Wüchterner Zeitung
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Kreisblatt
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; Erscheint 3malwöchcm!. Drahlanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. ; ; Druck u. Verlag Fa. C Hohmeisrer, Schlüchtern. Berantwortl. • :Schriflleit. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- : ;«überflr. 9.—Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. { • Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. •
Nr. 11
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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
Donnerstag, 26 Januar 1922
74. Iabryang
Absnnements
auf die Schlüchterner Zeitung für »die Monate Februar, MSrz nehmen sämtliche Postaustalten und Briefboten, sowie «niete Zestungs- träger entgegen.
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Schlüchterner Zeitung.
Mlevisi vom Tage.
Bayer« will in Stockholm eine Gesandtschaft errichten Darüber wird aus München gemelder: Die Re- aieruna hat dem Landtag den Entwurf einer Berord- MNg über die Errichtung einer bäuerischen Gesandtschaft in Stockholm Vorgelegt. Die Errichtung der Gesandtschaft soll mit dem 1. Februar 1922 erfolgen. Sie wird dem Staatsministerium des Aeutzern unterstehen. Es erscheint geboten, die frühere Gesandtschaft in Stuttgart wiederherzustellen und ihre Wirksamkeit auf Baden und Hessen auszudehnen.
Der Moskauer Sowjet hat für den 23. bis 31. Januar Neuwahlen anberaumt.
Der bekannte englische Liberale Lord Bryee ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
Die Behandlung in Sachen des Mordes an Erz- berger und der Geheimorganisation C soll bestimmt in Offenburg stattfinden, und zwar im April o. Js.
Ein großes Gefecht soll bei Dar Driushe zwischen Spaniern und Rifkabylen ftattgefunde» haben. Die Lpüllier sollen zum Rückzug gezwungen morde» sein und beide Parteien starke Verluste gehabt haben.
Der Reichstag und die Botschaften in Berlin haben am Montag aus Anlaß des Todes des Papstes Halbmast geflaggt.
Graf Sforza ist zum Botschafter in Paris ernannt worden.
Der Vorstand des Deutschen SrädteLaqes hat in Breslaü getagt, um über die Fnür'.iZ-ch< bei fefeÄ den, die Steuergesetzgebung und Sdjiilhwn zu beraten.
Die Hoffnungen der Sowjetregi. nug, Brot aus Si- bMen zu erhalten, sind infolge des Zerfalles des russischen Berkehrsunsons und des Mangels nn Heizmaterial
Die Kompromitzverhandlungen. ^.Dte interfraktionellen Besprechungen, die Montag abend zwischen dem Reichskanzler und Vertretern der Deutschen Volkspartei, der Demokraten, bea Zentrum* und der Mehrheitssozialdemokraten über das^Steuer- kompromitz stattfanden, blieben ergebnislos. »ie werden Dienstag vormittag fortgesetzt.
Die mehrheitssozial Mischen Führer Müller und Wels wurde« vom Präsidenten Ebert empfangen. Es wurde sowohl die Steuersrage als auch die KimlMmwer- weiterung besprochen. Die sozialdemv^catuche Fraktton trat wieder zu einer Sitzung zusammen, in der redoch noch kein abschließendes ErKbnis erzielt wurde. Gegenwgr- tia ist die Laae so: das Zeurrum wurde der Gvldan-
leihe zustimmen, jedoch zinslos, und die Sozialdemokra- ten wollen eine Goldanleihe auf Grund des Hachenburg- schen Gesetzentwurfes durchsetzen, die sofort von der Industrie gegeben werden soll. Die Unabhängigen scheinen bereit zu sein, die indirekten Steuern anzunehmen, wenn es den Sozialdemokraten gelingt, den Hachenburgschen Entwurf durchzubringen. Der Reichskanzler hat, wie es scheint, seinen Widerstand gegen die Golda »leihe aufgegeben und in diesem Sinne aus die Führer des Zentrums eingewirkt. Auf jeden Fall dürfte die Goldanleihe die Basis der gegenwärtigen Besprechungen bilden.
.Wie die „D. A. Z." hört, hat sich das Reichskabinett mit dem Garantieprograurm über das Budoei und den Plau der Varzahl«nge« und Sachleistungen beschäftigt. Sowohl das Garantieprogramm als auch der Leistungs-
271 $ömtstr der Itepc-rationskommis-?
