war, den Aufruf gegeuzuzeichuen.
Aus Wien wird gemeldet: Die Verhandlungen über du Abreise Karls sind nahezu abgeschlossen. Sie wurden einerseits zwischen Budapest und Steinamanger geführt, -rmbereifet zwischen Budapest .mb .Wien und den Ententeregierungen, und schließlich zwischen der österreichischen Regierung und den sozialdemokratischen Arbeitern, die den Zu« Karls nicht befördern wollten.
Karl brächte nochmals den Wunsch zum Ausdruck, mil seiner Familie als Privatmann in Ungarn leben ?.u können. Ueberrafchend kam dann die Nachricht, daß die schweizerische Regierung e n d g ü l ti g abge- le b n t habe, Karl ein neues Asyl zu bieten. Man mußte nach einem aneberen Umschau halten. Die f pa n b - ch e Botschaft in Wien war bereits ermächtigt worden, mit- ^teilen, daß ihr? Regierung gegen den Aufenthalt Karls in Spanien keine Einwendung erheben werde. Du d e u t s ch e Regierung sott ab gelehnt haben, die Durchreise Kals durch Bayern zu gestatten. So blieb nur der Wec über Italien übrig, und man erwartet bie Zustimmung bei italienischen Regierung zur Fahrt über Genua nach Spanien.
Die Sozialdemokraten haben als B:ding«ng gestellt, das i her Karl während der Fahrt auf österreichischem Boden «jener
Mit den Gewerkschaften wird noch verhandelt, daß sie den ^,ug befördern. Karl wird im Automobil von Steinamanget bis an die steierische Grenze gebracht, wo ihn der Ententezuc erwartet. Er wird von E n t e n i e o f f i z i e r e n b e g l e i - tet werden^ Ferner werden als Vertrauensmänner Oesterreichs die Führer der Eisenbahnergewerkschaft den Zug be< gleiten.
Der mittelgut fe Kommunifienauftuhr im ErlS eiu
Die Meldestelle des Oberpräsidiums teilt mit: In Magde- bura-^tadk, im Regierungsbezirk Magdeburg und it Wtttenberg nichts Neues. Mandsfeld: Eine Anzahl Aufrührer verzog sich nach dem Harz. Es werden wettere Ver hastuirgen vvrgenommen. U. a. ist ein gewisser Seiger aus Leimbach festgenommen. Liebenwerba: Bisher ist es 31 feinem blutigen Zmammenstosi gekommen. 23 Haupttitter wurden festgenommen. Lage im allgemeinen ruhig. Di« Belegschaften der Werke wollen die Arbett aufnehmen ant sind froh, daß sie von ben Terrorbanden befreit sind Stenbaft Hier herrschi Ruhe, ebenso in Salzwedel. Jr Delitzsch ist ebenfalls alles ruhig. In Bitterfeld, Öuerfue unb Aschersreben herrscht Ruhe. In Neuha!dens!cben er folgten einige Festnahmen von Kommunisten.
In allen Erfurter Betrieben ist die Arbeit wieder auf, genommen. Die Klugblattverteilung mit Aufforderung zuu Generalstreik findet selbst bei einem großen Teil der Kommunisten kein Entgegenkommen. Hier wurde auch noch bei fünfte Mittäter in der Angelegenheit der beabsichtigter Sprengung der Vahnuutersührung Goethe-Freytagsstraß« festgenommen. Einer der Anführer der kommunistischer Bande bei Wiehe war der Stadtverordnete Bvwitzk aus Halle.
