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Kreisblatt

; Erscheint 3mal wüchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchter«. »Druck u. Verlag Ja. C. Hohmeistep,Schlüchtern. Verantwortl. i Schriftleit. H.-C. Hohmeister) Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei» »brüderstr. 9. Im Falle höberer Gewalt, Betriebsstöinng ob. »Stromsperre erlischt jeb Verpflichtung auf Schadenersatz.

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr 262

Donnerst««, 15 Dezember 1921

»»«e

73. Jahrgang

«u der Zeit vom 15. bis LV d Mts. zieht K die Post die Zeitungsgelder für das erste Vierteljahr 1982 ein. Wir bitte« unsere verehrten Abonnenten den kleinen B trag bereit zu halten, damit der Briefträger nicht zweimal vorzusprechen braucht.

KBeiM wem Tags.

«- Anläßlich der neuen Kreiseiutetlung in Thüringen haben Vertreter -es Staates Weimar und von Bezirken 6er Rhön bei der Münchener und der Weimarer Re- ateruna Verhandlungen ausgenommen, die den Art­schluß dieser Bezirke an Bayern bezwecken, weil die geo- Shische Lage den Anschluß an Bayern wünschenswert e.

»»Die alliierte AdstiMMungskommission in Oedenburg hat die Grenze des Abstimmungsgebiets geschlossen. Ohne Patz der Kommission darf niemand die Grenze überschreiten.

Bet der Beisetzung von zehn Opfern der Explostous- katastrophe in Saarwellinge« waren alle Gemeinden der nahen und fernen Umgebung und die Behörden durch Abordnungen vertreten. Die französischen Saartruppen stellten eine Ebrenkompagnie.

Ei« Automobil mit vier Sozialiste« wurde in Cre- mona (Italien) von mehreren Jaszisten allgehalten, die mit Stöcke» auf die Jnsafsen einschlugen, von denen einer getötet wurde.

Auf den neue« japauijcheu Ministerpräsidenten ist ein Mordanschlag verübt wvrdem

Der Reichsbankausweis läßt ein weiteres Anwachsen der papierenen Zahlungsmittel um 2,12 auf 110,4 Mil­liarden Mark erkennen.

Die Zahl der nicht beschäftigten Lehrkräfte beträgt ht Deutschland zurzeit 17 000

Der Reichstagsausschuß für Kriegsbeschädigtenfrageu berät gegenwärtig ein Geros Über^üs B^sahrr» in Brr- sorgungssachcn,- der Ausschuß hat den großen Verbän­den der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen Gelegenheit gegeben, ihre Wünsche zu dem Gesetzentwurf vorzubringeil.

Für den 14 Kilometer langen Neckarseitenkanal Hei- belberg-Mannheim wird ein Teil der Arbeiten demnächst in Angriff genommen. Die Kosten der bisher vergebenen Arbeiten betragen 60 Millionen Mark, während die Ge- samkosten für den Bau des Kanals 000 Millionen Mark betragen.

Als Protest gegen die Herabsetzung oer Löhne haLen die französischen Bergarbeiter m Etienne einen 24stiindi- gen Streik beschlossen.

Woher soll das Geld summen?

Die Deckungsfrage für die Besoldnugsreform.

Vom Mitteldeutschen Handwerkerbu-id wird uns sefchrieben: Die neuen Besoldungserhöhungen haben für Staat, Länder und Gemeinden gewaltige Lasten ge­bracht. Die Erhöhungen selbst waren unbedingt erfor- derllch, und so blieb den Gemeinden kein anderer Weg, als anscheinend an die Beschlüsse des Reiches und der Länder auch ihrerseits den Erhöhungen zuzustimmen:

Es entsteht hier eine außerordentliche Gefahr,, wie wir es jetzt schon erleben, nunmehr in den Gemeindevertretungen Uebereisrige aus Werk gehen, für diese Mehrausgaben umgehend Deckung zu suchen. Es bleibt den Gemeinden, da die Hauptquelle der Ein­kommensteuer den Gemeinden verschlossen ist, als Steuer in erster Linie die Gewerbesteuer. Es wäre ein unver­zeihlicher Fehler, wenn durch erhöhte Zuschläge aus die Gewerbesteuer die Deckung für die Besoldungserhöhung aufgebracht werden sollte, denn einmal werden die Zu­schläge so gewaltig sein, daß sie kaum zu tragen sind, und zweitens ist die Gewerbesteuer in den meisten Ge­meinden derartig angespannt, gaß eine wettere Steige­rung vernichtend für das ortsansässige Gewerbe sein wird.

