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Tageblatt.
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Zeitung für eilige Leser.
Nach einer elsässischen Zeitn«asbrahtn«!, soll die Pariser i Negier««« Neignaa haben, den Antrag auf die Zulassung Deutschlands in den Völkerbund zu unterstützen, wen« Deutschland noch eine Reihe weiterer Beweise seiner loyale« ' Gesinnnng gegeben habe.
Eine Reihe von Franenvereine« hat an den bayerischen Landtag eine Eingabe gerichtet, den bernfstätigen weiblichen ; Personen den Titel Fran znzngeftehe«.
Reuter meldet: Die englische Regierung hat sich dem Einspruch der übrigen Alliierten bei der Bundesregierung in Kie« gegen die Fortsetzung der Volksabstimmung in Oester- ■ reich angeschlossen.
Wie die „Stratzburger Nachrichten" auf Grund eines Privattelegramms aus Warschau wissen wollen, bereitet die polnische Regierung die Absendung einer besonderen Avord- i mua vor.
Eine neue Flutwelle hat Colorado sPueblos unter Wasser jefettf. Es sollen 1500 Menschen ertrunken sein.
Anarchie in Oberschlefien.
Jm Jndustriebezirke hat nunmehr eine völlige Verwir- :ung eingesetzt. Es scheint ein ausgesprochenes Chaos zu ierrschen. Es ist nunmehr so weit gekommen, daß in fast amtlichen von den Franzosen besetzten Orten die Bahnhöfe md Außenviertel der Stadt völlig in den Händen der Jn- «rgenten sind. In Kattowitz sind zwei Züge mit 200 Jn- mgenten von Jdaweiche und Bogutschütz angefahren. Hier f ius den anderen Bahnhöfen benutzen die Aufständischen Macht dazu, Maschinen- und Eisenbahnmaterial zu ben, um die Lebensmittelzüge der Insurgenten zu vern. So wurden auf dem Kattowitzer Bahnhof die zen Kohlenzüge in der Richtung nach Polen hin fort» ihrt. Eine Abordnung deutscher Bürger von Katto- wendete sich beschwerdeführend an den Stadtkomman- n, Oberst Ardtsyn. Dieser erklärte sich bereit, den Hof zurückzuerobern, doch müsse sich die Stadt damit den, kein Wasser und kein Licht zu erhalten. Deutsche Abordnung lehnte es ab, auf diese Auskunft Antwort zu geben und verließ den Stadtkommandanten, i sie darauf aufmerksam machte, daß es Pflicht der rten Behörden sei, die Stadt zu schützen und dafür zu 1 daß sie von Insurgenten frei bleibe, und daß ihr die !smöglichkeiten nicht abgeschnitten werden. Auf dem Hofe Tarnowitz laufen täglich Militärtransporte verschlossenen Güterwagen ein. Ferner wurden 13 Lokomotiven gestohlen, obgleich die Polen sich gegenüber den Franzosen verpflichtet haben, nur soviel Lokomotiven zu be® nutzen, wie sie für die- Bahnhöfe brauchen. Auch B e u t h e n I R völlig in den Händen der Polen. Ungefähr 30 IWwere Maschinengewehre, auch große Batterien, welche die U Vahnhofstraße und die umliegenden Viertel beherrschen, Arurden in Stellung gebracht. Die Zahl der polnischen gwrmgr vermehrt sich täglich. So passierte gestern ein I wlmscher Panzer^üg, aus einer Lokomotive und vier Vor-
Mittwoch. den 8. Juni mi
^chudwagen bestehend, den Bahnhof C h o r z o W. Er führte ruf jedem Wagen Maschinengewehre und Geschütze mit. Es liegt auch hier ein Bruch der Abmachungen vor, da die Lahnhöfe ausdrücklich nur für Lebensmitteltransporte frei- gegeben sind. Die Aufständischen Veranstalter:. in Rosen- berg und Schönberg Plünderungsstreifen. Die Geschäfte sind geschlossen. Zahlreiche Geschäfte, die geplündert worden sind, zeigen Brettervernagelung. Auch in den Bergwerken beginnt die Verwirrung, es kann nur ein Teil der Leute beschäftigt werden. Die überfüllten Halden machen ein Wei- terversenden unmöglich. Der Rohstoffmangel ist so groß geworden^ daß die Stillegung einiger Hüttenwerke zu erwarten ist.
Polnische Artillerie beschießt oberschlefische Dörfer!
