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Schlüchtevuer Zeitung

| Schüchterner Kreisblatt Schlüchterner Tageblatt

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. Hohmetster, Schlächtern. Druck u. Verlag der Fa. L. f 140 Hohmetster in Schlächtern. Fernspr. Nr. 65. Telegr. Schlüchterner Ztg. Postscheck!.: Frankfurt M. 98 t.11402.

Samstag, 25. Juni 1921

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*" an,!;.««» bet Bosi. Zta." a«S London zufolae wird ^ekenber englischer Seite erklärt, daß die Berichte ^Ergebnis der Pariser Konferenz nicht den Tat« > ntsprechen. Es wird betont, datz in der oberschlesischen Älnt keine Einigung erzielt worden sei.

irauzSsische Gruppe der Interparlamentarische« batunter dem Vorsitz von Senator d Estouruelles d«

1-schlosien da Deutschland das Ultimatum auge- be nnd'inzwischen weitere Berhandlung«« statt» so bestehe grundsätzlich kein Hindernis mehr, die lamentarischen Beziehungen zu Deutschland wieder ehmen.

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rmLokalanzeiaer" wird aus Rosenberg gemeldet: Ast Schloß Chembowitz von polnischen Kompagnien gevlun wurde, kuhr Korfantv in seinem Automobil vorUb« ließ sich, so meldet das Blatt weiter, alS persönlich zwei schwere silberne Armleuchter in den Wagei

lnische Schandtaten in einem Internierten lager.

n Radozha« befindet sich ein Interniertenlager de f*en Insurgenten, in dem eine «roste Anzahl von int» and alten Männern einnesperrt ist. da sie als Heimattre, L. »aren. Die Berpflean«« ist äußer?! manaelhast

in MWM

te« aus dem oberschlesischen Industriegebiet 6t: d^ sich im Rücken der politischen Streitkräfte, welch« in der Mehrzahl aus kongrestpolnischen Soldaten be- immer mehr kommunistische Banden bilden. In der Woche sind mehr als 15 Millionen Mark für kommu- Propaganda ausqeqebe» worden. Es ist kein Wun« ich sich bei der Disziplinlosigkeit der Polen immer mehr e an Deutsche« ereignen. So wurden in Gleiwitz wie zwei innge Deutsche mit Aerten erschlagen.

t Nnalücklichen werden alle Stunde aus dem Raum: tz sie streng zusammengepfercht sind, herausgeholi «nd mi mikuütteln und Reitpeitschen so lange verprügelt, 6t1 sinmächtig zusammenbrechen. Dieses aronsame Versabre: alle Stunde wiederholt, sodatz einige der Unglückliche- halb zerschlagen und kaum mehr als eine lebend e sind.

Am volnischeu Sauptanartier falten sich. wie einwandsr« eilt werden konnte, zahlreiche französikche Offiziere ->>i »um Teil in Zivil «ehe«. nm nicht als solche erkannt r Das rASsichtslose Boraehen der polnischen ^ te« und das völlia akeichasiltiae Rerdalten der irrn chen Belaännastruppen wird durch falaenden Vorsatz r ln grell beleuchtet: Ei« kranzösik^^ 9Wfcn hestanatq von einem Sause auf einen velnUchen Posten aesch^Net und teilte diele seine anoebsiche Ve->k>-»<r>tnna etn«

Das große Los.

Erzählung von Bar! Wei-sto«.

171 , (Nachdruck verboten.)

Verachtet?" stammelte Wolfgang und stand auf vom Tische.Wer verachtet mich? Verhungert? Wann habe ich gehungert? Wann hast du gehungert bei mir? Abgetrieben und stumpf? Freilich bin ich nicht mehr der rüstige Gesell, w'e er um dich schwänzelte in Birkendorf. Freilich könnten wir ohne das, was du mir zugebracht, nicht so leben, wie n/r leben. Aber es ist schlecht, datz du mir das vorrückest!"

Ist es doch wahr!" eiferte Martha.

Mutter!" bat Wolfgang,widerrufe! Kauft mich nicht los von meinem ehrenwerten Amt! Bitte ab, daß du es so sündlich verachtet, daß du mir meine Armut und dein Eingebrachtes vorgeworfen zum ersten Male. Sage, daß du albern geredet"

Ich albernd unterbrach sie ihn noch aufgebrach­ter.Ich? Abbitten? - Ei, warum denn? Dein Amt ist das schlechteste und das verschtetste auf Erden, und was ich gesagt, bleibt doch wahr, und warum bist du so hartnäckig, und willst d'ch nicht aus deiner Niedrigke't erheben lassen zu Ansehen und Ehre?"

