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Zeitung für eilige Leser.
Der vv« de« Pole« verschleppt gewesene dentschnationale Wgeordnete Hartman« befindet sich wieder ans freiem Fuße.
Ein Teil der britischen Flotte versammelt sich vor Malta nnd erwartet dort die alliierte Flotte, nm die militärischen Operationen zur Unterstützung gegen die türkische« Nationalisten vorzubereiten.
I« PariS ist eine Abordnung deutscher Sachverständiger «ingetroffe«, die über die Abschätzung der seit dem Waffenstillstand von Deutschland ausgelieferte« Handelsschiffe ver- handeln soll.
Der Generalrat des Völkerbnndes hat mit großer Mehr- Heit eine Entschließung angenommen, daß Deutschland bei der nächste« Zusammenkunft des Völkerbundes als Mitglied zngelaffe« werden sollte.
Der Kommandeur der englischen Truppen ist in Oppeln eingetroffen. Ebenso ist jetzt der größte Teil der englischen Truppen a« Ort und Stelle.
Laiem-Anrenla und der Völkerbund.
Aus Newyorl kommt die Meldung, daß die Stellungnahme des neuen amerikanischen Präsidenten Harding zum f Genfer Völkerbund großen Eindruck bei den Regierungen । des lateinischen Amerikas gemacht hat. Diese sollen sich mehr : oder minder entschlossen haben, aus dem Völkerbund auszu- ; treten und sich der von den Vereinigten Staaten geplanten ! Organisation anzuschließen.
Bekanntlich hat zuerst Argentinien mit voller Entschieden- ■ heit gegen die von Paris und London vorgenommene Ver- ouickung des Völkerbundes mit dem Versailler Frieden Protest erhoben. Es handelt sich hier um eine bedeutsame persönliche Stellunahme des argentinischen Präsidenten Fri- i goyen, der übrigens aus einer französischen baskischen Familie stammt. Jrigoyen verlangte nämlich, daß bei der Genfer Tagung grundsätzlich-allen Nationen das Recht zum Eintritt in den Völkerbund zuerkannt werden sollte, daß alle . Einschränkungen fallen gelassen würden, und daß der Völkerbund nicht zu einem Werkzeug zur Durchführung des Friedensvertrages erniedrigt würde. Nur die Teilnahme an einer derartig aufgebauten internationalen Organisation hielt der argentinische Präsident für vereinbar mit der Würde der großen südamerikanischen Nation, deren Staatsoberhaupt er ist. Die Vertreter der Laplatarepublik, der Minister des Aeußeren Pueyrredon und der Gesandte in Paris Alvear wandten sich von Genf aus telegraphisch an den Präsidenten und wiesen darauf hin, wie sehr gerade Frankreich über die Haltung Argentiniens verstimmt sein würde. Sie schlugen vor, daß Argentinien sich darauf beschränken solle, ebenso wie bje skandinavischen Staaten, die Schweiz usw. lediglich Ergänzungen des Völkerbundsstatutes zu verlangen. Demgegenüber betonte Präsident Jrigoyen aber, daß der Verbleib Argentiniens im Völkerbund von der Annahme seiner grundsätzlichen Forderungen abhängig bleiben müßte, und daß die gesamte öffentliche Meinung des Landes auf seiner Seite stehe. Das Vorgehen des südamerikanischen Staates soll nunmehr von den übrigen Mächten des lateinischen Amerikas nachgeahmt werden, von denen Mexiko sich von vornherein vom Völkerbund iitriirfaeMfen bat. Nür Brau-
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Dämon des Lebens.
Kriminalerzählung von A. O st l a n d.
(Nachdruck verboten.)
„Wovon sollte ich leben?* sagte sie achselzuckend. „Was ich hatte, zerrann unter den Händen. Deshalb knüpfte ich ja auch wieder an mit Ramin, obgleich wir einst im Unfrieden auseinandergegangen sind. Denn wir paßten nicht zusammen, er und ich . . . So rächt sich eben alles l Alles I Ich habe Willstadt nie vergessen. Von Land zu Land bin ich ihm gefolgt, immer wieder suchte ich ihn auf. Und immer wieder hat er mich ab« gewiesen und ist geflohen vor mir, um sich und sein Kind vor mir zu schützen l Vor mirl" Sie lacht« schneidend auf. „Und trotzdem hat auch er mich lieb und hat auch an der Seite der blonden Deutschen mich nicht vergessen und keine Ruhe gefunden. Aber — zusammen kamen wir doch nie. Also lebe ich. Glauben Sie mir: Ich wäre nie hierhergekommen in dieses Haus. Nur nahe wollte ich ihm fein, nur in derselben Stadt . . . Aber ich schrieb ihm oft Auch, daß ick mich nicht mehr sicher fühle in Wien, da ich eine Anzeige fürchte. Da hat ihn die Angst gepackt, die Angst um mich. Er ist zu mir gekommen und hat mich fast gezwungen, mit ihm zu gehen."
