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GegMdet im Jahre 1849
unter dem Titel
ei »zeige« r tl, Jette oder deren Raum L ML, R««a«e. zetle 3 M. sämtl. ohne besonderen Zuschlaz. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. Bezugs. Seine «ewähr sllr Platz, Aufnahmezeit und Beleglieserung. Sein Nachlaß bei gersch-lichen Zwischen- kosten. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 1U0S.
Dienstag, de« 26. Aprit 1921
73. AaSrg.
Aus der Heimat.
—* (4732 neue Fiuanzbeamte gefordert.) Der nette Rachttaz zum Rei-shaushalt für 1920 fordert 4782 neue Beamte für die Reichsfinanzverwaltuntz mittet Begründung, daß bei Aufstellung des Etats nicht übersetzen werden konnte, welchen Umfang die Arbeiten bei der Reichsfiuanzverwaltnng aanehmen würben.
—* (Einführung von 500 Markicheinen?) Die Handelskammer zu Dresden hat beim Reichsbankdirektorium in Berlin beantragt, in Zukunft auch 500-Markfchsiu« auszu- geben. Begründet wurde der Antrag damit, daß trotz der vermehrten Ausgabe von Reichsbanknoten im Betrage von 100 Mark noch immer ein Mangel an geeigneten Zahlungsmitteln bestehe.
—* Billige Ferieuzüge. Die ungeheuere Steigerung der Perfouellfahrvreife macht es weiten Schichten der Bevölkerung unmöglich, ihre Ferien wirklich zur Erholung auSzunutze«. Die Vorstellungen, die deswegen beim Reichsverkehrsministerium erhoben worden sind, scheinen nunmehr zur praktischen Auswirkung führen zu sollen. Man hat im Reichsverkehrs- ministerium in Ausficht genommen, billige Ferieuzüge in diesem Sommer fahren zu lassen. Es schweben zur Zeit Erörterungen darüber, in welcher Weise dieser Gedanke am besten verwirklicht werden könnte. Ein Beschluß ist zwar bis jetzt noch nicht festgesetzt, doch dürfte mit Bestimmtheit angenommen werden, daß tatsächlich diese Ferieuzüge in diesem Jahre verkehren werden.
—* (Vollversammlung des Reichsverbandes des deutschen Handwerks). Die für den dritten Mai in Ausficht genommene außerordentliche Vollversammlung des Reichsverbandes des deutschen Handwerks ist mit Rücksicht auf die Entwicklung der politischen Verhäliniffe ver^ rea worden. Sie wird voraussichtlich in der Woche vom 13.—18. Juni stättsindea.
—* (Der Blick des Ktuopsbliksms.) Amüsantes in dieser Hinsicht plaudert ein eifriger Kinobesucher tu einem Londoner Blatt aus. „Wenn ein Mönch in einem Film aus dem 12. Jahrhundert in feiner Zelle das elektrische Licht aukaipst oder in einem historischen Film aus der gleichen Zeit lange vor Tutender- aus einem gedruckten Buch vorgelesen wird, so sind das Dinge, die einem schon auffallen. Richt so beachtet wird es aber, wenn ein Mann »zwölf Jahre später" in demselben Hut und Mantel austritt, den er vorher getragen, oder wenn der Held in einem wasserdichten Anzug ein paar Kilometer weit schwimmt, sich dann beim Anlandgehen schüttelt und vollkommen trocken ist. Solche Fehler find im amerikanischen Film an der Tagesordnung. Entschuldbarer find Verstöße, wie der, daß man z. B. an den Armen einer Haremskönigin des mittelalterlichen Vagdad genau die Narben erkennen kann, die die Jmpf- blattera zurückließen. Bekanntlich ist die Pockenimpfung eine moderne Errungenschaft, die auch heute noch nicht im orientalischen Harem verbreitet ist. Andere Dinge, die ich in der letzten Zeit feststellte und die nur im Kino möglich sind, wären etwa die folgenden: Im Film fahren Droschkenkutscher ganz ruhig fort ohne für die Fahrt bezahlt zu sein. Damen in Krinolinen stricken Sportsweaters, die erst die neueste Mode aufgebracht hat; ein Herzog bewohnt in Amerika genau denselben Pachtraum, den er kurz vorher in einem Pariser Hotel innehatte; in einer Londoner Teestube wird mit einem silbernen Geschirr serviert, das dann später im Boudoir einer eleganten Dame seine Rolle spielt. Man muß nur auf solche Dinge im Film aufpaffen, dann kann man sich auf eigene Faust ganz gut amüsieren."