Am Montag wurden in den nördlichen Kreisen mehrfach polnische Vorstöße zurückgewiesen. Die Dörfer Neudorf, Pruskau und Amalienheg wurden von polnischer Artillerie stark beschossen. Zahlreiche Häuser wurden durch Volltreffer zerstört. Bei Zembowitz beteiligte sich ein polnischer Panzer-- zug an den Kampfhandlungen. In den Gebieten bei Lands-- berg und Skronskau erhielten die Aufständischen Verstärkungen. Es wurden starke polnische Angriffe aus der Gegend Krappitz gemeldet. Besonders bildet der Bahnhof Kandrzin das Ziel polnischer Vorstöße. Angriffsversuche der Insurgenten auf Slawentzitz mißlangen. Bei Pirawa im Kreise Kofel starke Feuertätigkeit. Im Kreise Rattbor wurde die Oderbrücke bei Lapatsch durch polnische Sprengungen erneut schwer beschädigt. Im Kreise Hindenburg fielen, soweit bisher bekannt, 23 deutschgesinnte Oberschlesier dem polnischen Aufstande zum Opfer.
Brückeneinsturz.
Wie &er „Berl. Lok.-Anz." meldet, stürzte bei Slawe n- t z i tz die von den Insurgenten gesprengte Klodnitz-Brücke beim Kebergang von deutschem Selbstschutz völlig zusammen. Der Selbstschutz hatte hierdurch acht Tote und siebzehn Verwundete.
Eine Note an General tzofer. ^
Die Interalliierte Kommission hat dem General H ö s e i eine Note übermittelt, in der es heißt:
Die Interalliierte Regierungskommission von Ober- schlesien hat Kenntnis erhalten von dem deutschen Vvrinarscki tu der Gegend von Ujest. Sie befiehlt dem General Höfer seine Truppen in die Linie Leschnitz, Dola zurückzuziehen. Falls die ersten Bewegungen zur Ausführung dieser Bestimmungen nicht innerhalb 12 Stunden nach Üeberreichung dieser Note begonnen haben, wird die Kommission die Zurückziehung der alliierten Truppen aus den Städten des Industriegebiets vorsehen. Anderseits teilt die Kommission mit, daß sie den polnischen Insurgeten untersagen wird, die, jenigen Orte wieder zu besetzen, die sie am 3. Juni abends geräumt haben.
In seiner Antwort erklär« General Höfer u. a.: Ick habe nicht die Macht und vermag es auch nicht im Hinblick auf die deutschgesinnte Bevölkerung, die Selbstschutzverbänd« aus den Ortschaften, deren Schutz sie übernahmen, zurückzu- ziehen, zumal nach den bisherigen Erfahrungen ich nicht Gewähr dafür bieten kann, daß in den geräumten Gebiete« deutsches Leben und Eigentum geschützt bleiben. Die Zurück-
________ 78, SaStg.
öiehmrg des Selbstschutzes aus den befretten Ortschaften ist nnausführbar. Ich appelliere an daS sol-attfche Empstnd«, der Vertreter der interalliierten Mächte. Die Forderung steht aber auch in völligem Gegensatz zu dem, waS als Recht der deutschen Bevölkerung Oberschl^sieuS vor dem englisch« Parlament feierlich auerkaunt ist.
i Mine; 7 Aachrichirn.
6 Millionen Menschen — der deutsche Kriegsverlust i Auf Grund seiner Untersuchungen an Hand deutscher amtlicher und nichtamtlicher Quellen kam her Chefarzt bei amerikanischen Marine Bainbridze zu dem erschütternde, Ergebnis, daß Deutschlands Verluste im Weltkriege auf über sechs Millionen Menschen zu veranschlagen seien. 1531148 Tote, 991349 Vermißte, 4 211481 Verwundete und 155 013 an Krankheiten Verstorbene.
Notenwechsel zwischen Päris und London.
Dem Pariser Vertreter der „Stratzburger Neuesten Nachrichten" ist angeblich in einer Unterredung mit einem französischen Diplomaten erklärt worden: Wenn auch die Zeitungen den französisch-englischen Konflikt unbeachtet lassen, so steöe doch fest, daß er jetzt in sein höchstes Stadium getreten ist. Zwischen Paris und London dauert der Notenwechsel unaufhörlich fort. Während der Periode des größten Wirr- warrs und der diplomatischen Krisen seien noch nie so eifrige Besprechungen erfolgt wie jetzt. Aber England werde doch nichts erreichen. Die französische Regierung sei fest entschlossen, auf stirem Standpunkt zu verharren, welche Schach- züge Lloyd George auch noch machen werde. Frankreich werde Polen nicht im Stiche lassen.
