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Schlüchterner Zeitung

; Bezugspreis Vierteljahr!. 15.Mk., einzelne Monate 5.Ml. r ! durch Boten frei HauS ob. durch d. Post tciiischl. Bestellgeld) ; Anzeigenpreis je mm einspaltig 1.Ml., Reklamen 2.50 Mt.: : Rabatt nach Tarif. Postscheckkonto : Frankfurt a. M. 11402.: ; Bankkonto: DreSdner Bank Schlüchtern, Fernsprecher Nr. 65.x

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr. 12

Absnnement»

auf die Schlüchterner Zeitung

M die Monate Februar, März nehmen sämtliche Postanstalten und Briefboten, sowie unsere ZettungS- häget entgegen.

Ein Bestellschein für Postbezieher befindet fich auf der letzten Seite dieses Blattes.

Schlüchterner Zeitung.

" Meviel vow Lage.

Die Botschafterkonferenz hat sich mit Einzelfragen büreffend die Aenderung der FrieSensverträge be-

Die Washingtoner Abrüstungskonferenz will ihre Verhandlungen mit einer Resolution über die Land- rüstungen abschließen, der wahrscheinlich die bekannte Rede Briands zugrunde gelegt werde. Balfour und seine Kollegen haben Vorbereitungen getroffen, Amerika ant 7. Februar zu verlassen.

Der frühere russische Minister des Ae«ßer« Saß hat gegenüber einem Warschauer Blatte erklärt, ntti dauern müsse er feststellen, daß die in Berlin gedruckten Dokumente Wer die Vorgeschichte des Krieges echt

'anow t Be-

seien.

! Zwischen Südslawie« «nb Rumänien ist ein Mili­tärbündnis abgeschlossen worden.

Der Rat der russischen Volkskommrsiare hat be­schlossen, ab 1. Februar die Personentarife bei der Eisen­bahn in Vorkrregsrubel festzusetzen, und zwar in Höhe von 50 Prozent der Tarifsätze, die im Juni 1917 w Geltung waren, sowie die Gütertarise ebenso auf 50 Prozent der Sätze vom Januar 1921.

Der indische Rebellenführer, der versucht hatte, im Bezirk von Ernad ein Mopla-Königreich zu gründen, ist in Malappuram mit sechs anderen MoplaS erschossen werden. _

Das Gchöftermericht Bergen «Rügen) hat den si­lieren Landwirt Persson aus Schrveden zu 200 000 Mart VelMirafc und einer Woche Gefängnis wegen versuch- ten Schmugaels verurteilt.

Einigung Wer das SteaerRampromiK »»Die Berhandlunge« zwischen dem Reichskanzler, dem Zentrum, den Demokraten, den Sozialdemokraten, der Deutschen Bolkspartei «nd der Bayerischen Volks- partei haben zu einer Verständigung geführt auf fol­gender Grundlage: 1. Die Frage der Wertermittlnug beim Grnndbesitz wird auf Wunsch der Sozialdemokra- ten aus dem Kompromiß ansgeschieden «nd durch Ab­stimmung im Reichstag erledigt. 2. Die Nachkriegs, steuer sowie die Erhebung der zwei letzten Drittel des Reichsnotopfers fallen weg. 3. Die Zuschläge z»r Ver­mögenssteuer werden anstelle der nrsprttnglich vorge­sehenen 300 Prozent mit «nr 200 Prozent erhoben, «nd die Staffelung der Vermögenssteuer wird auf der mitt­lere« Linie auf der ursprünglichen Regierungsvorlage und den Kommisfionsbeschlüssen feftgelegt. 4. Der Reichskanzler verpflichtet sich zu einer «nVerzttgllchen zeitgemäßen Neuregelung aller Ste«erge,etztarrfe, ins­besondere der der Erwerbssteuer«. 5. Die Parteien stimmen der Erhebung einer Zwangsanleihe ins ant Höhe von einer Milliarde ©entart M.

Kreisblatt

Samstag, 28 Januar 1922

Zwangsanleihe von 10 Milliarden Papiermark.

»»DieZeit" berichtet: In der Besprechung am Don­nerstag wird als wichtigste Frage zu entscheiden sein, wie der Anleihebetrag formuliert werden soll, ob Goldmark oder Papiermark. Man darf wohl annehmen, daß eine Einigung auf den Betrag von 40 Milliarden Papiermark sustanöekommt.

