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Schluchterner Zeitung

gj^AA ^ I ^. 1L . j j ; Erscheint Smalwöchentl.Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtei«. :

< > F^M»M» ;Druck u. Verlag Fa. L. Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. i

<# | | | rSchriftlcit. H.-C. Hohnieistcr, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- :

I^aFAfwUf^V' »brüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung od.

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr 269

Samstag, 31. Dezember 1921

73. Jahrgang

Absnnements auf die SchMchterner Zeitung sür die Monate Iauaar, Arbruar, März nehmen sämtliche Postaastaften und Briefboten, sowie unsere Zoitungs- träger entgegen.

Ein Bestellschein für Postbezieher bestadrt sich anf der letzten Seite dieses Blattes.

SchMchterner Zeitung.

Big SkreikkeweMng der kismksgner.

»®le Annahme, daß die Elberfelder Ttreikbewegung, Sie gerade jetzt ernste Folgen haben kann, ohne Wissen des HauvivorstanSes des Deutschen Eiseubahnerverban- des entstanden ist, erscheint schwer glaublich angesichts der Tatsache, daß bekannte Stihrer des Deutschen Eisen- bahnerverbandes, darunter auch der zweite Vorsitzende, sich im Elberfelder Dtrektionsbezirk aushalten und dort ;in einer Weise tätig sind, die nicht gerade für den Willen spricht, das in jeder Beziehung unbesonnene Vorgehen der Eisenbahnarbeiter im Elberfelder Bezirk zu verh-li- bern. Nach Mitteilungen, die den zuständigen Stellen in Berlin geworden sind, hat der Deutsche Euenbahner- verbaud a«K versucht, mit den Vezirksvrgan'fatlonen der andere« tzisekSshnerverbänd.. über ein gemeinsames Vorgehen z« verhandeln, ohne baber allerdings die Zu­stimmung der Ädrigen Organisationen zu trüben. Es ist vielmehr damit zu rechnen, daß mtnde,tens ein Te-l der Beauitenverbänöe sich dem Vorgehen der Eisenbahn- arbeiter energisch entgegensetzen wird, um vor allen Dingen den Transport der Rnhrkohlen ncherzustellen. Das Reichsverkehrsministerinm hat angesichts der Ge­fahren, die aus der Lahmlegung der Kohlentranspotte dem Reiche auch in antzeupolitischer Beziehnug erwach­en können, der Reichsregteriiua eine genaue Darstellung der letzten Vorgänge übermittelt. Es wurde auf 4% Uhr nachmittags eine Kabinettssitzung einberufen, m der die Frage erörtert wurde, wie nian die Kohlenzüge für die äeriT^ie Sie ' «ÄS*«' der von den , .enbahnern geforderten Zulage Mr den Etsenbahnetat ergeben würde, betragen mehrere Milliar­den Mark. Man weiß, daß die Reichsregieming nicht mietzt aus Erwägungen außenpolitischer Natur in ieder Weise die Staatsbetriebe aktiv zu machen Bestrebt ist. Die Postgebühren sind ant das 20fache der Vor- kriegszeit erhöbt und bei den Eisenbahnen iverderi die Tarife vom 1. Februar an das 15- bis 17sache der Bor- Das ist trotz aller wirrschast- err, um die großen Defizite aus chnverwaltung zunächst einmal ., w Die ganzen Äiistrengnngen aber lich sein, wenn eine neuerliche Belastung um mehrere Milliarden Mark er-

kriegstartfe aus lichen Bedenken der Post- und

verschwinde würden ver des Eis folMn würde.

BerläMeruns des Ultimatums.

W$ie von den WerkstättenfunklisnÄre» des Deutschen- ElsenbahnerverK<veseL lBezirk Elberselbi aestellten be- Msteteu Fordenrna.en sind bis Freitag verlängert wor­den, um die Weiterführuna der mit dem Vteiwsverkevrs- Ministerium eingeleiteten Berhaudlnngen zu ermöglichen.

Avleh«tt«g der Fordernnge«. ,

^ Das Reichskabinett beschäftime sich am Mittwoch mit i der Bewegmig der Eisenbahnarbeiter im DirektionSbe- zirk Elberfeld. Es stellte sich auf den Standpunkt,,daß gegenwärtig, wo Dentschland unter schwerstem außen­politischen Druck steht und nnbedingt der Neichshaushalt ins Gleichgewicht gebracht werden müsse, unmöglich Be­träge bewilligt werden können, die für das Reich mehrere Mlltarden Mark Ausgaben bedeuten würden. Es müne bet der im Dezember erfolgten Regelvng des Reichst ftnanzministers verbleibe«.

