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Gegründet im Jahre 1849

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Konnerstag, dm 2. Auni 1921

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I Zeitung für eilige Leser.

! Einer Zeitungskorrespondenz zufolge ist der Belagerungs- zuktaud über die preußische« Gebietsteile Groß-Hamburgs anfgchobe« wordeu. Die Aufhebung des Belagerungs­zustandes in Mitteldeutschland und Ostpreußen dürfte in kür­zester Zeit bevorstehen.

Wie aus Tokio gemeldet wird, haben bolschewistenfeindliche Streitkräfte unter General Kappel Wladiwostok kampflos eingenommen. Die Japaner verhielten sich neutral.

Der Korrespondent des PariserEclair" glaubt zu wisse«, daß die Entente bei einer Fortsetzung der Anschlußbewegung eine militärische Besetzung von ganz Oesterreich beabsichtigt.

Dem Reichstag ist der Entwurf eines Gesetzes über die Regelung der Mietzinsbildung sReichsmieteugesetzs zu- ^cga«ge«.

Der Reparationskommissio« in Paris sind weitere SO Mil­lionen Goldmark in Devise« angeboten, als zweite Zahlung auf die 1 Milliarde Goldmark, so daß insgesamt 200 Millio­nen Goldmark angezahlt sind.

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Bayern entwaffnet!

AuS München wird gemeldet: Nachdem die größten Schwierigkeiten sich ausgetürmt und zuweilen unüberwindlich schienen, hat sich jetzt die Einwohnerwehrfrage in überrasäM- der, befriedigender Weise gelöst. Ministerpräsident v. Kahr gab im Staatshaushaltsausschuß des Landtages seine Erklä­rungen bekannt, worin er sich zunächst über die Vorgeschichte des Ultimatums verbreitete und erklärte, daß durch feine Annahme seitens des Reichstages und der neuen Reichs­regierung eine neue politische Lage geschaffen sei, die zu neuen Entschlüssen zwinge. Die bange Sorge, daß nicht alles, was verlangt und versprochen wurde, erfüllt werden könnte, bleibe natürlich nach wie vor bestehen. Aber diese Sorge dürfe uns nicht davon abhalten, mit aller Energie an die Ausführung dieses Versprechens zu gehen. Jeder einzelne des ganzen deutschen Volkes muß sich darauf einstellen, und es dürfte keinen andern Willen mehr geben, als das Versprechen zu erfüllen, soweit ' es überhaupt erfüllbar und menschen-

Das ganze deutsche Volk muß jetzt eine Einheitsfront der 'Leistenden bilden, und auch die frühere Auffassung, das Ultimatum dürfe nicht angenommen werden, weil wir uns nicht zu mehr verpflichten dürften, als wir zu leisten ver­mögen, müsse sich jetzt in die Einheitsfront der Leistenden einstellen. Die, Schwierigkeiten der Durchführung der For­derungen, die sich alsbald herausstellen würden, würden groß fein. Wir dürften uns aber nicht abschrecken lassen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte der Minister- päsident über die Einwohnerwehrfrage, daß die Einwohner­wehren von sich aus die Maßnahmen treffen werden, die nach Sage her Dinge notwendig feien.

Der Ministerpräsident betonte dann weiter, daß mit der Durchführung der Entwaffnung die bayerische Regierung ein L >: bringt, das nicht an sich, sondern nur durch den über­mächtigen Druck der uns angedrohten Gewalt und durch die von der bayerischen Regierung eben betonte Reichstreue ge­rechtfertigt wird. Da wir ein wehrloses Volk sind, bleibt uns gegenüber der übermächtigen Gewalt kein anderes Hilfs­

mittel übrig, als das gute Recht. unmrnetvar nach diesen Erklärungen des Ministerpräsidenten wurde auf Antrag der Sozialdemokratin die Sitzung zur Beratung der Fraktionen auf eine Stunde unterbrochen.

Nach der Rede.

