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Schlüchterner Mu

r ««masvreis vierteljLhrl. 15. Mk., einzelne Monate 5. -Mk. : $ durchBaken frei Haus ob. durch b. Post (einigt. Bestellgeld) ; ' Anzeiacnpreie je miu einspaltig 1. Mt., Reklanien 2.ö0 Mk.: : Rabatt nach Tarif. Pollscheckkonto : Frankfurt a. M. 11402.;

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Kreisblatt

: Erscheint 3mal wöchenti. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. ; «Druck u. Verlag Ja. T. Hohmeister, Schlüchtern. Berantworll. - :Schristleit. H.-T. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle L ei- : -brüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; «Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr 3

Samstaa. 7 Januar 1922

74. Jahrgang

ANselsi »om Tage.

96 ZeitttUgeu und Zeitschriften sind nach dem drit­ten Nachtrag der amtlichen postalischen Zeitungspreis- ttste alleiri im Dezember eingegaugen.

Die demokratische Zeitung ht Bonn stellt wegen der allLemeinen Schwierigkeitert ihr Erscheinen ein.

»»Calovder hat Mittwoch nachmittag Kattowitz, ohne dort Konferenzen abzuhallen, wieder verlassen und sich im Auto nach Ovpeln besehen.

Der Generaldirektor der »Deutsche« Tageszeitung", Felix Telge, ist im Alter von 64 Jahren in Berlin ge­storben.

Der weiße Tod. Die Suche nach bem am 31. Dezem­ber in den Otztaler Alpen auf einer Skitour durch La-, Winerrsturz verunglückten "rofesfors Schork ist den Blät- itzM zufolge bisher m n«-blieben.

Sie französtsche Regier««« plant für Februar eins Derkehrskvnserenz in Nizza, zu der Italien, Deutsch Lnd, Oesterreich und Jugoslawien zugezogen werden füllest.

Die südslawische Regierung forderte die italienisch! Regierung auf, die nach den dalmatinischen Hasen ent sandten Kriegsschiffe zurückzuziehen, sie versprüht Be, L^afUng der an dem Angrtffe auf italieucsche Seeleut« Schuldigen.

Die Eiutreiv««» der Getreideabgabe in R»Maur ha^e wie die russische ZeitungKrasnaja Gasta" 'chrerbt hwö aller AnftreuMnaen ein sehr schlechtes Ergebnis

anS Moskau die Mvbiusieruna von zwei Jahrgang«! für ganz Rußland angeordnet haben.

Zeh« Ueberlebeude der Besatzung des dentsche» DampfersFehmar»", der während des Sturmes in HZ Nordsee gekentert ist, sind von einem FischdampM Ö Grimsby gelandet worden.

Der Doppelmörb^ W-ndolin. der ben Juttas teur Dorzapf, den Mann seiner Geliebten, sowie den Hs garrenhandler Gaffel, beide in Mainz, ermordete, M Ä Butzvach Mberhessen) hingexichtet worden.

Wehe Deutschland!

Ueber die zu behandelnden Pläne bei; Je» kommen­den Beratungen in GauueS liegt augeublickttch^noch ttef-

wohl M überraschen gedenke. An der Seuce scheint »Mt ^§^ÄÄ^ÄW^ ä m K mn Zeit zu Zeit in Wutausbrücheu Luft. Unter Ab- tetmuug jeher Verständigung sprechen die Blatter oa- wo» daß das greifbare Ergebnis der Konferenz m Can- »«' slA»»a etnnuh eine Verstärkung der Kontrolle über 'Deutsclüaud fow^ eine Bermeyrmlg der Vollmachten der

Die Schmähungen ÄsSSÄÄ namentlich gegen unser«' mweblülKN passiven Widerstand, der auf die Umchlus- W Alliierten zurückzuführen wäre. Deshalb je! eine noUftäubige Wendung der Druge ^^zuführeu und Deutschland einer barterc^ltrt ausnw

