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Schlüchteener Aettung

Schtüchtermer Kreisvlatt

Ski. 230

Verantwortlich für den gesamten Inhalt: H..K Hohmeister, Tchlüchrern. Druck u. Verlag der Fa L. Hohmeister in Schlüchtern. Jernspr. Nr. 65. Telegr. Schlüchterner Ztg. Postscheckk.: Frankfurt M. Nr. 11402.

SaMstag, 1. Oktober 1921

BezugSpreiS: Vierteljährlich Mk. 10,. Anzeiaeu- preiS: Die Kleinzeile M. 1,50. die Reklamezeile 4,60 Mark, sämtlich ohne besonderen Zuschlag. Bei Wiederholung Rabatt Erscheint « mal wöchentlich

73 Jahrg.

Aus der Heimat.

VoraitSfichtl. Witternug Am 2. 10. (Sonntag): Skttwetse wolkig, vielfach heiter, meist trocken, vielsah Nacht­frost und R,if, Tag mild.

Am 3. 10. (Montag): Im W., S. n. SW. keine Am- Urvng, im übrigen Gebiet wechselnd bewölkt, tagsüber mild, kein oder wenig Regen.

* (Der Traum vom Lebensglück.) Wohl kaum zu einer Zeit waren die Mütter stolzer auf ihre Töchter als heute. Die wirklichen Prinzessinnen find verjchwuuden, aber die jungen Mädchen von 18 bis 20, fie können auch noch etwas älter sein, schauen aus w'e eine Prinzessin, so f.sch und flott, und sie find hübscher und molliger als die langen und steifen Dollarprinztssinnen. Alle, oder doch fast alle, wenn sie auch nur zerknitterte Markscheine in der Tasche haben und keine Gold-Dollars. Alle glauben sie an einen grollt Gewinn in der Lebens- und Lübeslotterte. Und sie wissen es all«, daß die Männer sich von den Frauen, die wissen, wie es in der Weit zugeht, um den F »ger wickeln lassen. So denken die Mädchen, und die Mütter meinen, daß ihre Töchter auspassen müssen, daß das große Glück nicht au ihnen vordetläus». Denn all-s ist anders als damals, als die Mütter jung waren. Wenn es damals ein buntes Band am Kleid gab, gibt es Hule eine seidene Robe. Das Glück rauscht durch die Welt, die Finger brauchen nicht rauh und rissig zu werden von der Arbeit, der Traun von Lebens­glück wt-d Wahrheit. Er b üht wie eine prächtige Blume aus dem Süden. Keiner denk- daran, daß so etwas kommen kann, rote Nachtfrost in der Natur, die Ehre kann welke», der Körper kann kiäukeln, Geld kann gehen, wie «s ge­kommen ist. Wenn die Augen müde, die Wangen fahl werden, dann gibt «S manchen Seufzer. Wenn die Hände an d e Arbeit g-wöhnt wär»! Dann hätten sie die Kcaf, den Traum vom L-brusglück in Wirklichkeit zu ve wandeln.

* (Wir sind im Herb t.) Es ist begreiflich, daß eine leise W hmut den Menschen überkommt, wenn die Blätter im Herbst raschelnd zu Boden sinken in» das Vergehen sich uns hardg'kflch präsentert. Das erste weiße Hrar ist vielleicht noch eindrvcksvoller, als die herbstlichen Laudwehen, aber ist aus dem ersten weißen Haar eine ganze Aozrhl geworden, dann mahnt auch der Herbst gebieterrsch an des Alters Schwäche. Und dabei lehr doch bei den heutige« harten Zeiten in so vielen Menschen das Bewußtsein, die Notwendigkeit noch manche schwere Aufgabe zu erfüllen, zu deren Br zwiuguug etgevtl ch die Kraft der Jugend gehöre. Da will been wohl manchmal ein stilles Verzagen kommen, aber das ist »ichl angebrach». Ein bekanntes Wort sagt, niemand ist älter, als er sich fahit, ein Cp uch, der schon durch maache Tatsache bewiesen ist. Ein unerfahrener und rüstiger Sech­ziger kann unt.r Umständen sein Leben besser meistern, als «in junger Fant, der früh Sch ffdruch erleidet. Jung zu bleiben, das ist unmöglich, aber der Wille zur Jugend kaun auch in einem Kopfe unter grauem Haar wachble>ben. Daran wollen wir denken, wenn aus dem H-ibst in der Natur auch ein Herbst des Lebens wird, in dem so vielen beschteden war, große Taten ihres Daseins zu leisten. Nicht jeder ist ja be­rufen, voran zu flehm, unter seinen Arbcttskollegen und Geistesverwandten, aber auch ein schlichter Mann geht auf jeder Straße seinen festen Weg, bis er abberufen wirb. Die Blätter fallen über Nacht, auch ein Menschenleben erlischt über Nacht. Aber es verschwindet nicht wie das Laub, seine Werke folgen ihm noch!