Die Befatzungsfrist.
»« Rotierdavt. (S. C.) Die „Times" melden: Der englische Premierminister wird wahrscheinlich auf die Note des französischen Ministerpränoenten über die Besetzung der Rheinlande, daß die Frist für die Besetzung noch nicht zu zählen begonnen habe, antworten. Von einer Stellungnahme der Deputtertenkammer zu dieser Frage soll vorerst Abstand genommen werden.
Protest der deutschen Regierung.
4-^ Rotterdam. (S. C.) Der „Daily Telegraph" meldet: Der deutsche Botschafter in London stattete dem englischen Ministerpräsidenten einen Besuch ab. Die Unterredung dauerte eine halbe Stunde. Wie von unterrichteter Seite verlautet, soll die deutsche Regierung gegen die Erklärung des französischen Ministerpräsidenten über die Frist der Besetzung der Rheinlandzone @tr/ lvruch in Paris. London und Brüssel erhoben haben.
Italien und der Garantievertrag.
»«Zürich. (S. C.) Der Homere della Sera" meldet: Die italienische Regierung hat in Paris und London das offizielle Ersuchen überreichen lassen, die Grundsätze des englisch-französischen Garantievertrages bekanntzugeven.
Italien gegen Sie Auslieferung der KrisgsbeschAMgwu.
»«Zürich. (S. C.) Der „Züricher Tagesanzeiger" mel- dxt aus Rom daß sich die msamw italienische Preise gegen die Auslieferung der deurstne« srrießöueiünuern^ an die Alliierten zur Aburteilung vor einem aüUcrteu Gerichtshof ausspricht. Die „Tribuna" schreibt: Einheit habe keinen Anspruch auf Auslieferung der deutschen Kriegsbeschädigten.
Die italienische Besatzung in Oberschleue»,
»«Zürich. (S. C.) Der ,Carriere della Sera" meldet, daß am 30. Januar eine Ablösung der italienischen Besatzungstruppen in Oberschlesien erfolgen wird. Die Stärke des italienischen Besatzungsheeres bleibt unverändert.
Zusammenkuuft der alliierten Außenminister.
»«Paris. (L. A.) Die Konferenz der Außenminister der Entente wird innerhalb 10 Tagen stattfinden.
Die Note Poincarees an Lloyd George.
»«London. Die Note des französischen Ministerpräsidenten über die Konferenz von Cannes und Genua wird Lloyd George am Dienstag erhalten. Es ist nicht wahrscheinlich daß vor der Konferenz von Genua eine Zusammenkunft zwischen den beiden Ministerpräsiöeu- ten stattfinden wird, daaeaen ist es nicht'ausgeschlossen.
vaß ooo) vorher eine Aussprache zwischen Poincaree und Lord Curzon stattfinden wird.
Rollet i« Paris.
»«Paris. Der Vorsitzende der Interalliierten Kon- troll-Kommission in Berlin, General Rollet, ist am Montag abend von Berlin in Paris eingetroffen.
Amerika und Ge««a.
»«Washington. (V. Z.) Präsident Harding hat seit der Formulierung der Bedingungen für den europäischen Wiederaufbau aus der Konferenz von Cannes mit »'einen Ministern und den Führern der republikanischen Partei im Senat die Frage der Vertretung Amerikas in Genua wiederholt eingehend besprochen. Während die Mehrzahl der Teilnehmer an diesen Besprechungen dem Präsidenten geraten hat, Amerika solle bedingungslos Delegierte nach Genua senden, haben Staatssekretär Hughes und der Senator Lodge dagegen ernste Bedenken geltend gemacht. Der Präsident nahm bei diesen Besprechungen den Standpunkt ein, daß Amerika in Genua untarbeiten müsse, wenn sich Aussichten eröffneten, praktische Ergebnisse zu erzielen. Alle Konferenzen endeten damit, daß Hughes und Lodge von dem Präsidenten die Zusicherung erhielten, er werde eine amerikanische Be- ieiligung vorläufig nicht ankündigen. Gleichzeitig sollen aber Schritte unternommen werden, um festz'.r stellen, ob die Konferenz von Genua diejenigen Beschlüsse fassen werde, die geeignet erscheinen, die grundsätzlichen Bedenken von Hughes und Lodge zu beseitigen. Eröffuec sich diese Aussicht, so nehmen die politischen Freunde d 'S Präsidenten mit Bestimmtheit an, daß Präsident dar ding sich für die Ntitarbeit Amerikas am Wiederaufbau Europas einsetzen werde.