—* (Ein Lokomotivpfiff — 20 Pfennig!) Durch Ruad- «laß wird den Eisenbahnbediensteten zur Pflicht gemacht, bet allen Diensiverrtchtungen größte Sorgfalt und Sparsamkeit «alten zu laffen, damit der Eisenbahnbetrieb wieder wie in dtfferen Tage« wirtschaftlich gestaltet werden kann. Wie außerordentlich berechtigt dieser Erlaß ist, geht daraus hervor, daß, wie kürzlich gelegentlich einer B-raiung der Etseabahn- dtrektionen über Sparmaßnahmen mitgeteilt wurde, das durch irgend welche Nachlässigkeit veranlaßte Anhalten eines Schnellzuges und das Wiederanfahren mit Eisholen des Zeitverlustes nicht weniger als 70 Mark und jeder Loksmotiv pfiff — 20 Pfennig kostet.
—* (Gin entflohener Strafgefangener) Am 8. April mußte ein auf dem Transport von Frankfurt a. M. nach Breslau sich befindender Strafgefangener, nachdem er sich im Schlüchteruer Tunnel die Pulsadern durchschnitten hatte, dem Fuldaer Landkrankenhause übergeben werden. Dort ist ” gestern nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr entwichen. Wahrscheinlich hat er den Flnchtplaa mit seiner Braut, die ihn am Sonntag besuchte, verabredet. Das Pärchen hält sich vermutlich jetzt in Frankfurt auf.
* Schlüchter». (Univu-Theater). Das Kino bringt heute und folgende Tag« einen Film zur Aufführung, der in der Presse aller Richtungen eine ganz hervorragende Brurteilung «fahren hat. „Die Tophar-Mamie" mit Ellen Bargt in der Hauptrolle, so steht zu lesen in dem Anzeigenteil der
gestrigen Nr. — Die eigendliche Handlung, deren Spannung sich von Akt zu Akt steigert, beginnt auf der Therafle eines Luxushotels in Kairo. Aeußerst wirkungsvoll sind die ägyptischen Bilder, welche uns in einer Scene vor Augen geführt werden, dir den Auferstehungsglauben der Aegyter wiedrr erstehe« läßt. Wir haben es hier eigentlich mit einem Kriminalfilm zu tun, der jedoch in seiner hervorragenden und neuen Aufmachung den Zuschauer auch nach jeder anderen Richtung n»5«uf befriedigt. Wie die Ausstattung, so zeigt auch die Darstellung und Leistung der Mitwirkenden glänzende Hervorhebung. — Fürwahr man darf der Direktion zu dem Erwerb dieses Films aufrichtig Glück wünschen. An einem starken Besuch wird es, zumal dieses die letzte Wochenvorftellunz im Winterhalbjahr 1921 ist, diesmal wohl kaum fehlen.
* Schlüchter« (Warnung vor einem Schwindler.) Als vertriebener Oberschlesier hat es ein ungefähr 50 Jahre alter Mann in verschiedenen Städten verstanden, große Summen dadurch zu erschwindeln, daß er augab, seine Gelder in Häuser anlegen zu wollen. Er nennt sich Hans Knoll und spricht französisch, polnisch, russisch, englisch, italienisch und japanisch.
* Schwarzenfels. Vor einigen Tagen wurden in Schwarzeufels die Eheleute Gärtner verhaftet, die gemeinsam mit ihrem Sohne vor kurzer Zeit einen Einbruch im Consumverein in Weichersbach verübten. Sie entwendeten dort für einige tausend Mark Waren. Bei der Haussuchung fand man einen Teil des geraubten Gutes sowie andere Sachen, die auf Einbrüche in Schwarzenfels hiuwiesen, vor. Ein aus gestohlenem Stoff angefertigtes Kinderkleid konnte dem Konsumverein wieder »»gestellt werden. Auch wurde den Personen Gärtner der Raubmord in Grieshof, von dem wir vor einiger Zeit berichteten, zur Last gelegt. Als -Haup^Ler ksmmi der Sohn in Frage, der aber, sobald er Luude roch, flüchtig ging. D^ Gerichts« - Handlung«» werden darnm bis zur Eiulteferuug des Flüchtlings verschoben,
* Bad Orb. Kürzlich hat tu Oberelsbach der Bauer Joseph Lambert »ach einem Familienstreit feinen verheirateten Sohn durch einen Schuß in die Herzgegend getötet. Er murde verhaftet und hat sich jetzt durch Erhängen der Verantwortung vor dem weltlichen Richter entzogen.
