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Schlüchtern er Rrei 8 dlatt. - Schlüchterner Tageblatt. Gegründet im Jahre 184^ unter dem Titel DeV VezLrrksdste

WerugSpreis vorauSzahlbar viertel-, durch die Post Mk. 13., durch unsere Träger Mk, 10,80, bei uns abgeholt Mk 10.. «rscheint an Wochentagen nachmittags. Druck u, Verlag S. Hohmeister, verantwortlich H.-L. Hohmeister, TSlüchtern. Fernrui 65. Erfüllungsort für den gesamten GesckSftS- verkebr mit der Firma Schlächtern.

Auzeiae«: H. Zelle oder deren Raum 70 Ps^M-tlame. zetlr Mk. 2. sämtl. ohne besonderen Zuschla«. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergedtzhr einschl. BezugS. Seine Gewähr für Platz, Aufnahmezett und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kokten. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.

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Donnerstag, den 7. April 1921 73. Iayrg.

Aus der Heimat

* Das Zettuagspapier ist abermals im Preis erhöht worden. Das Kilo kostet jetzt 4 Mk.; das ist gegenüber der Vorkriegszeit eine Verteuerung um genau 2000 Prozent.

* (Referendare als Verteidiger.) Referendare können seit der Verordnung der Rüchsregierung vom 1. Juli 1920 auch zu Verteidigern bestellt Werdern. Der JustizMinister hat jedoch erst angeordnet, Abstand zu nehmen von der Bestellung solcher Referendare, die im Justizdienst noch nicht seit mindestens einem Jahre und drei Monaten beschäftigt find.

Hk. (Ausschreibung von Geräten.) Die Eisenbabndirek« tton Mainz vergieLt Lieferung von Werkzeugen, Eimern, Bürsten rc. Näheres auf der Handelskammer zu Hanau zu erfragen (Del. 95). Angebote bis 18. April.

Hk. Postpakete nach Italien, für deren Inhalt ein Ein­fuhrverbot besteht, find aufgrund neuerer Verhandlungen auch weiterhin ohne Einfuhrbewillignng zugelaffen.

* Ntederzell. Am Montag mittag entlud sich verbunden mit Hagelschlag ein schweres Gewitter wolkenbruchartig über unser Dorf. Der Blitz schlug in den Kirchtum ein und richtete bedeutenden Schaden au. Der Winterraps ist stellenweise vernichtet. Das Unwetter wütete ungefähr zwei Stunden. Auch in BellingS richtete es großen Schaden an.

* Soden. Aus Anlaß der 50jährige:; Wiederkehr des Tages, an dem der hl. Joseph zum Schutzpatron der katho­lischen Kirche erkoren wurde, ist dem bischöflichen Soolbade in Soden die Bezeichnung Sankt Josephsbad beigelegt und gleichzeitigt ist dem Erbauer der Steiali, dem Herrn Pfarrer Schulz tu Soden, durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof der Titel eines geistlichen Rats verliehen worden. Diese Ehrung des hochverdienten Mannes, dem es vergönnt ist, von der Höhe seines Daseins auf ein überreiches und fruchtbares Lebeuswerr zu blicken, hat dir frcadisltc Erregung in der Bevölkerung hervorgerufen. Der Gründer der Pfarrei Soden, der Erbauer des Pfarrhauses im Jahre 1117 bei Kirche und der Kiuderheilanslalt, ist seiner ^Gemeinde mehr als das geistliche Oberhaupt, mehr als der Hüter ihres religiösen Lebens geworden, denn seine starke Persönlichkeit umfaßte von jeher auch alle sozia­len und wirtschaftlichen Aufgaben und sein WirklichkeitS- sinn drang in alle Bedingungen und Probleme des Da­seins ein. Wägend und besonnen, in seinem Urteil, kühn und energisch in seinem Handeln, verstand er es, alle Hin- deruiffe zu beseitigen, die seiner gemeinnützigen Tätigkeit sich entgegen stellten und die Bahne» zu ebnen, die zu seinen mannigfachen Erfolgen führten. Und diese find nicht allein ein stolzes Lebenswerk an fich, vielmehr find es Errungen­schaften von unvergänglichem Wert, die immer mehr ge­würdigt werden. Ganz besonders erfreulich hat es aber die drNcinde empfunden, daß gerade die Kinderheilanstalt, das langjährige Schmerzenskind des Erbauers, das ihm manche sorgenvoll» Stunden «^8o--ch' ffn#yi"<AHno b ^4* ', »im

| äußeren Anlaß der Ehrung ihres hochverehrten Pfarrers wurde.

