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ZchlülhternerZeitung
Schikchlernex Tageblatt.
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chlüchlerner Areis'la!!
Gegründet im Jahre 1849
- vora»rzahkbar rierttlj durch die Post Mk. 12.—, _ Träger Mk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.—. Iltij an «ochentagrn nachmittags. Druck n. «erlag KtontiR«, seralltwortlich 6^6. Hohmeister, Schlüchtern.
65. Erfüllungsort rar den gesamten »eschrftl- eerkrhr mit der Firma Schlüchtern.__
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ettung für eilige Leser.
Die hi Wiesbaden abgehaltene Bcsprecbnng der Wieder, int8er Rathe»«« s«d Lovche»r verlies befriebigenb
I ^ Barbe beschlösse«, die Berhaudluuge« durch Ber- ftmaienea- goatttag habe« i« Berlin Masseskssdnebuugen rät ssreilaffnna der noch in Frankreich sestgehalte»eu 115 KrieastZsLLgeve» ftarigefunbeu.
3® München ist in der Streiklage eine Berschärfsug ein« «nb zwar tafofent, als auch die Eiieubahuer be- habe«, ix den Streif zu treten.
Das Amsterdamer „Haudelsblad" schreibt, daß ic^t eine Anzahl Kredite auf Gruxd des deutsch-uiederländi-
Sreditvertrages abgeschloffe« wurde.
«ach dem Londo«er Abkomme« gebildete Garantie- iffion begibt sich «ach Berli«.
Wie aus Washingto« gemeldet wird, hat das Rcr-räse«-
Hans die Resolutio« Porter, die die Beendigung des anftaxbeS zwischen den Vereinigten Staate« und tschland sowie Oesterreich vorfieht, angenommen.
Seulschlands Valatuelend
Im folgenden geben wir auszugsweise die Uebersetzung 6 Artikels aus der dänischen Wochenschrift „Finans- nbe" wieder:
In den großen Städten Deuischlands entfaltet sich ein us wie man ihm früher dort nie gesehen hat. Das ist nur eine Bewegung amotr^Bberfia^t■ die deutsche Bettung ist nie bis tief in die unteren Klassen hinein so fituiert erschienen wie jetzt. Bei Tag und Nacht ent« elt sich ein Genußleben, als ob ein jeder im Gelde eilt. Sind denn die Berichte über den Hunger in tschlanh. gefälscht? Gewiß nicht, aber der Hunger ver- ' et unter dieser blendenden Umgebung. Die Reste »Wohlstand" Deutschlands werden in diesem letzten n Rausch verschwendet. Der Wohlstand Deutschlands? in, die Ausnutzung Deutschlands von dem Wohlstand des landes. Deutschland tanzt am Rande der Fallit- ärung.
Man muß sich selbst fragen, wie in aller Welt hat lischland nach dem Kriege sich so schnell erholen können, n neben dem übertriebenen Auswand der Vergnügungen jcht ein mächtiger Arbeitswille, eine Energieentwicklung, den Konkurrenten des Landes den Atem raubt. Man • eht Frankreichs Entrüstung über die glänzende Wieder- rt, die DeutschWvdz Gesellschostsleben widerspiegelt. Industrie zaube? .ne geniale Erfindungen hervor, uihieBe 2^-iiate. Handel und Seefahrt brechen sich bn. Ma« ersteht' dw verbitterten französischen Anspruch: Deuischlands Zahlungsvermögen, doch weder in Frank-
Das große Los.
Erzählung von Karl Weisflog.
(Nachdruck verbmen?,
»Äfb Er toll, Zwickauer?" sprach der Meister staunend, „was faselt Er ba?"
„Nun, hat nicht Marie," entgegnete Gottlieb, 'Hochzeit gehabt mit dein Weintraubenwirte?"
. .„"Ach!" dehnte der Meister, „ist es das? Nun l^brluh, das ist vorbei. Hat Er nicht auch Höchzett gehabt in Leipzig? War nicht das Schwein schon im «taue, als Er von fiter wevvinn? 91fipr fnmm Ex ^ur ste und ehe Er
„O komm, Gottlieb!" jubelte Marie, „komm!" und am Arme des Vaters und der Tochter fortgezogen, wankte er die Treppe hinauf und trat ins Prunkzimmer.