fetzen, als es jemals seit dem Waffenstillstand erduldet hätte. Dr. Rathenau solle seine Regierung darauf Hin­weisen, daß ein Mißverständnis zwischen den Verbünde­ten das Beunruhigendste für Deutschland sein könnte. Man rechnet also in Paris damit, daß Briand vielleicht als Opfer der nationalistischen Opposition soweit gehen würde, daß Lloyd George kein Mittel zur Herbeiführung eines Kompromisses mehr sehen würde. Frankreich stände dann allein, und es bildet sich ein, auf Deutich- lanös Lippen bereits ein schadenfrohes Lächeln zu be­merken, das es durch Drohungen im Keim ersticken wt(L Wehe Deutschland also, falls die Verbündeten sich ver­ständigen, da dies nur dann geschehen könne, wenn Eng­land und Italien die Forderungen Frankreichs anneh­men. Wehe aber auch dann, salls sie sich nicht verständl- gen, und Frankreich freie Hand gelassen wird. Das sind jedoch nur alles leere Redensarten, hinter denen sich nicht allzuviel Kraft verbirgt. Nervosität ist die richtige Bezeichnung für die Stimmung, die sich gegenwärtig jeu- seits des Rveius breit macht.

Auch au der Themse ist man indessen nicht gerade (wffnuWwa gestimmt. Man weiß dort ebenso Hut wie in Paris, daß ein Programm norb nicht icnaeic^t fei und daß man den Gedanken des Aufbaus Mittel- und Osteuropas einschließlich Rußlands durch ein internatio­nales Konsortium noch nicht soweit geführt habe um ei­ner Kritik der Geschäftswelt slandhalten zu können. Man könne es als einen wirkungslosen Ausgleich zwi­schen zwei einander entgegengesetzten Ansichten bezeichn neu, wenn man Deutschland in den allgemeinen Wieder- aufbauplau nur unter der Bedingung hineiuzubrmgm .bereit ist, falls es die Hälfte seines Gewinnes als Repa- ratimi bezahlt. Selbst die NortHeliffeblätLer geoen der ißemtuiung Raum, daß hinter diesem Plane vielleicht Zwecke steckten, von denen man nichts wisse. Jedenfalls erwartet man in London von der kurzen Sitzung des Ober steu Rates in Cannes keineswegs die Schaffung ei­ner Grundlage für eine neue Aera. Mau wäre trab wenn dort wenigstens die dringendsten Probleme des Augenblicks behandelt würden, und wenn man nunim^ Bvrsch'äge in der ReparationSfrag machte, den«, d'.« EM^n. züüin.u.:^ rmm:^ Jede- '' ' s ..»OMe wan ern^, Heb einmal an eine Abänderung des RsMrakwnSMste^ denken salls es sich beraussteMe, üa« ohne ernnlnae ^Schädigung des britischen HauddlS das gegenwärtige eu« stem nicht sortgefiihrt werden könnte.

Ungewiß wie alles ist auch die Haltung Amerika^,. Trotzdem macht sich dort allmählich eine Stimmung ge­gen Frankreich bemerkbar, die immer errlsteren Charak­ter annimmt. So ist es jetzt im Repräsentantetchause zu einer ziemlich erregten Sitzung gekommen, bei der ein Abgeordneter das große Mitgefühl mit dem Unglück Eu­ropas erwähnte und erklärte, daß die Vereinigten ^a^ ten von Amerika bereit seien, die Schulden der alten Welt zu erleichtern, falls sich das Bedürfnis hierzu wirk­lich fühlbar mache, andererseits aber _ hmnnuate, daß Frankreich, das allen Bitten und Anforderungen der Menschlichkeit zum Trotz unerschütterlich jest auf 1 einer großen Armee und auf der Zahl seiner Uboote, dieser grau amsten Kriegswaffe, bestände, kein. Mitleid Ver­diene. Deshalb soll Paris auch strikt ausgewittert wer­den, seine Kriegsschulden an Amertta zu zahlen.

So bricht denn das gesamte Reparattmisproblem, so-, weit eS über den Rahureu der VerpfUchtuag^r DMtsch- ilands gegenüber Frankreich hinausgeht, in sich ,elbn zn- samme«. Gegenwärtig herrscht noch. Rnbe vor dem Sturm, der h^nt mi} unerbittlicher Scharfe eu

;fe$en muß, sovalo me veryatwelnden Parteien den Kon­ferenztisch von Cannes verlassen. Die drohende Haltung »Amerikas wird auf England den Eindruck nicht ver­fehlen. Eine entscheidende Wendung könnte allerdings auch noch Italien herbeiführen, indem es sich für oder gegen England bezw. Frankreich entscheide. Aber auch diese Hoffnung ist angesichts der unklaren Haltung der italienischen Regierung nur gering. So ist es denn auch verständlich, wenn mitten durch die gegenwärtig herr­schende unheimliche Ruhe die Wehe-Rufe der Fran­zosen klingen.

