Einzelbild herunterladen
 

1

eile», fort/

: Bankkonto': Dresdner Bank Schlüchtern, Fernsprecher Nr. 65.

! ____enaaaaee a«»«»«-- = -^.

;Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz

Nr 267

Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Dienstaa, 27 DezeMber 1921

73. Jahrgang

Abonnements

auf die Schlüchkerner Zeitung

sür die Monate Januar, Februar, März nehmen sämtliche Psstaustalim und Briefdoten, sowie unsere Zettungs- träger entgegen.

Ein Beftellschein für Poftbezieher befindet fich auf der letzten Seite dieses Blattes.

Schtüchterner Zeitung.

Mlerlsi vsm XßO^

«»Der wegen des Attentats aus Erzberger verurteilte von Hirschberg befineöet sich zurzeit in einer Irrenan­stalt, weil sich bei ihm Symptome von Geistesgestörtheit gezeigt haben. An eine weitere Strafverbützung ist zur Zeit nicht zu denken.

»»I« Petersburg ist die Mobilmachung aller Kornmu-- nisten im Alter von 20 und 21 Jahren augeordnet wor­den. Sie werden nach Karelien entsandt, wo große Kämpfe stattfinden.

» Rathe««« ist am Freitag aus London abgereist.

Die interalliierte Rheinlandkommission hat die deutsche Regierung um ein Verbot des diesjährigen Sar= nevals im besetzten Gebiet ersucht. Es verlautet, daß deutscherseits denr Ersuchen entsprochen werden wird.

I« Oesterreich werden Banknoten zu 5000 und 50 000 Kronen ausgegeben werden.

Die Braunschweigische LandesversaWrulung hat die neue Verfassung mit 44 gegen 9 Stimmen angenommen,

TMgerische Hoffnungen

Das deutsche Volk lebt von Hoffnungen auf die Hilfe anderer. Je nach der Partei hofft der eine auf Sowjet- wßianö, der andere aus England, Frankreich oder Ame- rtfa. r' -"-' ~ ' " " ----------

Vielleicht gibt es solche, die auf Chinesen oder Votokudew hoffen. Gegenwärtig hat die Möglichkeit ei­nes Zahlungsaufschubes der Äriegsems a>wtMn«ssah- lungeu neue Hoffnung geweckt.

We»m man aber ins Auge faßt, unter welchen Be­dingungen wir den Zahlungsaufschub erhalten sollen, er­kennt man sofort, daß die Hoffnungen trügerisch sind. Frankreich verlangt mit Nachdruck, daß Deutschlands ,Finanzen unter Kontrolle gestellt werden. Englands

Schatzkanzler Hörne hielt eine Rede, in der er verlangt, das Deutschlands Regierung alle Steuer-eingänge restlos in den Dienst der Kriegsentschädigungszahlungen stellt.

Wir hatten bisher drei Dämme gegen die Teuerung aufgeworfen und erreicht, daß die Mark int Jnlande eine größere Kaufkraft befaß, als dem Auslande gegen­über, Durch die Getreideumlage hielten wir Seit Brot­preis niedriger, als der Weltmarktpreis betrug, durch die Niedrighaltung der Eisenbahntarife und des Kohleu- preises konnte unsere Industrie billiger produzieren und die Fertigfabrikate transportieren, als die Länder mit hochstehender Valuta. Das bewirkte zusammen, daß die Preis« in Deutschland bei weitem nicht die Weltmarkt­preise erreichten, was den breiten Massen unseres Vol- res zugute kam.

Gerade diese hrek Maßnahmen bewirkten aber ein aroßes Defizit im NeickLM»armrt ^mm bei hw sue-»

Der Liebe ewiges Acht.

Roman von Erich Friese«.

Ich (Nachdruck bersteten)

Seife versucht sie Gunnar zum Verkäste» der Stern­warte zu bewegen. Doch der steht hinter seinem Tele­skop und hört und sieht nichts, fühlt nichts, Äs feine Sterne.

Da löst sie den Mantel von ihren Schultern und legt ihn um Gunnar. Wie mechanisch, ohne sich umzuwen- den, zieht er die Falten über seiner Brust zusammen. Seine Augen blicken unverwandt hinauf zum Sternen- Eer»

Hat er Ebbas Anwesenheit ganz vergessen? Geht 1 seine Phantasie ihre eigenen Wege?