In Gotha treibt die K. P. D. seit einigen Tagen lebhaft« Propaganda durch Flugblätter. In Halle wird überak gearbeitet, vor allem auch in ben Gas-, Wasser- und Eleb trizitätswerken. Nur in drei Schächten wurde die Arher niedergelegt, feboeb besteht Hoffnung, daß die Belegschaft du Aubeit wieder auf nimmt. Der Aufruf des Metallarbeiter, oerba.udrs zum Ge^eroistreik blieb erfolglos. Merleburg Die Säuberuugsaknou des Getteltales ist planmäßig durch geführt worden. Näherer Bericht darüber steht noch «u3 Eine Abteilung der Schutzpolizei stellte kommunistische Banden bei Beesenstadi. Die Bande machte die «Legend not Wettin, Koeuneru, Nauudorf, Loebejün und Alsleben um sicher. Die Schutzpolizei hatte dabei feine Verluste, bei Gegner dagegen 18 Tote und eine entsprechende Anzahl Beu wundeter. Bis jetzt wurden ihm 19 Gefangene abguomme» 5 Maschinengewehre, über 150 Gewehre, mehrere Pistole» 2000 Schuß Maschinengewehr-munition, 1500 Schuß Anfa» steriemunition, ungefähr 30 Fahrzeuge. Nach Aussagen v« Gefangenen sollen die Führer Redakteur Schneider, ManS feld, und Max Hoeltz gewesen sein. Sie werden »erfelai
Die Magdeb. Zig." ineUret: Die Lerumwerke veröffeul lichen eine längere Erklärung, worin eine Darstellung d« Ereignisse auf dem Werke gegeben und schließlich beton wird, daß eine Wiederaufnahme des Betriebes wegen Aug führung von Bau- und Montagearbeiten bis auf wettere, nicht möglich ist und die gesamte Arbeiteri<haft sich durch d« Eintritt in den Streik als entlassen zu betrachten 6®t
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Das Airkuskinö.
Stovellette von I. Zunk.
(Nachdruck verboten.)
Da erfuhr ihr Glück eine Störung durch die Trauerbot- schost von dem Tode der alten Gräfin Harrach. Sie hatte vergeblich auf den Tag gehofft, der ihr den Sohn wieder ans Herz legen wurde, aber die Weibesliebe hatte Hans Joachims Ohren und Sinne unempfindlich gemacht gegen den unausgesprochenen Sehnsuchtsruf der alten Mutter.
Jetzt trübte ein leises Gefühl der Schuld einen Augenblick sein Glück, aber Elisabeths Augen scheuchten es schnell in Vergessenheit zurück.
Hans Joachim reiste nach Deutschland; er sah sich gezwungen, die Bewirtschaftung des Gutes selbst in die Hand zu nehmen.
Elisabeth sollte vorläufig noch im Lande bleiben, bis Lord Hausdale den Verkauf des Grundstücks geregelt hatte.
In Bernsdorf eingetroffen, versuchte er sofort die erlernten Kenntnisse zu verwerten, weitgehende Verbesse, rungen vorzunehmen.
Hans Joachim fühlte sich ruhig und zufrieden mit feinem Lose und ersehnte nur die Ankunft seiner Lieben. Manchmal beschlich ihn wohl ein leises Mißtrauen bei dem Gedanken, ob Elisabeth sich hier in die stillen Verhältnisse eingewöhnen würde; ob sie sich ganz dem Beruf einer deutschen Landedelfrau anzupassen und ihm eine Kameradin zu sein vermöchte!
Aber er verjagte die Gedanken als Grillen und baute auf seine innige, tiefe Liebe, die ja einen Ausgleich für alles bieten mußte.
Elisabeth kam; einige Zeit gewährte es ihr inniges Vergnügen, als Gutsherrin zu schalten und zu walten, Befehle zu erteilen und sich als Herrin' aber viele zu suhlen. Auch der 'Verkehr mit den Nachbarn, in dem all gemein ihrer Sch - h: gehuldigi wurde, sagte ihr zu, solange er den Reiz der Neuheit hatt«.
Aber der Winter kam, und das Landleben fing an, für Elisabeth das Interesse zu verlieren. Den Zauber der deutschen Winterpoesie, der ländlichen Einsamkeit inmitten des tiefen Schnees kannte sie nicht und ließ ihn auch nicht auf sich einwirken.
Ihr Geist lebte nur auf in der rauschenden Geselligkeit des bewegten Stadtleben«.
Sie wurde traurig und schwermütig, launenhaft und mißmutig. Und Hans Joachim?