* Hanau. (Mit gefälschten Urlaubsscheinen.) Der 29 Jahre alte Kaufmann Robert Klotz aus Schlüchtern hatte sich vor der Strafkammer in Hanau wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Klotz, der in dem Prozeß gegen den Raubmörder Wolf aus Soden-Salmünster als Anbietender eines Heereskraftwagens, der in einer Scheune bei Sannerz xestaaden haben sollte, bekannt geworden war, hatte in seiner Stellung als Zivilangestellter bei der Ers. Mtlg. Feldartl.'Regt. 63 in Weilburg auf dem Zahlmeisterbüro Urlaubsscheine gefälscht. Mit diesen gefälschten Urlaubs­scheinen hatte er sich in den Besitz von Militärfahrkarten gesetzt. Die Urlaubsscheine will er, wie er in der Haupt­verhandlung anführte, von einem auf der Abwicklungsstelle beschäftigten gewissen Wiegand aus Schlüchtern erhal­ten haben, dem er dafür 100 Mk. geliehen haben wollte. Nach den Aussagen des Zeugen Wiegand hatt« ihm der Angeklagte diese 100 Mark (es können auch mehr gewesen sein) gegeben, um ihm Schuhe zu besorgen. Keinesfalls aber hat er ihm für dieses Darlehn gestempelte und mit einer Unterschrift versehene Urlaubsscheine gegeben, vielmehr gab er ihm leere Urlaubsformulare, wie das zu damaliger Zeit auch gang und gebe war. Wegeu schwerer Urkunden- fälschund und Betruges im Rüäfalle wurde Klotz zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.;

Die Frage der Aeglerun^dildung.

An der Sitzuna der fozialdemokratische» Fraktton des preußischen Landtags, die sich gestern mit der preußischen Regierungsfrag, beschäftigte, wurde lautVorwärts" ein­stimmig zum Ausdruck gebracht, daß die bisher geführten interfraktionellen Besprechungen keine neuen Tatsachen er­geben hätten, die Anlaß dazu gäben, von dem früher gefaß­ten Beschluß der Fraktion, nicht mit der deutschen Bölks- parlei in die Regierung zu gehen, abzuweichen. Da Zentrum nndTTeinotra>-u wei.er an ihr'-- L-adtpun-s feßbalte", daß für die alte Koalition in Preußen keine ausreichende Mehr­heit mehr vorhanden sei und da weiter die Demokraten den Borschlag der Deutschen Bolkspartei, die Parteiqrnppierung des Reiches in Preuße,, zu versuchen, entschieden ablehne«, so könne es, wie das Blatt betont, keinem Zweifel unter­liegen, daß die Verhandlungen in ein äußerst kritisches Sta­dium geraten seien.

Binisier Severing zur Laie.

Der preußische Minister des Sintern Severing sprach vor den Kunktionäreu der sozialdemokr«tischen Partei Wer die letzten politischen Vorgänge. Zu Beginn seiner Rede ver­wahrte er sich gegen die Angriffe der Rechtspresse und meinte: Die Wut der Rechtspresse sei nur deshalb so groß, weil zwei sozmlöemokratische Beamte den Aufruhr nieder- seschlage» hatten, ohn einen preußischen General zu Hilfe gerufen zu haben. Seit Blut geflossen, so sei das bedauerlich.

Zum Tode Salto bemerkte der Minister, er bedaure den Tod vom menschlichen Standpunkt aus, aber das Geschick Sults komme aus das Konto derjenigen, die die Massen zu Gewalttätigkeiten aufreizen und über den Meuchelmord a« dem Wachtmeister in Lichtender« kein Wort verloren have«. Zum Schluß forderte der Minister die Funktionäre auf, tu keinem Falle Aktionen zu unternehmen, die nicht vom Vor­stand oeschloffen würden.

MchVehen des Aufruhrs.

Wie derBerl. Lolalanz." aus H a ll e meldet, haben landwirtschaftliche Korporationen und Bauernschaften der Provinz Sachsen an den Oberpräsidente» H ö r s i n g Tele­gramme gerichtet, in denen erklärt wird, daß die Provinz Sachsen noch keineswegs von Banden gesäubert sei und die Bauern SelbstsLmtzorganisaiioneu bilden würden, wenn nicht sofort Reichswehr eingesetzt werde. Als Antwort darauf be­steht in einem Telegramm an die Landräte der Provinz her Oberpräsideni auf der.rückhaltlosen Durchführung der Ver­ordnung des Reichspräsidenten vom 30. Mai 1928 über bis Waffenablieferung.