Ein neues Gelbbuch über die Kriegs«rsache«t
^ Paris. Wie das „Echo de Paris" mitteilt, beabsichtigt der französische Ministerpräsident ein Gelbbuch herauszugeben, das Urkunden über den Balkankrieg und den Ursprung des großen Krieges enthalten soll.
Die Lage i« der Steuerfrage «och ««geklärt.
c« Berlin. (L. A.) Von parlamentarischer Seite wird dem „L. A." versichert, daß die Lage bezüglich der Steuerfrage nach wie vor außerordentlich kritisch sei, doch will man alles aufbieten, um bis Mittwoch mittag z« einer Entscheidmkg z« gelangen. Reichskanzler Dr. Wirth garte ursprünglich die Absicht, am Dim.Stag ;k Reistag zu sprechen. Das ist vorlnfig aufgegeben worden, und es steht noch nicht fest, wann der Reichskanzler in der Lage sein wird, vor dem Plenum des Reichstage» zu sprechen.
Die Neuregelung der Beamiengehälter.
»«Berlin. (S. C.) Die Verhandlungen über die Reu, regelung der Beamtengehälter sind am Montag im Reichsfinanzministerium wieder ausgenommen worden. Die Vorschläge der Reichsregierurrg wurden von dem Reichsfinanzminister Dr. Hermes als endgaflig bczeiw- nei. Die Vorschläge sollen noch in dieser Woche dem Reichsrat als Regierungsvorlage zugehen.
Der Banknotendrnck.
»«Berli«. (S. C.) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, hüt die Reichsbank wn rer Reichsregieruna ^t? Aufforderung erhalten, die Unmöglichkeit nachzuwcifen, den Banknotendruck zur Entlastung des Reichs etr^ stellen bezw. ihn der Kontrolle der Garantiekommtinon zu unterstellen
Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese».
Ay (Nachdruck verboten.^
^m Gegenteil, liebe Ebba. Ich wünsche, daß du meiner Schwester recht oft Gesellschaft leistest."
Auch sein Ton hat etwas Befehlendes. Leichte Röte steigt in Ebbas Stirn.
„Meine Toiletten werden der elegante« Madame Solveg kaum imponieren", erwidert sie, in aufzuckendem Trotz den Kopf in den Nacken werfend.
„Nicht doch, liebe Ebba. Ich entsinne mich eines gewissen weißen Kleides, das dir sehr gut steht. Dazu ein paar frische Rosen — und du bist völlig salonfähig."
Schweigend verneigt sie sich. Der leichte Konversationston reizt sie noch mehr als seine vorherige kühle Zurückhaltung. Sie fühlt klar und deutlich: mehr und mehr gleitet Gunnar in jene Zeit zurück, da sie noch keinen Teil an ihm hatte. In jene Vergangenheit, die sie nicht kennt und die ihre finstern Schatten über sein Leben warf.
Armer Gunnar! Was muß er gelitten haben!
Und in dieser Erkenntnis bezwingt sie ihren Trotz und ihre Empfindlichkeit. Und mit ihrem lieben, herzigen Lächeln reicht sie ihm die Hand.
„Es soll alles geschehen, wie du es wünschest, Gunnar."
Mit vollendeter Höflichkeit zieht er ihre Hand an ihre Lip in.
Dann "ehen beide auseinander — sie hinunter in ihre Gen r, er hinauf auf seine Sternwarte. —
Der le. Nebel hat sich verdichtet, als gegen Abend mit lautem itschenknall und einem Aufwand an Halloh zwei schen durch das weitgeösfnete Tor in den Park von lyß Askö hereinrollen.