Anstatt mit fester Hand die Zügel des ehelichen Glückes zu halten, ohne sich an die wechselnden Stimmungen Elisabeths zu kehren, gab er ihr nach und beschloß, mit ihr eine Reise zu unternehmen, sie nach Budapest, nach ihrer Heimat, der Stadt ihrer Sehnsucht, zu führen.
Bei jedem neuen ungarische» Roman, den ihr her Buchhändler aus der Stadt sandte, wurde ihr Wünschen gesteigert.
Dann träumte sie sich zurück in die glänzende Welt ihrer Vaterstadt, dann hatte sie nur das eine brennende Verlangen, einmal dort zu sein, einmal die Stätten ihrer früheren Dürftigkeit wiederzusehen, jetzt, als gefeierte, wohlhabende Frau.
Einmal in Budapest glänzen können, einmal der Stern einer Gesellschaft sein! Einmal in den Tageszeitungen genannt, für die illustrierten Blätter gezeichnet zu werden 1
Wie anders verstanden die Ungarn zu schmeicheln und zu flirten; wie begeistert huldigten sie der Schönheit! Hub die Sehnsucht fing an, sie zu verzehren, und überwucherte alle anderen Gefühle, so daß Hans Joachim, ernstlich besorgt um seines Weibes Gesundheit, die Reise nach Budapest antrat.
Das Gut wurde dem alten, bewährten Verwalter überlassen, Maria mitgenommen; Hans Joachim trennte sich nicht von seinem Kinde.
Eine hübsche, möblierte Wodnung in einer schöner Villenstraße fand sich bald, und Hans Io-rchim suchte uu> i übiung mit der vornehmen Gesellschaft. An dem d«ui i yu» Baron von Knorr fand er den Vater eines früh«rei liameiahen. E, würd« mit seiner Garttn i-ingeüfbea, Mtf »M Marie sich «in Meiner Äreie um bt seid«» KiWD«
Siteraten und jene Elegants, die den Hauptzweck ihres Leben» in Ausübung von Sport, Theaterbesuchen und Flirten sehen. ,
Elisabeth entwickelte sich hier, ganz in ihrem (Element, zu einer vollendeten Schönheit; sie herrschte als Königin des Zirkels. Lebenslust und Ausgelassenheit durchströmten ihr ganzes Wesen, so daß ihr Gatte auf sie manchmal staunend, wie auf eine ihm gänzlich Fremde sah.
Die kleine Maria wuchs heran. Von der Schönheit - der Mutter schien ihr nichts vererbt zu sein; wohl aber von dem Wesen des Vaters; fein Charakter zeigte sich ftüh in dem Kind«: Ernst und zurückhaltend, schloß sie sich am liebsten an ihn an.
Hans Joachim ließ seine Frau ruhig gewähren; die Zeit, die für die Reise bestimmt war, lief ohnehin bald ab. Er zählte die Tage, die ihn nach feiner deutschen Heimat, seiner eigenen Scholle brachten. Dort sprieße I jetzt der Frühling, grünten die Wiesen.
Ihm konnte diese Gesellschaft, in der Mode und Ober* flächkichkeit ihr Zepter schwangen, nichts bieten; er vereinsamte in ihr. Wie war es möglich, daß Menschen j dauernd ein Leben in solchem Hexenkessel aus hielten, sich dauernd in dem Häusermeer und dem aufreibenden Getriebe wohl fühlen konnten?
Da klang ihm eines Tages in feine Gedanken hinein Elisabeths Stimme: „Denk nur, Hans Joachim, was mir heute passierte! Wie ich im Museum bin, um mir mit Madame von Werner Skulpturen anzusshen, macht sie mich aufmerksam, daß uns ein Herr folge. Ich ?ente, was kümmert das mich! Wir nehmen einen Wagen, fahren nach einem Kaufhaus, als beim Aussteigen Frau jon Werner hastig meinem Arm drückt und ausruft: Sieh, da ist er schon wieder!'
Jetzt bin ich neugierig und betrachte ihn genauer. Ein hübscher Mann, sehr elegant, nicht ganz jung, viel.
eicht auch vom rieben schon etwas Der . . ?nem ,Ich weiß nicht, was', was den jepllt
. aoe« von Jrauen so
(Soitffgung folgt)