Wirtschaftliche Wundschau.
(Nach dem Stande vom 23. April 1921.)
(Nachdruck verboten.)
W. K. S. Allgemeine Lage. Die Unklare p»litische Sage hat das deutsche Wirtschaftsleben mehr denn je auf eine abwärts führende Bahn gelenkt. Dir Umsatztätigkeit ist auf das geringste Maß beschränkt. Unübersetzbare Erschütterung«« drohe» durch die feindlichen Vorhaben. Die neue Goldfordernag der Entente würde die Vernichtung unserer Wirtschaft zur Folge haben.
Geldmarkt. Das Börsc»g?schäft leidet angesichts der politischen Lüge im höchsten Matze. Auf den meisten deutschen Märkten ist eine Geschäftslosigkeit eingetreten. Die KurSgsstaltunz ist demzufolge wieder sehr unregelmäßig. — Der englische Nadtonalöksnom Prsf. Keynes hat Deutschland sea U-bsrgaug zu einer neuen Währung empfohlen, weil die Markwährung durch die Inflation hoffnungslos verloren sei.
Industrie. Ein großer Teil der deutschen Industrie ist fest enischloffcn. mit den Staaten, welche die Sanktionen gutheißen, keine Geschäfte abzuschließen. — Die Aussichten der Lederfübriken werden zurzeit als günstig dargestellt. — Der Beschäftigungsgrad der chemische« Industrie kaan gegenwärtig nicht als ausreichens bezeichnet werden. In der Düngemtttelfabrikatto» tritt dies seit kurzem auch in Erscheinung. — Die durch die treffe gehende Mitteilung von einem Preisrückgang für Fensterglas entspricht nicht den tatsächlichen Verhältaiffe». — Der Antrag des KallsyndikatS auf Erhöhung der Kalipreise für das Jalaad um 65,70 und 75 Prozent wurde im Reichskalirat angenommen.
Kohlen. Die Oberschlesische Kohleukonoeution lehnte die beantragt« Erhöhung der oberschlesische« Kohlenpreise ab.
Warenmarkt. Die Kaufleute halten sich infolge der ungeklärten politischen Lage von neuen Unternehmnngen fern. Die Umsätze bleiben eng begrenzt. — Auf dem Seher» und Schuhmarkt haben sich die Preise befestigt. Reger Begehr trat für Saisonartikel hervor.
Landwirtschaft. Trockenheit, Kälte und Frost haben das Wachstum stark zurückgehalten.
Produktenmarkt. Für Hülsenfrüchte erhielt sich das seitherige Jntereffs für §ntt r?r8fen. In Raisgeschäft iR die Spekulation etwas vorsichtiger geworden. Fntierartike! sind in guter Frage. Für die übrigen Artikel ist die Marktlage nach wie vor ruhig.
Viehverwertung. Während auf einigen Märkten eine Lauheit festzustelle» war, verlief der Handel auf anderen
Plätzen flott. Die Preise hielten sich meistens auf der vorwöchigen Höhe. Ein großer Pferdemarkt fand in Stuttgart statt. Die Preise traten vou 5—30 000 Mark. Für schöne Paare wurden sogar 80—100 000 Mark gefordert. Am Sanstatter Huudemarkt wurden für rassereine Tiere Preise bis 10 000 Mark verlangt. — Die letzten Häute- auftionen brachten weiter erhöhte Preise und zwar gegenüber der vorhergehendes von 10—25 Prozent.
Lebensmittel. Der Brantwekamonopolentwurf sieht eine Erhöhung der Preise vor. Es wird also künftig mit höheren Effigpreisen zu rechnen sein.
Holzmarkt. Der sehr eng begrenzte Verkehr vollzog sich langsam unb schleppend. Der Inlandsbedarf ia Schnitt- waren blieb unbedeutend. Die Vorräte wachsen an. Die meisten südd. Sägewerke forderten 450—500 Mark für unsortierte Bretter je cbm bahnfrei der Versandplätze. Die Nachfrage nach Papierholz ist auf der ganzen Liste ruhiger geworben.
Baumarkt. Im Baugewerbe hat bie günstige Witterung vor allem auch auf dem Lande zur weiteren Belrtzuug geführt. Im Hochbau ließ der Beschäftigungsgrad noch sehr zu wünschen übrig.