* Schlüchlee». (U.-T. Lichtspiele.) Mit dem balligen StückDer Kindesraub im Zirkus Buffalo" hat die Direk­tion einen besonders sehenswerten Film erworben. Heute und morgen läuft er zum letzten Male. Wie bereits be- kannntgemacht wurde, besinnen die Vorstellungen wegen der Lichtsperre schon um/a8 Uhr.

Schlüchtern. Von den Schülern des hiesige» Lehrer­seminars wurden für die Opfer von Oppau 9665,10 Mk. gesammelt und der zuständigen Hilfsstelle in LudwigShafen überwiesen. An der Sammlung dab.» sich beteiligt:

Schlüchtern mit 4397,50 Mk. St-tnau H3U.00 Ramholz 1268,00 Etm 763 80

Vvllmerz 64ü,00 Sanuerz 10,00 Herolz 377,00

Altengrouau 651,00 _ (Birstein) 428,00

Den Spendern und Sammlern herzlichen Dank.

* Schlüchtern. Das Fahren ohne Licht nach Eintritt der Dunkelheit scheint jetzt bei den Radiern bal> allgemein ^tode zu sein. Es ist ein gefährliches Beginnen, abends einen Spaziergang die Straße entlang zu machen. Die »wilde Jagd" überholt dort alles und jeden, und mit dem bloßen Erschrecken ist es nicht immer getan. Vielleicht steht n^ die Polizei einmal dieses Treibe» an.

* Schlüchtern» (Hoffentlich wirds nicht so schlimm.) Bon wetterkundiger Seite wird mitgeteilt, daß her bevor- "Ehende Winter der kälteste seit hundert Jahren werden Der Oktober und November werden noch, abgesehen ^on kalten Nächten, vorwiegend trockn und angenehm sein,

j.doch wird es viel Nebel geben. Die Kälte setzt erst im Dezember ein und wird aber kann mit wenig kleinen Uater- drechnngen bis zum Frühjahr erhalten.

* Kessel. An die kurhessische« Landwirte. Die erneute Teuerungswelle, in der wir uns b^firden, kann von allen her innigen unserer Mitbürger, welche nicht in der Lage find, durch eine Erhöhung ihrer Lohn- oder GehaltSbezüge der Teuerung zu begegnen, nur schwer ertragen werden So sehen zahlreiche Familien drS Mittelstandes, die Kriegerwstwen Kleinrentner, aber auch viele Anstalten der sozialen Wohl- fahrtrpfl xe nur mit großer Sorge dem Winter entgegen. Vor allem ist es die Kattoff-lversorgun g, welche die Gemüt«r wie im vergangenen Jahre stark bewegt und angefickts der zu erwartenden geringen Ernte die Befürchtung erweckt, daß diese Versorgung zu Preise» geschehen müsse, welche die genannten Kreise nicht zahlen können. Landwirte, angesichts dieser Lage halten wir es für unsere Pflicht, hier helfend einzugretfen. Wir werden zwar durch eine geringe Ernte selbst am meiste» betroffen, da der Ausfall an der Ernte wo(l kaum durch sen hohe» Preis ausgeglichen werden wird. Ader angesichts der Notlage wolle» wir den wirklich bedürftigen Familim i» den Städten h-lsen, indem wir ihnen die Kartoff st» zu einem herabgesetzten Preise von 30 Mark lieferv. Selbstverständlich muß die Menge der zu lieftrnben Kartoffeln durch Verha»d!»Ngen zwischen unseren Organisationen und den Vertrete» der Bedürftige» genau festgestellt w rde-r. Diese Hilftakiton wird aber nur möglich sein, wenn sich alle Landwirte des Bezirkes an i$r beteiligen unb jeder an seinem Teile je nach der Größe der Anbau­fläche eine bestimmte Meuge tef.rt Wir richte« daher an alle Landwirte Kurhessens die Auffsrdrrung, sich an diesem HilfSwerk zu beteiligen und die vs» der Kreisbauernschasts Organisation der einzelnen Kreise umzulegsuden Kartoffel» zuverläss g unb pünktlich zu liefern. Landwirte, zeigt durch diese freiwillig« Hüfsakrion, daß Ihr nicht die Wucherer seid, für die Ihr von den Gegnern der Lautwirtschaft oft genug bezeichnet werdet, sondern habt ein H rz für bie wirklich Armen unb Bedürftigen.

Kuih ffischer Laudbuad.

Landwittschof-Skammer (Bez. Kassel.)