Durch die jetzt gefundene Form der Lösung wird, wie man annimmt, bem Ministerpräsidenten v. Kahr das Ver- dleiben im Amte ermöglicht werden. Das Verdienst, die in Miinchen versammelten Gauleiter der Einwohnerwehren in diesem Sinne um gestimmt zu haben, gebührt dem Führer der Bayerischen Volkspartei, Abg. Held, dessen Ueber» cedungskunst es in später Abendstunde gelungen ist, das jetzt vorliegende Ergebnis zu erzielen.

Der drille ^riegsheWldigten-prozeß.

Vor dem Reichsgericht in Leipzig begann der 3. der so­genannten Kriegsbeschuldigten-Prozesse.

Die Anklage richtet sich gegen den Arbeiter Robert N e u - wann aus G ü st r o w, der wegen Gefangenenmißhandlun­gen angeklagt ist. Er ist verheiratet und 31 Jahre alt. Die Zusammensetzung des Senats ist wieder die gleiche wie bei den vorausgegangenen Verhandlungen. Das Zeugenaufgebot ist diesmal aber größer, 15 deutschen Zeugen stehen 25 eng­lische gegenüber. Vier ehemalige Kriegsgefangene sind in London kommissarisch vernommen worden. Die Verteidigung liegt in den Händen von Justizrat L u r j e aus Stettin. Der Angeklagte hat zu einem Kommando von 7 Mann gehört, dem etwa 200 englische, serbische und französische Kriegs­gefangene unterstanden. Dem Angeklagten ist zur Last gelegt, durch 14 selbständige Handlungen in der Zeit vom 26. März bis 24. Dezember 1917 englische Kriegsgefangene gestoßen und geschlagen zu haben, und zwar unter Mißbrauch der Waffe: überdies soll er sie durch Zurufe wieSchweine­hunde" beleidigt haben.

Noch eine englische «Kriegsverbrecher"-Liste.

-$>«U» meldet, daß der britische Justizminister

-ine zweite Liste ber in Qrieaö» Verbrecher im Kabinett eingebracht hat. Die^^»»^1^.. enthält 19 Namen von deutschen Offizieren und Mann­schaften.

21 Prozesse im Juni!

Aus Leipzig wird gemeldet, daß für de« Monat Juni an 21 Kriegsbeschuldigte Vorladungen durch das Reichs­gericht ergangen sind.

Bevorstehende Unkerhuuseicklärvvg über die Leipziger Prozesse.

Reuter meldet: Der englische Vertreter bei den Reichs­gerichtsprozessen in Leipzig, Sir Pollock, spricht am 4. Juni im Unterhaus.

800 000 MK. Reichsvorschüsse für die englischen Zeugen,

Wie verlautet, hat die Reichskasse zur Auszahlung d-r «ngkiiche« Zeugen in denKriegsverbrccher"-Pro»efseu die Luuuue von 800 000 Mark zur Verfügung gestellt.

London gegen die SerffändiM-ÄUerenz

Dem PariserTemps^ aus London gemeldet, bat man in offiziellen englischeisen noch keine Zusage zu dem Vorschläge Frankreichngt habe, daß eine Sachver, ständigen-Konferenz einbeiwerden soll. Man sei bin- sichtlich des Nutzens eines a Vorgehens ein wenig fiep» tisch, weil der Oberste R»etzter Instanz diese Frage zr entscheiden haben werde. Ansicht, daß das Industrie, dreieck aufrechtzuerhalten Deutschland zuzuweisen sei bestehe noch immer. Zug: der Polen wird aber erklärt, daß das Kohlengebiet, bat Deutschland zuweise, Kohlen. Vorräte für höchstens 50re berge, während das bei Polen zugesprochene Gehst Pleß und Rybntl noch eint schöne Zukunft vor sich Außerdem würde eine Zu. teilung des Gebiet im tu des Jndufiriedreiecks von Beuthen-Kattowitz-Gleiwi Polen das Industriegebiet in eine Lage bringen wodps unmöglich würde, im Falle eines Konflikts mit Deands und Polen dasselbe zu verteidigen. In London lne man aber auch an, daß das Industriegebiet zum Tonisch sei. Die Majorität sej jedoch deutsch.

Vom Men Streit.

Lloyd George will betreib durch ein Gesetz beenden.