Das Urteil gegen Brandler.
Der Vorsitzende der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands, Heinrich Brandler, wurde vom Berliner außerordentliche« Gericht zu 5 Jahren Festungshaft verurteilt. In dem Urteil heißt -s, daß durch die Aufrufe der Zentrale der Partei in der „Roten Fahne" und in Flug- .blättern, eine s«n'Eam<- «entert b-v V,.. :-^^ --^L bahnt werden sollte. Der Angeklagte habe sich einer Aufforderung zum Hochverrat in Verbindung mit Aufhetzung schnidig gemacht. Der Angeklagte habe jedoch nicht aus ehrenrühriger Gesinnung gehandelt, sondern sei überzeugt von den kommunistischen Idealen.
Gegen Exkaiser Karl.
Laut „Daily Telegraph" haben Me verschiedene« alliierten Gesandten beim Schweizer Bundesrat einen gemeinsamen Schritt wegen des Aufenthalts der Exkaisers Karl unternommen. In Mitteleuropa und Italien würde erst ein Gefühl der Sicherheit herrschen, wenn der Aufenthalt des ehemaligen Kaisers nach Spanien verlegt worden s«.
Mer Millionen Arbeitslose in England.
Der ernste Charakter der industriellen Lage wurde noch verschärft durch das Scheitern der Verhandlungen mit den Maschinisten. Die Unternehmer haben die Aussperrung für Dienstag bekanntgegeben. Es werden dadurch 1% Millionen Mensche« betroffen. Vier Millionen Arbeiter sind jetzt der Folge der Krise ausgesetzt.
Das große Los.
Erzählung von Karl Weisslo-.
(Nachdruck verboten.)
Dabei schlössen sich die Brüder auch nun Wufh mehr aneinander. Kannten sie sich doch, als sie etntoanberten, fast noch gar nicht. Denn erst zwei Tagereisen von hier hatten sie sich im Nachtquartier emer Dorfschenke zusammengefunden und hier erst ein teder dem anderen das Nötige aus feinem Leben und Wandel mitgeteilt.
Kurz war Zickels Geschichte, aber lustig: Rinnet l«9on bie des Philosophen, am allerlüngste,n hätte die =5, Swidauets sein müssen, wenn er alles hätte erzählen wollen, wie sich's gebührt. So aber begnügte er sich, als an ihn die Reihe kam, daS frugale Abendmahl von Kartoffeln verzehrt war, und nun der freundliche Bier trug herumging, mit folgender Relatton: „Ich bin, »eben Brüder, eine Waise, habe keinen Väter und lern« Mutter mehr und keine Verwandten in meiner «eben Vaterstadt. Als ich in die Flegelfahre trat und unseren Rektor hinlänglich geärgert hatte, nahm wich ein Vetter, der nun auch tot ist, auS der Schule und tat mich in die Lehre. Wie bie PrüfungSzeit über-
#L tont, schnürte ich mein Bündel, sagte den Zierlichen Auen Välet und ging auf die Wanderschaft. 7^ kümmert'- euch zu wissen, wo ich überall gewesen, und was ich hier und da für Fährlichkeiten vestanden. Aber in dem großen, schönen Z"'. da war ich auch, da - ja, da
v «Nun, warum stockst du, Bruder Gottlieb?" fragte U Schlosser, „warum trinkst du ja hastig, als müß- ^ll ^u einen übergroßen, harten Bissen hinunteriMr- S.en? Erzähle, wie ging'» dir in Z»"?"
„ . «Wie mir's da ging?" fuhr Gvttlieü fott, „ach, »eben Brüder, mir ging'S da gar gut und auch tote» Bat schlecht. Ich kam in Arbeit bei Meister Engel- wann. Seine Tischlerei ist weit und breit berühmt.