Sie will ihn nrcht stören in ferner Verfunkenhesi. Leise schleicht sie sich hinweg.

Ein eigenes Gefühl durchbebt chr Herz ein Ge- M, für das sie noch keinen Namen findet, ein Gefühl, das sie beseligt mrd zugleich tief traurig macht.

In chreur Zimmer angelangt, wirft fie noch einen verstohlenen Blick durchs Fenster hinauf nach der Wttform der Sternwarte, aus der noch inrmer der dunkle Schatten sich langsam hin und her bewegt.

. Dana zieht sie die Vorhänge zusannnen und öffnet ein Geheimfach ihres Schreibtisches, in dem die kleinen Erinnerungen an ihre Brautzeit, verwelkte Blnmen ; ; und ein paar Liebesbriefe liegen.

Sin bitteres Lächeln verzieht Mr einen Augenbkck i 'hre Lippem

Die Hand, die.feite leidenschaftlichem GrWkffe ^äH - M sich seitdem zum Schlage gegen sie erhöbe». H«* j <ae Schwüre ewiger Treue? Bah, woz« »M»r dar- | wer grübeln! Der Mann ist ja tot. sind eh^m Toten ; »Ulfe m«: verzeihen.

MsNnr fort mit diesen stummen Zeuge» iewx un- ;

- an Episode in ihrem Leben: 1

bahn 20 Milliarden Papiermark und das ist der Grund, weshalb Hörne diese Maßnahmen angreift und ihre Ab­schaffung verlangt. Die Abschaffung würde bedeuten, daß die Preise in Deutschland aus Weltmarktpreise aufschnel- len, d. h. auf das Doppelte bis Dreifache der Gegenwart. Die Folgen wären weitere Herabdrückung der Lebens­haltung unseres Volkes, neue Lohnkämpfe, Streiks, wei­tere Schwäche unserer Wirtschaft und vor allem für England das wichtigste die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie würde unterbunden.

Das deutsche Volk hofft und hofft aber immer auf andere, trotzdem

schon bittere Erfahrungen damit sprach nicht Lloyd George Mir

MW . ....... , . , ...

Play" bei Oberschlesien und hat es nicht gehalten. Das einzige, was wir in Sie Wagschale zu werfen haben, ist nicht die Freundschaft anderer, sondern der geschlossene Wille unseres Freundes, sich nicht erdrosseln zu lassen.

Alexander Knoll vom Allgemeinen Deutschen Gewerk­schaftsbund führte ganz richtig aus, daß unter der Herr­schaft der Ententediktate die sozialen Errungenschaften Deutschlands leiden würden. Man muffe Aenderung des Friedens verlangen. Wann läßt das deutsche Volk vom Parteihader und wird sich einig in der Verteidigung sei­nes letztenRestchens Freiheit und Unaubängigkeit? K L.

Llsyd Borges» AnschMUgkeil. Französische Gehässigkeit gegen Stnmes.

** DerTemps" berichtet: Lloyd George habe vor etwa 14 Tagen, als Loucheur ihn besuchte, große Pläne ent­wickelt. Er habe von der Streichung der interalliierten Schulden, von erneut Verzicht Englands auf seinen An­teil an den deutschen Zahlungen und von Anleihen für Deutschland zur Beschleunigung seiner Zahlungen an Frankreich gesprochen. Während Der letzten Londoner Besprechungerr sei aber keiner dieser Pläne erörtert wor­den. Lloyd George habe die Beschränkung auf proviso­rische Arrangements für notwendig erklärt. Von eng­lischer Seite sei den französischen Delegierten in London versichert worden, Stinnes habe fein Ziel in der englischen Hauptstadt nicht erreicht. Es sei für die englischen Per­sönlichkeiten, die sich mit Stinnes unterhalten hatten, sehr interessant gewesen, den deutschen Großindustriellen feinten zu lernen und von ihm Aufklärung über seine Ziele sn ertzattem^-D^ 2K'«Äi&A garnicht daran, den Anregungen von Stmnes näher zu treten, und wenn Stinnes den Eindruck gewonnen habe, daß es ihm gelungen sei, England für seine Pläne zu gewinnen, so ziehe er falsche Schlüsse aus einem ^n. terefse, das lediglich seiner Person gegolten habe.

