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Gchlüchterner Kreisblatt - SchlÜchterner Tageblatt

Nr. 172

Verantwortlich für den gesamten Inhalt: H.-K. Hohmeister, Schlüchtern. Druck u. Verlag der Fa C. Hohmeister in Schlüchtern. Fernspr. Nr. 65. Telear. SchlÜchterner Ztg. Postscheck!.: Franlsurt M. Nr. 11403.

Dienstag, 26. Juli 1921

Bezugspreis: Vierteljährlich in Schlüchtern M.11 durch die Post M.12,. Anzeigenpreis: Die Klei'n- zeile M. 1,, die Reklamezeile 3,, sämtlich ohne besonderen Zuschlag. Bei Wiederholung Rabatt.

73. Jahrg.

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Voraussicht! Witterung. Du 27. 7. (Mittwoch): Abwechselnd heiter und molkig mit kühler Nacht und mäßig «arm. Tagestempamtur und Regenschauer, windig.

* Die Deutsche Turnerschaft umfaßt nach der neuesten Bestardserhebung vom 1. Januar 1921 einen Mitglieder­bestand von 1 543 951 Turnern.

* Schlüchtern. Die städt. Badeanstalt ist bald ohae Wasser, wenn nicht sofort Abhilfe geschaffen wird. Neben dem Bassin hat sich die Wasserkraft einen Ausweg geschaffen, sodaß der Spiegel um 10 bis 15 cm täglich fällt. Wenig Wasser fließt zu, ungeheure Mengen fließen ab. Die Badeanstalt, die fett Jahren keinen so großen Besuch wie wie in diesem Sommeo aufzuweisen Hai, gleicht bald einem auSgetrockieten Froschteich. Dos Publikum beklagt diesen Zustand sehr. Sollte es einem tüchtigen Fachmanne nicht möglich sein, das Loch zu stopfen, ohne den Weiher trocken legen zu müssen?

* Jvffa. Begünstigt von herrlichem Weiter, wurde am letzten Sonntag in dem benachbarten Osersinn das Scieger- denkmal enthüllt. Von allen Teilen Unterfrankens und aus dem Kreis Schlüchtern waren zahlreiche Krieger- und Ge­sangvereine mit iheen Fahnen erschienen. Unter den Kiän gen eines Trauermarsches nahmen die Vereine Aufstellung. Nach der Ansprache des Herrn SteinbruchbesitzerS Josef Weißmautel fiel die Hülle, während dessen eine Abteilung der Würzburger Reichswehr präsentierte. Der Orlspfarrer weihte das Denkmal ein, nach ihm hielt ein Divisionspfarrer der bayrischen Division die Feftred«. Eine dreimalige Salve der Reichswehr beschloß die würdige Frier. Das D<nk> mal stellt einen sterbenden Krieger im Stahlhelm dar, dem ein Engel die Siegespalme reicht.

* Fulda. Die Kosten des neuen UeberlandwerkeS haben Erhebung von J/s Million neuer Kreissteuern in Form von Zuschlägen zu allen R-alsteuer» nötig gemacht.

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N - richt deS LandeSamtes für Arbeitsnachweis in Frankfurt a. M. über die Lage des Arbeitsmarktes in Hessen, Hessen Nassau und Waldcck im Monat Juni 1921.

