Schlüchterner Zeitung
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Kreisblatt
; Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kretsblatt Schlüchrern. • «Druck u. Verlag Fa. C Hohinciüer, Schlüchtern. Verantwort!. • ! Schrift!eit. H.-C. Hobmciflcr, Schlüchtern. Gefchä-Isnetle Drei- : zbrüderstr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; «Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. •
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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
Nr. 10
unedel von» wge.
Der preußische Justizminister hat eine allgemeine Verfügung betreffend Herbeiführung von Gnakener- weisen bei Verurteilung wegen einer in Verbindung mit der Ausruhrbewegung vom März 1921 begangenen SNastat erlassen.
Am Grabe des unbekannten italienischen Soldaten leate unter großen Feierlichkeiten und in Anwesenheit des Königs die amerikanische Militärdelegation eine aoldene Ehrenmedaille nieder.
Der Banknotenumlauf in Oesterreich hat in der letzten Woche die gewaltige Höhe von 239 Milliarden Kronen erreicht.
Trotzki erklärte, Sowjetrußland dulde keine Eumn- schnng des Völkerbundes in den russisch-finnischen ^Ezzie Ansspereung sämtlicher Holzarbeiter ist mm den Arbeitgeberrr in Württemberg und Baden beschlossen worden.
Drei auf der Reichswerft in Wilhelmshasen befindliche 8800-Tonnen-Dampfer erhielten die Namen „Emil Kirdorf", „Karl Legten" und „Adolf von Bayer".
Der Reichstagsabgeordnete Fritz Geyer hat, wie die „Rote Fahne" meldet, seinen Austritt aus der tommm Mischen Reichstagsfraktion mitgeteilt.
Die französische Delegation auf der Konferenz von Washington wird am 28. Januar Amerika verlassen.
Die Verhaftn«« Enver Paschas, die Reuter meldete, wird von der „D. A. Z." als falsch dementiert.
Papst Benedikt XV. f.
Airs Rom wird unterm 21. Januar gemeldet: Papst Benedikt ist kurz nach Mitternacht entschlafe«.
Der päpstliche Stuhl ist wieder einmal verwaist,- Papst Benedikt XV. hat seine Augen für immer geschlossen. Sein Kirchenregiment war nicht von langer Dauer, wurde doch der Kardinal Giacomo della Chiefa nach dem Ableben seines Vorgängers Giuseppe Sürto^ der als Plus X. Leo Xin, gefolgt war, erst während der ersten Krieasmonate für den Stuhl Petri bestimmt. M 2L Sepie«,Üer 1854 m wntrw g ll"u cu, .war er schon im jungen Alter von 24 Jahren Priester, in späteren Jahren Kabinetts- und Unterstgatssekretär am Heiligen' Stuhl, um 1907 die Würde eines Erzbischofs von Bologna zu erlangem In die Reihe der Purpurträger trat Giacomo della Chiesa am 12. Mai 1914 ein, und schon wenige Monate später wurde er vom Kärdmals- kollegium für würdig befunden, die Itackfolge des verstorbenen Pius X. anzutreten. Am 3. September 1914 ging er als Sieger ans dem Conclave hervor, seine Krönung zum Papst erfolgte am 6. September desselben Jahres. Seine Papstherrschaft hat mithin nur wenig über 7 Jahre gewährt, während sein Vorgänger auf eine 11jährige Amtszeit zurückblicken konnte.
