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Schlüchterner Zeitung
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Kreisblatt
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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
Nr. 2
Donnerstag, 5 Januar 1922
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74. Jahrgang
Die internationale klnan;kalamilü?.
roblems in Paris an den Ber, «, setzten, -----ihre Besprechungen beendet Han ausgearbeitet worden sein, der der Kom obersten Rates in Carules vorgelegt werden
wird. Der Gedanke der Schaffung einer irlterstaatlicherj Gesellschaft ist jedoch noch immer nicht ausgegeben worden. Das Ziel, das man sich dabei gesetzt hat, ist aber ebenso lobenswert wie unmöglich. In kurzer Zeit will man aus wirtschaftlichem und finanziellem Gebiete den Vorkriegszustatid wieder herstellem Das soll durch die erwähnte internationale Gesellschaft zu Wege gebracht werden. Der französische Wiederünfbaumirlsster Loucheur. -er schon in London über die wichtigsten Punkte des zu schaffenden Werkes unterrichtet worden war, hat in dieser Hinsicht den Standpunkt der Engländer zu den: seinen gemacht. Ausgehend von der zerfahrenen Lage aus dem Gebiete des Transportwesens denkt man dabei zuerst an die Reorganisation der Eisenbahtten, mißet namentlich der Osten Europas in Betracht kommt. Die Schiffahrt soll, wo Schienenwege noch nicht gebaut oder
" zerstört sind, helfend eingreifen. Auch an den Transport mit Kraftwagen wird gedacht, und die Auto- mobtlindustrie der Weststaaten nimmt bereits reges Interesse an diesem Projekt. Die ausreichende Verwendung von Flugzeugen spielt dabei ebenfalls eine nicht geringe Rolle, doch sträuben sich die Franzosen besonders gegen die Errichtung von Flugstationen auf deutschem Boden oder gar gegen die Erlaubnis, daß Deutschland selbst solche Herstelle. Man pocht da Meder aus den VersaMer
wo sie
oder gar gegen die Erlau solche Herstelle. Man pocht Friedensvertrag, und bringt so diese Absicht von vornherein zum Scheiterrr. Indem man auf diese Art durch zwangsweise Ausschließung eines Teiles von Mitteleuropa dem Problem bereits den internationalen Charakter nimmt, stößt man bei der für die Ausführung der Pläne notwendigen Gesetzgebung auf neue Schwierigkeiten. Internationale .Zusammentünfte und Gerichtshöfe haben sich
llt*£et ZrsWsH U-J& 4$".««^.,* .—- ^• ioi,; • vL ^-»-^^' erwiesen, und einzelne Delegierte sagen ganz offen, daß man leicht Gefahr laufen könnte, abermals Berge von
Akten unnötigerweise zu beschreiben und Arbeit und Zeit M vergeuden. Inzwischen ist man auch weiterhin am der Suche nach einer neuen Münzeinheit für dre valuta- schwachen Staaten, will ein Geld auf Goldbasis schaffen, das allmählich an westeuropäische Münzeinheiten z. B. den Frcncken angeglichen werden soll. Ursprünglich dachte
Frcnlken angeglichen werden soll. Ursprünglich dachte man daran sofort an die Hilfe Amerikas zu appellieren. Da man jedoch weiß, wie skeptisch jenseits des Ozeans über noch in der MtwicklUng befirrdliche, unfertige Plane gedacht wird, und nach den schlechten Erfahrungen, die man mit Amerika bei der Behandlung von unpraktischen, rein theoretischen Problemen gemacht hat, wrll man sich jetzt Mühe geben, erst einmal seine Absichten klar zu Papier zu bringen, uÄ dann erst die Bereinigten Staaten- um Mithilfe ersuchen. Man rechnet damit, daß dann die Union ihr Möglichstes tun wird, um ine Staaten Süd-, gurerikas zur Mitarbeit herLu-uziehen, ebenso wie England daran denkt, seine Dominien für die Schaffurrg des neuen Geldes zu interessieren. Bei Behandlung all die-, ser Fragen darf man !•&$$ nicht vergessen, daß es sich dabei nur um Anregungen der Regierungen handeln kann, keineswegs jedoch um regelrechte politische Maßnahmen. Die Jrntiative wird hierbei nämlich nahezu
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MAGVier vom Lage.