Kein ZahlungsaufschuS.

»* Aus London wird gemeldet: Die Reparationskam- Mission wird Deutschland die Mitteilung Angehen lassen daß Sie beiden nächsten Zahlungen voll erfolgen müssen

Frankreichs Vorschläge für Cannes.

** Die voraussichtlich in Cannes von Frankreich zu er­wartenden Vorschläge für die Sanierung der deutschen Staatsfinanzen bezeichnen eine Neuordnung der Reichs- bankverfassnng nach dem Vorbild des Statuts der Bank von Frankreich oder der Bank von England für uner­läßlich. Sie fordern weiter die Schaffung einer Deviserr- zentrale und eine Verschärfung der Vorschriften über die Devisenabgabe von der decktschen Ausfuhr. Nach dem französischen Plane, der mich einer Meldung aus Paris bereits detailiert vorliegt, sollen die in London verein­barten Jahreszahlunaen durch eine grobe ist« nafiOM«tlc

langsam Mt sie einen Brief nach dem andern an die brennende Kerze. Und ein verwelktes Stäußchen nach dem andern. Ms alles in ein Häuflein Asche -er«; Men ist

Dann atmet sie wie befreit anst

Ach, wie weit, wie unendlich weit scheint auf ein­mal chr bisheriges Leben hinter chr zu liegen! Ihr ist, äks sei ste aus einem schweren Traum erwacht. Ein neues Leben tut sich vor ihr aus: ein reiches Leben voll Welch große Ansgcwe^harrt aber ihrer hier als Ge­fährtin, ^Mitarbeiterin, Trösterin zweier außerge­wöhnlicher Männer: des alten Alchimisten da unten, den das Brüten über seinen Experimenten zum Ein­siedler machte und des jungen Sternforschers dort oben, der im Absuchen der Himmelskörper alles menschliche Fühlen verlor, so daß er den Eindruck eines Erg Weltentrückten macht!

Wird es chr gelingen, die krankhafte Exaltatwn bei­der einzndämmen und in ruhige Bahnen zu lenken, damfl der Götterfunken Genie, der in beider Hirn glimmt, nicht durch das flackernde Jrrfener fixer Ideen ausgezehrt werde?

Denn nur ein Schritt ichs vom Genie zum Wahn­sinn

1

Frau Marquise, gestatten Sie, dich ich Ihnen »eine Dienste anbiete?"

Ebba, die soeben ihr Schlafgemach verlasten hat, um sich hinunter zu chrem Vater zu begeben, zuckt ein wenig zusammen. Von Kindheit an ist iBr diese leise, honigsüße Stimme antipÄhisch geweien

Doch sie bezwingt ihre Abneigung u-B reicht der knixenden Mamsell Tönneseu die Hand

lind die kleine, kokett gekleidete Person mr den ein» gekniffenen Lippen und dem eitna* schiefen Blick fahrt unterwürfig fort:

Nuteche. die 15 bis 16 Piilliarden Goldmark erreichen könne, geleistet werden.

Besprechungen über den wirtschafilichc« Wiederausba«.

»* Lloyd George hat eine Konferenz mit vier bekannten Vertretern der englischen Industrie und Finanzwelt ge- Hcht, um den Wiederausba« des Wirtschaftslebens in Enrspa zu besprechen. Die vier Herren werden nächste Woche nach Paris reisen, um dort Besprechungen mit einer ähnlichen französischen Kommisswn abzuhalten.

Die Revaler Wirtschastsko«fere«z.

»»Die neulich angekiiltdigte Wirtschaftskonferenz in Reval war nur von kurzer Dauer. Man war übereilt» Timmenü der Ansicht, daß der Abschluß von Handelsver­träge« mit Rußland notwendig wäre, kam aber übe, eine Besprechung nicht hinaus. Die Entwürfe, über die später mit Rußland verhandelt werden soll, werden einst­weilen von den einzelnen Ländern weiter vorbereitet.

Auslieferung weitererSchiffe.