Verkehr. Durch Sröffauug der Aschaffenburger Haftn- anlagea ist auch der Main-TroßschiffahrtSweg eröffnet. — 1922 soll in München die erste große deutsche Gewerbe« Ausstellung nach dem Kriege stattfiadeu. Sie umfaßt alle jene Erzeugnisse, die dem weiten Gebiet des KunstgewerbeS angehöre». In erster Linie Glas, Keramik, Stein, Holz-, Korb-, Leder- unb Papierware», Stoffe, Metalle unb Mode.
Ausland. Die nächste Internatlanale Mustermesse in Triest findet vom 11, bis 25. September statt. —■ Zu England beträgt die Zahl der Arbeitslosen und die der Arbeiter mit eingeschrällkter Arbeitszeit gegenwärtig 2 641 000. — Die industrielle Lage Rumäniens wirb als sehr ungünstig bszrichnr!- — Die Wirtschaftslage in Spanien nimmt einen immer beunruhigenderen Eharatte- nu. ^
EnteMchüiom uns die jnWeMeiliflW
Der Geschäftsinhaber Per Diskonto-Gesellschaft, Kranz Urbig, einer der hervorragendsten finanziellen Sachver. ständigen, die bei der Vorbereitung der Londoner Gegenvorschläge der Reichsregierung zur Seite standen, äußerte sich in einer Unterredung einem Mitarbeiter der ,^at.-Ztg." gegenüber «. a. auch über die in den neuen derüscheu Vorschlägen nngeblich enthaltene Uebernahme der alliierte»- Schulden durch Deutschland. Er sagte darüber:
„Die Gesamtschulden der Alliierten an die Vereinigten Staaten betragen 9% Milliarden Dollars in Gold, also eine Summe von ungefähr 40 Milliarden Goldmark. Ich glaube, daß man in amerikanischen Finanzkreisen nicht abgeneigt sein wird, auf diesen Vorschlag einzugehen. Die Vereinigten Staaten könnten sich die Bürgschaft der Entente Vorbehalten und trotzdem würden die Budgets der Ententcstaaten wesentlich entlastet. Ich glaube, daß, wenn über diesen Vorschlag eine Verständigung erzielt werden könnte, wir bei emsiger Arbeit und großer Sparsamkeit in der Lage wären, den Betrag, der zur Verzinsung und Amortisation erforderlich wäre/auszubringen."
Ueber die Beteiligung der Entente am Gewinn der deutschen Industrie sagte Urbig:
„Ich glaube nicht, daß diese Methode ausreichen würde, um einen wesentlichen Teil der Entschädigung zu bilden. Der gesamte Aktienbesitz der deutschen Aktiengesellschaften betrug vor dem Krieg 15% Milliarden Mark, heute betrügt er vielleicht 30 Milliarden Papiermark wohlverstanden. Man spricht von einer dreitzigprozentigen Beteiligung der Entente an diesem Besitz. Diese Beteiligung würde also 10—11 Milliarden Papiermark ausmachen, nominell. Wenn man einen Durchschnittskurs von 200 Prozent berechnet, so find das 20—22 Milliarden Papiermark, also zwei Milliarden Goldmark, eine Summe, die in Anbetracht der phantastischen Forderungen der Entente kaum wirklich in Betracht gezogen werden kann. Dabei muß man bedeuten, daß es den Ententestaaten kaum gelingen würde, die deutschen Aktien jum jetzigen Börsenkurs zu verkaufen, denn ein socheS Mastenangebot von Papieren müßte sehr empfindlich auf den Kurs drücken Es käme zu einer überflüssigen Verwänernug des Industriekapitals." .
Als Kernpunkt der Frage bezeichnete Urbig, dag ot« Eutschädigungsfrage von der deutschen Regierung und von den Gegnern stets nur vom politischen Standpunkt, anstatt vom Siandpimkt der Wirtschaft aus behandelt worden ist.
Die EnLwickluug der SreiMiffe im Osten.
Ausblicke im fernen Osten.
Die „Times" »ielüen aus Baucouver, daß der Oberste Richter wn China, einer der 10 der von China entsandten Delegierten, die für die Abänderung des BAkerblUtdes ein treten sollen, auf seinem Wege nach Genua dort eingetroffen sei und erklärt habe, China werde niemals einen Völkerbund anerkennen, der ihm nicht die Befreiuung vou der japanischen Herrschaft bringe.
Knanda solle sich der Erneuerung der euglisch-iar>anischen Allianz widersetzen, die unweijMrlich an einem neuen Kriege führen müsse, in dem China Part« für die. BevetsIgtru