Der neue Knebelungsplan.

** Aus Paris wird gemeldet: DieInformation" be- yierkt, daß Frankreich und Belgien dem sogenannten englischen Borschlaa ablehnend aeaenüberstänöen, glaubt aber daß dieser Vorschlag Abänderungen erfahren habe. Die Garantien, die von Deutschland verlangt werden sollen, wären danach: 1. Abänderung des Bankstatitts nach Art der Verfassung der Bank von England und der Bank von Frankreich, Ergänzung des AmfichisrateS durch eine« Vertreter, bar von der Reparationskommis- sion bezeichnet wird, aber des Agrements durch die deutsche Regierung bedarf. 2. Verpflichtung Deutsch­lands zur Ordnung seines Budgets durch innere Anlei­he«. 3. Aufhören jeder Uuierstützuugspolitik, aller Subventionen und außerordentlichen Ausgaben. Deut

der Bank von England und ~ " ----tfstchtsrateö

mskommis-

Wiesbadener Abkommen wir- Englau- angeblich nnter gewissen Boraussetzunge« -«stimme«. Ueber die künf­tigen interalliierte« Konferenzen werde erst beschlossen werde«. Bei dieser Gelegenheit soll auch über die et­waige Herabsetzung der deutschen Schulden beraten wer­den, deren Möglichkeit ebenfalls hauptsächlich von einem Verzicht Englands auf seine Forderungen abhängt.

Unterredung zwischen Briand und Lloyd George.

»-»-Briand ist am Mittwoch vormittag in Cannes ein­getroffen und hatte bereits nachmittags um 4 Uhr feine erste Besprechung mit Lloyd George, der außerdem Lou- cheur und Sir Robert Hörne beiwobuten. Die Eröff­nung des Obersten Rates ist nicht geändert worden: sie wird am 6. Januar erfolgen.

Abreise der öslgifchv« Delegation.

*Tlc fotaiisiien MUttk.n Kbeuuis und IaLLr und. aM"MiMvoch, begleitet mnrrüW «ertrtar^^ ju h - ferens nach Cannes abaereift Sie haben den Auftrag, die belattchen Prioritätsrechte zu ve/teidiaen. Die Brüs­seler Abendblätter melden, daß sie mit wichtigen Doku­menten ausgerüstet feien, die vom Solvav-Institut für die Revarationskommission gesammelt worden sind.

Rätselhafte Haltung Italiens.

** Wie aus Rom geureldet wird, scheiterte demMessa - gero" zufolge die Mission des Generaldirektors des englischen Schatzamtes Faas, der von Lloyd George ent­sandt worden war, um mit der italienischen Regierung wegen der wirtschaftlichen Vorschläge Lloyd Georges Fühlung zu nehmen. Faas habe fefiftcHen müssen, daß die ttalienischen Minister über die Wtrtschastspolittk nicht einig seien. Bonomi sowie die technischen Minister Soleri und Denava hätten zwar Llovö George zuge- stimmt, dagegen stehen della Toretta und die übrigen Minister unter dem Einfluß der italienischen Mitglie der der Revarationskommission der Schaffung eines großen Finanzvrganismns sinn Wiederaufbau feindselig gegenüber.

Schwindendor Optimismus.

t-* Wie der Berliner .^aa" aus inforntterten Kreisen erfährt, ist die Hsf'nung auf einen günstigen Ansgang Ler ^erstandlunaen stark ges^lkerr. Von amiliucr Sitte

>n günstigen An . Von amtliwcr

Tütte

Der Liede ewiges Licht.

Roman von Erich Friese«.

(Nachdruck verboten:)

»Hiebst du* fährt ste lebhaft fort »manche biefer Blättvr hier müssen am frühen Morgen, vor Sonnenaufgang, gepflückt werden, damit sie ihre Heil­kraft nicht verlieren ebenso, wie andere gegen Ebend daß stärkste Aroma besitzen. Vieh her: diese gezackten bräunlichen Blätter heile» böse und scho» der Geruch dieser kleinen Pflanze dort scheucht giftige Infekten fort ... Du glaubst mir nicht, Gunnar? Hörst wohl kaum, was ich jage? Würdest Du mehr Interesse dafür haben, wenn id) dir erzähle, Siefe blaue Blume hier gedeiht nur unter dem Einfluß eines gewissen Fixsternes?"

