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chlüchierner Stemme

Schlüchterner Kreisblatt - Schlüchterner Tageblatt

Verantwortlich für den gesamten Inhalt: H>K IAA Hohmeister, Schlächtern. Druck u. Verlag der Ja. E 144 Hohmeister in Schluchtern. Fernspr. Nr. 65. Telegr.

SchlüchternerZtg. Postscheckk: Frankfurt M. 9ir.ll402.

Bezugspreis: Vierteljährlich in Schluchtern M.11^

Donnerstag, 23 Juni 1921 gK&Sff^Ä 73. Jahrg

ohne besonderen Zuschlag. Bei Wiederholung Rabatt

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Zeitung für eilige Leser.

aw vrenkische Staatsministerium beschloss, einen Kredit ,on^M Millionen Mark für landwirtschaftliche Siedlnngs- Der^*DallfhUlGazett/and ©lobe* zufolge entschied die k-vikcke "Sieaicrnng nach Nntersnchung der Sachlage, dass derlei Veranlassung vorliege, in Berlin wegen des ge­planten Baues eines leichten dentschen Kreuzers Einspruch Nachrichten ans Rntzlanb besagen, dass der Banernanf- mbr im östlichen Rußland eine ernste Wendung genommen tat Die Sowjetregierung sah sich gezwungen, bedentende rwuvv-ntransporte dorthin abznsenden. General Vwietji» übernahm d°n Oberbefehl über sämtliche Truppen znr ; Unterdrückung des Aufruhrs.

«orfant9 Herr der Lage.

Eine EnkwaffnungskomöLie der Polen.

Die allgemeine Lage in Oherfchlesie« ist die, bau sich die I polnischen Jnfnrgenten immer mehr und mehr als Herren | des Landes fühlen. Korfanty beginnt jetzt bereits damit, t an Stelle der deutschen Ortsbezeichnungen polnische zu setzen. I So nennt er die Eintrachtshütte Stebn. Zum Schern unekn | die Insurgenten jetzt auch eine Entwaffnringskomödie. In Nikolai haben die Polen die Militärkommandantur der I stnsurgenten aufgehoben und befohlen, innerhalb 21 Stunden I Kassen und Munition abznliesern. Selbstverständlich denkt | daran ab-r niemand. Im Gegenteil nach wie vor wirb von ( den Insurgenten noch immer die Kriegsstener von den Deutschen unter Bedrohung mit den Massen crngetrieben. | Dieselbe Komödie gilt von der sogenannten volnr cheu Ruck- i zugslinie. Auch sie ist lediglich »craetänfM In Wirklich­keit werden die volnischen Truppen in Obvrfohlesien immer mehr verstärkt. Neste polnische Truppen aus Kongrest-Polen i sind im Anmar'-ss. Es ist zn vermuten, dass tue Polen e,n- feste Stellung einnehmen werden, hinter die sie voransstcht- ° lich auch gegenüber der Entente nicht znrückg-he« werden

Die Schäden in Obersdilefiett.

Die Schäden, die durch den polnischen Aufrudr entstanden ! sind, werden nach amtlichen Feilstellungen der oberschlesitchen Handelskammern aus 3 Milliarden Mark geschätzt, sre be­laufen sich täglich auf 20 bis 30 Millionen Mark.

Eine «kMssWsev-l-.! ^g^-^vi^r Si^Ä-

In der Nachr zum 19. wurden bei Tarnowitz von In­surgenten 2 sung^ Teutsche mit Denen ermordet und ent>ey- liik verstümmelt. Ihre Leichen wurden ins Kraukeuvaus zu Glerwitz gebracht, wv sich ine ^leiwiyfr NnleriuchuNgs- kvwmiffion von dem Tatbestände überzeugfe.

Der Oberste Rat.

Am 10. Juli soll nach Pariser Blättermeldungen ir Boulogne ober in einem äußeren an der Küste des Aermel ianals gelegenen Orte eine Zusammenkunft des Oberster Rates stattfinden. Sie wird sich in der Hauptsache mit bei griechischen Antwort zur türkischen Frage und mit der ober schkesischen Angelegenheit befassen.

Zur Linderung der Ast.

Nach einer Mitteilung der Blätter stellte die Reichsreoie rang zur Linderung der dringendsten Noi in DberfdÜestei 100 Millionen Mark zur Verfügung, die Bureb einen heson deren Staatskommissar an die bedürftigen Kreise der ii deutscher Hand befindlichen Gebiete Oberschlenens verteil werden sollen.

Lotung der Wiener W^etfetrife.

Ein ckristlich-sozial zrotzdsukfches Koalitionskabinckk.

