ZchlüchtemerMung
"««ÄösvreiK norrmSzahibKr vierteij durch die Post Mk. 12—, ÄNerc Träger M 10.80, bei uns abgehott M. t0 ~. «rlKeiNi on Wochentagen nachmittags. Druck ü. Verlag < LvhmeMer, verantwortlich H.-S. Hohmeister, Schlüchtern. »«««??»§ WrfüllungSorl rar den gesamten OefchZstS- ” serkchr mit der Firma Schlüchttr».
Gegründet im Jahre 1849 unter deM Titel
vdrr »eren Ra«m 1 Mk., Rcklamr-
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nnb «rirgltrsnrmg. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwis
l,ste«. gvhlkartt Frankfurt a. vl. Nummer 11Ä».
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Zeitung für eilige Leser.
Die Reparationskommission teilt mit, daß die deutsch. Negier««» bis üttm heutige« Tage für rnnd 840 Millionen Goldmark in Reichsschatzwechsel«, die am BL Angust fällt« ß«d, sonne «irgefähr 200 Millionen Goldmark in anSlänöi« scheu Devisen bezahlt hat.
Die de«tfche Regierung hat dem englische« Botschafter in Berlin die Versiecheritng gegeben, daß General Höf-r telephonisch ersucht worden fei, dem Befehle der interalliierte« Aoimnissio« Rech«u«g z« tragen, dahingehend, die Gebiete, »velche die -e«tsche« Freiwilligenverbände von den polnischen Insurgenten znrückerobert haben, z« rä«me«.
Die Entwaffuung in Bayern geht »weiter. Die Ablieferung der große« Säger ka«« bereits als vollendet gelten. Die Borbereittmge« zur Eiuzelentwafsnnng sind getroffen und die verschiedenen ASlieferimgStermine festgestellt.
Der polnische Staatsvorschlag sieht fast drei Viertel aller Ausgabe« für die Heeresbedürfnisse vor. Die Gesamtschuld Polens an das A«sla«d zur Eruährnug und Ausrüstung der Armee beläuft sich auf r««d 250 Milliarden Polenmark.
= Die diplomatischen Vertreter der Vereinigten Staate« " » Europa habe« an die Regier««g und das Volk Amerikas eine ernste Mitteiluug geschickt, daß entrveder der Versailler «ertrag mit Ausnahme des Völkerbundsaktes ratifiziert werden soll, oder daß man in Unterhandlungen mit Dentsch- land über ben Abschluß eines Sonder Vertrages eintreten
£
Der Reichskanzler zur Lage.
Reichskanzler Dr. Wirth hat dem Berliner Korrespon- oenten des atm" eine Unterredung gewährt und u. a.
E Konferenz von Spaa sei eine schwere LL-^.-Z^^ Ed Deutschlaud ^se». Das ^" Alliierten damals in einer vollen vinschaftliche» Krisis einen beträchtlichen Teil seiner Kohlen- Produrtion abtreten müssen. Wenn er damals die deutsche Po.itil geleitet hatte, hätte er der Entente eine sehr große |umme als Reparation angeboten. Dann hätte sich" der Horizont ein wenig früher aufgehellt und man hätte kostbare .Mit Spaa hätten sich die Beziehungen fischen Frankreich und Deutschland immer mehr und mehr wrschlecmert,- deshalb glaubt Reichskanzler Dr. Wirth, daß Londoner Konferenz unter ungünstigen psychologischen vevmgungen begonnen worden fei, es sei aber bedauerlich, die Verhandlungen gescheitert seien. Die jetzige deutsche Regierung, unterstützt von der großen Mehrheit des deutschen Volkes, werde die Bedingungen des Ultimatums ausführen.
mehr oder weniger zurecht gemachten Statistiken tonne man unmöglich die P r o d u k t i o n s f ä h i g k e it ^^!'Hl°nds festsetzen. Das sei ein kleines akademi- Spiel, an dem gewisse Volkswirtschaftler Gefallen fän-I »n. das aber von den Politikern nicht ernst Genommen sui
Ksnnerstag, den 9. Juni 1921
Mnen brauch», 5ti ganz genau wüßten, welchen Ueber-' a,chungen man sich aussetze, wenn man im voraus die in» nun teilen zukünftigen Kurse Deutschlands festlegen wolle, die Regierung werde sich darauf beschränken, die^ vraktischste Rethode zu suchen um die Reparationspflicht in vollem Um- ange zu erfüllen. Mehr als alle Reden, feien Geldzahlun- M und Sachlieferungen geeignet, den Weg zu einer Annahe- ung zu geben. Insbesondere werde er alle Sorgfalt darauf verwenden, daß in dem angeführten Zeitraum das Ultimatum »ngehalten werde.