, Dem Vernehmen nach der Premierminster den Berg­leuten in der letzten prechung untgeteilt, wenn ein Uehereinkommen nicht <ht werden könnte, so werde ein Gesetzentwurf eingehrawerdan, um die Beilegung des Streitfalles durch einechiedAipruch zu erziele«, der für beide Parteien bindend soll. Die Bergleute erwiderten darauf, daß sie an ihAordernng auf Nationalisierung des Bergbaues festhieltDer Premierminister antwortete, dies werbe weder jetzth gelegentlich des Schiedsspruchs in Erwägung gezogen d-n.

Die ersten Ssnnrusten in Kristiania.

Aus Kristiania wiinterm 31. Mai gemeldet:

In Kristiania! es zu Unruhen. Eine Volks- Menge, die nach Sauf^ zählte, suchte die Polizriabsper- würde aber zurück» getrieben. Unruhe

trizitätswerk anzugreifensirden aber in tue Flucht gt» schlagen. Kurz nach 11 : abends wurde her Betrieb im Elektrizitiätswerk eingeste so daß die Stadt im Dunkeln lag. 40 bis 50 Personemid-n verhaftet. Mehrere Poli­zisten wurden verletzt. TTechnische Rothtkse ist in Tatrg- vu getreten.

Auch das Post- undisenbahupers-nal soll d» den Skreik Mickett werde«.

Von mehreren Verben, die am Streik beteiligt sind, ist die Landesorganisatioaufgefordert worden, mit 24ftiin« biger Frist auch das Pi und Eisenbahnpersonal in den Streit treten zu lassen. Uftenpvsten" schreibt hierzu, daß !s fraglich sei, ob die ndesoraanisakivn sich auf eines lolcheu Schritt einlaffen xd unb" ob die betreffenden Orga- llsativven gegebesenfallser Streikvarole gehorche« würden.

; Dämon Ses Lebens.

Kriminaierzähiung von A. O st l a n d.

®®I Flachdruck verboten.)

Doktor

Gehl Gehl* sagte sie.Du bist krank; was du sagst, das gibt dir das Fieber eint Ich will antworten für dich antworten t Folge mir, Otto! Ich bin schuld! An allem nur ich! Sonst niemand t Hören Sie, Herr Hesselbach! Ich nur id?)*

Hesselbach trat auf die beiden zu.

Haben Sie alles gehört, was hier gesprochen wurde, Herr Hauptmann?- fragte er.

Willstadt schüttelte den Kopf.

Nicht alles", sagte er, nach Worten suchend.Aber genug. Denn mir genügt es, daß ein anderer unter chwerem Verdacht steht meinetwegen. Das darf nicht

Ich bin ein Schuldiger. Immer hat es mir an IRut gefehlt, das zu sagen, Edith, immer. Feig bin ich gewesen und schwach. Heute aber, heute . .

Willstadt lehnte sich schwer auf das Mädchen, welches neben ihm stand. Ueber Lilian sah er hinweg. Sie aber hatte Ediths Hand gefaßt.

»Ich bin schuld, nur ich", sagte sie noch einmal laut. Ramm trat heran,

Herr Hauptmann," sagte er,Sie wissen, wie ich Sie gestern fand. Dieses Papier hier entfiel Ihnen. Ich gebe es hrermU in die Hünde desjenigen zurück, der es be- ». Die Erklärung geben Sie uns wohl! Ich aber mochte Ihnen jetzt nur eins jagen was immer ge» soeben ist, Edith gehört zu mir, wenn Sie mir ihr ®e« au vertrauen wollen. Denn ich liebe Ihre Tochter, : Herr Hauptmann, und ich werde sie immer lieben."

. .^5 "arm, fast feierlich gesprochen. Hesselbach raufperte sich. ®, dieser junge Mann war mehr alsun*

Willstadt sah wie grübelnd vor sich hin. Er war in

Liebei?" sagte er, wie aus tiefen Gedanken heraus. Ueberall Liebe! Und das Ende?" Er lachte kurz auf. Wu haben uns auch dereinst so geliebt, Lilian, ich und du. Es ist lange her. Sehr lange. Du hast es wahrschein­lich schon längst vergessen . . ."