Dieser Aufruf des Km Hessischen LandbundeS und der LandwirtschafiSkammer wirb überall größte Zustimmung unb Anerkennung finde«. Die städtische Bevölkerung wird er­kennen, daß das Bestreben des La»dSu»deS, die Gegensötzr zwischen Stadt und Land «rSzugletchen unb der bedürftigen Stadtdevö.kerung zu helfen, durch diese Kundgebung zur Tat alle die Lügen straft, bie gar zu gern die bäuerliche Land­bevölkerung in einen Gegensatz zur Stadt bringen möchten, ta überall im deutschen Volk der Wille vorhaude« ist, einander zu helfen unb zu verstehen, bann wirb es auf­wärts gehen.

Aeberiritt Dr. Streckers zur WatbemtfraWen vartei.

Die Landtagsfraktion der demokratischen Partei Heffen? fo'gende Mitteilung bekannt: Dr, Strecker, Prä-i bent des LanöesbildungsanUes, hat in einem Schreiben a» den Staatspräsidenten Ulrich und an den Vorstand bei demokratischen Partei seinen Uebertritt zur Sozialdemo- kratie erklärt. Herr Dr. Strecker, der fett Monaten der P.or^woranstaltungen fern geblieben ist, hat diesen Schrick offenbar schon seit langer Zeit bei sich erwogen und hat ihn tote er schreibt, zuletzt noch unter den starken Eindrücke« eines mehrwöchigen Studienaufenthaltes in der Schwei, msgeführt. Damit scheidet er naturgemäß auch aus den Pertrauensämtern aus, die ihm die demokratische Partei im Landtag und in der Regierung übertragen hatte. E- geht noch nicht fest, wen die Demokraten für den Rest bet Landtagsperiode an Stelle Streckers in die Regierung end senden, jedenfalls wird der Wechsel in der Person des AmtS Inhabers keinen Wechsel in der bisherigen Schulpolitik bei Partei bedeuten. ,

Zehn Gebote

für den tm Ausland reifenden HefMeitfWen.

1. Vergiß nie, daß du jenseits der Grenzpfähle bei Reiches nicht mehr zu Hanse, sondern ein Gast bist.

2. Achte die Sitten der andern und suche sie zu verstehen, ohne deswegen die eigenen zu verleugnen.

3. Sprich nicht immer von dem, was in Deutschland oder Berlin besser ist als in dem Lande, das dir Gastfrcundschast gewährt, und vergiß nicht, daß eben jeder mit seinen Auqeii sieht.

4. Verleugne nicht dein Deutschtum, aber benimm dich auch immer so, daß man von dir vorteilhaft auf dein Vaters land schließen kann, denn nach dir beurteilt es der Fremde,

5. Kleide dich so, wie man es als Gast in fremdem Haus« tut und denke nicht,für draußen" ist alles gut genug.

6. Sparen ist auch im Ausland völkische Pflicht: aber spare vor allem an dir selbst und nicht an anderen.

7. Vermeide es, über Speisen zu kritisieren, und denkt daran, daß man im Ausland einen nach dem beurteilt, mit er ißt.

8. Vermeide politische Gespräche, sie erfordern viel Taks und Kenntnis der Denkweise und der Geschichte des Landes in dem du zu Gast bist.

9. Habe den Mut, deine LandSleute zur Rede zu stellen wenn sie sich im Auslande deines Vaterlandes unwürdig

betragen.

10. Venimm dich so im Ausland, wie du möchtest, daß fiel der Ausländer in ...ner Heimat benehme, ,

SttOttM für eine

^&.

ImDeutschen" veröffentlicht der preußische Minist-: fisident Stegerwald einen Artikel, in dem er unter Zurück Ten, die in der letzten Zeit gegen ihn ge

Weisung von Angriffen, bte in der letzten Zeit gegen ihn a? richtet worden sind, Betrachtungen über die Eniwicklu".

Unseres Parteiwesens seit der Revolution anstellt und schlief sich zu dem Ergebnis kommt, daß es möglich sei, aus bei christlich und national gerichteten Elementen unseres Bolkej eine neue Partei zu bilden, die sich auf dem Boden des bet sauntlich von ihm aufgestellten Essener Programms zusammen^ finde und als deren Grundstock die heutige Zentrumspart^ gelten könne.

