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Kreisblatt

; Erscheint 3mal wöchcntl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. ; »Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeister, Schlichtern. BeranNvortl. t Schriftleit. H.-C. Hohmeister. Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- : »brüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; «Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.

Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr. 264

Dienstag, 20 Dezember 1921

73. Jahrgang

mi» ii ii jjBijMnjwwm

Zum hundertjährigen Bestehen des Kreises Schlüchtern

Bon R ktor G. M aldfeld'zu Steinau.

III, Die Peryättnisse im Kreise zur Kmölfstsche« Zeit bis zum Jahre 1866.

2. Die Kreisverwaltung.

(Fortsetzung.)

Durch das Gesetz vom 31. 10. 1848 waren die vier Provinzen Kurheffens aufgehoben und an deren Stelle neun Bezirke": Raffel, Eschweg«, Hersfeld, Fritz'ar, Marburg, Fulda, Hanau, Schmalkalden und Rtuteln gebildet worden. Zu dem Bezirke Hanau sollten die Aemter Hanau, Bergm, Bockenheim, Nauhtim, Praunheim, Windecken, Langenselbold, Gelnhausen, Meerholz, Bieder, Wächtersbach, Birstein, Sal- Münster, Romsrhal, Steinau, Schlüchtern, Ramholz und Schwarzenfels gehören.

Durch § 3 der Verordnung vom 22. 12. 1848 wurden bann auch, umder inneren Landesnerwaltur-g einen ein* sacheren, rascheren und kräftigerm Gang zu sichern", die ,KreiSämier" beseitigt und an deren Stelle nach § 8 jener VerordnungVerwaltungsämter" g-s-tzt. Diese sollten nach § 29vorzugsweise instruierende und vollziehende Unterbe- Hürden des Bezirksvorstandes" sein. Doch konnten ihnen zur selbständigen Entscheidung und Verfügung ... alle diejenigen Angelegenheiten der inneren Laudesverwaltung übertragen werden, deren Natur eine Erledigaoq durch die unteren Behörden notwendig machte." Im übrigen aber hatten sie nach § 30alle diejenigen Geschäfte zu besorge«, wilche seither den Kreisämtern für solche Smatsbehörden oblagen, deren Funktionen nicht auf die Bezirksbehörden übergrgangeu waren. Insbesondere hatten sich nach § 31 die Vorstände der Verwaltungsämter diesen Titel führten die Kreis- bezw. Landräte jetzt von bem Zustande der ihnen anvertrauten Bezirke und v'N dem Fortzange der vuMtdtznrä ZÄM^oer Drrwgltuns ft-". 'c-t^'y-r Kennt nts zu halten, damit sie jederzeit imstaude waren, nicht bloß die ihnen aufgetragenen Geschäfte ohne Verzug zu erledigen, sondern auch ihren Amtsuntergebenen mit fad) kundigem Rate beizustehen und auf Abstellung vo-handeuer Mängel sowie aus Einleitung von Verbksserungm bei der Bezirksbehörde selbständige Anträge zu stellen."

Zu dem Ende sollte jeder an den auswärtigen Gerichts- Hauptorten seines Amtsbezirks periodische Amtstage halten, die übrigen Gemeinde« aber, so oft es die Geschäfte erfor­derten, mindestens jedoch halbjährlich, an einem vorher dort bekannt zu machenden Tage persönlich besuchen." Auch sollte ertunlichst auf Vereinfachung des Geschäftsganges Bedacht nehme», um den Amtsuntergebenen das mündliche Anbringen von Bitten und Beschwerde« zu Protokoll zu erleichtern und durch die gründliche Justruierung derselben die Entscheidung darauf möglichst zu fördern."

Durch das Ausschreib,n des Ministeriums des Innern vom 29 1. 1849 «« den nun be fneuenP-rmaNumlS-

' «SSSWSSSSSSSSSWVNM

Der Liebe ewiges Licht. Roman von Erich Friese«.

Kh (Nachdruck verboten.)

Sein Stern! Sein Stern! Sein Stern!!!

Zum erstenmal seit vielen Jahren drückt ihn die ielbstgeschaffene äußere und innere Einsamkeit. Bren» »ende Sehnsucht erfaßt ihn nach einem Menschen, dem er sein Glück verkünden, der an seinem Jubel tetl- nehmen könne.