Die Erfüllung der Rcparationsverpflrchtungen während deS Monats Juni machte eine umfangreiche Beschaffung ausländischer Devisen der Reichsbank erforderlich. Durch diese Zahlungen in fremder Währung an die Entente wurde naturgemäß das Angebot der deutschen Mark au dem internationalen Geldmärkte vergrößert, eine langsame aber stetige Verschlechterung drs Markkurses war die zwangs­läufige Folge dieser finanziellen Maßnahmen. Auf die Gestaltung unseres gesamten Preis- und Lohnnivaus wird auf die Dauer diese Entwicklung nicht ohne nachteiligen Einfluß bleiben; zunächst jedoch genügte die Senkung der Mark, um der Industrie und dem Handel neue Aufträge seitens des Auslandes zuzuführen. Diese, wenn auch auf wenig stabiler Grundlage beruhende Auflockerung des Wirt­schaftslebens machte sich unmmittelbar auf dem Arbeitsmarkiß geltend. Namentlich in den unbesetzten Teilen von Hessen und Hessen-Nassau gingen die Erwerslosenz ffern im Laufe deS Juni bemerkenswert zurück, während tm besetzten Gebiet zahlreiche Erwerbszweige infolge der innerdeutschen Zoll­schranke noch immer schwere Schädigungen erleiden. Für das gesamte Gebiet des LandesamteS stellt fich das Verhältnis von Arbeitsangebot und Nachfrage in Relattvzahlen aus- gedrückt folgendermaßen dar. Auf insgesamt 100 Arbeit­suchende entfielen 97 offene Stellen und 76 besetzte Stellen (gegen 93 und 74 im Vormonat); nach den Geschlechtern gegliedert kamen auf hundert stellensuchende Männer 88 offene Arbeitsplätze und 79 Besetzungen (gegen 80 und 74 im Monat Mai), die entsprechenden Zahlen bei den Frauen waren 111 offene Stellen und 73 Vermittlungen (gegen 114 und 74 im Vormonat). Entscheidend für die Besserung ß-r gesamten Lage des Arbeitsmarktes ist die intensivere VerMittlungstäligkeit bet den männlichen Arbeitsuchende». Eine gewisse Bedeutung für die umfassendere Beherrschung des örtlichen Arbeitsmarktes seitens der öffentlichen Arbeits- Aachweise kommt bereits auch der am 15. Juni für die Stadtbezirk« Frankfurt a. M., Caffel und Hanau a. M. in Kraft getretenen Polizei-Verordnung zu, nach der vom Arbeitgeber binnen 48 Stunden alle offenen Arbeitsplätze und sämtliche Stellenbesetzungen sowie Kündigungen dem zuständigen öffentlichen Arbeitsnachweis anzumelden sind.

Inwieweit in den einzelnen Berufen sich im Tätigkeits­bereich des LandeSamtes die Lage des Arbettsmark:es gestaltet«, darüber gibt die nachstehende statistische Uebersicht Aufschluß.

Sehr lebhaft war angesichts der Heuernte der Bedarf von Arbeitskräften in der Landwirtschaft; wenn in Limburg und tu der Rhöngegend vielfach nicht alle verfügbaren Arbeitsplätze durch einheimische Arbeiter besetzt werden konnten, so ist dies in den weitaus meisten Fällen auf die von den Landwirten gebotene» geringen Lohn« zurückzuführen. Ein geringes Ueberangebot von Arbeitsuchenden bestand im Gärtnergewerbe; an weiblichen Arbeitskräften, namentlich Feldmädchen, ist vielerorts ein Mangel vorhanden. Dte Aufnahmefähigkeit im Bergbau hielt sich in engen Grenzen, vameutltch die Braunkohlengruben im Obenvesinwaid haben

Berufsgruppe:

Männliche:

Weibliche:

* Arbeit­suchende

Offene Stellen

Besetzte Stellen

* Arbeit­suchend«

* Offene Süllen

Besetzt«

Stellen

Landwirtschaft

1180

1111

918

81

155

77

Bergbau

59

27

29

-

Steine und Erden

169

180

181

4

Mrtallglwerbe

1549

1023

952

89

67

68

Chem. Industrie

66

21

19

62

66 x

63

Spinnstoffgewerbe

14

9

8

79

65

65

Papierindustrie

28

23

21

69

62

58

Led-rindustiie

201

317

252

186

170

145

Hgizzrwerbe

506

597

521

2

2

2

Nahrungsmittelgewerbe

396

252

238

57

93

92

Bckleidungs- und ReinigungSgewerbe

698

662

491

528

532

409

Baugewerbe

950

1107

880

VervielfältiMNgSgkwerbe

136

101

97

56

55

50

Künfil. Betriebe

8

4

2

Ma chinen-, Heizer-, und Fabrikarbeiter

1472

734

727

1360

1032

1005

Handelsgewerbe

647

601

416

389

504

290

Gast- und Schankwirtschaft

2829

3043

2800

1504

1935

1153

Sonstige Lohnarbeiten

4862

3834

3721

6892

4906

4818

Freie Berufe

786

790

786

80

107

75

Lehrlinge aller Berufsarten

160

290

125

212

194

159

Zusammen männlich

16716

14726

13184

11596

12949

8523

weiblich

11596

12949

8523

Insgesamt männlich und weiblich

28312

27675

21707

*) Ohne Arbeitsgesuche und offene Stellen aus dem Vormonat.

