Sch-üchteener Leitung
Gchlüchtemer Kreisblatt — Schlüchterner Tageblatt
Nr. 149
Verantwortlich tür den gesamten Inhalt: H.-K. Hohmeister, Schl-ichtern. Druck u. Verlag bet ga. 6. Hoymeister in Schlächtern. FeMspr. Nr. 65. Telegr. LchlüchkernerZtg. Postscheck!: Frankfurt M. 9ic.ll402.
Zeitung für eilige Leser.
Wie die „Vossische Zeitung" meldet, vollzieht sich der Rückzug des deutschen Selbstschutzes in Overschlesie« ohne jede Störung. Es ist anzunehmen, daß zur vorgeschrieve«e« Zeit die erste Linie des Räumungsplanes von allen deutschen Kräften erreicht sein wird.
Mexiko steht »v einer neuen revolutionären Krisis. Die Regner des Präsidenten Obregon sollen eine halbe Million Dollars zu feiner Bekämpfung aufgebracht habe«.
Die griechischen Truppen, die Ada Bazar und Sabanda geschlagen w—'de«, mußten sich anf Iamid zurückziehen, das dann am 24. Rnxt von den Türke« eingenommen worden Irin soll.
Auf Ersuchen des Reichskommissars für die besetzte« Gebiete, die Immunität der Abgeordneten am besetzten Gebiet in respektieren, antwortete laut Achtuhr-Abendblatt die interalliierte Rheinlandkommission, daß keine Bestimmung des lfriedensvertrages oder des Rheinlandabkommens diese Immunität vorsehe.
Die Erfüllung des Ultimatums
Die Auflösung der bayerischen Einwohnerwehr.
Die Order für die Auflösung der bayerischen Einwohnerwehren ist gestern vormittag bei der bayerischen Regierung eingelaufen. Die bayerische Regierung wird daraufhin sogleich die notwendigen Ausführungsbestimmungen ergehen lassen, die vorläufig in der Hauptsache in der Uebergabe des Erlasses an die Registerrichter besteht. Diese werden die Auflösung der Einwohnerorganisationen bekannt geben. "Sie verlautet, wird daraufhin die Einwohnerwehr den Be- chluh fassen, sich selbst aufzulösen, womit sich weitere Mass- lahmen der Regierung erübrigen. Heute, Montag abend, vird die bayerische Regierung in einem öffentlichen Erlas; ien Einwohnerwehren ihren Dank für ihre Tätigkeit aus- prechen.
Bauernkundgebungen an Dr. v. Kahr.
m. Berlin, 28. Juni. (Aus uns. Berl. Bur.)
Anläßlich des großen niederbayerischen Bauerntages, der eine riesige Volksmenge vereinigte, wurde an den Ministerpräsidenten Dr. v. Kahr folgende Kundgebung gedrahtet: Tausende niederbayerischer Bauern, die heute in Passau versammelt sind, sprechen E. Exzellenz den herzlichsten Dank der Landwirtschaft aus, für die Kraft, Umsicht und Energie, mit der E. Exzellenz dem bayerischen Volke Ruhe und Ordnung gesichert haben, Sie versprechen mit aller Kraft insbesondere durch unverdrossene Arbeit ihren Teil beizutragen, um die Politik E. Exzellenz für unser liebes Bayernvolk recht fruchtbar und segensreich zu gestalten.
Der Schuß der Reichksags- und Landkagsabgeordneken.
m. Berlin, 28. Juni. (Aus uns. Berl. Bur.)
Der Reichskommissar für hie besetzten rheinischen Gebiete Hai unter Hinweis darauf, daß alliierte Militärgerichte verschiedentlich gegen Reichs- und Landtagsabgeordnete Straf- derfahren eingeleitet und Haftbefehle erlassen haben, die interalliierte Rheinlandkommission darauf aufmerksam gemacht, daß Artikel 37 der auch von den Alliierten anerkannten deutschen Reichsverfassung den Abgeordneten einen besonderen Schutz zusichert. Auf Grund dessen hat er das Verlangen gestellt, daß auch im besetzten Gebiet die Immunität der Reichs- und Landtagsabgeordneten durch die alliierten Behörden geachtet werde.