Es klopfte. Herbert stand auf der Schwelle.
„Ich hörte Sie hier noch sprechen, Herr Doktor," sagte er hastig, „und ich möchte Sie bitten, wenn Sie nach der Stadt fahren, uns sogleich einen Arzt herauszusenden."
Hesselbach nickte. Dann reicht« er dem jungen Untergebenen freundlich die Hand.
„Sie haben für die nächsten Tage Urlaubs" sagt« er kordial, „es wird da allerlei zu tun geben. Das, was jetzt noch etwa» dunkel if^ da» klären Sie mir vielleicht auf, wenn ich heute abends nochmals komme. Und nun; Glückauf l Lassen Sie alles Vergangene begraben sein! Machen Sie Ihre Braut bald zu Ihrer grau und suchen «K mit ihr uerelni, ^ Glück sestzuhgUeni" *
Montag, dm 6. Juni 1981
tten, dessen Pariser Botschafter Trista da Cunba Vorsitzender des Völkerbundrates ist dürfte sich dem Austritt der anderen Länder kaum anschließen. Großen Eindruck hat seiner,eil auch der Schritt des Präsidenten Jrigoyen auch in Nordamerika gemacht, und Präsident Harding kundgetan, daß die große Laplata-Republik dieselbe politische Linie wie Nordamerika verfolgt und daß sie nicht gesonnen ist, sich in die Hörigkeit der Entente zu begeben. Deutschfreundlichkeit lag dem Entschluß Jrigoyens sicher nicht zugrunde, wohl ober die Erkenntnis, daß das einflußreiche und einer ergänzenden Entwicklung entgegengehende Argentinien den seiner Bedeutung .in der Welt entsprechenden Platz in einem von wahrhaft internationalen Geist geleiteten Völkerbund einnehmen müsse, der nicht einfach ein Spielzeug einiger europäischer
Siegerstaaten" ist.
m.
Der Mörder M<if va^as frelsesprochen.
In dem Mordprozeß Teilirian wegen der Ermordung Talaat Paschas wurden den Geschworenen, nachdem das Beweismaterial erschöpft ist, drei Fragen auf Totschlag, auf Mord und auf mildernde Umstände vorgelesen. Dann erhielt der Staatsanwalt das Wort zu seinem Schlußvortrag. Nach längeren Ausführungen beantragte er, den Angeklagten des Mordes schuldig zu sprechen. Auf Ersuchen des Vorsitzenden übersetzt der Dolmetscher dem Angeklagten den Antrag des Staatsanwaltes. Teilirian zeigte dabei keinerlei Bewegung. Nach dem Staatsanwalt sprachen die Verteidiger, die Freispruch empfahlen. Das Gericht bekannte sich nach längeren Veratungen zu diesem Standpunkt und sprach den Angeklagten Teilirian frei.
Düsseldorf und die Konferenz von Voulogne.
Nach der „Chicago Tribune" ist der wirkliche Grund, warum Lloyd George bar auf dringt, daß die Konferenz in Boulogne in kurzer Zeit stattfinden soll, der, daß die englische Regierung die Zollschranken auf dem rechten Rheinufer aufgehoben und Düsseldorf. Duisburg und Ruhrort geräumt sehen möchte. Man glaubt, daß der Oberste Rat sich Anfang nächster Woche in Bonlogve verfammUn würde. Der englische Premierminister wird auch die oberschlesssch« Frage und die türkisch-griechischen Ereignisse besprechen. Die Engländer, Italiener und Japaner meinen, daß, nachdem Deutschland das Ultimatum angenommen hat und bereits 1 Milliarde Gold bezahlt hat, kein Grund vorhanden ist, Düsseldorf noch weiter zu besetzen. Die amerikanische Ansicht ist die gleiche wie die der Engländer. Die Franzosen dagegen wünschen, Düsseldorf so lange zu besetzen, bis Deutschland endgültige Beweise für seinen aufrichtigen Willen, seinen Verpflichtungen nachznkommen, gegeben hat. Darum möchte man in Paris diese Frage von der Tagesordnung für die nächste Sitzung absetzen.