Nach einer weiteren Meldung des Blattes sind in Bitter- feld neue Verhaftungen von Kommunisten erfolgt. Mehrere von den Verhafteten führten große Geldbeträge bei sich, die sie von Holz erhalten haben wollen. In N a u m b u rq fand man auf den Eisenbahnschienen ein Paket mit Sprengstoff,

Der rollende Rubel.

Der dänischeSozialdemokraten" bringt sensationell; Enthüllungen über die bolschewistische Unterstützung der aus­ländischen kommunistischen Organisationen. Das Gold der Bolschewisten bleibe grundsätzlich für die ausländische Propa­ganda reserviert. Daraus zu erklären seien die Ratural- konzessionen, die die Sowjetregierung den fremden Kapita­listen anbiete. Die Bolschewisten machten so den russischen Arbeiter dem fremden Kapital untertänig, um ihr Selb für die Weltpropaganda ausgeben zu können. Je mehr sie Kon- »effk iten vergeben, desto ^Or zwingen sie die inlerirafisuLlen Kapitalisten, ihre Diktatur zu unterstützen. Diese Ent- hullungen über die Goldreservenpoliti! der Bolschewisten sind eine Bestätigung dafür, daß bolschewistisches Gold bei des letzten kommunistischen Unruhen eine größere Rolle gespielt hat, als dies ftstgrftellt werden konnte.

HAz m Berlin?

Die Anwesenheit von Holz in Berlin wird von derKoten Fahne" auf das entschiedenste Gestritten; mithin sind nach der Behauptung des tommuniffifcben Blattes auch alle Annahn^n irrig, daß die letzten Dynamit- und Handgranateuatkentati in Berlin auf die Tätigkeit von Holz zurückzuführen seien. Alle diesbezüglichen Pressemeldungen werden von derRoten Fahne" alsStimmungsmache für die Ausnahmegerichte" bezeichnet. Man wolle durch derartige tendenziöse Meltzunzen demWeißen Schrecken" den Weg bereiten. Die Arbeiterschaft müsse sich ihrer Solidarität bewußt sein und in geschlossener Abwehrdie Rachepläne der Bourgeoisie" zuschanden mache«,

Das ZirkuskinS.

Siovellette von J. Zunk.

(Nachdruck verbotst

Na, wir wollen es abwarten," erwiderte Rosse, ,üie Frau von Welt bleibt schwer die Frau für ihren Mann', sagt Lärmen Sylva, und

»Ein schönes Pferd, 'ne schöne Frau,

Sind leicht nicht zu erlangen.

Doch, hast du sie, merk' auf genau

Und gib wohl acht,

Ehe man's gedacht,

Sind beide durchgegangen', singt ein anderer Poet."

Sie sind und bleiben unverbesserlich, Rosöel Und wenn Sie gar mit Zitaten^kommen, streite ich", sagte Baron Dietrich.Aber wenn eie bis zum Jvur der Frau von Peer warten, dann stelle ich Sie der Gräfin . vor. Ich weiß, daß sie dahinkommt."

Gut, ich nehine Sie beim Wort, Baronl"

* *

*

In den bekannten Salons der Madame Beer, die sich als Schätzerin der Kunst und Literatur in Budapest eine» Namen gemacht hatte, traf sich eine gewählte Gesell- fchaft. Alles, was sich zur Aristokratie der Geburt und des Geistes rechnete, war gekommen. Neben bekannten Siteraten hatten berühmte Bühnengrößen ihr Erscheinen zugesagt. In einem kleinen Salon, der nach dem Garten hinausführte, stand eine Gruppe im eifrigsten Gespräch.

Baron von Knorr und Rosoe plauderten ungeregt mit einigen Damen, als Madame von Werner und Elisa­beth Harrach eintraten. Die deutsche Gräfin sah schöner denn je aus. Ein schwarzes Samtgewand umschloß in weiten Falten die zierliche Gestalt, Hals und Arme.völlig sreilassend. Ihre wahrhaft klassischen Formen hätten seine effettuollere Umhüllung finden können. Das blvnde

Haar war nach der damals herrschenden Mode ä I» Mörod« frisiert; in den schwarzglänzenden Augen brannte tiefes Feuer.

Einen Moment nur stutzte die Gräfin, als sie Rofte erblickte; dann trat sie mit ihrer Freundin auf die Gruppe zu.