Der Heimgang Benedikts XV. muß weit, über die Grenzen des Katholizismus hinaus aufrichtige Tecl- «cchme erwecken. Benedikt XV. war sein Mann ocs politischen Kampfes wie etwa Leo XUL, er hat auch hr kirchlichen Organisattonsfragen eine größere Znruck- boltima beobachtet wie noch sein Vorgänger Pnr» x., sein ganzer Ehrgeiz bestand darin, nichts anderes zu ein, As wozu er sich als Statthalter Christi auf Erden berufen fühlte: ein Friedensfürst. Diesen Beruf hat er mit unerschütterlicher Treue, mit bewundernswerier HinoaL«' aukreck»^ prM'Hpir sind die Umstände wollten
Dienstag, 24 Januar 1922 nmiW^^WWWMipn^^
es, daß er für seine Friedenstätigkeit nur ein allzu- weites Feld hatte. Der größere Teil seiner Amtstätigkeit fiel in die Zeit des Weltkrieges. Als er in den Vatikan einzog, tobte auf den Schlachtfeldern bereits fett Monaten der Kampf der Waffen. Das Rad der Geschichte war nicht mehr aufzuhalten, und wenn der neue Papst mit Schmerzen sehen mußte, wie zu seinen Füßen die Welt, vom Wahnsinn ergriffen, sich in Blut wälzte, so vermochte er der entfesselten Kriegswut einstweilen kein Halt zu gebieten. Aber während der folgenden Kriegsjahre bot sich für den erhabenen Friedensfürsten noch oft Gelegenheit, mildernd in das Getriebe der Politik einzngreifen i n& aus dem Elend zu retten, was noch irgend gerettet meröeu konnte. Man erinnert sich, daß Benedikt XV. m n sich aus verschiedentlich Versuche unternommen hat, nur der Nriegsjurie Einhalt zu tun. Auch eine Fr'edensaur gupg der dien Regierung
Kahm Benedikt XV. rvMg' auf, freilich ohne den gewünschten Erfolg zu erzielen. Immer wieder suchte er durch den Einsmß der Kirche und ihrer Organe ein baldiges Ende des Kriegswütens herbeizuführen, und feine Umgebung schilderte den ganzen Schmerz der Ent-. täuschung, der den edlen Mann stets von neuem erschütterte, wenn er sehen mußte, wie aller guter Wille an den Jntrigen, an dem Blutdurst und an der Beschränktheit der Menschen scheitern mußte. Trotzdem legte der Papst auch in solchen Augenblicken nicht die Hände in den Schoß, sondern organisierte Taterc der Charitas, um die Kriegsnot zu lindem, verwandte sich für das Schicksal der Kriegsgefangenen, deren furchtbare Leiden ihm besonders nahe gingen, und strebte danach, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den Haß und das Rachegefühl anf beiden Seiten ein- zuöärmnen. Sicherlich war seine Aufgabe dabei keine ganz leichte, denn die seiner Obhut anvertrauten Glaubensgenossen standen in beiden Lagern des Kampfes. Umsomehr verdiente sein objektives Urteil Ilnerke-i- nung, das sich oft im augenfälligen Gegensatz zur allgemeinen Auffassung gestellt hat. Wohl gab er zu, daß in Belgien Dinge passiert sind, die bester unterblieben wären, aber er unterließ es auch nicht, das Vorgehen der Deutschen durch gewiste Provokationen der Belgier zu entschuldigen. Als nach Beendigung des Krieges dar Komitee der Nobelstifnnig seinen Friedenspreis Benedikt XV. überreichte, berZBv- wohl nur eine Meinung darüber, baß eine würdigere Wahl nicht sMWtn werden konnte.
Heute weiß niemand, wer der Nachfolger Bear dikts XV. werden soll. Aber das eine ist gewiß, daß mit dem letzteren aus der Reihe jener Männer, die auch während der furchtbaren Kriegsepoche das Banner der Menschlichkeit und brüderlichen Bersvhnnng hochaetzal- ten haben, der Besten einer geschwunden ist, und daß die Welt, die mehr als je unerschütterlicher Führer nur dem Wege zur Bölkerversöhnung bedarf, ihres edelsten Wohltäters beraubt ist
A»s der Heimat-
BsEsfichtl, Witt«EKst Am 24. 1. (Dienstag) Viefach heiter, trocken, stärkerer Frost.
Am 25. 1. (Mittwoch): Heiter, trocken, starker Frost.