Am Fuße - eiten Freitreppe steht Gunnar, um seine Schwester bewillkommnen. Auf der obersten
Stufe hat sich die gesamte Dienerschaft ausgestellt, die f beim Halten des ersten Wagens in lauten Jubel aus- i bricht — ein wohlgelungener Trick Mamsell Tönnesens. , In der weiter zurückliegenden Halle, halb »erBorgen ; hinter einer hohen Fritjof-Statue, harrt Ebba des Mo- . meuts, da ihre Gegenwart gewünscht wird.
Neid liegt Ebbas Charakter völlig fern. Trotzdem i kann sie nicht hindern, daß der Vergleich sich ihr auf- drängt zwischen ihrer eigenen unwillkommenen Rück- ’ kehr ins Vaterhaus und dem feierlichen, geräuschvollen Empfang Karin von Solvegs. Voll ängstlicher Span- ' nung späht sie hinab.
Soeben öffnet ein Diener den Wagenschlag der ersten Kutsche.
Eine beängstigend schlanke, trotz der Sommerszeit in dicke Pelze gehüllte Gestalt springt mit nervöser Hast vom Trittbrett und eilt mit ausgestreckten Ernten auf Gunnar zu, der ihr langsam entgegen geht.
„Schloß Askö heißt dich willkommen, Schwester."
Kalt, unheimlich kalt nach dem vorausgegangenen, ‘ übertriebenen Jubel, schallt Gunnars Stimme in die tiefe gespannte Stille hinein.
Karin von Solveg läßt die Arme sinken. Die hektische Röte auf ihrem schmalen Gesicht vertieft sich. Ein ' boshaft funkelnder Blick aus den übergroßerc schwar- 1 zen Augen schießt zu dem ernsten edelschönen Männer- ! gesicht hin. Einen Moment ist es, als wollte ihre Hand ' die zum Willkommen ausgestreckte Rechte des Bruders I zurückschlagen. Dann besinnt sie sich und reicht ihm mit gezwungenem Lächeln zwei Finger. .
: So schreiten beide — Bruder und Schwester — schwei
gend nebeneinander die Treppe hinauf, ins Schloß. j Nicht mehr neidet Ebba der glänzenden Karin von Solveg den lauten Empfang: denn sie gedenkt des war ! men Willkommenkusses, der ihr selbst bei ihrer Rückkehr ins Vaterhaus von jenen stolzen Mannerlippsu
1 zuteil wurde. *
Unwillkürlich zieht sie sich noch etwas mehr zurück. Als sie aufs neue hinter ihrem Versteck hervorspäht, befreit sich Karin gerade aus Tante Giuas uinfangreccheu Armen. Denn der gute Sophus Allmers und seine Gattin waren ebenfalls Lum Empfang nach Schloß Askö befohlen.
„Ah, Tantchen! Du bist auch da? Allmächtiger, bist du dick geworden! Kannst mir ein bißchen Fett ab- geben. Würde uns beiden nichts schaden ... Wo ist meine Kammerzofe? Wo ist mein Sohn? Jeanettel Jeanette!"
Und Madame Karins katzetiartiger Kopf, mit den sich fast berührenden tiefschwarzen Brauen, unter denen die brennenden Augen unstet hervorfunkeln, wendet sich suchend nach allen Seiten.
„Der junge Herr wird gleich erscheinen", läßt sich Mamsell Tönnesens süßliche Stimme vernehmen. „Dir zweite Kutsche ist soeben vorgefahren."
Wie ein Wirbelwind fliegt Karirr von Solveg herurn.
„Allmächtiger, wer ist das nun wieder? Die Stine Tönnesen, wie? Schaff mir das Kind her! Rasch, rasch! Was stehst du noch da und gaffst? Geh doch!"
Mit einer ungeduldigen Bewegung nimmt sie ihre langgestielte Lorgnette vor die Augen und guckt sich im Kreise um.
Ah Henrik Wobrands! Der alte Hexenmeister! Ich erinnere mich Ihrer noch ganz gut. WaS machen Fhre Tuben und Retorten und Mikroskope? Apropos - können Sie mir nicht irgend etwas zurechtbrauen, hß§ Sommersprossen wegschafft? Lider Runzeln? Ich habe nämlich schon ein solches Ding unter dem linke« Auge — brr!"
Und mit der Ungeniertheit der verzogenen Weltdame gäbnt sie ganz offenkundig.
"-tLoZfetzung folgt.)