.Ich habe Ehre!" rief der Kantor heftig.Ich habe Ansehen! Das brauchst du mir nicht erst zu geben! Aber dich, dich blendet der Satan, und ich merke nun wohl, was die Glocke geschlagen!"

Magst du!" antwortete Martha kurz und räumte Teller, Tassen und Löffel klirrten.

') los. Ich baue doch dem Herrn

zusammen, daß Sei:

kaufe dich doch ,

Baldrian die Essigfabwk und nebenan ein Laus von drei Stocken, in das wir ziehen mit den jungen Leuten."

Mit den jungen Leuten? Essigfabrik? Baldrian? «chlechtes Amt?" murmelte Wolfgang im aufgeregten unmute vor sich hin, als er hinüber in seine Stube mng, und 8um ersten Male war er zerstreut und hörte me Lesefehler seiner Gymnasiasten nicht, die erstaunt oen sonst so strengen unb aufmerkfaniew Lehrer an* suchen Auch der Bakel ruhte zu wunderbarer Er- gUlckung der Schotendiebe von gestern, denn der sonst unerbittliche Richter war heute selber erschlagen und

vorübergehenden Insurgentenpatronille mit. Darauf draw die Patrouille in das Haus ein »nd d»r<*suchte es von ohe, bis unten. *n§ eine alte Iran von dem Lärur anfgeschreck auf den Balkon des Hanses trat »nd um Hilfe rief, leg» einer von den volnischeu Insurgenten sein Gewehr ans sie ai nud scholl sie nieder wie man einen Hn"d niedertchietzt De, französische Posten sah tatenlos ZN. ohne auch nur einet Finger zu rühreu

Polnische Bestien.

Gestern bormittact hatte ein deutscher Berichterstatter <8« leaenheit. die in bestialischer Weise verstümmelten Letchei von sechs Apobeamten und Selbstschutzleuten in Augenscheü zu nehmen. Datz sich die Leichen in einem furchtbaren Zu stande befanden, beweist die polnische SReftialHät., Di Leichen wurden vorgestern durch französische Vermittlun enideclt. Sie waren auf einem Friedhose in einer fesize trampelten Grube verborgen. Bemerkenswert dabei ist, da? der Friedbof wiederum von den polnischen Insurgenten be setzt ist. Die dort liegenden sehr starken Feldwachen sin mit Minenwerfern, Maschinengewehren und Handgranate, sehr stark bewaffnet. Zwei von den Verstümmelten wurde: gestern bereits rekognosziert und in heimatlicher Erde be stattet. Die übrigen Leichen stammen aus Oppeln. Si wurden photographiert und Abbildungen davon werden al untrügliches Beweismaterial der polnischen Grausamkeit not! der Berliner Zentrale gesandt.

Die bolschewistische Bewegung in Oberschlesien.

Welche gefährliche Dimensionen die bolschewistische Be, wegung in Oberschlesien bereits angenommen hat, und h welch lächerlich wirkender Weise die interalliierte Kvmmissioi ihren Verpflichtungen, Leben und Eigentum der deutsche, Bewohner zu schützen, nicht stark genug ist, nachzukommen beweist ein völlig unglaublicher Vorfall, der sich in der bet, gangenen Nacht in Oppeln zugetragen hat.

Nachts gegen 2 Uhr wurde das HotelKrug" in Oppelr von einem Haufen bolschewistischer Insurgenten unter bei Leitung eines französischen Soldaten in Stahlhelm mit auf. gepflanzten Seitengewehren überfallen. Sie überrumpelte« zunächst die Gäste des Hotels, die an den Tischen saßen uni Karten spielten. Der französische Soldat stand zunächst bot den, Eingang zum Hotel Posten und sah dem Treiben bei bolschewistischen Insurgentenbanden tatenlos zu. Dies» drangen in das Hotel ein mit dem Vorsatz, die Gäste aus- xuranben. Nur dem energische» Eiuspw'ch einiger Hotel. gSfte gelang es. das Leben und Eigentum der Bedrollke» wenigstens so lange zu schützen, bis die Abstimmunaspolizei tarn und die Banditen zurückdrängte. Unglaublich ist die erwiesene Tatsache, daß der in einiger Nähe befindliche Hauptsitz der Interalliierten Kommission trotz dringender Aufforderung der Hotelgäste, diesen keinerlei Hilst leistete, da es sich nur umBoches" handelte. Diese zu schützen, scheint für die Interalliierte Kommission nicht die geringste Veranlassung vorzuliegen. Nicht einmal anhören wollte »tat We deutsche Abordnung.

Belagerungszustand über Bromberg.