—* (Plenarsitzung der Handelskammer zu Hanau am 28. Dezember 1921) Bei der Konstituierung der Handelskammer für 1922 wurden Herr Albern Deines zum Präsidenten und die Herren Parrl Philips uns Rudolf Trausch zu Bizepräfi-
74. Jahrgang
Ernten einstimmig gewählt. Sodarrn fand nach Begrüßung der am 6 bis 7. Dezember gewählte» Handelskammermitglieder, Willy Töalrr zu Schlüchtern, Direktor Büschen zu Hünfeld und Max Michael Freudenthal zu Tann (Rhöu), die Wahl der zur Handelskammer Frankfurt a- M. delegierten Mitglieder statt; gewählt wurden hierfür die Herren: Albert Deines, Philips, $rmf$, Berltzheimer, Dipl. Jag. Otto Bracker, Heinrich Deines, Konrad Faß, O to Zimmermann für Hanau, Ph. Stock für Gelnhausen, Willy Thaler für Schlüchtern, Arnd. Dux, Kowmerzienrat Neitzert, Oskar Schmitt für Fulda, Direktor Böscheu für HünfAdBerSfeld. Ihre Verteilung auf die verschiedenen AuSschüffe der Sein igle» Handelskammern Frankfurt a. M.—Hanau wurde vorge- nommen und ebenso die Bildung der bei der Handelskammer zu Hanau bestehenden AuSschüffe und Fachausschüsse für 1922. Der Etat der Handelskammer wird für das Jahr 1921/22 etwa 155 000 Mark in Einnahmen aufweisen. Die Handelskammer beschloß eine Neuregelung der G'hälter ihrer Beamten und Angestellten, sowie den Beitritt zu der Gesellschaft der Freunde der deutschen Bücherei zu Leipzig. B-rtcht erstattet wurde über die Vostversammluuaen der Vereinigt;« Handelskammern am 22, Nsv-moer und 30. Dezember, sowie über Sitzungen der Vereinigung neffauischer Handelskammern am 14. Dezember und die Vereinigung süd- westdentscher Handelskammern am 7. November. AuS der Tagesordnung dieser Versammlungen sind hauptsächlich folg. Punkte hervorzuheben. M ßstände im Eisenbahagüterverkehr, Vorarbeiten für die Ausführung des Donau-Main Kanals, Prüfungsordnung für Bücherrevisoren, Busfuhrabgabentarif, Neubau der Frankfurter Börse, Börsenordnung'und Gebührenordnung der Frankfurter Börse, Wuch-^verordnung, R form der preußischen Gewerbesteuer, Spnnbka - mer Frankfurt des RohrntschädigungsamteS, deutsch- schweizerischerGüterauStausch, Gold- und FrankerrhyvSthxkeu Fragen, der schweizerische Grenz- und VeredelungSverkehr, Paß- nur Zollkontrolle. Aus einer Sitzung der preußischen Kohlenwirttchaftsstelle konnte wftaeteM «erden, daß die Versorgung von Industrie und Hausbrand zurzeit den grSWn Schwierigkeiten b- segnet, >aß aber alles geschieht, um den berechtigten Ansprüchen zu genügen; insbesondere soll auf die seither'mangelhaft versorgte» Orte entsprechend Rücksicht genommen werden. Hinsichtlich der großen Kanalpläne konnte ferner Mitieilvog gemacht werden, daß die Aufbringung des Baukap tals für den Main-Donau K-nal als gesichert zu betrachten und die Kanalverb ndung Weser- Fulda-Klnzig Main insofern in ein günstigeres Stadium getreten ist, als das Reich bei Aufbringung der erforderliches Kosten die Prüfung dieses Projektes zugesagt hat und durch einen neuen Plan ermöglicht wird, die Anleouvg eines Kanaltunnels durch den Distelrasen durch Schiffshebewerke zu vermeiden. Die Handelskammer stimmte einem Antrag« der amtlichen Bahnspediteure in Hanau auf Erhöhung ihrer Rollgeldsätze zu.
* Schlüchtern Auf Einladung des syzftldemokratischen Vereins wiederholte Herr S hrer Flemmig seinen Vorsitz über Pestalozzi und die heutige Schule, den er schon vorher
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Der Siebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese«.
(Nachdruck verboten.)
j Mit einer heftigen Bewegung wendet Gunnar dem Alten sein Gesicht zu. Seine Augen flammen empört zu ihm hinüber.
„Wie"? Höre ich recht. Ontkel Hercrik, du — du rätst mir, nach Christiania zu fahren? Wohl gar das Hans jenes Solveg zu betreten, der —"
Er bricht kurz ab und der andere versucht einzu- lcnken. — „Pah! Gefühlsduseleien sind solchen Leuten gegenüber nicht angebracht. Im übrigen — ich l'/abe auch nichts dagegen, wenn du ihr nicht verzeihst."
^Verzeihen! Verzeihend wiederholt Gunnar bitter, und der tiefe Groll, der in seiner Stimme nach- zittert, greift Ebba ans Herz. „Verzeihen und ver- geffen ist zweierlei ... Wer — meine Schwester ist krank. Schlverkrank. Es ist vielleicht ihr letzter Wunsch vor ihrem Tode. Und —"
„Und?" — „Ich werde ihren Wunsch erfüllen."
Meister Wybrands beginnt, mit langen Schritten hin und her zu schlürfen.
„Natürlich —" knurrt er in sich hinein, ^ätt’ mir'Z schon denken können! Jedes Weib zieht Unheil nach sich. „Hätt' ich diese hier nicht —" sein ausgestreckter Finger bentet auf Ebba, die angsterfüllt dem Gespräch der beiden lauscht — „hätt' ich diese hier nicht bei mir ausgenommen —"
„Vater! Vater!" schreit Ebba schmerzlich auf.