Die Halt««« des Allgemeine« Eisenbahnerverbandes.

»-«-Aus Berlin wird gemeldet: Nach Mitteilung aus unterrichteten Kreisen soll der Allgemeine Eisenbahner- verband erklärt haben, sich gegebenenfalls selbst an W »»ÄÄ

Die Folgen des Streiks.

»-».Aus Köln wird gemeldet: Die Folgen des Eisem bahnerstreiks im Direktionsbezirk Elberfeld machen sich bereits dadurch bemerkbar, daß die aus dem Osten fälli­gen Züge dort von den Streikenden angehalten und nicht nach Köln weitergeleitet wurden. Das Eifenbahnversv- nal des Bezirks Köln schließt sich dem Streik nicht, an, Die von Köln nach Osten abgehenden Züge werden samt, ktch fahrvlanMützig abgefertigt, zum Teil aber umgeleitet

Wissenswertes üöer das Macken mit Kefe.

Dr. A. Zscheile, Berlin-Friedenau.

Vielfach werden Rezepte und Vorschriften über die Ver­wendung von Hefe zum Backen veröffentlicht, über welche die erfahrene Hausfrau lächelt, bte der Anfängerin aber Schaden und große« Verlust bereiten.

Die Hefe ist eine lebende Pflanze und zwar ein winziger Pilz, der sich von Zucker ernährt und hierbei Kohlensäure bildet, die den Teig zum Aufgeheu bringt. Wer diese Kennt­nis besitzt, hat schon viel gewonnen, so weiß er vor allem, daß die Hefe wie alle LebeuSwesen heiße Zentner atmen nickt vsWme^Zsu-. W. geh« ».oft^rulwel-vttlkert den TrleS, und das 'Backergebnis ist zu aller Leidwesen ein fitzsngsbliebener Kuchen. Auch Kälte fchadct der Hefe. Manche Hausfrau legt in bester Absicht die Hefe im Winter vor das Küchenfenfter, um sie möglichst ftisch aufzubewahren. Dies ist unter Um­ständen für die Hefe sehr schädlich, denn friert eS in der Natur, so erstarrt a«ch die Hefe, und wenn man die gefrorene Hefe ohne weiteres in warme Flüßtgkeit bringt, fo platzen die Zellen, und mit dem Trieb ist es dann vorbei. Taut man die gefrorene Hefe in einem nicht geheizten Raum ganz allmählig auf, so kann man sie unter Erhaltung ihres Triebes ins Leben zurückbringe». Im Winter soll die Hefe immer in eincm frostgefchützten Raum aufbewahrt werden.

Wenn die Hausfrau der Natur der Hefe gerecht wird, ist das Backen mit Hefe einfach und zuverläffig. Man verlange vom Bäcker frische Heft, die eine helle Farbe hat, angenehm riecht und fest ist. Die Hefe soll ohne großen Aufschub ver­wendet werde«. Läßt man kleine Mengen längere Zeit offen an der Luft liegen, fo trocknet sie an der Oberfläche ein, wird braun »nd'vrrdirbt allwählio, nachdem sie sich vorher

Meistens stark erhitzt hat. Kann man die Hefe nicht am selber Lage verwenden, so wickle man sie fest in Papier ein oder drücke sie fest in ein kleines widerstandsfähiges Gefäß au» Glas oder Porzellan und befeuchte die Oberfläche mit Wast«r. Auf die letzte Art wird die Hefe von der Luft abgeschls'- n «nd hält sich tagelang, ohne an Triebkraft »n verlieren. Bei ihrer Verwendung nimmt man die braune Oberfläche ab und benutzt nur die darunter befindliche frische Hefe. Es verhält sich mit der Hefe wie mit frisch geschältem DMt dieses muß auch schnell verbraucht werden, da es sonst an der Oberfläche auläuft und schließlich verdirbt