1. Die Retchsregierung ist der Auffassung, daß die Mehrausgaben, die den einzelnen Ländern, Gemeinden und Gemeindeverbängen durch eine Verbesserung der Beamtenbesoldung erwachsen, als unmittelbare Folge der Geldentwertung automatisch in einem diesen Mehr- ausgaben entsprechenden Teil der Mehreinnahmen Dek- kung finden werden.

L Da aber dieses Mehr an Einnahmen aller Wahr­scheinlichkeit nach erst im Laufe des Rechnungsjahres 1922 eingehen wird, also zu den Zeitpunkten, in denen das Geld erforderlich ist, noch nicht zur Verfügung steht, ist das Reich bereit, zunächst für die Rechnungsjahre 1921 und 1922 den einzelnen Ländern, so weit ihnen die für die Besoldungsaufbesserung erforderlichen Beträge nicht anderweit zur Verfügung stehen, Vorschüsse in Höhe des Mehrbedarfs für Besoldnugszwecke schon jetzt in Anrechnung auf die später zu erwartenden Mehrein- nähmen an Ueberweisungssteuern vierteljährlich im voraus zur Verfügung zu stellen.

3. Sollte die Erwartung nicht in Erfüllung gehen, daß der Mehrbedarf für Besoldnngszwecke durch einen dem bisherigen Verhältnis der Besoldungsausgaben zu den gesamten Staatsausgaben entsprechenden Teil der Mehreinnahmen gedeckt werden, so wird das Reich den danach fehlenden Betrag im Falle eines auch bei vor­sichtiger und der gemeinsamen Notlage Rechnung tra­gender Aufstellung des ordentlichen Haushaltsplanes Nicht vermeidbaren Defizits auf Grund von Richtlinien, zwischen dem Reich un6 den Ländern vereinbart wer- *WW8Ä« Nr «M. ^ die BesoldnnnSanfbesserung betrifft, so ist es zunächst Sache der Länder, den Gemeinden Und Gemeindever- banden, die nicht imstande sind, die ihnen aus der Neu­regelung der Beamtengehälter erwachsenden Mehrkosten selbst zu tragen, die erforderlichen Vorschüsse zu leisten.

In der Sitzung des Preußischen Landtages vom 11. November 1921 wurde eine Erklärung des Reiches ver­lesen, die für die Gemeinden Richtlinien zur Deckungs­

frage gibt.

Soweit den Ländern die dazu notwendigen Beträge nicht anderwett zur Verfügung stehen, wird das Reich ihnen auch hierfür die erforderlichen Vorschüsse in Höhe des Mehrbedarfs für Besoldungszwecke schon sehr in Anrechnung auf die später zu erwartenden Mehreinnah- Men an Ueberwesungssteuern vierteljährlich zur Ver­

das Reich

fügung stellen.

5. Sollte bei Gemeinden oder Gemelndeverbäuden die Erwartung nicht in Erfüllung gehen, daß der Mehr- bedarf für Besoldungszwecke durch einen diesen Mehr- ausgeben entsprechenden Teil der Mehreinnahme: er deckt wird, und gewähren die Länder ihnen deshalb die erforderlichen Zuschüsse, so wird sich das Reich an diesen ZWscbnMü nach Maßgabe «M Richtlinien, die Änuchen

ihm und den Länger vereinbart werden, beteiligen. Voraussetzung ist dabei, daß nach einer von der Landes- regierung angestellten Prüfung der Haushaltptan her betreffen den Gemeinden (Gemeindeverbände) vorsichtig' und unk Berücksichtigung der gemeinsamen Notlage von Reich, Ländern und Gemeinden ausgestellt ist.

Auf diese Weise ist vom Reich in-Aussicht aenom-i Men, gemeinsam mit den Ländern und Gemeinden zuz versuchen, die Kosten zu decken. Wir können nicht ein­dringlich genug den Gemeindevertretern namentlich aus! Gewerbe und Handwerk ans Herz legen, die drohende Gefahr einer Erhöhung der Gewerbesteuer und damit eine drückende Ueberlaftung des gewerblichen Mittel­standes noch in letzter Stunde zu verhüten. Es ist zur­zeit kein anderer Ausweg als der vom Reich vorgeschla- gene möglich!