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. Da sass mit verklärtem Gesicht der Ggstwirt zur Weintraube, auf den Marie hastig und freundlich zu- wrang, ihm auf den Bauch klopfte und rief: „Schwap- ^^en, o trautes Schwappelchen, das ist ja der Gott-
Auch fassen da noch ein Paar andere Menschen, stand vor ihnen der Tisch mit Wein, Kuchen M Braten, aber Gottlieb sah das alles nicht, er W nur Marie und stand versteinert mit offenem Munde wie Loths Salzsäule.
,, , »Dass Er eben kein F ueber Zwickauer," nahm
in der Fremde, i« Wort, „und
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« alte Futter bei Meister Engelmann? Warum plagte ihn denn der Geier, dass Er ging? Was fuhr Am denn für eine Schrulle durch den Kopf?"
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her setz' Er sich ur aber mach' Er der ImÄJSÄ
ete Gottlieb. ,Mozu das Antworten nütze»? Lasst chte Engelmann, „aber vor« Er zu! Vor allen Dingen
unter dem Stiel
Mittwoch, dw 15. Juni 1931 m J UM» t iii— —I wi—■«■ I" ~ —^?"--"
retd- England und Deutschland scheint man die wsrkliche Lage zu ^verstehen, am wenigsten in Deutschland selbst. Deutschlands leitende Männer sind über die Forderungen der Entente tief verzweifelt, weisen jedoch auf die Arbeitskraft des deutschen Volkes hin. @r sehen die Finanzmisere wir eine Gewitterwolke über den Häuptern hängen, doch sie verlassen sich darauf, daß, sobald die Nation freie Hände be- tsmmt, sie ihr Arutzerstes tun wird, um den Schadenersatz zu bezahlen und Teutschstrnd eine Lauilraft^urLöru-robern, dir dem Ausland zugutr kommen kann. Sie haben ihr: Blicke nur auf die Zahlungsforderungen der Feinde gerichtet, sie leben nicht, daß die Gefahr wo anders liegt und unabweisbar wie eine Naturkatastrophe ist. Denn wenn Deutschland auch von Schadenersatz befreit wird, ja^ selbst wenn es eine Handreichung zur Wiederbelebung erhält so geht es seiner untergrabenen Valuta wegen undermewlich einer Katastrophe entgegen.
Deutschlands Geheimnis, das dir Verbitterung der Sreaerherren bervorruft und die Auffassung der Deutschen irreleitet, ist die ökonomische Verblutung, die seit Aufhebung der Blockade währt. Deutschland genießt den Ueberfluß, den es während fünf Jahren her entbehren mußte, in vollen Zügen. Je mehr Luxus über seine Grenze herernwalzt, je zügelloser schwelgt es darin. Und wer bezahlt es? Das Ausland tut es. 'Das geschieht auf eine Weise, die man sich nicht klar gemacht zu haben scheint. Im Auslande befinden sich Aiarkscheine und Markvaluta in einem Betrage von etwa siebzig Milliarden Mark. Man kann mit Bestimmtheit annehmen, daß Deutschland als Gegenbetrag ungefähr drei Milliarden Dollar erhalten hat. Wieviel davon übrig ist, ist schwer zu sagen, aber es ist zum größten Teil bei planlosem Aufkauf von Luxusartikeln, Lebensmitteln und Rohwaren verbraucht worden. Durch das Loch in der Westfront und einen unklugen Tauschhandel trägt die Entente bti Hauplveraniwortung sür dieses Unglück.
Aber kann der Markkurs nicht steigen? Wir begegnen bist dem zweiten Problem, über das man sich weder in Deutschland noch anderswo klar geworden ist. Wir erleben heute die größte ökonomische Krise der Weltgeschichte, nul Deutschland ist nicht davon getroffen worden. Und warum? Weil die Drei-Milliarden-Anleihe die Konsumtion und du Produktion in Deutschland auf eine Weise anregt, die grell geaen die Stagnation in anderen Ländern absticht. Niemand sieht es als denkbar an, daß die Mark ihre Gold. Parität wieder erreichen könne, es kann nur in Frage lonu nun, daß sie etwas steigt, oder daß sie sich auf einem niedriges Niveau stabilisiert. Wählt man das erste, so folgt baraui — selbst wenn man langsam und sorgfältig vorgeht — eil angespannter Kredit und ein Preisfall, der Deutschland n denselben Krisenzustand versetzen wird, wie die übrtgei Länder. Wählt man den stabilisierten Kurs, so ist bat gleichbedeutend mit einem Staatsbankerott. Es versteht ich von selbst, daß Deutschlands Naturschätze und Arbeitskraß sich deshalb nid)t verändern. Sie werden bestehen, aber b» Herrschaft darüber ist im Schwanken, und es wird mürbe stens eine Generation arbeiten müssen, um sie zugänglich zi 'machen.. In Dänemark bauerte es eine ober zwei Gene
ist Frau Muhme, verehelichte Schwappe! seit gestern, ^nst, Lüt^fer Susanne Engelmau» von Tiefenbach,
„Wa ^ wa — was?" stotterte der Zwickauer, „das ist die junge Frau? Meister, um Gottes willen, das ist also die Frau des gerrn (SafttoirtS seit gestern und nicht Marie?"