Der Reichskanzler sprach dann über die Entwaff- nungSfrage in Bayern, die er in günstiger Weife be- irteilte. Er sagte, er sei überzeugt, daß es in Bayern keine jeheimen Waffendepots gebe, ung daß es in einigen Tagen »ie, Bürgerwaffen und die schweren Waffen abliefern werde. Was Oberfchlesien betrifft, so erklärte Dr. Wirth, die Oberfchlesier hätten Beweise einer wahrhaften Engels ;eduld gegeben, unterstützt von der Hoffnung, daß Ober. Rieften deutsch bleiben würde. Die Oberschlesier glaubten »icht mehr an die Gerechtigkeit; das sei eine sehr gefährlich- Seistesverfassung. Es sei jetzt endlich Zeit, daß die inter- »llrierte Kommission die Rechte und das Leben der deutschen Bevölkerung schütze- Tue sie das nicht, dann feien Oberschlesien vom Bürgerkrieg bedroht. Niemand fei verpflichtet, seinen Hals dem Würger darzubieten.
Reichskanzler Dr. Wirth erklärt, noch vor Weihnachten werde das erste Drittel des Reichsnotopfers eingegangen sein. Den notwendigen Teil der Einnahmen für die Ausführung: der Reparationen werde er durch direkte Steuern verlangen. Das einzige Ziel seiner Politik sei, die Bedingungen des Ultimatums zu erfüllen. Er wünsche mit allen Parteien in bet Regierung zusammen zu arbeiten. '
Die interMierien Truppe , Barsch.
Die interalliierte Truppenbewegung >n Oberschlesien geht in einem ansgedehnten Maße vor N' Ein einheitliches' AktionSziel läßt sich jedoch vorläufig noch nicht erkennen. Allerdings ist ein Bataillmi Engländer mit der Bahn bis nach Gleiwitz herangelaugt. Die polnischen Postierungen am Wege waren vorher zurückgezogen worden, so daß es nirgends zu Kampfhandlungen kam. Weitere Nachschübe sind noch nicht erfolgt. Ein gemischtes Bataillon ans Engländern nnd Franzosen ist nach Nosenberg abgegangen und hat sich dort zwisckea den deutschen Selbstschutz und die Pole« geschoben. Eine weitere alliierte gemischte Truppe hat den Brückenkopf von Krapitsch besetzt und a« dieser Stelle eben? falls einen Sperriegel zwische« die Linie« des Selbstschutzes «ud der Jusurge«te« geschove«. Kann man also die letzten beide« Maßnahmen als einen Versuch der Interalliierte», Kommission betrachten, den lange von Lerond gehegten Pla« der Schaffung eines neutralen Gebiets zwischen den sümpfen# den Parteien durchzusetzen. so gibt die Absendung der Eng» länder nach Gleiwitz die Hoffnung, daß meniqstens von dort uns eine stärkte Artisn eingeleitet werden dürfte, zumal Gleiwitz der R'rSgsngspnnkt für alle derartige« Unterueh, mui-gsn i«s Jnbusi-^gebiet hinein ist. Es ist natürlich vor, läusia noch nirsendg vo« einer interalliierte« Front gege»
72. Itchrg.
Ske "Polen z« sprecht ^Ueberäll blinden "sich »tvch die Ha«ptz qmtritere der Jvf-rrgente», zum Teil im Rücken der vor, sefchsbe«e« englische« Postierungen Jnfolgebcsfen daner« die ZntzrmmeostSße mit dem deutschen Delbstsch«tz S»h«ql
Aederschwemmungstatastrophe in Aordamerika
Wie in Mitteleuropa, so haben auch in den Bereinigten, Staaten während der letzten Tage schwere Unwetterka.a» strophen stattgefunden. Im Staat« Colorado ist bei einem furchtbaren WolkeNbruch die Stadt Pueblo von de» vom Gebirge heradstürzenden Waffermerrge» iroerschweuwrr worden. Die Fluten ergossen sich blitzschnell über das Geschäfts- viertel, wo die Bewohner in ihr«» Häusern von den Wassermassen überrascht wurden. Gm« große Anzahl von Gebäuden wuvd« durch die Fluten -imr Erusinrz gebracht: die Bewohner fanden, sonn'. sie sich nicht noch rechtzeitig retten konnten, unter den Trümmern kam Tod. Allein in der Stadt Pueblo sollen 1200 Menschen ums Leben getvw men sein. Die Stadt liegt im Tal des Arkansas-Ftusjes, per infolge des Wotkenbrirches wie ein reisender Strom bei dem ersten Anprall ganze Häuserblocks toeg gerissen hat. Der in Pueblo angerichtete Schaden wirb auf 15 Millionen DollarA (fast eine Milliarde Mark) geschätzt. Das Elend irr Pueblo ist groß. Tausende von Menschen habe« Haus und Hof verloren. Die ganze Nacht hörte man aus den Trümmern der eingestürzten Häusern das Wehgeschrei der Verunglück, te-ü Stürmisches Wetter erschwerte die Rettungsarbeiten, und die mit Lebensrnitteln für die Notleidenden ausgesandten Eisenbahnzüge bleiben auf der Strecke liegen, da biq Schienenwege ebenfalls von da» Fluten weggerissen sind. Nach dem Bericht eines Augenzeuge»» brach die Liegenflut mit solcher Plötzlichkeit und Gewalt herein, daß alle auf den Straßen befindliche Passanten unrettbar verloren waren. Die Katastraphe ereignet« sich am Abend des 1 Juni, unmittelbar vor Eintritt der Dunkelheit. Da dir städtischen Betriebe in Mitleideusgaft gezogen waren, so lag »achrs die Stadt völlig im Dunkeln. Mau war g^wungen, überall Feuer auzündeu, um nur die primitivsten Rettungs- arbeiten vornehme» zu könne».