Darauf ist folgende Antwort dem Reichskommissar zuge- ftellt worden: Die Rheinlandkommission hat den Tett MreZ
.................... ii. ........ ii i.i———y Das große Los.
Erzählung von Karl Weisflog.
20] h (Nachdruck verboten.)
Ein Tränenstrom hatte, als sie allein war, ihr gepreßtes Herz erleichtert. — Stille Trauer blieb zurück. Sie litt die Qualen der Liebe. Ihre Wonne hatte sie mit klarem Bewußtsein noch nicht empfunden. Kuß und Handedruck und heimliches Kosen hatte er sich noch nie erlaubt, sie noch nicht daran gedacht. Jetzt ahnte sie, wie alles so ganz anders hätte sein mögen, und wie es ihr nun mit ihm verloren sei auf immer, und diese stille Trauer mischte sich mit dem wehmütigen Schmerze über das Unglück der teuren Eltern.
Diese entfernten sich mit jedem Tage mehr voneinander im finstern, argwöhnischen Grübeln und Mißtrauen. Die Mutter tant fast nicht aus der Kammer, wo sie einsam strickte und weinte, und dem Vater geschah, was er vorher nie geahnt, nie für möglich gehalten. Sein Amt, das ganze Leben wurde ihm lästig. Wie hätte er aber auch mit der kummerbeladenen Seele frei arbeiten nnd wirken können im geistigen Berufe? Das Wort: „Scheidung" dröhnte ihm noch im Innern, — erst schrecklich, dann immer milder, endlich wie ein wehmütiger, letzter Trost.
Mittwoch, 29. Juni 1921
Bezugspreis: Vierteljährlich in Schlächtern M 11,— durch die Post M. 12,-. “ ’ " -•
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M. 12,—. Anzci.qcypreis : Die Klein- wo
, die Reklamezeue M. 3,—, sämtlich • O. ^UIJTfl
ohne besonderen Zuschlag. Bei Wiederholung Rabaa
LchMvens' geprüft, in dem Sie künftig für die Mitglieder der verschiedenen deutschen Parlamente des Reiches, der Län- ver und der Provinzen gewisse Jmmunitätsvorrechte fordern. Sie ist der Ansicht, daß keine Bestimmung des Fiedensver- lrags oder des Rheinlandabkommens diese Immunität vor- daß im Gegenteil das Rheinlandabkommen in seinem Artikel 3 Vorschriften ganz allgemeiner Natur bezüglich der Buftiinbigteit der Militärgerichte in den besetzten Gebieten mthalten.
Aus dem besetzten Gebiet.
Wie die in Barmen erscheinende Zeitung „Bürgervor- wärts" berichtet, ist der Revierförster Weher aus Oberreichen- bera ausgewiesen worden, weil er sich unkorrekt gegen An- üchöriqe der Rheinlandkommission und die Besatzungsmächte benommen haben soll. Außerdem haben die Belgier aus dem Brückenkopf drei Leute ausgewiesen und zwar ist die Ans- meifung anf das ganze besetzte Gebiet ausgedehnt worden.
Ein deutscher General unter Mordanklage.
In den nächsten Tagen werden in Leipzig die ersten frans zön-chen Fälle der Kriegsveschuldigtenprozesse znr Verhandlung kommen. Als erste Fälle stehen am Mittwoch die Anklagen gegen den General Stenger nnd gegen den Major a, D. Crusins zur Verhandlung. General Stenger soll im August 1914 während der Schlacht bei Saarbnrg den Befehl erteilt habe«, keine Gefangenen zu machen, sondern die Franzosen, die in der Front eintrafen, zu töten. Major Crusius soll diesen Befehl weiter gegeben und auch selbst danach gehandelt haben. General Stenger bestreitet, einen solchen Befehl gegeben zu haben. Die Anklage wird wegen Mord erhoben, da es sich um eine bewußte, mit Ueber- legung auf--""Arte Tat handeln würde. Ferner ist Oberleutnant Laule ebenfalls von der Brigade des Generals Stenger angeklg»t. der i« Ausführung des Befehls des Generals Stetiger den französischen Kapitän Migana erschossen habe« soll. Oberleutnant Laule erklärt demgegenüber, den französischen Kapitän leicht verwundet angetroffen
und dan« anfgeforbert zn haben, die Massen abznlegen. Der Franzose hätte sich geweigert und Widerstand geleistet.
wären dann noch zwei Soldaten hinzngekommen, der von diesen bahe dann den Kapitän erschossen.