„Ach was, Marie!" entgegnete Engelmann. „Tu' auf die staarblinden Augen, du unglücklicher Zwickauer.' Marie war nur die Freiwerberin und hat nun richtig den Kuppelpelz. AIs Er zu mir arbeiten kam, Zwickauer, da war ja eben Marie zur ersten freundlichen Eröffnung in Tiefenbach."
„Ach und darum " jubelte Gottlieb und sprang um den Gaflwirt herum wie ein Wcklein, „oanun gebärdeten sich Euer godjebelgeboren so freundlich ge gen Marien. O fasse dich, Lerz! WürdiLster! Gott segne doch nun und immerdar Deroselben Weintraube, Dero eigene Person und liebe junge Frau! Ach, Verzeihung für die ungebührlichen Reflexionen und Redensarten über Sie und Deroselben Westengegend, die ja doch eine höchst tzrotzortionierre und recht liebens- würMge Rundung hat! Ach, ich bin ganz ausser mir ng! O, zur Hilfe, ihr nLr-
vor Reue und rifchen Possen,
en geraenT
„ --S^fEr doch toentünftig, Zivickauer," unterbrach thn der Meister, „und setz' Er um sich. Wer sitzt ja auch der jungen Frau Mutter, meines seligen Bru-
und rief: „D 3 so kannst du d wieder da ist."
noch frei! Marie, er arme Gottlieb
mich n
•ttlieb" flüsterte die Holde, „ich sollte
ist? du, mein Lebensretter!"
„Und wäre es wirklich kein Traum?" fuhr der Nochentzückte fort, „wärst du wirklich dem armen Gott liest gut gewesen, könntest du noch jetzt? — o Marie!"
„Mache das mit meinem Vater aus," unterbrach ihn leise die Jungfrau und sah, glühend wie bti
«nitige* t ki. Zeile oder beten Raum 1 Mk., Arklame- teilt 3 Mk. sämtl. ohn« besondere» Zuschla«. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Minderoeisttzr ein^L BtJu^ Keine Bewähr für Platz, Hlufmchmezrtl «td Belezliescrung. »ein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen. kosten, siahlkart« Frankfurt a. M Nummer litOl.
78. Jayrg.
rationell, eh« 1813 überwunden wurde. Und Mierdeffe? haben andere Länder den Vertritt in der Konkurrenz ge »onnen. Deutschland durchlebt angenbücklich eine Fieber irrst, und es ist nicht die Kriegseutschäd-igmrg, fonbern ds zerrLttete Valuta, die p» herbeigeführt hat. au
Das Ergebnis von Wiesbaden.
Fortsetzung der Derhandinngen beschloß e«.
Ueber die Monrag aLesd zu Ende gegossenen Berhanb- langen zwisch-u Minister Tr. Rach-«L» xnb dem ftm-söst. sche» Misister Louchenr wird be» »Petit Pariste«" «s Wiesbaden gemelbet, beide Minister hatte, rar! Schlich er, ka»LU daß es u»mö glich sei, durch BerhamdlSAg««, die nur wenige TrusLeu das-rte«, zu bestimmt«« Äsungen der verschieden <-u vorliegenden Problem- zu gelangen. Fakolgedesie» bähen die beides Minister beschloss-«, ihre Vertreter zu beauftragen, die begonnenen Verhandlungen fortzufetze«. Man habe einen Arbeitsplan, den Minister Louchenr vorgefMage» habe, angenommen, in dem zwei wesentliche Punkte die A«i» m-rkiamkcit verdienten: die bereits genannte Frage der Zahlungsbedingungen und die Frage des Preises der von Deutschland zu erwartenden Lieferungen. Ueber die gemeinsame Arbeit Frankreichs und Deutschlands sagt das Blatt: Es gäbe viele Hinderuisic, und solange die im März beschlossenen Sankrioue» noch notwendig seien, würde» die iranz»: kisch-dcutsche» Beziehungen prekär bleibe«. Nichtsdestoweniger hänge die nahe Zukunft der deutsch-sranzösische« Beziehungeu von dem Maße der fiuanziellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit der beiden Länder ab. Minister Rathenau wolle diese Zusammenarbeit nicht nur für den Biederanfba«; er habe auch davon gesprochen, die Tätigkeit Deutschlands mrd Frankreichs zu vereinigen zugunfte« des deutsche» Exportes. Gefühlsmätzig werde» Dentschland und Frankreich auf Generationen hinaus getrennt bleiben. Sie könnte» sich aber aus wirtschaftlichem Gebiete die Hand reichen, das habe Rachenau klar ins Auge gefaßt.