Gunnar zuckt zusammen bei dem wehen Klang ihrer ; Stimme. Er hatte während der letzten Minuten die . Anwesenheit seiner Cousine ganz vergessen. Jetzt geht , er rasch ans sie zu und ergreift ihre schlaff herab- hängende Hand.
„Kein Wort gegen Ebba, Onkel Henrik! Sie brächte uub nur Sonnenschein ins Haus!"
I Twch ach — sein Händedruck ist ohne Wärme! Iltti) seiner Stimme fehlt das leise Beben tiefen Gefühls! Und in dem Blick feiner Augen ist nichts mehr zu lesen von der Flamme der Leidenschaft, die Ebba noch vor kurzem mit wonnigem Entzücken erfüllte.
i Nur Güte, Mitleid und tiefe Traurigkeit drück sein # ganzes Wesen aus — nichts weiter.
s Hastig entzieht Ebba ihm ihre £nn&.
| Und ohne noch ein Wort zu sprechen, eilt sie davon;
; hinab in ihr Zimmer.
Das blasse Licht der Mitterimchtssonne erfüllt den garrzen Raunr mit einer geheimnisvollen, gedämpften Helle. Aus dem Kräutergarten unten hauchen aromatische Düfte bis M ihr herauf. Und ihren erregten Sternen ist es, als fchw.be über all den Düften das giftig-süße Aroma des „Euphrosynum".
Mit gerungenen Händen sinkt sie nieder auf ihr Lager. Und heiße Tranen tropfen über ihre Wangen.
Ach, wo ist die Energie geblieben,' mit der sie vor kaum niehr als einem halben Jahr ihr neues Leben begann? Wo ist chre Frauenwürde und der stolze Gleichmut, die sie nie verließen, selbst nicht während der furchtbaren Zeit ihrer kurzen Ehe, und die ihr halfen, das Unabänderliche ruhig zu er-ragen?
Bis vor kurzem noch wußie ihr Herz nichts von Unnt^e. Und jetzt? . . .
Eifersucht, wahnsinnige Eifersucht hat das zarte .land, das ihr Herz und das des Heißgeliebten lnander verknüpfte, zerriffen. Ihre eigene Hand - er es, die die vollerblühte Blume des Glücks, die i!,ncn so herrlich entgegenduftete, aüriß und iu den Staud der Alltäglichkeit schleuderte!
Und tiefe Seufzer der Rene eniringen ihrer Brust.
8.
Feuchtkaitce yleises
Meer. Schwere Wolken härrgeu am bleiernen Himmel. Ein leichter Nebel schwebt über der ganzen Natur.
Ju festlichem Schmuck prangest die HerrschaftS- räume von Schloß Askö — bereit, Madame Karin vo» Solveg zu empfangen.
Noch einmal geht Ebba inspizierend von Zimmer zu- Zimmer. Was der Garten an Blumen bot, duftet w Basen, auf Tischen und Etageren.
Gerade will sie sich wieder zurückziehen — da gewahrt sie, wie Gunnar die breite Haupttreppe herauf- rommt. Sie hat ihn seit jener veahüuguisvollen Nacht kaum gesehen. Es ist, als meide er sie absichtlich. Und bis ins Innere verletzt durch seine äußere Gleichgültigkeit, will sie auch heute mit kurzem Gruß an ihm vorüberschreiten.
Er jedoch geht direkt auf sie ,ui uh& reicht ihr mit einer formellen Verbeugung die Hand, iwt sie sofort wieder freizugeben.
„Ah, Cousine Ebba! Wir haben uns lEge nicht gesehen!"
Sein Ton ist zurückhaltend, gezwungen, ebenso wie
Se
seine Verbeugung
„Ich hoffe, ich habe aües zu deiner Zufriedenheit arrangiert", erwidert sie kühl.
Sein Blick schweift durch die Flucht der Zimmer und kehrt zu Ebba zurück, die in ihr ein einfachen grauen Haitskleid unendlich lieblich und hausfraulich aussieht.
Doch zum erstenmal scheint ihn ihr Aeußeres nicht zu befriedigen.
„Meine Schwester legt Wert auf ElegautH", sagt er freundlich, aper bestimmt. „Möchtest tm nicht eine andere Toilette
^SoM? Madame Karin von Solveg wird mich kaum zu Gesicht befummen/'
Mkh sie will an ihn werbet
Doch Gunnar, dieser gänzlich verwandelte, ihr völlig fremde Sunuar, ;eu mit einer gebieterischen Geste die Hand auf ihren Arm. . (Fortsetzung folgt.)