In der gestrigen Nachmittagssitzung wurde das neue .Kabmett Schober von den Christlich-Sozialen und den Gross- deutschen mit 99 Stimmen gewählt. Die SozialdeMokraten stimmten dagegen. Der neue Bunde^lauzler, Pvlizcipräsi- dent a. D. Schober, übernimmt auch das Ministerium des Acussern. Die Großdeutsche« senden den ehemaligen Unter, staatsiekrcär für Inneres, Abg Di. Waber, in das Mini­sterium des Innern und die Christlich-Sozialen betrauen den bisherigen Heeresminister Bangoin weiterhin mit die­sem Amt. Die übrigen acht Ministerien sind durchweg mit Sektionschefs besetzt. Finanzminister bleibt Sektionschef Dr F. Grimm aus dem Kabinett Mayr: JustiMinister bleib! Sektionschef Dr. R. Palians aus dem Kabinett Mayr; Er' nnhrungsmintster bleibt Selionschef Dr. A. Grünberger^ Drferbaitminifter Sektivnsches Rennet; Unterrichtsmintstei

bleibt wie bisher Sektionschef Dr. W. Breisky; Ministe: für soziale Verwaltung wird Sektionschef Paur; Verkehrs- Sektionschef Rosler: Handelsmtnister Sektionsche,

minister Angerer.

Ein

Die Leipziger Kriege Prozesse.

neuer Termin gegen Seeoffiziere ist vom Reichs

gerieft! auf den 12. Juli angesetz* worden. Höchftwahrschei« Heft handelt es sich um den letzten Termin vor den Gerichts. fetten. An diesem Tage soll gegen den Oberleutnant zu: See Ludwig D i i ft m a r und den Oberleutnant zur Sei a, D. Boldt wegen Kriegsverbrechens verhandelt werden.

(Sommerferien des ÄMsiE.

Es besteht die Absicht, ^ie Tagung des Reichstages mög­lichst bald abzuschließen. Man hofft es zu ermöglichen, daß der Reichstag Anfang Juli feiner gegenwärtigen Tagungsi abschnitt beendigen kann, um in die Sommerferien zu gehe«.

Das Ende &9euMlanM.

Das frühere Handelsunterseeboot .Deutschland", beffe» berühmte Fahrt nach Amerika während des Krieges in bet gangen West Auffehen erregt hatte, ist nunmehr im Kanal, nahe der Reede von Cherbourg versenkt worden.

L §rs8Wr Sommer ifana,

Im Riesengebirge ist in der Nacht zum 21. Juni bei 2 Grad Kälte starker Schneefall eingetreten. Das Gebirge ifi bis auf 900 Meter herab vollständig verschneit.

Das Gesetz über die Gekreidebewirffchastung.

Der Reichsrat hielt am Dienstag abend unter dem Vorsitz des Ministers Gradnauer eine Sitzung ab. Gegen die Be. fchlüffe zu dem Gesetz über die Getreidebewirtschaftung er» hohen bte Vertreter von Bayern, Braunschweig und Sachsen Anspruch. In der Abstimmung wurde der ^Einspruch mit 46 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Das Gesetz kann also in Ml nässten Tage« « Kraft treten.

| AaMM von Bmundlen.

Nach einer in New Dorf aus San Franzisko Un gegangenen Drahtmelduna ist der norwegische Polarst be. Doalb Amundsen auf offener See von einem Schiff aufge. ninben worden (W-ttfreiHa ist beim norwegischen Stortst-n:

in Ehristtana ein Telegramm Amundsen? aus Rome h Alaska eingetroffen, das folgendermaßen lautet:

Ersuche das Storthing um einen Betrag von 300 00( Kronen zur neuen Ausrüstung der Expedition.

Amundsm.

Professor Fttthjos Nansen äußerte zu diesem Telegramm, er habe noch nicht darüber gehört, daß Amundsen nach Rünn zurückgekehrt fei. Aus dem Telegramm scheine jedoch bervor. zugehen, daß Amundsen wieder im Eise still liege, so das seiner Expedition nochmals ein Jahr verloren gehe.