»»In dem Streik der Textilindustrie im Mnucheu- Gladbacher und Meydter Bezirk ist es zu einer Einigung gekommen. Die Arbeit ist wieder ausgenommen worden.
Das Mitglied der ordentliche« Untersnchungskom- misfion i» Smoleusk, Gribtscheuko, wurde, weil er im Interesse von Privatangelegenheiten seine dienstliche Stellung mißbraucht harte und viele Bürger verhaften ließ, zum Tode durch Erschießen verurteilt.
Die Washingtoner Konferenz nähert sich ihrem Ende. Man erwartet, daß noch zwei Vollsitzungen abgehalten würden. Es scheint, daß am 14. Januar als Datum des Schlusses der Konferenz festgehalten werden soll.
Form von Anleihen oder SchüffMig von GUtyaven irgendwelcher Art, an dem Werke beteiligt werden solle. Was Deutschland angeht, so wirb daran gedacht, daß hier Anteilscheine geschaffen werden, die zur Hälfte in den Besitz des Reiches übergeben, das mit diesen Guthaben einen Teil der Reparationen sicherstellen soll. Inzwischen drängt die internationale FtnaArkalamität zu sofortigem Hmrdeln, und es muß fraglich erscheinen, ob man sich Heute mit bloßen Experimenten begnügen darf. Die Zeit drängt so sehr, daß theoretisch-akademiiche Erörterungen nur schädlich wirken können, da sie der raschen Ergreiftrng von Maßnahmen im Wege stehen.
Der Platt eines Finanzkonsorttums.
»-- Der „Daily Telegraph" betont, daß der Bericht der alliierten Wirtschaftsleute, die soeben ^ Barrs getagt haben, die prinzipielle Entscheidung enthält, daß Deutschland und die anderen Feindstaaten gemäß dem engll- schen Vorschläge in das beabsichtigte Finanzkonsortium ausgenommen werden.
Der Anstatt zu Cannes.
Aus Paris wird gemeldet: Die Bemühungen, im Voraus eine Einigung wenigstens über die Grundlagen der Probleme, die in Cannes erledigt werden sollen, her- beizuführen, haben in den letzten Tagen eine FortHwung auf verbreiterter Basis erfahren. Es haben in PariS eine Reihe von Besprechutlgen stattgefmrden, die in erster Linie dem Ziele galten, die übrigen Alliierten mit den von Frankreich und Englai'ö ins Auge gefaßten Lösungen zu befreunden. Hinsichtlich der von Lloyd George angeffrebten Projekte zur wirtschaftliche« Kon,otrdier««g Europas und insbesondere zur Wiehere;nglieSerung Rußlands in die Weltwirtschaft ist eine Einigung im wesentlichen gelungen. In der Frage der Reparationen dagegen scheirren die Schwierigkeiten, die dem englisch- französischen Einvernehmen entgegensieherr, noch kelnes- wegs behoben. Die Grundzüge des ÄyiMt Lloyd George und Briand vereinbarten Provisor uns jür das Jahr 1922 sind in fünf Punkte zum umeugefaßt. Aus den Erklärungen, die Briand
LrumilMrr lü- »».-..«ükv .a^v ^^ au« ttw»«-«. w-, ist ersichtlich, daß Part' seine endgültige Zustiumurng zu dieser Lösung von vier Quälten abhängig gemacht hat. Das aber hat zur Voraussetzung, daß Belgien z« einer teilweise« Zurückstellung der vom ihm im Friedensver- trag zugesicherten Prorität sich bereitfindet, sodaß man sagen darf, daß das Resultat von Cannes mehr oder weniger von dem guten Willerr und der Einsicht der Brüsseler Regierung abhängig ist.
Auch Rathe«»« reist «ach Ca«nes. _ »»Aus Paris wird gemeldet: Wie aus bester Quelle bekannt wird, gedenkt Dr. Rathenau sich am Dienstag nach Cannes zu begeben.
Die A«k«»st der Delegierte« to Cannes
Wie der „TenrpS" urttteilt, wird Briand am Dienstag Paris verlassen «nö am Mittwoch vormittag mit den Sachverständigen der französischen Delegation in^Cannes
___Loucheur wird 24 Stunden früher dort ein-, em Bonar Law und Sir Worthington Evans sind, s mit Lloyd George und Winston Churchill in Can-
S zusammengetroffen, die anderen Mitglieder der eng- chen Delegation werden erwartet. Die japanische und stsche Delegation sind für Donnerstag angesagt. and und Llovd George werden am Mittwoch und rmerStaa Vorbesprechungen haben. Die offizielle Ta- rg des Obersten Rates wird am Freitag, 6. Januar,
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Der Liebe ewiges Licht.
t' , Roman von Erich Friese«.