1,Ä1 Seine Tischlerei ist weit und breit berühmt, "M.M>er in dem großen schönen Z—, der'- hat und erschwingen kann, kaust seine Möbel aus Meister En-
erblickte.' Zehn Gesellen arbeiteten drinnen, ich tont der elfte, und nun noch die Jungen! Das wär ein Leben und ein Treiben! Der Meister, ein langer, hagerer Mann, ging ab und zu und musterte die Arbeit. Er war ein Witwer und faß in der Wolle, wie der reiche Mann im Evangelio. Eigentlich wohnte er im zweiten Stock des schönen Hauses, in einer Reihe der stattlichsten Zimmer. Lange blieb mir die Herrlichkeit ’ da oben ein unbekanntes Land, denn unten war unser Leben und durch eine Treppe im Hof gelangten wir, ohne den Hausflur zu betreten, in unsere Bodenkammern. Aber einmal, als jemand nach dem Meister fragte, mußte ich ihn rufen und deshalb zu ihm hinaufgehen. Wahrlich, liebe Brüder! — ein Graf kann nicht köstlicher wohnen! Aber als ich erst die breite Treppe wieder herunterging, o, — was mir da passierte — das ist mir noch jetzt wie eine liebliche Erscheinung aus einer andern Welt. Leicht und im zierlichen Morgenanzuge kam mir ein Mädchen entgegengeschwebt, das ich doch in meinem Leben nicht schöner gesehen. Freundlich grüßte sie: „Guten Morgen, Gottlieb!" und erschrocken stand ich da. der Gegenrede nicht mächttg, wie ein stummer Del tz, und sah ihr tröumcnb nach, als sie schon lange hinaufge schwebt in die höheren Regionen deS zweiten Stocks. Träumend kam ich in die Werkstatt. Ich sollte den Hobel nehmen und griff nach der Säge. Träumend starrte ich die gekräuselten Späne an, und kaum vermochte ich dem, mich ins Leben auftüttelnben Straß- bürger die Frage vorzustottern, wer doch der Trep- Penenael sein möge. — „Z," war die Antwort, „das ist ja die Jungfer Marie, des Meisters Tochter," und alle ergossen sich in das Lob der fittigen, wunderschönen Dirne. EDtir aber war'-, als sei mir die Kehle zugeschnürt. Die Holde, Engelmanns einziges Kind, war soeben heimgekehrt von der Reise zu einer fernen Verwandten.
„Latz dir den Appettt vergehen, Bruder Gottlieb," fuhr der Stratzburger fort. „Die ist nicht für unser« einen; schwänzelt doch auch der dicke, reiche Aistvappel aus der Weintraube um sie herum und sitzt ganz« .Abende oben Bei dem Meister, mit dem er die Zeit: :g M imh toU «oUtiXa verhandelt."
t „Ach, schweige mir doch von dem ekelhaften Gastwirte!" rief der Dresdener, „den nimmt ja doch Marie : im Leben nicht, trotz allen seinen fetten Feldern vor dem Tore, seiner Viehmästerei und seinen Dukaten."
„Warum nicht?" entgegnete der Stratzburger. „Die Mädel haben ihre besonderen Mucken. Geld ist und bleibt ja doch die Losung und dann, wenn's einmal des Alten Wille ist, — den kennt ihr, und seinem Jähzorn, der bräche ihr den Hals, wenn sie wider- strebte, so lieb er sie auch hat."
Mir war wunderlich zumute und gar bitter und herbe schmeckten mit diese Bemerkungen meiner Mit- gesellen, die mir übrigens ziemlich richttg erschienen. Ist nicht Geld allerdings ein Talisman, dem nichts zu widerstehen vermag, und war nicht wirklich bet Meiner als ein eigensinniger, hoffärttger und harter Mann bekannt? Hatte er nicht erst neulich einem Lehrlinge > um ein Geringes im schrecklichen Jähzorn den Arm aus dem Gelenk gerissen? Und Marie! — ach! — war - Marie nicht ein Mädchen? — Um so wunderbarer aber beuchte mir's doch, als sie nun öfter durch unsere Werkstuben hindurchstrich, mich jedesmal besonders si-eundlich grüßte und mir immer bei Tuche, wo möglich, ein recht gutes Stücklein vorlegte. Auch ich half ihr dienstfertig, wenn sie aus dem Lose die Tauben ober Hühner fütterte, brächte ihr vom Felde grünes Atraut für ihren Kanarienvogel und manch sinnig ge» bundenes Sträußlein und freute mich innig, menn ue» mit ihrem seelenvollen: „Danke schön, lieber Gott- I lieb!" hinnahm, und nun die Blumen lange, Tange । noch im Becher vor ihrem Fenster standen, oder sie wohl : gar ein Vergißmeinnicht, ober eine Rose bon mit am Busen trug. Zitternd griff ich dann wohl manchmal nach ihren allerliebsten Hündchen. Ja loggt in Lin- denruh, wo des Sonntags Tanz war und der Meister mit seinen Freunden und Marien auch binfam, durfte ich's Wagen, sie aufzufordern, was keinem von den übrigen einfiel! O Himmel! wie selig flog ich mit ihr dahin im jubelnden Tanz«, und oft war mir 8, als entgegneten leise und schüchtern ihre ,nngcrspitzeu meinen zitternden Händedruck der Liebe.
Gortfl-n»- folgt.) '.