Englands Drängen in Paris.
In amtlichen Kreisen wird erklärt, daß die Enteutekonferenz sich am 4. oder 5. Juni versammeln wird. Die englische Antwort auf die letzte französische Note war Donnerstag noch nicht in Paris eingetroffen, aber die einstimmigen Be. viertürigen der englischen Blätter lassen Schlüsse auf ihre» Inhalt zu. Man hält dort noch immer an einer raschen Einberufung des Obersten Rates fest. England wird wahrscheinlich mitteilen, daß diese Einberfung nicht nur wegen des oberschlesischen Problems, sondern auch wegen anderer Fra. gen, Namentlich wegen der Orientfragen, erfolgen soll.
Als zwei Tage später Die Leiche Wilhelm von Kamins auf dem protestantischen Friedhofe beigesetzt wurde, wußte es Herbert bereits, daß sein Onkel nicht das einzige Opfer jener dunklen Nachtstunde sein werde. Auch Willstadt war ein aufgegebener Mann.
Und Otto Willstadt merkte in klaren Stunden genau, wie das Leben ihm allmählich entglitt. Er tat nichts, um es zu halten. In ihm war kein Wunsch mehr lebendig und kein Wille. Nur eine große Sehnsucht nach Frieden.
Er hatte mit Herbert gesprochen. Der alte Haß gegen die Kamins war tot. Er selbst legte Ediths Hand in die des jungen Mannes. Herbert sprach ihm von dem Testament seines Onkels. Es war noch völlig unverändert, er, Herbert, war der alleinige Erbe. Dies setzte ihn nicht nur instand, Edith so bald als nur möglich heimzuführen, das gab ihm auch eine Freiheit des Handelns, welche er sich kaum erhofft hatte, denn der alte Kamin war weit reicher gewesen, als er angenommen hatte.
So konnte er, im Sinne seines Onkels handelnd, auch für Lilian ausgiebig sorgen. Er setzte ihr eine größere Rente aus, welche es ihr ermöglichen konnte, sehr behaglich zu leben. Sie selbst sprach den Wunsch aus, nach Mexiko, ihrer Heimat, zurückzukehren. Dies war ihm sogar ; höchst erwünscht, und er stellte es ihr frei, sobald sie ‘ nur wolle, zu reifen.
Sie stand jetzt, wie kämpfend mit sich selbst, an der Verandatüre und sah still hinaus In den Garten, der im ersten Schneemantel dalag. Draußen glänzte die Wintersonne am kaltblauen Himmel. Eine Flut von Licht und Helle strömte herein.
„Lassen Sie mich hier!" sagte sie mit einer Neigung des Hauptes nach dem Nebenzinimer, wo Edith mit einer Pflegerin um den Kranken beschäftigt war. „Ich bitte Sie, lassen Sie mich hier — bis — bis —"
Sie konnte plötzlich nicht weitersprechen; aber Herbert verstand sie. Er nickte.
„Ganz wie Sie wollen. Aber er wM Sie nicht sehen I Nie mehr!"
„Ich werde warten," sagte sie, „er ruft mich doch „W‘ ... ... ........ . - —
78. Iayrg
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Neue Spannung zwischen London und Paris
und der soll In. der vor» um so die E»l-
Die Botschafterkonferenz wird die Sachverständige«- Commission ernennen. Das Datum der Sitzung des Oberste» Rates ist ungewisser als je. Der Leitartikel des „Daily Chronicle" vom 2. Juni und andere Symptome deuten an, daß der englischen Regierung die Geduld auszugehen beginnt. Das Blatt dringt erneut im Interesse der Entente auf den schleunigen Zusammentritt des Obersten Rates Sachverständigenkommission, wenn es Wert haben struktionen zu geben. Die britische Regierung legt geschlagenen Jnterimsmaßregel der Dreiteilung größere Bedeutung bei, als die französische Politik . ... scheidung sowie die Verlängerung der Interims hinauszu. schieben sucht und Korfantys Politik der vollendeten Tatsachen begünstige, falls nicht dafür gesorgt wird, daß diese Wirkung ausbleibe. Das Blatt betont, daß die englischfranzösische Kontroverse im Grunde ernster als je sei unt beinahe ein Monat seit Konsantys Streich und über einen halben Monat seit Lloyd Georges Rede verstrichen sei. Sehr optmistisch spricht man über das Eintreffen der sechs britischen Bataillone, über die große Besserung der lokalen Lage, die die Franzosen aus ihrer bisherigen Untätigkeit aufrütteln
werde. Gegenüber den französischen Angriffen auf den zu- rückaetretenen britischen Kommissar Percival wird nachdrücklichst betont daß er das vollste Vertrauen der Regierung besitzt.