B (Nachdruck verboten,)
find die seltsamen Patienten hörten mit offenem Munde und weit aufgerissenen Augen zu und zogen - ab mit verklärten Gesichtern und felsenfestem Bw- I trauen zu der Allwissenheit des Hexenmeisters".
Wenn, auch Ebba zuerst den Kopf geschüttelt hafte ; beim Anblick dieser eigenartigen ärztlichen Sprechstunde, so gewöhnte sie sich doch bald daran. Sie selbst ist zu fest überzeugt von der Gelehrsamkeit ihres Ba- j ters und seiner peinlichen Gewiffenhastigkeit, als daß ihr je ein Zweifel kommen könne, ob die verabfolgten Mixturen auch wirklich Nutzen bringen.
Das Gewächshaus und der es umgebende Kräutern ! garten unterliegen nunmehr ihrer ganz besonderen .Aufsicht. Während sie früher als Kind alltäglich viele Etuilden zwischen den seltsam geformten Blätter« j und leuchtendfarbigen, schwüle Düfte aushauchende» , Blumen verträumte — so pflegt sie jetzt diese Lieblinge ihres Vaters voll hingehender Sorgfalt.
Nur eines macht ihr dabei Kummer. Trotz aller Mühe ist es ihr noch nicht gelungen, das Ziel seiner Sehnsucht, das -Euphrofynuni", z«m Blühen z« ! brüt — diese persische Pflanze voll wundersamer die seinerzeit von den Kreuzfahrern nach gebracht ^murde, beren ~
verloren
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Kabdrakorium fei« so
geheimen hat ses in im Mauze»
Deutschland kann zahlen!
»»Basel. (S. CJ Die Baseler Nachrichten" melden aus Paris: Die Wieöergutmachungskommisston hat am Dtontag die deutschen Einwendungen zur Kenntnis ge- normnen und die von Deutschland eingereichten Finanz- unterlagen geprüft. Die Wieöerautmachungskommii- sion ist durch die deutschen Darlegungen nicht z« der Ueberzeugung gelaugt, daß Deutschland nicht zahlen könne. Sie wird in den nächsten Tagen den Deutschen Gegenvorschläge unterbreiten für die Leistungen an deutschen Sachwerten und für die Goldablieferung.
Die EntschädigungszMunge« im französischen Budget.
** Basel. (S. C.) Der »Baseler Anzeiger" meldet aus Baris: Das vom Senat und von der Kammer am 1. Januar angenommene Budget für das Jahr 1922 enthält unter den Einnahmeposten über eine Milliarde Franken Wiedergntmachnngsbeträge von Dentschlaud.
den Alliierten bei seinen gerechten Forderungen nicht im Stich gelassen werden dürfe.
Ei« «e«er K«rs Italiens gegenüber Deutschland.
** Rom. Im italienischen Ministerrat,, der über die Tagung vim Cannes beriet, bat Äononn ^f^H -y.
i cw am einet p^rj^^rr^!« Miro« r« der Reparattous- frage rüste. Man nimmt an daß Italien in der ober- schlesischen Angelegenheit jetzt eine für Deutschland er träglichere Lösung der schwebenden Fragen mit Nachdruck betreiben werde. Bonouri werde aus feiner bisherigen Zurückhaltung Seraustreien. Sein Auftretew in Cannes soll das Zeichen sein, daß Italien ine PolttN des Grafen Sforza ablehne.
Die Wahrheit bricht sich Bah».
»»Berlin. Der „Tägl. Rundschau" wird von privater englischer Seite berichtet, daß man nr amtlichen englischen Kreisen die Ansichten nicht mehr teile, unter denen Sie Verteilung der ehemalige« deutschen Koloure« erfolgt sei. Besonders in den französischen ManSatsge- bieten herrschten große Mitzstänöe. Man beginne allmählich einzusehen, daß zur Ansuutzung der Koloniew einfach die Ausschließung Deutschla«Ss nicht möglich sei.