Besichtigungsreise des Grafen Lerckenfeld.

w Nürnberg (F. Z.) Der bayerische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld ist zu einem dreitägigen Besuch der Städte Nürnberg und Fürth zur Besichtigung der kom­munalen Einrichtungen 'und industriellen Sinlagen hitt eingetroffen.

Gemeinderatsnenwahlen in Agram.

»»Wien. (F. Z.) Am Montag haben in Agram die Neuwahlen zum Gemeinderat stattgesunden, der wegen der Weigerung, an den Trauerfeierlichkeiten für den König Peter teilzunehmen, aufgelöst worden war. Der kroatische Block, der üd) gegen die Auflösung ausgespro­chen hatte, erhielt 36 Mandate, die Demokraten erhielten sechs, die Zionisten, die Arbeiterpartei je zwei, die sozia­listische Bereinigung erhielt ein Mandat, und die radikale Partei ging leer aus.

Abbruch der französisch-spanische« Handelsbeziehungen.

»»Parts. Durch eine Berorömmg des französischer Handelsministers sollen die gegenwärtigen Zollsätze aus spanische Waren um 50 bis 80 Prozent erhöht werden. Durch diese Dtatznahme wird der Güterverkchr zwischen Frankreich und Spanien praktisch aushören. Die spa­nische Regierung hat eine ähnliche Verordnung erlassen. Aus Madrid wird hierzu gemeldet: Das Organ der spanischen Regierung schreibt: Der Abbruch der Han- öelsbezlehungeg st.il FrankreiKM keines: ,eqs zu bekla­gen, auch nicht, daß französische Erzeugn".fe nicht meo nach Spanien kommen. Wir werben alle Waren, die wir bisher aus Frankreich bezogen haben eLeuso gut «nd bUliger aus Deutschlaub beziehe« können.

Die Lage a«ch weiter «ugeklärt.

k# Aus Berlin wird berichtet: In unterrichteten Kret- fen wird versichert, daß die Meldungen aus London über den Stand der Kredib- und Moratoriumverbandlungen keinen Anlaß zu einer optimistischen Auffassung geben. Gerade die vielen einander widersprechenden Meldun­gen seien geeignet, die Schwankungen auf dem Devisen­märkte zu erhöhen, die dem Wirtschaftsleben ungezählte Millionenverluste zufügen und jegliche Hoffnung aus eine baldige Lösung der Reparatronsfrage zunichte machen.

Nur geringe Erfolge Rathenaus?

»»Aus Berlin wird berichtet: In der näheren Um­gebung des Reichskanzlers wird versichert, daß es vor­läufig falsch sei, sich allzu großen Hoffnungen auf die Kreditfrage hinzugeben. Die Erfolge Rathenaus schei­nen nur außerordentlich gering gewesen M sein. Neuer­dings wird wieder behauptet, daß Rathenau nicht im Aufträge der Rcichsregierung nach London gereist sei.

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von Erich Friese».

H (Nachdruck verboten.)

Da gewahrt sie, daß die Fassade eine etwas andere Physiognomie erhalten hat. An der einen Seite des Gebäudes erhebt sich ein hoher Turm, der in eine breite Plattform endet.

Und auf dieser mondbeschienenUl Plattform be­wegt sich ein Schatten unruhig hin und her.

Gunnar von Helgeland? Der Sternguckers zuckt es durch ihren Kopf.

Und unwillkürlich zieht sie sich vom Fenster zurück, damit der Schatten dort oben sie nicht bemerke.

Doch der Schlaf flieht ihre müden Lider. Vor ihrem geistigen Auge steht ihr alter Vater, der sein ganzes Leben der Experimental-Wissenschaft opfert. Sie weiß, von jeher war er ein ausgezeichneter Ehe-, miker durch die Exaktheit feiner Kenntnisse. Doch die wissenschaftliche Exaltation, die jetzt aus seinem gan­zen Wesen spricht, beängstigt sie.

Ob er wohl schläft? Ob wenigstens des Nachts der gebrechlKhe Körper seine Ruhe hat? ..

Es duldet sie nicht mehr in ihrem einsamen 3h»- mer. Sie zündet die Kerze wieder an und tappt sich zurück nach dem Laboratorium.