Die „Times" melden aus Warschau, daß die Polen allen Plänen einer Jnternationalisierung feindlich gegenübcrstcheu. Man sei geneigt, die Provinz 22 Jahre durch eine inten (nationale Kommission verwalten zu lassen und erst dann endgültig zu entscheiden.
Der große englische Streit.
Am Mittwoch, dem 62. Tage des Bergarbeiterstreiks, war es noch immer ^u keiner Regelung gekommen. Die Reaieruna hat "-rW Erlaß veröffeutl'cht, wonach die Behörden auf Grund der AusnM)tirvl>.fttm«ttvn«v die G«S^, Elaktrizitäts- und Wasserwerke sowie andere Werke mit Beschlag belegen und Lebensmittel, Kohkenvorrüte, Maschine« usw. requiriere« können. Sie werden auch das Recht haben, den Preis für Kohle, Gas und Elektrizität festzusetzen, sowie den Verkauf von Brennstoff für Motore zu beaufsichtigen.
Lloyd Georges Einigungsplau im englischen Berg- arbeiterstreik durchgefallen.
Die Vorschläge Lloyd-Georges zur Schlichtung des Koh. lenärbeiterstreiks, die am Dienstag in den Bezirken Lem- mark, Schottland und Wales abgekehnt worden waren, erfuhren in Derby, Nottenharn und Norkihire das gleiche Schicksal. Eine starke Mehrheit gegen die Auturyme des Ultimatums von Lloyd George ist gesichert. Andererseits stimmten verschiedene Organisationen der Bergwerksbesitzer für die Annahme. Fronsvottche erklärte in einem Interview an die „Associated Preß", daß ein Einvernehmen vielleicht herzustellen wäre, wenn die Vergwerksbesitzer die Löhne vom Juni 1914 mit einer Steigerung von 80 Prozent z«gestehen würden. Dagegen stehen die Besitzer auf dem Standpunkt, daß nur die Steigerung der Produktion den Arbeitern höhere Löhne sichern kann. Die Besitzer wurden es sehr gern sehen, die Verhandlungen mit den Arbeitern ohne die Vermittelung der Regierung zu pflegen.
Und Lilian harte recht. Sie wartete geduldig Tag für Tag und Nacht für Nacht. Bis einmal, das Morgenrot färbte eben den Himmel mit hellem Glanz, Edith vor
Komm, komm rasch l'
ihr stand, bleich, zitternd.
„Er ruft dich I" sagte sie kurz. „Komm, komm rasch l"
Ohne ein Wort zu sprechen, sah er sie an, lange, lange. In diesen kurzen Minuten lebte er noch einmal sein ganzes Leben durch.
Dann gab er ihr still die Hand hin.
Sie nahm sie und hielt sie fest. Und so leitete sie, die das Glück und die Qual seines Lebens gewesen, ihn jetzt, in dieser letzten Stunde, sanft zum Frieden.
Hesselbach kam ein paar Stunden später heraus. Er hatte sich sehr für diese ganze Sache und ihre Entwicklung interessier^ Jetzt nahm er herzliche» Anteil an dem Ende.
Er stand eine ganze Weile still vor der Leiche Otto Willstadts. Dann wandle er sich Herbert zu.
„Auch einer, der überwunden hat", sagte er gedankenvoll. „Einer, der ein tapferer Kämpfer war gegen die Dämonen des Lebens, welche uns überall umlauern und — der ihnen doch erlegen ist. Geld, Rührn, Liebe, T(acht, wie heißen sie noch alle, die großen Leidenschaften, die unendlichen Triebfedern des Daseins? ^fuhren den einen eurpor zu lichten Höhen, glänzende Gottergestaiten; und dieselben Gewalten reißen den andern nieder in Die Tiefe: Dämonen des Lebens."
Das Wort klang nach in Herbert von Ramm: Dämonen des Lebens. Aber zugleich drängte sich ihm eine
dem einzelnen anheimgegeben ist, diese urewigen Gewalten zu bändigen, sich zum Herrn über sie zu machen und sich selbst da» Dasein zu formen mit starker Hand.
Und so ging er, vereint mit Ed'th, mutig einem neuen Leheu entgegen. y '
' End«.