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«te „Euphrviyuum" zu fü ' r kennt sie das Aussehen ,.^._. _____ und auch das Aroma hat der Vater ^.
Frankreichs militärische Vorbereitungen.
»»Zürich. (S- C.) Der „Tagesanzeiger" meldet aus Paris: Es ist unverkennbar, daß große militärische Vorbereitungen im Gange sind. In den elsässischen Garnisonen besteht seit dem 28. Dezeurber Kriegsbereitschaft.
Kontrolle des deutschen Etats.
d» Berlin. (S C.) Aus Paris liegen neue Nachrichten vor. Die deutschen Vertreter in Paris haben den deutschen Etatsvoranschlag für das Jahr 1922 eingefordert, dessen Vorschlag von der Reparatwuskommission gewünscht worden ist -
finden. Bon Ab- ; ßr htsr in i#t^ «aterS für j en lerner Blatter r >^d^m Heiligtum aufsucht?
Heute, an einem warmen Sommetmorgen, fühlt Ebba sich besonders froh und leicht. Nach einer durchwachten Nacht hinter seinem Experimentiertisch hcst Meister Wybrands sich vor kurzem erst zur Ruhe 6fr geben. UrlS diese Zeit benutzt seine Tochter, um hinsL nach dem Gewächshaus z« eilen.
Die ganze Nacht über hatte Geivölk den Glanz der Mitternachtssonne verdeöft. Stur ein Geöämmer war es, nicht Ta^ nicht Nacht. Jetzt aber verschwinden die Wolken, »nd an der langsam ins Rosige über- gGenden Beleuchtung der Natur ringsum sieht Ebba, daß der Tag begomren hat.
M»e eigenartig weihevolle Stimmung erfaßt sie. Ihr ist, als dringen die Sonnerpstrahlen durch die gleichgültige Alltä^ichkeit des Lebens hindurch, bis direkt in ihr Herz hinein und erfüllten es mit wunder- famen, bisher unbekannten Wonnen.
Langsam schreitet fk in den Gängen des Gewächs- Hanses auf und ab.
Um sie her ein buntfarbiger exotischer Mumeu- rmrsch, der besonders seltsam anmutet inmitten der kahlen nordischen Landschaft da draußen. Das türmt
sich zu rohe«, schwt schillernden Schlwr bläht sich z« roten Gebilde, pourE f Mldsvvll I zenwekt hier
hüllen. Zierliche, feinadrige e Dolden, ganz weiße, ««- erne. Seit Ebba die Pflau- ht alles in doppelter Wille.
fiiwwvi w
edernrann ß ?ng ve
Ein heben-es Gefühl, halb Freude, halb Schreck, durchMÄ. sie, als sie Günnar erblickt.
Noch niemals vorher hat er Einlaß in das Gewächshaus begehrt. Was kann es fein, das ihn heute hierher trieb?
Als errate er ihre? Gedankengang, sagt er rasch:
„Ich sah dich von meiner Sternwarte aus, wo ich seit vielen Stunden weilte, um das Heraufziehen des neuen Tages zu beobachten. Es geschieht nicht oft, daß meine Blicke von dort aus zur Erde herabschweifen. Mit dem Schwinden der Nacht erscheint mir die Welt öhe und trostlos, und mein müder Körper verlang: dann nach Ruhe. Heute aber — ich weiß nicht, was mich dazu trieb, nach dem Gewächshaus zu blicken — und das f
Welt auch
kam mir plötzlich zum Bewußtsein, daß die »daunten schön ist —*
Sie senkt die Ader vor seinem warmen Blick — tiefer und immer tiefer, bis die langen gebogenen Wimper« dunkle Schatten auf die zarten Wangen werfen.
Keine Miene, keine Gebärde verrät den Sturm, der in den beiden tobt. Nur schüchtern tastet er nach ihrer Hand, die sie ihm willig überläßt. Und schweigend, in stiller Glüö^eligkeit, schreiten beide, wunsch- losen Kindern gleich, Hand in Hand durch die schmalen Gänge des Gewächshauses.
Endlich rafft sie sich auf in ihrer träumerischen Versunkenheit.
„Wunderst d« dich nicht, daß ich schon so früh hier nuten bin, Gmmar?"
Schweigeud schüttelt er den Kops, ohne den Blick am wenden.