Aber wer? Wer?

Nur Dienstboten beherbergt daS alte Schloß. Und den alten Alchimisten da nnten, besten Empfinden hinter seinen Retorten und Phiolen längst zusam- menschrumpfte und der mit allen Fasern seines ge- brechlichey Körpers am realen Boden klebt.

Immerhin besser er, als niemand! Hinab zu Meister WybrandS!

In fliegender Eile tappt er sich die schmale Wendel­treppe hinab, hastet durch verschiedene winkelige Gänge zur breiten Haupttreppe und von dort nach dem Erdgeschoß, bis er vor Meister Wybrands' La­boratorium stöht.

Er öffnet die Tür und will eintreten.

Doch wie festgewurzelt bleibt er auf der Schwelle stehen.

Durch den düstern Raun«, dessen tiefe Stille sonst kein Laut störte, schallt heute eine weiche, wohltönenbc Frauenstimme wie hehres Glockengeläute. Und an­statt des weißen Greisenhanptes beugt sich ein blon­der Frauenkopf über den Experimentiertisch.

Noch ehe Gunnar sich von seinem Erstaunen er holen kann, wendet der blonde Frauenkopf sich um

Und Gunnar blickt in ein Antlitz von wunder­samem Liebreiz keusch, still, weiß, mit leuchtenden, tiefblauen Augen--

ämteL" vom 1. F-bruar abunter tunlichstem Anschluss« an die seitherige Kreiseinteffung gebildet". Auch dasVer- waltrngsamt Schlüchtern" tret ins Leben Es umfaßte die Aemter Schlüchie n, Rav holz, Schwar'enfels, Steinau' Sülmünstek und Rowsthal, b-dte sich also völlig nf t dem bisherigenKreise Schlüchtern".

Doch bewährte sich die neue Einrichtung nicht. Bereits zwei Jahre später, am 7. Juli 1851, wurde sie durch Kur­fürstliche Verordnung wieder beseitigt und die alte Eintei­lung des Kurstaates in Kreise und Provinzen hergestellt. Nur erhielten dieKretsämter" jetzt die BezeichnungLand- ra^Samtet". Nach § 2 dieser Verordnung sollte jedes Landratsamt fortan auch wieder mit einemLandrate" und einemKreissekretäre" besetzt sein. Wo indessen der Um­fang der Geschäfte es erforderte, sollte ein Assessor und das nötige Personal an weiteren Beamten und Subalternen beigegeben werden.

Nach § 3 stand dem Landrate die alleinige Entscheidung in allen Angelegenheiten der dem Landratsamte überwiesenen Verwaltung zu. Doch war er befugt, einzelne der ihm bliesen« n Verwaltung-geschäfte dem Ass ssor oder dem eissekretäre zur selb »äadtgen Entscheidung zu überweisen, mr der Landrrt verhindert, so sollte er nach § 4 von dem fessor oder ev. dem Kreissekretäre verrieten werden.

Die Landratsämter hatten nach §§ 610 alle diejenigen -rwaltu lgszeschäfte zu besorgen, die früher den Kreis- Nern oblagen. Ferner wurde ihnen die Handhabung, ..zw. die Leitung der gesamten Polizei Medizinal- und Baupolizei ausgenommen die E-teilung der sogen. Leichenpässe, die Gestaltung zur Erbauung neuer Wohn­häuser, die Ausstellung der G-werbescheiae, die Untertanen' en-laffunzen, sämtliche Anordnungen über die Kosten der Unterhalts elternloser Kinder, die Ecke l««g der Erlaubnis zur Erlernung eines zünftigen Handwerks und die Dtspen- sation von § 74 der Zunftordnung, die Leitung des ge­samten Späßen- und Lmdwcge-Baues und in Gemeinschaft mit dem Ortsgeistlichrn die Aufsicht über die Schalen der

F wt >-2i-n die Landcats- ämter nach § 19 des provisorischen Geketzss vom 7. 7 1801; die Vollziehnnqsgcwalt der Verwaltungsbehörden pp' betr. befugt, die Uebertretung a3geme.net Anordnungen mit Geldstrafen bis zu fünf Talern und Gefängnisstrafen bis zu drei Tagen zu bedrohen. Die Strafen selbst waren jedoch von den zuständigen Gerichten auszuspreche».