Deutschland unb der Völkerbund.
Dia in der sechste» Sornmissft e der Union der Völker- burrdsvereinigungen von dem Biz«präsibeuten Professor touand-Frankreich eingebrachte unbeinfitmutigangenommene Rqiolmwn hat folgenden Wortlaut: Im Interesse des wirklichen Friedens und der Zusammenarbeit der Völker drückt
»«noarnltn werde».
Loucheur und die deutschen Alerter.
Der Minister für den Wiederaufbau Loucheur hat gestern ttue Reise durch das ehemalige Kampfgebiet unternommen mw hierbei auch die Stadt Valenciennes besucht. Er hielt dort eine Rede an die Munizipalverwaktuug. in der er u. a.' sagte, er kenne die Gefühle der B«>Sl^ruus der Norb- departeureuts hinsichtlich der Beschäftigung deutscher Arbeiter. Es sei eine Torheit, anzunehmen, daß eine Stadt rote Balev- nenues vier- bis fünftausend deutsche Arbetter Etmunen rönne, am die Häuser wieder aufzubauen: aß würde dadrrrch 'in Zusaumreuwohnen entstehen, das man nicht dulden staut
Das große Los.
x MMIUNL von Karl WeiSflog.
81 (Nachdrurt verboten.)
Auch der Meister wurde alle Tage freundlicher, da ich ein Ausbund von Fleiß war und nebenbei eine gewisse Autorität und Aufsicht über die anderen Gesellen, sa über das ganze MuS, hatte. Er vertraute wir die künstlichsten und wichtigsten Arbeiten, zog MM sogar bei mancher Privatangelegenhsstt zu Rate, und so lebte ich denn in diesem Hause drei selige Lahtt, in denen meine kühne Hoffnung mit jedem Tast wuchs und neue Nabruna erhielt. Mer -- ob gleich zwanzigmal bet irgendeiner heimlichen Gelegenheit, wenn ich bei Marien allein war, das Wort auf der Zunge hatte, das ihr meine innige, hetßje Liebe gestehen sollte, so vermochte tch's doch nicht. ~ 8$ war wie von einem unsichtbaren Banne ge- fesselt, die Gelegenheit entmistete und ich behielt das Heilige schwere Wort auf den» gedrückten Herzen."
hättest du dir nur," rief der Schlosser, „einen Haarbeutel getrunken, Bruder Gottlieb, das Herz würde dir schon auf die Zunge gekommen sein!" . „Hast du's denn probiert, Bruder Mannheimers fragte Gottlieb. »
„Ei freilich!" entgegnete der. ,Sn Schwabach hatte rch auch ein Mädel kennen gelernt, die deiner Marie gewiß nicht nachstand. Mer sie war hoffärtig und Lab sich mit uns Gesellen gar nicht ab. Und voch, wenn ich sie sah, war mir'S, als müsse ich vergehen vor unsinniger Liebe. Sappermrent! Da trank ich mir vMn einmal auf dem Tanzboden einen recht ordent- «i^en an, trat kecklich zu ihr hin, faßte sie um den leib und sprach: „Liebwerteste Jungfer, ich bin vor Liebe 1» Sie ganz rasend! — Wollte Sie sich nicht hiermit freundlich erbitten lassen und mich heiratend
„Run," fragten die anderen lachend, „ging'S nach
binnnter. Glaubt Ihr aber wohl, daß' ich mich deshalb etwa närrisch gebärdet und mir die Sache zu Herzen genommen habe? Mit Nichten! Des Morgen» darauf schnürte ich mein Ränzel, wanderte wohlgemut dem Tore zu und sang unter de« Fenster« der schlechten Seele:
„Geh' du nur hin, ich hab' mein Teil Du führst mich nur am Warrenseil. Oh«' dich kann ich schon leben, Ohn' dich kann ich schon fetn!*
„Du bist ein Bruder Plumtzsack!" tadelte hier der Schneider, „du willst Bügel fangen und wirsst mit Knitteln darunter. Hättet Zhr'S gemacht wie ich. Seht, Brüder, in München plagt mich der Teufel und ich werde verliebt. Was tat ich? Am Geburtstage meines Lieschens bringe ich ihr eine Abend- musik, und während ich unsern Lehrjungen. den sogenannten faulen Esel, als Amor verkleidet, mit einem zärtlichen LiebeSgedichte zu ihr Hinaufschtcke, tanze ich unten eine gar zierliche Gavotte."