Amundsens Pläne gingen dahin, sich mit seinem Schiff ähnlich wie Frithjof Nansen, das vor nunmehr 25 Jahre» getan hat, der Eistrift im arktischen Meere anzuvertrauen um mit dieser dem Nordpol entgegenzutreiben. Nachdem, bei Polarfahrer im Sommer 1918 von Seattle am Stillei Ozean aufgebrochen war, um durch bte Beringstraße bat Nördliche Eismeer zu erreichen, ereilte ihn im Sommer 1911 in der Nähe der Neusibirischen Inseln das Mißgeschick, vor Packeis festgehalten zu werden, sodaß sein Schiff bei bei Ayon-Jnsel an der nordsibirischen Küste überwintern mußte Von hier lehrte Nansen im Sommer 1920 nach Rome ix Alaska zurück, um seine Erpedifion neu auszurüsten und An. fang August vorigen Jahres von neuem nach dem EiSme« Kurs zu nehmen. Schon am 21. September 1920 war ii Seattle bie Meldung eingelaufen, der zufolge sein Schiß vom Eise eingeschlossen und so schwer bedrobt sei, daß er ei wahrscheinlich werde verlassen müssen. Es scheint nun in bei Tat, daß Amundsen fein Sckiff ober zumindest seine AuS- rüstuna eingebützt hat und feine Tristfahrt, bie auf sieben Jahre berechnet war, wieder bat auf geben müssen. Die näch­sten Tage dürften eingehender? Nachrichten von Amundsen bringen, der augenscheinlich bereits selbst in Rome einge- troffen ist.

Sie MenWMt in Hem.

83 Tote und 68 Verletzte.

Die Zahl der Opfer, welche die furchtbare Schlagwetter- katastrophe auf der Zeche Mont Cenis in Solingen erfor- bette; ist jetzt endgültig feftarstellt. Es »eben 79 Trie '.:n« 72 Verletzte Bergknappen zutage gefördert. Von den Schwer­verletzten, die in das Bergmannsheim zu Bochum ausge­nommen wurden, sind bisher vier gestorben, sodaß sich du Zahl der Toten auf 83 belauft. Das Unglück" entstand offenbar durch einen Sprengschuß in einem schlagwetter- reichen Kohlenflöz: denn unmittelbar nach dem LoSgehen des Schusses erfolgte eine Zweite -gewaltige Explosion, v» Tod und Schrecken in die Reihen der Bergleute trug. Di« Toten sind zum Teil entsetzlich verbrannt; andere wurde» durch die Gewalt der Explosion zerschmettert und furchtbar verstümmelt. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß ein Bergmaw-., der etwa eine Viertelstunde vom Explosiv«-« Herd entfernt eine Maschine bediente, gegen einen ^|»h»|k4 geschleudert «nb schwer verletzt wurde.

Das große Los.

Erzählung von Karl kSeiSflog,

, (Nachdruck verboten.)

gatte nicht neulich der Herr Konsistorialrat bei der Visitation absonderlich gelobt, daß in der Kar- freitagshassion der Hahn Petri bei der Verleugnung höchst erbaulich gekräht auf der Geige des kunsterfah' renen Meisters Böcklein, des Dorsschneiders? item, baß, als der Herr Kantor wie ein wackerer Held das Solo Saugen:weinet nicht, es hat überwunden der Löwe", Bader dazu auf das rührendste das Fagott geblasen? Hätte nicht Wolsgang ein Amt, das eine rühmliche Ausnahme in der Regel auch ohne die nicht magere Mitgift der Frau seinen Mann leidlich nährte? Was ging ihm also ab? Selbst kein leiser Nebenwunsch

rühmliche

blieb ihm unerfüllt. Denn prangte nicht eben aus seinem Fenster die Fuchsia coccinea, nach der er lange gesehnt und geschmachtet, und die ihm endlich der gräf­liche Gärtner zum Geburtstage verehrt? Und was um ihn da lag im Arme des sanften, unschuldigen Schla­fes, wie er, in der geräumigen Kammer, waren das nicht die lieben Engelein in seinem Erdenhimmel? Martha, die treue Gefährtin seines Lebens seit einem Vierteljahrhundert? Lieschen, die holde Rosenknospe? Georg, der rotbäckige Wildfang, der setzt, in seinem zwölften Jahre schon den Flügel schlug wie ein Da­vid und die Geige strich wie Spohr und Rode, nur etwas schlechter? August, der Zehnjährige, der von allen Bänken herab, aus allen leeren Tonnen pre­digte? Freilich, Frau Atari ha, Evas Tüchterlein, wie alle ihres Geschlechtes, konnte dann und wann die liebe Urmutter nicht verleugnen, und

Da- Maulchen samt dem Zünglein flink

Satz ihr am rechten Flecke,

Sie schinchfte wie ein Rohrsperling.