Meister Wybrands hat sich noch nicht zur Ruhe be> geben. Tiefgebeugten Hauptes sitzt er vor seinem Ex- perimentiertisch, abwägend, notierend, leise Worte vor sich hinuiurmelnd genau so, wie die Tochter ihn bei ihrer Ankunft fand und wie sie ihn vor ein paar j Stunden verließ.

Nur, daß bei ihrem Eintritt ein kleines, zwerg» ähnliches Geschöpf, das in einer Ecke des Raumes neben dem fchwarzen Kater hockte, lautlos hinaus- huscht.

Mit einer liebkosenden Gebärde legt Ebba Sie Hand auf den Arm des alten Mannes.

»Noch immer bei der Arbeit, Vater? Gönnst vu «r gar keine Ruhe?"

Unwillig fährt er herum.

»Für den Mann der Wissenschaft gibt eS keine Ruhe. Der Körper muß dem Geist gehorchen - gleich- , viel, ob Tag ob Nacht."

»Wer war das seltsame Geschöpf, das dich soeben verließ?"

Hjalmar."

»Ein Idiot?"

»Nein. Nur ein Taubstummer."

Was tut er bei dir, Vater?"

Er ist mein Diener. So eine Art von KawutuS."

Ein Taubstummer, Baier?"

' »Ja. Menschen, die reden und fragen, !mn< sch nicht um mich gebrauchen."

Versorgt er dich denn gut?"

Larifaiü! Mein morscher Leib kommt mit weni­gen: aus."

Das bildest du dir ein, Vater. Wer führt gegen- rvartig h:er das Regiment?"

Knechtsfeelen."

Knechtsseelen? Was meinst du damit?"

Die Herrschaftsräume sind abgeschlossen. Und in Küche und Keller lassen sich die Dienstboten wohl sein."

Seltsam! Höchst seltsam! .... Und Gunnar um Heigeland? Der Schloßherr?"

Geringschätziges Lächeln verzieht Meister »q- ; brands' verrunzeltes Gesicht.

i »Der Gunnar? Hahaha! Der hat sich oben auf dem Turn: eine Sternwarte gebaut und hanst da- f neben in einer niedrigen Dachkammer. Pah! Ein ; Träumer, ein Phantast! Nacht für Nacht verbringt er ' hinter seinem großen Teleskop und sucht den Himmel ;

ab nach einem neuen Planeten. Jammerschade um so vieh Intelligenz und positives Wisien! Zu denken, daß ein solches Hirn seine Kraft an nutzlose Nebel- fernen vergeudet! Daß kein Teleskop der Welt ihn je in irgend welchen gewinnbringenden Kontakt mit seiner Sternenwelt bringen kann und wenn er so alt würde wie Methusalem! Daß all seine Mühen und schlaflosen Nächte nicht einen Gran positiven Nutzen bringen nicht einmal soviel, nn, die kleine Wage da auch nur im geringsten erzittern zu lassen! .... Da lobe ich mir meine Welt die Welt der Expert- mental-Chemie! Durch ein winziges Atom kann sie bereits Großes, Nutzbringendes leisten! Die ganze- Menschheit kann sie auf eine höhere Stufe heben!"

Ein liebes Lächeln voll natürlicher Innigkeit huscht über Ebbas Antlitz. Zärtlich streichelt sie die runze­ligen Backen -es alten Mannes, dem die Vegeisterun- aus den Augen strahlt.

Er zieht sein Teleskop deinem Mikroskop vor das scheint mir der einzige Unterschied," lächelt sie sanft »In: übrigen warum hat Gunnar sich nich: verheiratet?"

Mit offenem Munde starrt der Alte seine Tochter ml

Warum Gunnar sich nicht verheiratet hat? Da mußt du ihn schon selber fragen. Hab' anderes zu un, als mich um Weibergeichichteu zu kümmern. War froh, wie die Karin den Eyolf von Solreg Hei- arete und seitdem von Schloß ASkö auf Nimmerwie- ersehen verschwand. Hvl' der Kuckuck die Weiber mit hrem ganzen Getue und ihrem Mangel an Intellekt:'

Und erbost stochert der Alte mit der Feuerzange in den glimmenden Kohlen herum, als könnte er da mu das geschmähte Hirn aller Weiler der Welt in ein ichts zerstampfen' . .

(C ug folgt)