Rußland.
Es eine
Der „Morning Post" zufolge wurde in Rußland großes Komplott gegen die Sowjetregierung entdeckt, bezwecken sollte, eine neue Koalitionsregierung zwischen Lenin und den gemäßigten Kommunisten auf der einen Seist und der bürgerlichen sozialistisch-antibolschewistischen Gruppi auf der anderen Seite zustandezubringen. Zahlreiche Verhaftungen wurden borgenommiv.
. Dir „Morning Post" meldet aus Reval, die Sitzung des dritten Kongresses der tommuniftifchen Internationale Habs bewiesen, daß die Spaltung in der russischen kommunistische, Partei endgültig ser. Es sei zu heftigen Zusammenstößen Kwischen den Anhängern Lenins und den Extremisten ge- TOtumen. , Obgleich Lenin die kräftigste Unterstützung durcs bk Delegierten der deutschen Kommunisten erhalten habe^ Hottru die Extremisten, da ihr Kandidat Bucharin an Stell« der jiitüdfgetretenen Sinowjew zum Präsidenten der Jnter- siatttvalen ernannt wurde, gesiegt.
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oor einem ammwnycy-iapanncyen Kneg.
Der frühere Senator Hamilto« Sewie hat soeben i« einer Rede in Chicago den Krieg zwischen Japan und den bereinigten Staaten als Unvermeidlich hingestellt. Amerika verlange keine Gefälligkeit von anderen Völkern, es werde feine Pflicht tnn bis znm Aenhersten.
Stm U«terhauje fragte ein Abgeordneter, ob die britische Regierung die Regierung der Vereinigten Staaten durch eine diplomatische Note benachrichtigt habe, daß Großbritannien im Falle eines japanisch-amerikanischen Krieges keinesfalls Japan unterstützen werde. Chamberlein erwiderte, die Regierung der Vereinigten Staaten sei so vollkommen aus dem Lausende« bezüglich der tatsächlichen Verhältnisse, daß man es nicht für notwendig gehalten hab«, sie darüber dnrch eine amtliche Note z» unterrichten.
Kriegsetträrung Griechenlands an Sowjettußland.
In Paris verlautet, daß Griechenland an Sowjetrntzland ;ben Krieg erklärt hab«. Diese Mitteilung sei bereits durch Ra- Ibio nach Moskau bekannt gegeben worden. Die Ursache für eine solche Kriegserklärung bestehe darin, daß an der Front Won Smyrna russische Truppenabteilungen festgestellt wurden, ferner russische Mn«itionsfendungen und auch der Abschluß seiner militärischen Allianz zwischen der russischen Sowjet» Legierung und der Regierung von Angora bilde mit dem «Grund für diese Kriegserklärung.
Ein englische Einladung an de Valera.
Da mit Ausnahme des „Manchester Guardian" die Presse die neuliche Rede Birchenheads wohl irrtümlich als den endgültigen Verzicht der Verhandlungschance auffatzte, überraschte der gestrige Brief Lloyd Georges. Seine Einladung vermeidet alles Anstößige, insbeiondere >ede Bedingung für die Verhandlung. Sie setzt einzig voraus, daß de Valera, der als Vertreter Südirlands angesprochen wird, ein besonderes vertretungsberechtigtes Nordirland an- erkennt, was er bisher offiziell nicht tat. Andererseits macht Lloyd George entgegen seiner bisherigen Haltung grundsätzlich das Zugeständnis, jeden Sinnfeiner zur Beratung zuzu- lassen, während er bisher den gerichtlich Verurteilten ein Freigeleit nicht zusicherte.
Die Erhöhung der Fernsprechgebühren.