Kam man ihr mit Genecke, '

aber auch nur dann. Sonst war sie still, freundlich und gutwütig und keineswegs versunkenim Lustpfuhl dieser Erde", wie weiland Frau Schnips in dem Bür­gerscheu Gedichte. Daß sie, als des verstorbenen wohl­habenden Schulzen in Birkendorf einzige Tochter, dem

viel besser als dort. Das sauberste und reinste Lin­nen glänzte da wie Schnee. Bon den Dielen bet Wohnstube hätte man essen können, so blank waren sie. Kisten und Kasten und Schränke strotzten vom Segen des Vaters und von dem eigenen Fleiße und Sparsanr- teil, wenn auch barer Mammon in blanken Taler: sie eben nicht drückte. Einige Schuldscheine waren doch drinnen. Im Keller gor dem wackeren Kantor löst liches Bier. Im Hofe schnatterte und gackerte es vol Leben und grunzten jahraus jahrein Met Schweine und im Garten--nun da war vollends Eltzsiuni

Da wölbten sich Jasmin- und Geisblattlauben da rankten Bohken und Gurken, da blühten die Aurikel beete, die Levkojen von Dreißig und auf den Stelle, gen die Steifen in wunderbarer Pracht. Da röteten sie und schwollen in zuckersüßer Reife Georgs Pflegling, die Stachelbeeren. Da stand August's liebste Kanzc. die Baumleiter, und am Bache, der durch den Gar ten floß, nickten Lieschens Vergißmeinnicht und flat taten die schlanken blauen Libellen, fröhlich und letch: wie sie selber, im Soinmermorgen der Jugend.

Warum hätte also Vater Wolsgang nicht san schlafen sollen?

Daß dar« und wann einmal ein kleiner Mißtv in diese reinen Harmonien schnitt nun, das gehör, mit zur Würze dieses Lebens, das ohne die unvedeu tenden Dissonanzen ein schales, kaltes Lichtbild ohn. allen Schatten gewesen sein würde. Und bald verschmo! zen ja doch die Mißtöne wieder in befriedigende Auf lösung. Freilich, wie sich am Ende die Dissonanz lösen werde, daß Mutter Martha den immer und ewig klug und heimlich lächelnden Krämer Baldrian, den an maßende« Fant, der doch eine stimme hatte wie ein Rußhacker, und dem alle Musik eine Greuel, so gern sah und seine Absichten auf Lieschen begünstigte, da­gegen den Raupenjäger Meier nicht leiden konnte, den Vater Wolfgang wegen seines milden Tenors so lieb- gewonnen; das war ihm zurzeit noch ein Rätsel. Aber es stört« nicht im isLnoesten weder seinen eigenen ruhi­

gen Schlaf, noch den der Mutter. Kommt Seit kommt Rat, dachten beide und drängten das Schicksal des ge­liebten Kindes nicht mit unbesonnener Eile zur Ent­scheidung. War doch Lieschen auch erst siebzehn Jahre. Ob ihr selber die Sache so gleichgültig, wer wußte das? Wer, als sie wußte es, von wem sie träumte? Der lange Mensch mit den dicken Wangen, dem, vor­nehm lächelnd, alles, was nicht, wie er, in Berlin gewesen, oder von daher kam, oder mir und dir statt mich und dich sprach, nur Pomade, der den wackeren Georg nicht geigen und den armen August nichr predi­gen hören mochte, der s"' denn das sah man deuttt-, ,

tuen, mit dem Lieschen seine faden Späße ertotberte, und an dem schelmischen Lächeln, mit welchem sie den Unfug der Brüder ignorierte, wenn die ihm durchs Astloch des Gartenbretterzauns ihr höhnisches: Bal­drian! Baldrian! in allerlei seltsamen Modulationen aachheulten. Aber der freundliche Grünrock mit den dunkelen Locken und der Jagdtasche, in welcher weder

schien es freilich nich ^ich an dem schnippisch

t zu fein,

en Beneh-

Jagdtasche, in welcher weder oohl aber allerlei Gewürm

Schnepfen noch Hasen, woy. ---- -------

in Unzahl in Schachteln, und Kräuter und Blumen in Kapseln und Löschpapicr befindlich, der immer durch den Wald strich, wenn Lieschen da Beeren suchte, an dem die Brüder hingen wie Kletten, weil er bte schö­nen Bilder matte, ihnen die bunten, seltsamen Schmet­terlinge fing und tausend lustige Possen trieb, uns der schon manchmal bei den Kirchenmusiken des Vaters Rührung und Entzücken in die Herzen der andach- tigen Gemeinde und also auch in ihr eigenes Madchsn- Herz gesungen kurz, der Raupenjäger, wie ihn der Bater nannte, der mochte es eher sein. -as ha-ren Sachkenner an der fliegenden Glut ihrer Wangen mer­ken können, wenn er zum Vater kam, bte »tugflimme einzuprobieren, und bei den Worten des Textes, die von Gefühlen des Herzens sprachen, über das Notenolatt hinweg nach Lieschen schielte, bie getabe bann immer irgend etwas in der Stube zu schäuen haben muye.

(Fortsetzung f"ol^