Nein," sagte Lilian,ich habe es nicht vergessen. Ich habe es nie vergessen können! Trotz aller Schuld, trotz allem ... Und heute, heute hätte ich alles getan, um dich zu entlasten . . .*

Er hob wie abwehrend die Hand.

»Laß, laß," sagte er müde,ick weiß ja: jetzt ist alles aus! All mein Widerstand gegen dich, alles . . . Wir sind nun gleich werh LiUan, du und ich. Eine solche Minute bindet."

Er verstummte jäh, ein Schauer schüttelte ihn Hesselbach drängte nicht. Er verstand die große Kunst zu warten. Endlich hob Willstadt den Kopf.

Lilian," sagte er,gehe, gehe! Ich kann nicht sprechen, wenn du da bist."

Was kannst du nicht sprechen?" rief die Frau leidenschaftlich,warum nicht? Dann will ich es Ihnen sagen, Herr Doktor, alles . . . alles. Und daß ich die Wahrheit spreche, das schwüre ich I Warum willst du es nicht sagen, Otto," fuhr sie noch leidenschaftlicher fort, »daß wir uns einst liebten, so heiß, so tief, wie nur je zwei Menschen? Ist das Sünde? Als ich dein Weib ward, da war ich glücklich. Und, glaube mir, ich habe doch immer an jene Zeit zurückdenken müssen, auch später noch, als ich längst Ramins Frau war!"

Sie waren es wirklich?" rief Herbert erregt

Sie sah ihn fest an.

»Ja. Aber das war später. Erst hieß ich Lilian Wilstead und war nichts als eine selige, glückliche Frau. Aber dann kam das Leben, welches ich bis dahin gar nicht gekannt hatte. Im Hause meines Onkels war alles von großem Zuschnitt. Dort bin ich groß geworden. Und ich war so jung, war schön, heißblütig. Ich habe

Gaben abgöttisch geliebt. Und ich

trine» den Lu^u, der

Das war deine Lie", sagte der alte Mann zitternder Stimme. _

Sie aber fuhr rasche ungestümer fort:

.Und bei dir war n? das Unglück, Orro I Alles miß­lang dir! Du hattest fett $<$e Danb 1 Und auch gar kein Verständnis für meie brennende Sehnsucht.

Nein", sagte er ha. , . .

Laß mich reden 1* rief sie. »Nur dieses eine Mal laß mich reden! Was weißt du davon, wre t ef um glücklich ich damals wai i» diesen elenden Verhältnissen! Wie hart mir das Leen schien! Da kam Ramm. Er war dein bester Freund- lächle nicht so spöttisch, Ottol er war es wirklich. Denn er hing an dir trotz aUem. Aber du warst verbiert durch das mele Dlißgesch ch mürrisch, ernst. Er akr war froh, heiter, ein schon« Mann. Und - er hat! Geld. Ich habe ihm.6» ^sallen Gott ich gefiel ja ahn und da kam er immer ojer. Ich tat ibm^leid. Dabrachte er -«"r beschenke, «mmuck, schöne Kleider, Spitzen, urz, was eine Frau wieichdrauchl, um glücklich 3u fein. Alles hat er mir gegeben. Und ich ich"

Sie brach ab undjah starr vor sich bm- . .

Ich habe ihn niä geliebt/ ,uhr sie *ann le«er fort, bei Gott nicht! Ave^ das Gold - das to«Ae und reizt und schlug mich in Fsseln. Unb rb"

viel allein - und hinter Harter war das Leuen, uhu mein Blut, das im nur so heiß war, so w

du selbst, Otto, der d- immer weiter ^gingest von . Da kam Ramin. Er bar gut zu mir, ber3li^ _ ^den Aber mich riß es hin. 2ch Ebte redem . $ untlstr Da sagte ich ihm alles, was mir durch den.8 p 3 9» und dennoch so greibar deutlich, sagte 'hm. daß ich nicht m-dk °--«e- l-b-° t»>>- »n° »°^.^,°° ig, M.M mchl Ä taÄ,rU.ui» s* s-ssäISYS SS » W LAG«

(Fortsetzung folgt.)