Sodann aber trat eine bedeutsame Neuerung inS Leben, insofern nämlich, als durch das erwähnte provisorische ®?fe^ vom 7. 7. 1851 in allen Kreisen einBezirksrat" gebildet wurde, der nach § 1 im Kreise Schlüchtern aus 6 Mitglie­dern bestehen sollte und dem in § 2 dieses Gesetzes die Aufgabe zugewiesen wurde,zur Vorbereitung wichtiger Verwaltungsmaßregeln, welche das Beste des Kreises betrafen, oder über welche feine gutachtliche Aeußerung zu vernehmen von allgemeinem Jntereffe war, die oberen Behörden und das Landratsamt zu beraten." Insbesondere sollte der Be- z'rk'rM mit seinem Gutachten gehört werden (§ 3)

Blau, wie sein Stern! ... -

Er starrt und starrt Eine hetlige, süße, mystische *

Freude erfüllt ihn.

Und auch Ebba verharrt regungslos.

Zwei D^npaare tauchen ineinander tief, schrankenlos, wie von einer plötzlichen OfferDK-M gepackt--

Meister Wybrands ist es, der den Bann dieses drückenden Schweigens bricht.

Gunnar, du? . . Ein seltener Besuch! . . . Und ! traumverloren, wie stets! Mit allen Gedanken dort i oben im Nebelland, wie? . . . Wach auf, mein Junge, s und hör mir zu! Während du dein schönes, kurzes Erdendasein verträumst, bin ich der grandiosesten Er- s sinbung auf der Spur, die je das Hirn eines Men- I >chen ausbrüten wird: eine gewisse Substanz des ,Ge ranium Cyanthos' in Verbindung mit Atomen von ! ,Hedera Warneriensis' nnd .Enphrosynum' erzielt ein welterschütterndes Resultat. Nicht den Tod wird es bezwingen: denn der Tod entspringt den Naturge. setzen, gleichwie sein Erbfeind, das Leben. Aber es wird alle Kräfte im Menschen ums Zehnfache, wenn nicht noch, mehr steigern und den schlummernden Genius in ihm wecken. Denk dir" mit zitternden Händen ergreift er eine kleine Phiole und interpunk-

tiert seine Ausführungen damitdenk dir, wenn jedermann imstande sein wird, zehnnial so schnell zu denken, zehnmal so schnell sich fortznbewegen, zehnmal so schnell zu handeln! . Und dieses kostbare Elixier ist meine Erfindung! Meine!! Nur das .Euphro- !ynum' fehlt mir noch. Trotz eifrigster Mühe ist es mir bisher nicht gelungen, es in meinem Gewächs- Haus zum Blühen zu bringen. Aber die Zeit wird umtnen! Muß kommen! Und dann noch ein paar

Wochen: viel!eich! auch nur Tage kondensierten Ab- . wägens und Kalkulierens und die Welt ist mit

1. bei Erlaß allgemeiner und bleibender, mit Strafo«- broturg verbundener polizeilicher Anordnungen der Land- ratsämier;

2. bei Feststellung der Grundsätze, wonach allgemeine Lasten auf den Kreis oder einzelne Teile desselben zu ver­teilen und auszugleichen sind, soweit diese Grundsätze nicht gesetzlich feststehe»;

3. bei Ausgleichung der den Kreis betreffenden allge­meinen Laste«;

4. bei Anlegung und wesentl ch«r Veränderung der Richtung von Landstraß:»;

5. über die Aufnahme von Wegestrecken in den Land- wegeverband oder deren Ausschließung aus demselben;

6. bei Bestimmung der in jedem Jahre von den Ge­meinde« auszuführenden Landwegebauten sowie über die Heranziehung von Gemeinden zu Landwegebauten außerhalb ihrer Gemarkung;

7. bei Errichtung gemeinnütziger Anstalten für den Kreis oder die Provinz;

8. bei Zuweisung von Heimatlosen zu einer Gemeinde;

9. bei Beschwerden über verweigerte Aufnahme eines Inländers zum Qrtsbürger;