Die winzigen Hrfepilz« müssen im Teig gut verteilt wer­den. und mo» muß deshalb dir Heft vor ihrer Verwendung in Wasser oder Milch gut auflösen. Mao rühre und ver­reibe die Hefe solange bis alle festen Teilchen in Lösung ge- gangen sind. Hierbei ist eS vorteilhaft, erst wenig Flüssigkeit zur Hefe zu geben und nicht umgekehrt die Hefe der ganzen Flüssigkeit zuzusetzen. Man rühre die Hefe aber 'keinesfalls in heißer Milch an, noch bringe mau heißes ober kaltes K noch Salz mit ihr in direkte Berührung, weil sonst ib., Triebkraft beeinträchtigt wird. Die Hefe arbeitet am, besten' bei Temperaturen, die als hoadwarm zu bezeichnen sind. Milch »nd Wasser sollen deshalb lauwarm verwendet werde«. Auch das Mehl und die übrigen Zutaten sollen^« etwas

im Winter

angewärmtem Zustande Verwerdung siuden, was besonders Winter zu beachten ist.

Den Teig kann man direkt mit Hefe oder mit Hilfe eine« kleinen Vorteiges zum Aufgehen bringen. Durch die

Verwendung eines Vortsiges wird die Triebkraft der H-.E erheblich gesteigert, es geht aber auch ohne solchen. Man verreibt dann die Butter zu Schaum, verrührt sie mit de" Zucker, dem Salz und der geriebenen Zitronenschale, gibt abwechselnd Eier und Mehl hinzu und rührt solange, bis die Zutaten eine gleichmäßige Masse ergeben. Hieraus nrfrb

läßt man ihn in einem warm«« Raum am heften in der Nähe des Ofen» aufzehen und schützt ihn vor Zugluft, in­dem man die Backform mit einem sauberen Zudpx ^ubedt Ist der Kuchen etwa 2 em hoch aufgegangen, so wird er ausgebacken.

Aus der Heimat.

B-ratt-fichtl. Witt-rirug Am 31. 12. (Samstag : Nacht klar und Bodenfrost, Tag Trübung, milder, Regen.

Am 1. 1. (Sonntag): Nacht klar um, etwas kühler Tag Trübung, milder, windig, Nlederfchläge.

Am 2. 1. (Montag): Wolkiges, zeitweise «ushei! etwas kühleres, sehr windiges Wetter^lU.Medetl Schauern.

* Zeitbilder. Walter-Walter drahtet: Daß Wer* Walter zu Neujahr stumm blieb ? Ganz seibstver-- siändllch !!! wo's wieder Rnm röt!!! \

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von Erich Friese«, ich «ÄS» JW versuchte Mamsell Tonne ^J$ aufzubäumen. Ein verwu

sagen? Sie kennt ja nicht den Grund seines

Glaube mir: Leid und Freude arbeiten im Leben zu­sammen, um den Menschen zu erziehen, um ihn dem ähnlich zu machen, was er sein soll bau Ebenbild Gottes! Ich bitte dich nicht, dich mir anzuvertrauen Vertrauen ist eine zarte Blume, die ihren Kelch von selbst dem Licht der Sonne erschließen muß. Aber - meinst du nicht, du überschätze,t vielleicht die Große deS dir widerfahrenen Unglücks?"

Er hat sich vor, ihr abgewandt und blickt starr vor sich hin Als er nach einer Weile antwortet, klingt seine Stimme dumpf, als schnitte ihm eine uimw- bare Faust die Kehle zusammen.

Zu spät, Ebba! Zu spät!" .

Ünd ohne iwch einen Blick auf sie zu iverstzfl, schrei­tet er rasch davon. / ,

Ein leiser Seufzer hebt Ebbas Brust. Hastig zieht sie die Verblichenen blaufeidenen Vorhänge' ause.mmdcr und stößt das Fenster auf.

Die Freude ist von ihrem lieblichen LlmM geschwun den, das Grübchenlächern hat sich in herbe Wehmut ver wandelt. Mt umflorten Augen M t sie hinaus an das sich in endlose Fernen verliere Meer, auf denen leiste bewegten Wellen die Mittägssomte i'Mt ,

Ach, wird es ihr nie gelingen, jenes Unglück,Oge Etwas" zu bannen, das Guünars Leoen wie mit c; nein Trauerflor umdüsterE . Es rst w»e em kaltes Nordlicht, das aus dem ganzen Schloß und seinen Be­wohnern hervorschimmAtt ohne herzerwarmenden

Hub während sie noch sinnt nito grübelt, und den verlorenen Blick durch den Park fäweircu laßt, gM«M sie ihren Vater,, der unten im Gewächshaus langsam auf und ab schlürft. Hie und da bleibt er neyen, um einen Blutenkelch oder eine Wurzel 311 ru^igierem Oder er pflückt eine Blume oder ein paar Blatter und wirft sie dem ihm folgenden Hilmar in den Koro> während Luzifer mit gesträubtem Fell das sel.same Paar umkreist. (Fortsetzung folgt.) .

letzten

abzulenken, öffnet sie rasch die Tür zum

mnler.