Me Rückkehr der Minister.
„Boss. Ats.- a«ö Wiesbaden hat g Wssesbaden verlassen. Lo«che«r
Nach einer Meldung oer
Rathe««« Montag nachmittag---------- ---------
erklärte in einem Telephongespräch, daß die Vorschläge Rathenans einen genauen Plan über den gesamte» Wiederaufbau der zerstörten Gebiete enthielten, ntrter voller Be. rütkfichtignng der französischen Gegenvorschläge, »nd daß die Borschläge Rathenans für die französische Regierung annehmbar seien. Rathenau und Louchenr trafen Montag abend mit dem Kölner Eilznge von Wiesbaden in Frankfurt ein und hielten sich mehrere Stunden zu Besprechungen »q der Stadt auf. Abends ist Loncheur nach Paris abgereiit. .
Ein Hilferuf König Konstantins.
Wie die Straßburger Blätter berichten, hat König Konstantin die englische Regierung ersucht, Truppenhilfe zu sen. den, da die griechische Armee die gegenwärtige Front um schr schwer zu halten vermag. Englische Generalsiabsossizier, an her griechischen Front befürworten eine schleunige Entsendung englischer Truppen nach Kleinasien, da die Türke, über eine gut disziplinierte Armee von 150 00 bis 200 003 Mann verfugen, die Anstalten zu einer neuen Offensiv» treffen.
Marie,"
treue, hoffnungslo
„Was ist da auSzumachen!" herrschte der Meister. „Sitzt Er denn nicht im Ehezwinger in Leipzig? Zwar haben wir," fuhr er lachend fort, „lange schon erfahren, daß das nur faule Fische sind, denn gleich wie Er fort war, schrieben wir nach Leipzig; aber hat Er'L uns nicht vorgefabelt zum Affront? Kann Er nicht unterdes wirklich einen anderen soliden HerzenS- fisch geangelt haben? — Er sieht mir ganz darnach aus."
seufzte der Geängstigte, „ich habe die _______ _____gslose Liebe für dich in meinem Herzen herumgetragen und bin zwar arm, aber —"
„Warum hoffnungslose Liebe, Zwickauer?'' unter« Brod) ibn EnaÄmann. „r 1 "^'
Kind dem gerrn anbieten und 'entgegentragen sollen, nicht wahr? um die Komödie von der verkehrten Welt recht ordentlich aufzuführen? gat Er denn selbst schon dem Vater von seinen hochtrabenden Ideen gesagt? Denn das sieht Er doch wohl ein, daß Meister Engel- mann nicht sein einziges Kind den: ersten besten Hafen- fu&e geben konnte, der nichts ist und nichts hat. Wer
.Freilich, der Vater hätte das ;en sollen,
war das freilich
Bätzen."
„Also wißt Fhr's schon?" rief Gotthicb.
„Was fönten wir nicht!" entgegnete der Meister. „Liegen doch fünfhundert Dukaten, die ich 2hm bei Seinem Abschiede als kleine Abfindung auf meine große Schuw zahlen wollte, und die Er fo^^nöde zurückgewiesen, noch unangebrodjen dort ftn Schräme rur Ihn aufgehoben. Und hier, Zwickauer, hier hät Er ste, nehm' Er! Es ist Sein teuer erworbenes Eigentum und kein Pfennig daran geschenkt. Nun ist Er ein Batzenmann und kann schon ein Wort wagen. MU fünfzehnhundert Talern hat man emen schö- ästet Engelmann wkre nuht ge* — "" aus dem Garne liesset "'! mit
scheidt, wenn er den Silberfisch aus dem Gamre lie „O mein edler Meister!" rief der Ucherraschte
Tränen, „ja, nun nehme ich Sein Geld, und trete ich mit der miwen Gäbe Seiner GroKnut hier im Angesichte dieser teuren Menschen von Lhn hin und frage ehrerbietig, ob der arme Zwickauer hoffe« darf ruf Seine väteZtztze Liebe."
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