. ®$^ verlautet, ist nach den letzten blutige» Zusamme»- Hößen über Bromberg der Belagerungszustand verbündt worden. Militär mit Maschinengewehren bewacht die Zu- fänge der Hauptstraßen wie das Rathaus. ; zerknirscht. Sein ganzes Innere war ein brausende« Meer. Es kochte und bräunte ihm im gerben. So war ihm noch nie gewesen. Die Worte:beradjtet", Schulmeister",schlechter Dienst", »verhungert' und abgetrieben" schwirrten ihm w-e falsche Quinten und Nonen und übermäßig unaufgelöste Sexten, und wie er in die Schulstube gegangen mit trübem sannen, so kam er wieder heraus zum Mittagessen, das dies­mal stumm war, wie vorher nie, und des Abends, wo ihn statt der unbefangenen geiterteit der Sehnen finsteres, gedrücktes Schweigen empfing. Denn auch Mutter Martha schmollte, und die Kinder, scheu und ängstlich, wußten nicht, was sie denken sollten.

Warum schmollt sie noch obendrein?" murmelte der Kantor,was habe ich ihr getan? Ist das nicht gerade die Takttk der Tantippen? Batzen, Kratzen und noch groß R«ht haben?"

Warum ist er böse?" seufzte sie. ,Momit habe ich ihn beleidigt?"

Zum ersten Male goß der schöne Sommerabend vergebens für den ehrlichen Kantor sein mildes Ltzcht über seine Blumen. Zum ersten Male empfand er nichts von dem Dufie seiner Lil'en und Molen. Zum ersten Male war es ihm, als ob er allein sei auf Erden.Denn," dachte er,sie, sie verachtet dich armer Schulmeister! Sie könnte dich verlassen f« den Verlockungen be» Reichtums! Sie hat dich genommen o Fimmel! damals, als du ihr eben gut genug und ein rüstiger Springinsfeld wärest! Jetzt bist du ihr verhungert und abgetrieben. Jetzt wirst fe dir die Mitgift vor, ohne welche du ein miserabler Schluk- ker wärest, wie andere! Jetzt ist ihr dein hoher Beruf ein Greuel! Jetzt rückt sie heraus mit dem innersten Geheimnis ihrer Seele, daß dennoch Fochmut fe er­füllt und sie dem elenden Baldrian ihr K"nd und ihren Mammon opfern könnte, weil er ein prahlender Narr ist und sie wer weiß darum Madame Haber- korn nennt und ihr die Fand küßt. O Schicksal! O Weiber! geschieht das am grünen Folze, was will am dürren werden! Wenn eine Martha nach fünfund­zwanzig Jahren ehelichen Friedens endlich doch mit den Krallen aus den sanften Katzenpfötlein heraus- fährt, waS soll man von anderen hoffen? Ist nicht alle» Lug und Trug? Und bedarf e» nicht auch bei

Das Schicksal Danzigs.

Militärisch den Polen ausgeliefert.

Der Völkerbundsrat hat in G^ns Bechluß gefaßt über di« militärische Verteidigung der Stadt Danzig. Der Beschluß des Völkcrbnndrates hat zur Folge, daß Pole« die militä «iMie Hoheit über die Stadt Danzig erhält. Der Beschluß ist folgendermaßen begründet: Die polnische Regierung Mür geeignet, unter gewissen Umständen die Verteidigun, DanzigS zu Lande zu gewährleisten und für die Aufrecht erhaltung der Ordnung in Danzig zu sorgen. Der Ode» kommissar der Freistadt Danzig wird unter gewissen Um­ständen vom Völkerbundsrat Instruktiv««» ««nehmen nul

i ihm nach seinem Gntdünken Vorschläge über die zu treffen­den Maßnahmen unterbreiten. Der Oberkommisiar hat «bei die Zustimmung des Bölkerbundrates ohne weiteres alt legeben zu erachten und die poluische Regieruug direkt z« ersuchen, die Verteidigung von Da^ig zu übernehmen uni die nötigen Mittel zur Aufrechterhaltmrg der Ordnung aus dem Gebiete Danzigs zur Verfitguug zu stelle«, das heiß, mit ander« Worten, es können ohne weiteres «ud ohue aus- I drücklichen Befehl des Völterbuubrates polnisch« Truppe« Danzig besetzen.

Reue Kämpfe in Gielwitz.