Im Ausschusse des Reichstages für die Erhöhung der Fernsprechgebühren wurde von feiten der Regierung über die Höhe der künftigen Gebühren mitgeteilt, daß beispiels- roeife ein Ggspräch von Berlin aus nach Hamburg und Bres- lau 6 Mk., von Berlin nach Köln oder nach Frankfurt a.
9 Mk., von Berlin nach Aachen oder nach Königsberg l0,o0 Mk. und ein solches nach Konstanz 12 Mk. kosten wurde. ^ur Pressegespräche werden noch weitere Verhandlungen zwischen der Telegraphenverwaltung und der Presse stattfinden, me Grundlage soll immer die sein, daß der allgemeine Verkehr durch den Pressevcrkeh: nicht beeinträchtigt wird: unter dieser Bedingung soll die Gebührenermäßigung für die Pressegespräche auch für die Zukunft beibehalten werden.
Die SoiOäuser.
Ueber die Lieferung der bekannten Holzhäuser für das französische Wiederaufbaugebiet erfährt heute das „B. ^. , daß die Besichtigung der bisher nur in Deutschland ausgestellten Probehäuser durch eine französische Kommission ergeben hat, daß eine Reihe von Abänderungsanträgen und Wünschen gestellt wurde, so daß sich eine neue Kalkulierung der Preise notwendig gemacht hat. Die Differenzen )ivnchcn dem neuen und dem alten Preise werden von einigen Blattern dahingehend ausgelegt, daß die Franzosen die deut'chen Preise als übertrieben und als ungerechtfertigt bezeichnet hätten. Zurzeit werden 76 solcher Holzhäuser in verschiedenen Bezirken des zerstörten Gebietes ausgestellt, nach deren Besichtigung man den Eingang der Bestellungen erwartet.
Der ehrliche Pastor sah tiefer. Mit herzlicher Teilnahme forschte er nach der Ursache des Unheils und erfuhr von Wolfgang, dem es nottat, sein Leid dem „Kantor!" sprach er. „Und
zu erö«
Zum ersten Male schüttelte über ihn der Pastor, hüt biederer, alter, vertrauter Freund, beim nächsten Besuche der Schule den Kopf. Zum ersten Male fehlte «ö bei der Kirchenmusik hier und da, und ein dumpfes, verdächtiges Munkeln lief im Dorfe über die auffallende Veränderung in des Kantors Zause um.
Der schlaue Krämer, der das Gras wachsen hörte, ! war der erste, der zu wissen glaubte, wo Barthel Most schenke. Mit pfiffig lächelnder Mten: lehnte er au der Ladentür und schaute hinüber nach der Schule. MM war die Sache klar. Kantors hatten in der Stadt vel bösen ^Schuldnern verloren, die Mutterpfennige wu reu ausgeflogen, nnd klüglich mußte der Rückzug lu sonnen werden, damit nicht das nackte, MjAltigeWhu' Eergänslein, vaS nicht einmal ^Äaxxe spiel kmmte, denke, a sei SrM gewesW.
jsnen, alles. „Kantor!" sprach er. „Und weiter ist es n chts? Und ein Phantom hetzt Euch? Ueber des Kaisers Bart macht Ihr Euch elend in, sündlichem Unfrieden? — Das soll anders werden, darauf verlaßt Euch!" Aber seine redliche Mühe hei ihm und bei ihr, die düsteren Wolken des Jrrsals zu verscheuchen, war und blieb vergebens, und immer tiefer versank die noch vor kurzem so glückliche Familie in Trauer und bitteren Gram. Georg geigte nicht mehr. August hielt nur Leichenpredigten. Lieschen ging mit verweinten Augen herum — sie litt ja zwiefach. Selbst Vater und Mutter hatten nun noch den letzten unglücklichen Trost verloren. Denn es war ihnen bedeutet worden, daS Landrecht sage:
Wegen wörtlicher Beleidigung, Drohungen und geringer Tätlichkeiten sollen Eheleute gemeinen Standes nicht geschieden werden.