derartig große Lagerbestände, daß sie vrreinzelt zu Entlassungen schreiten mußten. Betriebseinstellnngru fanden in den Mangan- Erzgruden der Lahngegend statt. Durch die zentralisierte Lage und deS mehr ländlichen Charakters der tm Gebiete des Landesamtes bestehenden bergbaulichen Unternehmen wurde die Bewegung des Arbeitsmarktes in diesem Berufs- zwrige vom öffentlichen Arbeitsnachweis bisher noch nicht in vollem Umfange erfaßt und konnte daher auch nicht in den mitgeteilten Zahlen vollständig zum Ausdruck gebracht werden. Recht befriedigend ist der Geschäftsgang in der Industrie der Steine und Erden, namentlich die Steinbrüche tm Westerwald und die Ziegeleibetriebe im Kreise Gelnhausen sowie in der Ptzvisr Starkenburg und in der Gießener Gegend arbeiten mit vollen Belegschaften. Wenig aufnahme­fähig dagegen war die Steinindustrie des Odenwaldes; durch Betriebsstörung in einer Darmstädter koramischen Werkstätte mußten er. 20 Leute für einige Wochen aussetzen. In der Metallindustrie hat sich tu den Städten des besetzten Gebietes infolge der bestehenden Sanktionen uoch immer keine Besserung gezeigt; weitere Betriehseiuschräu- kungen stehen in Mainz bevor; Ja Frankfurt a. M. zeigt das Metallzewerbe dagegen eine Zunahme der Arbetts- gklegenheiten, namentlich in der Geldmetallbranche sowie für Maschinenschlosser und Mechaniker waren die Vermittlungs- ^lichkeiten zufriedenstellend, auch in Darmstadt und Kassel ist die Zahl der Erwerbslosen in bissen Berufen zurück­gegangen. In Hanau a. M. jedoch befindet sich die Edel- metrüindustris noch immer in einer Wirtschaftskrise, die sich durch verkürzte Arbeitszeit in fast allen Betrieben sowie durch Stillegung einzelner Firmen kennzeichnet. Die chemische Industrie in Höchst a. M, Biebrich und Darm­stadt hat nur wenig Arbeitskräfte angefordert. Günstiger ist die Lage in den Gummtsabriken des Bezirkes; eine zweite Schicht wurde in einem Offenbacher Betriebe eingelegt, 80 Arbeiter konnten dadurch neu untergebracht werden. Während in Hersfeld die Textilbranche noch immer mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen hatte, war «ameutlich für Arbeiterinnen in Kassel die Vermittlungstätigkeit in die Spinnereien und Webereien sehr rege; auch die Betriebe in Langen i. H. arbeiten mit voller Belegschaft. Aus der Papierindustrie wird von einer zufriedenstellenden Tätigkeit in Bensheim und Oberursel berichtet; die Kartoanageufabrik in Gelnhausen dagegen arbeitete noch verkürzt. Einen erfreulichen Aufschwung hat die Lederindustrie genommen, namentlich in Offenbach wurden während des Monats laufend neue Arbeitskräfte eingestellt; auch die Feinlederfabri- kation in Bad Homburg v. d. H. hatte genügend zu tun. In der Holzludustrir verfügten die Möbelfabriken über ein-n zufriedenstellenden Auftragsbestand. Auch im Nah- rungs- und Genußmittelgewerbe machen sich die Anzeichen einer Entspannung der so lange Zeit überaus ernsten Arbeits- Marktlage bemerkbar- In Caffel konnte eine größere Anzahl von Arbeiterinnen in den NahrungSmittelfabriken unier- gebracht worden; die Homburger Teigwareubetriebe nehmen durch neue Mehlzuweisungeu nach mehrmonatlichem Stillstand die P-oduktion wieder auf; verschiedentlich ist aber ein weiterer, wenn auch unbedeutender Rückgang bet den Bäckern und Metzgern zu verzeichnen. Eine empfindliche Schädigung erfuhr der Wctnhandel tm besetzten Gebiet durch die Er­höhung des Zolles auf Flaschenweine seitens der Entente, da fast 80°/, aller Rheingon- und Rheiuheffijchen-Wetue in das rechtsrheinische Deutschland abgesetzt werden. In der