»»Der ursprünglich für den Norddeutschen Lloyd auf der Echtchauwerft in Elbing erbaute 35 000 Tonne« 4roße DampferKoluurbien", der am Montag von El« ^'M abgegangen ist, traf nach stürmischer Fahrt glücklich M Hmnbkrrg ein uns wurde zur Erledigung der letztev Jnstaudsetzullgsarbeiten bei Bwhm & Votz gedockt. Am W nächsten Jahres wird der Dampfer die Fahrt nach Milans antreten, um der englischen Regiern,lg aus- Mürfoi't zu werden, die ihn für die Withe Star Linie an- lAnfte. Auch der DampferBismarck", der größte der «seit liegt gegenwärtig auf der Werft von Blohm s Goß, um fertiggestellt zu werden und bann dasselb- ^chicksal zu erfahren,Kolumbien". Dieses Staatsswi" ein Meisterwerk dentscher Technik, wird im März oder Äprll fertiggesteW sein. Der Norddeutsche Lloyd, unge. beugt und ungebrochen um den Wiederaufbau keiner bunt den Versailler Vertrag arg zerpfrückten Flotte bemüht, hat, um die Scharte wieder auswetzen zu können, Bcm reits einen Ersatzbau für denKolumbien" in Auftrag ÄÄÄl^1923

Die Gärung in Aegypten.

w-W >torm ät /^Uitr. Saglui -Mschr V vom britischen Militär in einem Auto nach Duez gebracht worden.

. Nach einer Meldung aus Malta haben die britischen KriegsschiffeCeres" undClematis" den Auftrag be« koumren, sofort nach Aegypten abzufahrem Wettere fcStte au galten ^^^^' sich sur sofortigen Abreise Eine Proklamation des Generals Allenby in Kairo verbietet allen Banken und Finanzinstituten, irgerrd- welche Gelöbetrage an Zaglul Pascha oder die ägnpti» scheu nationalistischen Organisationen abzusenden. Meh­rere Anhänger Zagluls, die die Abreise verweigerten, wurden verhaftet. In Alexandrien hat die Polizei 500 Demonstranten mit Knüppeln auseinandergetrieben.

Bou der Abrüstungskonferenz.

»»Aus Washiugto« wird gemeldet: Die italienische Ab­ordnung hat der Flottenkommissign vorgeschlagLN, eine »weite internationale Konferenz von größerem Umfange emzuberuwn, sobald die jetzige Abrüstungskonserenz aus. gelost fein nnrd, um die Ubgotsfrage ued das Proöle- der kleinen Schiffe an besprechen.

^Jch war untröstlich, daß ich gerade gestern nicht zu Hause war, Äs die Frau Marquise aufgewartet hätte."

Schon gut," wehrt Ebba ungedrtlöig ab. Sie hat augenblicklich keine« andern Wunsch, als die unange- nehme Person kos zu werden.

Aber Mamsell Tönnesen besitzt außer mancher an­dern charakterMscheu Eigenschaft auch eine Maße Un- verfrorenheist Und so beginnt sie, Ebba wie unabsicht­lich den Weg versperrend, aufs neue:

Wenn ich noch bitten dürfte, dem gnädigen Herrn nichts davon zu sagen, daß ich gestern fort war. Er ist in solchen Sachen sehr streng, der gnädige Herr."

Schon gut."

Und Ebba versucht, an Maursell Tönnesen vorbei- zugehen.

Doch diese Dame ist nicht so leicht abzuschüttck«.

^Es geht der Frau Marquise doch gut?"

Danke ja!"

Ich dachte, weil die Frau Marquise in Trauer ? Die Frau Marquise werden doch nicht gleich morgen / wieder abreifen, nicht wahr?"

Levchtes Rot steigt in Ebbas Wangen über die Un- ; Verschämtheit der Wirtschaftsmamsell, deren heim- j tückische Art und Weise ihr schon als Kind oft das Blut ' der Empörung in die Stirn trieb.

Und bei dem listig zwinkenden Blick und dem freundlich-hämischen Lächeln da vor ihr stellt sie u-i zum erstenmal die Frage, ob sie sich durch einen bau- eruden Aufenthalt auf Schloß Askö nicht in tute feiest ' Lage bringen wird.

Noch im Zwiespalt mit nch lelpst, steht sie der Mann mit dem sich soeben ihre Gedanken so lebhaft - beschäftigten, mit raschen ^Adifei den Gang entlang kommen, direkt auf sie « Autne:! ^öune :u zm

(Fortsetzung folgt.)