Roses verneigte sich tief vor der schönen Frau.

Ich preise dieses Fest doppelt, meine Gnädige: denn es stillt mein Sehnen, indem es mir die Gelegenheit vergönnt, der schönsten Frau von Budapest die Hand zu küssen!"

Und doch, mein Herr, wollte ich Ihre Bekanntschaft meiden, denn mein Gatte, aber lassen wir das!"

Und dann stürzte sich die schöne Frau in eine so lebhafte Unterhaltung, daß allen Anwesenden ihre Hast und Unruhe auffiel. Sie war fieberhaft erregt.

Am Vormittag des Tages hatte ihr Hans Joachim einen Brief aus Bernsdorf zugesandt, der ihre sofortige Rückkehr ^befahl. Er hatte etwas Unglaubliches unge- troffe«. Sein alter, treuer Verwalter war plötzlich ge­storben, und dessen Sohn hatte alles, was er irgend konnte, zu Geld gemacht, sogar das Holz des Waldes zu einem Teil verpfändet, um dann, als des Herrn Ankunft ge­meldet wurde, flüchtig zu werden.

Hans Joachim schrieb zum Schlüsse:Meine liebe Elisabeth, das Geld ist mir knapp; wir müssen uns zum Aeußersten «inrichten, um den Verlust einzubringen. Ich lege die letzte Summe für Dich als Reisegeld bei und er« i warte Dich sobald als möglich.

In alter Liebe

Sein

Hans Joachim."

Elisabeth meinte beim Lesen dieser Mitteilungen. Nicht, weil ihrem Manne ein solches Unglück geschehen, sondern aus Wut; jetzt gerade, wo ihr das Dasein erst sehenswert dünkte, solche Schicksalsrücke! Jetzt zurück in bedrängte Verhältnisse! Nein, tausendmal nein! Das wollte sie nicht; das tat sie nicht, und twenn ja wenn r . .

; Sie scheute förmlich davor zurück, den Gedanken auszu» ' denken.

Nach Bernsdorf! Nein! aber was sonst? Hierbleiben? ' Das ging doch auch nicht; sie gehörte doch zu ihrem Gatten, zu Hans Joachim. Aber war es nicht grausam i von ihm, sie gerade jetzt herauszureißen aus der Atmo- sphäre des Glanzes und Reichtums? Sie grollte ihm i dafür; hätte er als Mann nicht vorbeugen, sie schützen müssen vor dem Herabsturz aus der Höhe?

Und sie vergaß ganz, daß sie es im eigentlichen Sinne gewesen, die den Anlaß zu den Verlusten gegeben hatte, sie, deren Vergnügungssucht gebieterisch die Reise nach Budapest gefordert. Denn unter seiner persönlichen Lei­tung, in seiner Anwesenheit würde nie solch ein Ueber» griff möglich, solch ein Vorkommnis denkbar gewesen sein.

Wie alle egoistischen Menschen, dachte sie stets nur an sich selbst, an ihre Person: nahm nicht den geringsten Anteil an den Gefühlen anderer. Und anstatt in der schweren Zeit ihrem Manne ab Kameradin, Trösterin zur ! Seite zu stehen, grollte sie ihm.

Sie sollte heim; sofort? Nein; sie fügte sich nichtt Sie blieb lieber bei Madame von Werner, die ihr schon oft genug davon gesprochen, daß sie sie am liebsten immer bei sich haben möchte. Nur Maria würde sie ihm schicken! Nein; auch das nicht! Ein Gedanke durchzuckte- ihr Hirn; das Kind gab sie nicht her; gerade, weil er das liebte, behielt sie es; das wurde ihr ein Rückhalt.

Und so kam sie an dem Abend in die Gesellschaft, und dieser» Umstände verdankte es Hauptmann Rose«, daß sie ihm so liebenswürdig entgegenkam.

* *

Äst

In Bernsdorf wartete Hans Joachim sehnsüchtig auf die Heimkehr seiner Frau. Von Tag zu Tag hoffte er auf ein Telegramm, das ihre Ankunft meiden würde. Er i stürzte sich mit all seiner Kraft in die Arbeit; denn es bedurfte seines ganzen Scharfsinnes, um der Verwirrungen Herr zu werden. Seine Schwester Irma unterstützte ihn; sie sprach ihm wieder und wieder Mut ein. Gleich nach i der Unglücksbotschaft hatte sie sich freigemacht und war i zu ihm geeilt. lFortjegung folgt.)