10. bei Bestätigung von Gemeiudestatute»;

11. bei Einführung bezw. Erhöhung gemeinheitlicher Verbrauchsavflogen;

12. bei Errichtung und Nennung von Zünften, Er­teilung von Zanstbriefen und Gew»bsregl«m«nts;

13. bei Anordnung einer veränderten Verwendung des Vermögens und Einkommens vo» Stiftungen, die nicht bloß lokale Bedeutung haben, ohne doch zu den öffentlichen zu gehören;

14 hei Einrichtungen zur Versorgung mit Holz und anderem Feuerungsmaterial;

15. überhaupt bei administrativen Anordnungen, welche den Verkehr und die Nahrungsqu-llen der Bewohner hemmen oder beschränken können ober die Kräfte derselben in bedeutendem Maße in Anspruch nehmen.

Ferner war der Bezirksrat befugt (§ 4), auch unoufge- forderr tzinsichl'ich'aller Ge^msiMd^ «4&c ihm ugn Ein­fluß auf das Wohl des Kreises ober eines Teiles desselben erschienen, namentlich zum Zwrcke der H bang der Landwirt­schaft, der Gewerbe und des Handels, Gutachten und Anträge bei der einschlägigen Behörde zu übergeben. Auch hatte er (§ 5) die Behörden bei Ausführuug der Gesetze, sofern damit persönliche Belästigungen oder Ausgaben der Untertanen verbünd«« waren, zu berate« u«d diese auf zu nehmende Rücksichten und Mängel aufmerksam zu machen und gegebenenfalls den Oberbehörden seine Wünsche und Bedenken bezüglich der fraglichen Angelegenheiten vorzu- tragen. Weiter waren ihm auf Verlangen (§ 6) Uebersichten über die abgehöiteu Gemeinderechnungen sowie die Berichte über die Ausführung der Landwegebauten, wie auch die über die Schulvisitationen zur Kenntnisnahme voczulegen. Ebenso war er berechtigt (§ 7), Beschwerde«, wozu öffent­liche Behörder und einz-lne Staatadi-ne-' N->s-8 a^n, bei

einem Schlage um Jahrhunderte vorwärts gebracht: Durch mich!!"

Ganz erschöpft vor Erregung sinkt der Alte in sei­nen Sessel zurück, sich mit den zitternden Händen bte perlenden Schweißtropfen von der Stirn wischend.

Gunnar, der langsam mitjergetreten ist, erwidert nichts. Wie leerer Schall zogen die begeisterung- glühenden Worte des greifen Erfinders an seinen, äußeren Ohr vorüber.

Inzwischen hat Ebba ihre Fassung wiedergewon- nen. Mit Gewalt reißt sie ben Blick los von dem leuchtenden Augenpaar dort, das unverwandt auf sie gerichtet ist nein, das durch sie hindurchblickt, bis in die tiefsten Tiefen ihrer Seele.

Dies also ist Gunnar von Helgeland Dieser uber- schlanke, leicht gebeugte Mann mit dem schmalen, l Seichen Gesicht itub den rodestraurigen Augen.

Rasch tritt sie ihm entgegen.

Lieber Better, erkennen Sie mich nccht? Ich tu» ja Ebba" ^

Ja, es ist Ebba, meine Tochter," fällt Meister Wo brands etwas verlegen ein.Sie hat sich in den Kor gesetzt, von nun an bei ihrem alten Vater zu bleibem Du kannst glauben, daß ich mein Niöglrchstes ver achte, um sie von diesem Vorsatz abzubringev. Be- ^ebens. Und weil ich'bald Heraustand, Sau sie ein ganzes vernünftiges Frauenzimmer ist ol)ite ba* Sprunghafte, Launische, das nnnt ibum Geschlech eigen - so habe ich ihrem Wnniche keinen -Wider spruch mehr entgegengesetzt, sie mag hier » erben -

wenn Vetter Gunnar nichts dagegen Hai, tu Ella hinzu, und il r zartes Gesicht färbt sich wie ein.

' 'Noch'kein Wort hat Gunnar feit seinem Eiiuri^ gesprochen. Jetzt jedoch streckt er ihr mrpuluv beuV

Hände entgegen.

(Fortsetzung folgt.)