ßwunöen. scheibenen

Und silberhell lacht ste auf.

A«ch feine Lippen umspielt ein leises Lächeln.

Sarkasmus! Nichts wie Sarkasmus!" wehrt sie »eckisch ab.Wart nur, ich werde dich noch über- ze»gen! Soll ich dir einen Trank zusammenbraueu, der dich von deiner Sternenwelt abzieht hinab in irdischere Regionen?"

Kaum hat sie die Worte ausgesprochen, so bereut ste es auch schon. Denn es ist, als sei urplötzlich irgend eine unsichtbare Gewalt zwischen die beiden jungen Menschenkinder getreten, als habe ein kalter Nord wind die warme Herzlichkeit, die ihr aus feinen Augen entgegenstrahlte, hinweggeweht.

Es dauert eine ganze Zeit, bis er sich zu einer Antwort aufrafft. And auch dann noch klingt seine Stimme ernst, fast abweisend:

»JederDtennb braut sich selbst seinen Trank

recht, an dem er während seines ganzen Lebens zu schlürfen hctt gleichviel, ob er mit feuriger Nektar die Kehle heriMterrtesett oder wie bittere Wermut» tropfe«."

Da ist ste schon wieder, fette unerbittliche Ver­gangenheit, die den still Geliebten von ihr und der ganzen übrigen Welt za trennen scheint! Kann denn nichts diese« Schatten bannen? Nichts?

Ebba wendet sich ab. Heiße Tränen steigen in ihre gen. Wie mechanisch, nur um ihre tiefe Bewegung "'an einem Blumentopf, der ge, giftgrüne Blätter a«s-

zu verbergen, macht sich -urch besonders zeichnet, zu schaffen.

3c6 kann es nicht mit ansehen. wie du ht den gif­tigen Pflanzen herumhautierst, Ebba!" ruft Gunnar : ihre Finger mit den feinen um»

erregt, indem er ihr, klammert.8a6 mich absolut nötig ist?"

nger pflücken, wenn es

Sie tritt etwas zurück und blickt ihn groß an. Noch glänzen dicke Tränen in ihren blauen Augen: aber die Lippen umspielt bereits wieder ein Lächeln.

Du vergißt, daß ich gewohnt bin, damit umzu­

gehen, Gunnar."

Ihr Blick fällt auf eines der Blätter in ihrer Hand, die sie in ihrer Erregung vorhin kaum beachtet, uud ein freudiger Schreck durchzuckt sie. Hastig beuZt sie

Blumento

sich aufs neue

x Vater besitzt noch euren zweiten Sülusiek.

kleine», oev

sind bei den ö »»schein artig

ihrem Arm hängt. Dann will sie davoneilen, um dem Vater die frohe Kunde zu bringen.

Doch Gunnar hält sie noch einen Moment zurück.

»Ich wünsche dir Glück, Ebba. Was du auch er­greifst alles muß blühen und gedeihen. Es ist, alS habest d« einen Zauberstab in den Händen."

Mit einem halb schüchternen, halb schelmischen Blick steht sie zu ihm empor.

Weißt du auch, daß du mir dabei halfst, Gunnar?"

lott! Denn ich streute vor einem Vierteljahr diesen Samen aus in Gedmrken an bei n neuen Stern!"

Wie ein Leuchten bricht es aus mmt. An-» hervor.

Gedanken an meinen neuen Stern? M e i - n e n Stern? ... Soll ich ihn,W$i^9mt^ nennen, Ebba?"

Sie schüttelt den Kopf. . ,

Nein, Gunnar. Dein Stern muß einen ganz aparten Namen haben. Einen charakteristischen, noch nicht dageweseuen. Wir wollen weiter darüber nach­denken .. Jetzt laß mich fort zum Vater! Hier hast du den Schlüssel zum Gewächshaus, damit k» i mein sannst, wann es dir beliebt. Unser kleines O radies soll nicht mehr für dich verschlosssson fein."