Borstadtgefechte mit polnischen Banden.

i Die Schießereien in der Umgebung von Glefwitz Hielte« die beiden letzten Nächte über an. Besonders heftig wc das Feuer aus der Richtung S o s n i tz x und L a b e « d, wo ine Hütten nud das Stadtwaldviertel sowie der Stadtteil Peters» darf hart bedroht waren. Schon Samstag nachmittag war dieser Stadtteil unter Feuer genommen worden unb in der» ersten Sonntagmorge«stunden rückte« die polnischen Banden in den Stadtteil Petersdors ein, in dem es, zu einem leb» basten Fenergefccht kam, das leider nicht unblutig verlief. Beamte der Polizei und drei Franzose« sowie ein franzö» sischer Offizier traten den Eindringlinge« entgegen, urb eS tarn zu einem lebhaften Feuergefecht, das mit der völligen N»ederläge der Insurgenten endete. Bei diesem Gefecht wurde der Führer der Insurgeuten, ein Hallerofsizier. durch einen Bauchschuß getötet. Bei ben eingebrachte« Gesänge««, befindet sich auch eine uniformierte Frauensperson in voL- Itänbtger Ausrüstung. In der Nacht zum Montag drang«, gegen 10 Uhr die Insurgenten erneut in Petersdorf ein, mußten sich aber nach kurzen Schießcreie« wieder zurnck- Ziehe« In der R-nhtiftnwMittwoch vcrfmhtcn die Infargen-- ton erneut unter lebhafte« Schießereien in ben ^bnhoi Glenvit einzndringen. Sie wurden jedoch mit blurigeut Verlusten znrttckgewiescn.

Die Säuberungsaküo« der E«gjün-er.

Drei Viertel des Jnbaftriegehiets befreit.

Aus Oppeln wird gemeldet: Die Engländer haben mit bei Einnahme des Gebietes von Myslowitz % des Industrie» gebiete! besetzt. Die Insurgenten haben sich ganz auf daß ßanb und auf bie Strecken längs der polnischen Grenze zu­rückgezogen. Mit der Wiederaufnahme der Verbindung mir dem Industriegebiet, das seit fünf Wochen postalisch abgr- sperrt ist, ist für Anfang nächster Woche zu rechne».

der Besten nur bet Veranlassung, nur be» redeten Sie» delbogenstrsihe» vom Schicksal, um Ohr unb Herz zer­fleischende Mt-laute hervorzulocken?--Aber Wolf- gang! bist du nicht amh dennoch ein Tor, d'ch über ungewisse Wenn und Aber über des Kaisers Bart zu ängstigen und abzuärgern? Ist denn alles schon wirklich? gat sie denn schon das große LoS? Sinnend ging er herum und blies wirbelnde Tabakwolken M die tauende Abendluft. Hinein so sehr er sich aruh mühte, sich zu überreden, daß nur ein Phanwm ihn erschrecke, so sehr überzeugte er sich doch endlich, daß sein Unglück gewiß sei. Er glaubte, *n den innersten, tief verborgenen Grund des Herzens seines WeiveS geblickt zu haben. Mochte sie das große LoS gewin­nen oder nicht, er glaubte zu wissen, wessen sie fäh g. Jener Gewinn war problematisch und ungewiß, aber gewiß und deutlich, daß er ihr, seinem Liebsten auf Erden, nichts weiter sei als e« verachteter Schulmeister. Bitterkeit und stille Trauer über bie Entdeckung, daß sein ganzes eheliches Glück nur ein Traum gewesen, wie der in der vergangenen Nacht, zog in ds« Brust des armen Kantors. Ohne laute Klage, ohne Bov- würfe ging er herum, wie vor den Kopf geschlagen, und sah auch das holde Kleeblatt seiner Kinder, oaS in der schwülen Lust dieser drückenden Spannung in furchtsamer Schüchternheit weifte, mit düsteren Blicken an, als wollte er sagen: Auch ihr seid mir noch un­gewiß! Auch euch wird der Teufel anheigen zu fe*ner Seit, über lang oder kurz, und auch eure Dtssorum» gen werden mein Herz zerreißen. Doch schien es ihm Pflicht, noch das Letzte zu versuchen, die entsetzlichen Mißlaute aufzulösen in Harmonie. Melleicht es war ja doch noch möglich erkannte sie ihr Unrecht. Allein, was Vernunft und Gemüt ihm anrieten, ba» verdarb sein noch zu heißes Gefühl. Er war der sanfteren Stimme freundlicher Ueberredung noch nutzt mächtig. ,Weib!" sprach er, als sie des anderen Tages gerade allein waren, nicht eben mit schmeichelnder Stimme,ich will e:n übriges tun. ich will dich be­lehren."

Belehren?" entgegnete sie kurz.Behake dein übriges für dich! ich mag nicht belehrt sein!" und wandte ihm den Rücken.

CSortfeuung folgt.)