„Nun — und wie ging dir'S, Bruder Zickel?"
fragten die anderen.
,Mte mir'S ging?" entgegnete der Schneider, „ach, erbärmlich! Der faule Esel kriegte oben ein Paar Ohrfeigen, und mir selbst war ein kaltes Bad zugedacht, bem ich aber sehr glücklich durchs ein meisterhaftes SeitenpaS entsprang,"
„Nun," lachte Gottlieb, „da habt Ihr beide freilich die Sache ganz anders angefa " blieb stumm, aber meine Blicke fpi ren denn, wie schon gesagt, in bitt
igen, als ich. Ich rchen und so wa-
mir drei glückliche Jahre im Engelmannschen Hause hingeflossen wie drei Wochen. Da, ach Gott! es war am dreißigsten Julius des Abends um sechs, im Hause war Waschtag, da hatte sich Marie von den Wäschern ab und zu mir in die Werkstatt gestohlen und besah sich ein künstlich eingelegtes Kästchen, das ich eben fertig gemacht. Bei dem Beschauen berührten ihre rosigen Wangen meine Stirn, ich fühlte den süßen Atem der Holden und war ganz außer mir. Da donnerte in der anderen Stube die Stimme des Meisters: M^M8» »»
Die offene Tür nach Marien.
Schulter und ich sank ftnnfoS zu Boden..
Als ich erwachte, fand ich mich in meiner Kammer und verbunden. Der Meister sah vor mir, hrell mir die Hände und sagte sehr weich: „Nehm' ®rS nicht übel, Zwickauer, es war nicht so böse gemerrü, und «S soll Sein Schade nicht sein! Niemals soll die verdamntte Hitze mich wieder so hinreißen, und wenn Er gesund sei« wird, wollen wir über bte Sache wei-
vier und verbunden. Der Meister saßl v mir die Hände und sagte sehr weich: , nicht übel, Zwickauer, eS war nicht so I und es soll Sein Schade nicht sein! Nie verdamnrte Hitze mich wieder so hinreiße Er gesund sein wird, wollen wir über d ter sprechen." .....
wol
mein Bette trat und zu mir sagte: „Gottlieb, du bist der Retter meines Lebens!" und die sorgliche Pflege der Holden machte mir die Leidenstage zu Stunden^ des Paradiese», und recht mit Verdruß sah ich s, daß es sich schnell mit mir besserte. Mein Lohn ging unterdes auch fort und als ich wieder gesund war, hatte ich so viel zusammen, daß ich mich von Fuß auf neu und zierlich bekleiden konnte.
Aber so wie es besser mit mir wurde, wurden auch die Besuche Mariens und des Meisters seltener, und beide einsilbiger und zurückgezogen. Aon LebenS- rettung, von Vergeltung war nicht mehr Die Neoe. Ja, es trug sich zu, als der Meister wieder emmak bei mir oben war und das Töchterlein lobte, er bte
Worte sagte: „Mein künftiger Schwieg,er ohn soll W der erste beste hergelaufene Luinp sein! Batzen muh er haben, und das viele!" O Freunde, ein DmrnersMag hätte mich weniger alteriert als drese entsetzllchen Worte.
Dahin war nun mit einem Male meinefrohe «ung und das „Weitersprechen. womit mtch der
-r gekirrt hatte, löste sich in ein lchnödes Nichts auf. Zudem schlich auch fetzt der fatale Gastwirt öfter als fe die Treppe herauf und Herunter, und lächeltt - - f verdächtige Weise an; fa, mit meinen eige- flücklichen Augen mußte ich 8 sehem wie Marie ne des DiöKvanstes einst im Gartchen bei dem Hanse bermnhüpste und schäkerte und lachte. Ich Armer! Das Herz hätte mir brechen mögen, und in der Werkstatt munkelte man von der baldigen Verlobung dieses DickbaucheS.
(Fortsetzung folgt.)
mich auf
nen unglücklichen
am Arme des Dickwanstes