Bekleidungsindustrie wurden hauptsächlich weibliche Arbeits­kräfte, Modistinnen und Näherinnen, gesucht; auch die KdnfsktionSschneider hatten noch genügend Beschäftigung, während die Damenschneiderei nachgelassen hat. Das Baugewerbe war bis auf Darmstadt und Bad Homburg v. d. H. überall recht gut beschäftigt, Cementarbeiter in größerer Zahl wurden in Caffel benötigt; auch im besetzte» Gebiet weist das Baugewerbe und die verwandten Berufe die günstigsten Arbsitsverhältuiffe vor allen übrigen Erwerbs­zweigen auf. Im Graphischen Gewerbe war auch im Berichtsmonat für Buchdrucker genügend Arbeitsgelegenheiten vorhanden. Die Unterbringung von Schriftsetzern machte größere Schwierigkeiten; insbesondere erhöhte sich die Zahl der stellenlosen Berufsangehörtgen dieses Gewerbes in Frank­furt und Offenbach a. M. durch Erledigung eines größeren Staatsaufirages. Bei den Fabrikarbeitern war die Bermittlungstätigkeit auf dem weiblichen Arbeit-markt« weit günstiger als bet den Männern. Eine Besserung wird in diesem Berufe erst zusammen mit einer Wiederbelebung der Tatigeit im Metallgewerbe eintreten. Im Handelsgewerbe wurde die Zahl der Stellenlosen durch die Auflösung verschiedener kriegswirtschaftlicher Einrichtungen erhöht; auch legen sich die Firmen in Bezug auf Nrueinstelluage» eine gewisse Zurückhaltung auf. Fürweibl. Büroangestellte, namentlich Stenotypistinnen überstieg die Nachfrage die Angebote. Sehr befriedigend war die Entwicklung im Gastwirtsgewerbe, Wiesbaden, Bad Nauheim und Bad Homburg v. d. H. meldeten zum ersten Male wieder eine angehende Friedensaiso», die zusammen mit der günstigen Witterung zahlreiche» BerufSaugehörigen Arbeit verschafften; insbesondere wurden in den größeren Stätten in großem Umfange Aushilfsvermittlungen getätigt. Die ungelernten Berufe belasten tu den größeren Städten durch eine große Anzahl von Stellenlosen und besonders durch die lange Dauer der Erwerbslosigkeit noch empfindlich den Ärbetlsmarkt; vereinzelt wie beispielweise in Frankfurt a. M. konnte tm Laufe des Monats ein kleiner Rückgang verzeichnet werden. Die im Tranzportgewerbe tätigen Per­sonen leiden besonders unter der darntederliegrndeu Schiffahrt infolge des geringen Wafferstandes und der wirtschaftlichen Hemmungen durch die Sanktionen. Eine drohend« Arbeits­losigkeit unter den Rhein- und Mainschiffern auf Grund der an die Entente abzugebenden Fahrzeuge wurde vermieden durch rechtzeitiges Verhandeln seitens der Interessenten- Verbände mit der Entente; die bisherigen Schiffsbesatzungen bleiben in ihren alten Arbeitsstellen uns werden von der n.u gegründeten Aklien-Gesellschaft, die mit der Verwaltung und Nutzung der abgegebenen Fahrzeuge beauftragt ist, in deutscher Währung entlohnt, die Arbeitsbedingungen richten sich nach den bestehenden Tarifbeträgen. Ju den weibl. Berufen der Hauswirtschaft konnte der noch immer erheblichen Nachfrage nicht entsprochen werden. Die BerufSämter tm Bezirk des Laudesamtes wurden trotz der für Lehrstellenbe» setzung stillen Jahreszeit im Berichtsmonat verhältnismäffig reg« in Anspruch genommen. Für einen großen Teil der gemeldeten männlichen Lehrstellen kommt eine Besetzung erst Herbst bezw. Ostern 1922 in Frage. Für Mädchen standen in Kassel in größerer Zahl Lehrstelle» für Blumeubinder- innen, Strickerinnen und Zeichuertsneu zur Verfügung. Zt einer Lehrvermittlung in diese Stellen kam es jedoch in der wenigsten Fällen, da eine nur schwer zu übrrwtudende Ab Neigung zur Erlernung dieser Berufe zu verzeichn«» war