"Es ein Kinderzimmer> mit der zierlichen Aus­stattung/ tote nur eine liebende Mutter sie zusammen- zutragen vermag,

Beim Anblick dieses ganz in Lichtblau gehaltenen Gemachs, in dem er als kleiner Knabe gespielt, das die heiligsten, süßesten Erinnerungen einer sorglos glück­lichen Jugend in sich verkörpert, entringt sich Gunnars Brust ein schwerer Seufzer, der beinahe wie ein Stötz- "«DaÄuHt Ebba für einen Moment ihre gewohnte Selbstbeherrschung. Mt ihren beiden Händen die seinen ecareifend, ruft sie unter hervorbrechenden Tranen:

Gunnar' Lieber Vetter Gunnar! Warum lügt du diese finstere Schwernrnt Macht über dich gewinnen? Weshalb genießest du nicht all das Gute, das ein gütiges Geschick dir beschert? Weshalb verschließest du dein Herz den Menschen? Das Schloß deiner Väter sollte nicht verwahrlost daliegen. Längst sollte estte Schloßherrin das Szepter hier führen, und rosige Kinder sollten zu betnen Füßen spielen. Gunnar, Gunnar, was hast du mit deinem schönen, reichen Leben aftgesangen?

ist bis in die Lippen hinein erblaßr bei thten in leidenschaftlicher Erregung herausgestoßetteu Worten. Fast heftig befreit er seine Hände aus ihrem sanften ^^Frage -nick nie danach, Ebbal Hörst du,. meN Deine reine freie soll nicht durch einen Hauch ^»e^ Schreck- ä^TKSÄV'Ä'; n*.'tf'" " "' «®ty» ** *»**" * ; . A &.* «4 "u,»'i-.°-ö,«Z°u «K« w sein blasses Proftk Mgeweudet. dessen . Ikiebt spurlos verbeiging. ^ ^ -ch ha--^-^ Aner llijoschnitt an die Antike erinnert, und sie gewahrt, !

illna»« tn seinen Zügen zuckt. Und ein tiefes Ver- | * steift fteMü zu trösten. Wer was M D «

Sem

und jsdoch »

t®T«<>-Jäher sie gehorcht den Befehlen derHergelau- ,-AEelprinzessin", tote sie Ebba bei sich nannte.

bu /* hat sich von Gunnar die Erlaubnis erboten, M Jahren verschlossen gewesenen Herrschaftsräume

L^ttnen und zu lüften. Und mit einem Gemisch von und Singst wartet sie auf den Eindruck, den es ^-.M machen wird, da er zum erstenmal an ihrer i» ^r durch die glänzende Zimmerflucht schreitet, \^. er seine Kindheit und spater einen Teil seiner ' ce^^^e verbrachte.

dt-^D ^ einen: frischen, kühlen Nachmittage. Durch bfoBM ofTenen Bogenfenster schimmert das Meer. Und < ^ wölbt sich darüber der Himmel.

leL« c m Eifer, ihm alles im schönsten Lichte zu ;

^e fie ihre sonstige echt mädchenhafte Zurück , CöF ubcwwmfen. Lachend und scherzend eilt sie ' iwu5» ^!" zu Zimnrer und scheint gar nicht zu be ; schv^tt^ er immer stiller und stiller wird und ein I ^liches^ Lächesir seine Lippen verzieht.

GeE Jaft könnte es scheinen, als seien die finstern ; sagt «. . Dergangenheit aus. Schloß Askö entflohen", Wt\ ^ einem mißglückten Versuch Erinn^ ist nur eine ^^

Er"^?^ weichen nie! Nie!!"

eblto Ä f^ sein blasses Profil Mgewendet, dessen . lvil ^chnitt an die Antike erinnert, und sie gewahrt,

wie sehr, kann niemand ermessen, als ich selbsU Aber ick habe mit rücht zu Boden werfen lassen. Du tust G M W 1 W& M 1» ^^ meinem Schmerz tzmsugebe«.

Sonne erschließen muß. Aber überschätzest vielleicht die Größe t Unglücks?"