Nun erst als er sich vom Gesetz und seinen Jnter- jreten unter die Leute gemeinen Standes geworfen ah, fing der gute Haberkorn an zu ahnen, daß die rdische Herrlichkeit seines Amtes wohl auch nur in einer Einbildung beruhe, und Martha demnach so gar unrecht nicht gehabt haben möge. „Alter Tor!" rief er sich zu, „was die ganze Welt sagt und denkt, was der Landesherr und seine hochweisen Perücken öffentlich aushängen lassen, zur Regel und Richtschnur, das nimmst du dem Weibe so übel?" Doch diese Betrachtung, weit entfernt, zur Versöhnung zu führen, machte die Last, die auf ihm lag, nur noch schwerer. Er fing an, sich selbst zu verachten, und eben, daß ihm Martha das alles gesagt, nachdem sie es fünfundzwanzig Jahre, aus Mitleid offenbar, verschwiegen, und daß auck
oll anders werden, bar
an
st schenke. M der Ladentür
! aus Mitleid offenbar, verschwiegen, und daß auck ' das große Los.ihn zwar zu einem vornehmen Herrn machen, nie aber ihm eine andere Ueberzeugun - geben könne, als daß Martha ihn dann nur um dc: Geldes und Standes, nicht aber um seiner selbst wil' , wie er bisher geglaubt, achten werde, das kränkte ->r am ueisten. Und nun die Unmöglichkeit, dieser Qual anders u entgehen, als durch den Tod, diese vollends betig hn zu Boden. Hätte er kühler sich und nn*
cHeuMaft über die wahren Gefühle seines Her..
geben können, so würde er gefunden haben, daß es ihm um seinetwillen mit der Ehetrennung nicht so Ernst gewesen. Aber sie — o Gott! sie konnte ja nicht mehr glücklich mit ihm sein. Hatte sie es nicht selber gesagt? Hatte sie nicht zuerst das Wort „Scheidung" ausgesprochen? Und für sie gab es nun keine andere Erlösung als jene — durch Freund Klapperbein.
Gerade dasselbe fühlte Martha für ihren Alten eben auch, ohne sich dessen klar bewußt zu sein, oder bewußt werden zu woUen, und es hätte nur eines seelen» kundigen Arztes bedurft, um die Krankheit der im schrecklichen Jrrsale Untergehenden radikaliter zu heilen. Ein solcher war freilich der ehrliche Pastor nicht. Daher schlich denn das Elend unaufgehalten seinen traurigen Weg. Beide Teile verwünschten die Ursache desselben, die heillose Lotterie. Er und sie seufzten in betrachtender Stille, wenn sie den Zettel anfahen, von dem sie größeres Glück als ihr bisheriges erwartet! O hätte ich dich nie gesehen, tückisches Papier, mit deinen verführenden Hoffnungen! Was hälf' es mir, wenn ich nun auch das große Los gewänne? Könnte ich dadurch die verlorene Ruhe des Herzens und Lebens wie- b'erfaufen? Ist sie nicht dahin auf ewig? Und durch, dich, verwünschter Zettel. Bist du nicht die Schlange, die zwei schwache Menschen aus dem Paradiese verlockt — in die Hölle? „O," jammerte er, „daß ick ein Narr war, über die Grenzen meines Standes hinaus zu langen und zu hoffen!" — „O," weinte sie, „daß ich, wie Eva, mitten im Segen nach der giftigen, täuschenden Frucht griff!"
Aber die Klagen und Verwünschungen beider führten zu keinem anderen Resultate als zu nur immer größerem Bewußtsein ihrer Schuld und der Unmöglichkeit einer freundlichen Zerteilung der schweren Wolken, die über ihrem Leben hingen. Nun erst war ihnen das Grab des kranken, alten Bettlers auf dem Dorfkirch- hofe, auf dessen schwarzem Kreuze die Worte standen: „Er starb an seinem Glücke!" ein wehmütiger Wallfahrtsort in den stillen Sommerabenden, nun erst der tausendkünstlerische Schneider Böcklein eine recht merkwürdige Person. Sie kannten ja die Geschichte beider, mb sie hätte ihnen zur Warnung dienen können.
(Fortsetzung folgtZ