Stegerwald weist zunächst auf die Parteientwicklung hin- bie unmittelbar nach der Revolution einsetzte sowie darauß baß die ersten Wahlen der Sozialdemokratie trotz der Revoi lution und trotz des Zurückhaltens des Bürgertums eint Mehrheit nicht gebracht hätten. Stegerwald bezeichnet bai als erfreulich, weil damals die sozialistischen Massen noch viej weniger als heute staatspositiv und Wirtschaftspositiv gedachi hätten. Mit Negation aber könne man keinen Staat regieren. Die sozialistischen Massen hätten bei solcher Geistesverfassung an eine sozialistisch-parlamentarische Mehrheit ForderunaeK gestellt, die sachlich unb praktisch nicht hätten verwirk! Ä werden können, ohne daß die deutsche Wirtschaft völlig ?,u« sammengebrochen und das Reich auseinandergefallen wäre; Schon damals nach der Revolution sei es historische Misste der, christlich-nationalen Arbeiterbewegung gewesen, die ^nb tiative zur Bildung einer breiten christlichen Volkspartei (nifl Arbeiterpartei!) zu ergreifen. Er, Stegerwald, habe scho» 1918 für diesen Gedanken nachdrücklichst gekämpft, aber nich! durchdringen können.

Stegerwald führt dann eingehend aus, daß keine der seit­herigen Parteien die erforderlichen Voraussetzungen für ein« deutsche Aufbaupartei mit sich bringe. Er meint, daß -m Führung für den deutschen Wiederaufbau ernstlich zwei Par seien in Frage kämen: entweder die Sozialdemokratie, bit auch heute noch auf dem Boden der materialistischen, mecha nistischen Weltanschauung stehe, oder eine Partei, die üd resolut auf den Boden der christlichen Weltanschauung stell und dabei im Sinne des Essener Programms sich warn deutsch, wabrhastia christlich, echt demokratisch und tiefgreifen! total beseitige Es habe sich gezeigt, daß die Zentrums pariet-nfd-Tnrps. ibarfri wemMut zur Unvopu-srttSt und zw Uebernahme her Verantwortung auch in denaHertritifcbflei Stunden habe aufbrtnqen können, weil sie eben bet der un pontifeben Veranlagung des deutschen Volkes nicht' nur *h dolitisches, sondern auch ein relioiöseS Band umschkinge. Dies starke, ethische Note dürfe für Deutschland nicht vom voliti schen Leben ausgefchaltet werden, sie sei vielmehr in wer stärkerem Maße dem politischen Lehen nußhar zu machen.

Stegerwald betont weiter, e? könne sich heute nickt un die Reuhildnno einer Partei handeln, da bie Zeiten für eh folckes varteivolitisck-s Experiment zu ernst seien, fonberi nur darum, Wege zu suchen, wie sich bie pokitisck gkeickgesinn ten unb wahren Vaterlondsfreunde im katholischen und in wangelischen Lager in einem dauernden politischen Vartei verband, etwa auf dem Boden des Essener Programms, zu jammenfinben könnten. Den Grundstock für diesen Partei oerhand soll nach der Auffassung Steaerwalds die Zentrum« parier abgeben. Ein großer christkicker Parteiverband au Dem Boden des Essener Programm? mit mindestens IN Mandaten, dem einige Dutzend Richtkatboliken, ollerdinn- arößtenteils vom evangelischen Volk selbst gewählt, mit eine Reihe ausgeslickter volitiscker Köpfe an geboren, sei eine Pack sei von so gewaltiger Dnrchscklaoskraft. daß ohne ihn< alle Zeiten keine politische Koalition in Deutschland moqli i sei. Er vermöge dem deutschen Wiederaufbau an dem ?! jahrzehntelang zu arbeiten gelte, in starkem Maße seine, Stemvek aufzudriicken.

Stegerwald nerstckert zum Sckluß, es fei ihm darum u hin, im Interesse des deutschen Volkes zwischen Kathoki^is' wus und Protestantismus einen möglichst dauernden politi­schen Burgfrieden unb eine politische Arbeitsgemeinschaft n schaffen, bie durck gemeinschaftliche und einheitliche Liebe zu» deutschen Vaterland fundamentiert sei: die Pflege des tirS? lieben und konfessionellen Eigenlebens der beiden großen Reli gionsaesellschgsten solle und brauche dadurch keine BeeintrLH tigung zu erfahren. ,

Für ein Neparations- Moratorium.

Die in Berlin bekannt geworbene« amerikanische« Plan« nur Beseitign«« der internationalen Balntaschwierigkcite^ erfahren eine neue Bestätigung. Es soll schon in den näch­sten Wochen eine Konferenz von Finanzleuten die Valuta- frage beraten. Die Vorschläge dieser «unseren,r werden fin auch mit der von Churchill anaekündiat«« Londoner Vasuta. konferenz, zu der bekanntlich attA Dentschland eingelade« werde« soll, beschäftige«. Der Gedanke eines Reparation^ Moratorinms wird weiter ansgelvonne», «nd es ist anzm nehmen, daß die Mitteilnna Churchills über einen eventnen -n Verzicht Englands ans Eintreibnna seiner Forderungen an Frankreich und Italien gegen einen Verzicht Amerikas an' seine Forderungen, nicht u«r die persönliche Meinung Lhurz »UlS wiedergibt.