Bezüglich der Verziusung ging der ursprüngliche Plan dahin, daß die Anle-He für die ersten fünf Jahre unverzinslich sein soll. Es wurde indessen von feiten der Regierung darauf hingewiesen, daß für sie in erster Linie die Belehnbarkeit der Anleihe von Wichtigkeit sei. Es wurde von fetten der Deutschen Volkspartei vor al­len Dingen hervorgehoben, daß eine Verwendung der Anleihe für das Defizit der Reichsbetriebe ansgeschlossen fei« müsse, da unter allen Umständen verhütet werden müsse, daß die Mittel die die Zwangsanleihe ergebe« soll. d«rch die Defizilwirtschaft anfgezehrt werden.

Die erste« fünf Jahre zinsfrei.

«»»Die Sozialdemokraten stimmten dem Komprorniß zu unter der Bedingung, daß die Anleihe die ersten fünf Jahre unverzinslich bleibt.

Erweiterung der Negisruugskoalitio«.

»»Der BerlinerTag" schreibt: Die Deutsche Volks- partei hatte die Absicht, das FinanMini-terium und daß ReichsWirtschaftswinifterinm zn übernehmen. Man nahm in volksparteilichen- Kreisen an, daß das Ministe­rium des Auswärtigen durch einen Fachmann besetzt werden würde, der die Garantien dafür Bietet, daß der frankophile Kurs der Regierung Wirth endlich ausge- schaltet wird. Wenn von der Linken diese Umbildung der Regierung nicht zugestauden wird. Hätte es gar kei­nen Sinn, daß sich die Deutsche Volkspartei an der Wei­terentwicklung dieser Dinge beteilige.

Die Unabhängige« gegen das Sienerkomyromitz.

»»Die Zentralleitung und die Reichstagssraktiou der Unabhängigen verössentlichen eine Erklärung, in der es heißt: In einer gemeinsamen Sitzung der Zentrallei- tung und der Reichstagsfraktion wurde der KomWouriß- vorschlag der bürgerlichen Parteien einstimmig abgelehn .

KMWr vregeinmmca.

»»DerVorwärts" erklärt: Die Anleihe, die zur Be­zahlung von Sachleistungen dienen soll, ist für die ersten Jahre als zinslos gedacht. In den folgenden Jahren soll eine Verzinsung zu einem Satze erfolgen, der weit unter dem üblichen bleibt. Die Vorlage über die Zlvangs- anleihe soll durch ein Mantelgesetz mit den übrigen Fi- uanzgesetzen fest verbunden werden. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Soweit wir unterrichtet sind, erblickt die Deutsche Volkspartei unter der persön­lichen Garantie für die zweckmäßige Verwendung des Zwangsanleiheerträgnisses lediglich die Besetzung des Finanz- und Wirtschaftsministeriums Hurch anerkannte Fachleute. DieDeutsche Tageszeitung" spricht von schärfsten Bedenken der Industrie und Landwirtschaft. DieFreiheit" erklärt: Die Unabhängige Sogialdemo^ kratie ist der Meinung, daß die Regelung keine endgül-i tige sein kann. DieRote Fahne" meint: Die Früchte von Görlitz, die Früchte der Sabotage gegen die proleta-^ rische Einheitsfront und die Sachwerteerfassung find her« angereift Es sind bittere Früchte für die Arbeiterschaft^

Die Sireiklage bei der Eisenbahn.

Nach den im Neiibsvevkebvsmivin^iuvl vorlieaen-

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i Erscheint 3mal wochcnst. Drahiantchr.: ftmäblatt ?ch>üchlcrn. j tnicf u. Verlag ^a. ® Hohmoiüer, Schlüchttm. B^raiitworv. g schristlnt. H.-L. Hohmklstn, Schlüchrern. Geschäft-ftellr Drei- ! brüberftr. 9.Im Falle hökerer Gewalt, Betriebsstörung ob. : Stromsperre erlischt jede Berpflichtung auf Schadenersatz. j

74. Indraang

ven Nachrichten ist die Streiklage in Sachsen im großen. und ganzen Unverändert. In der wichtigen Hauptbe­triebswerkstätte Leipzig-Engelsdorf wird weiter ge-, streikt. In Zwickau dehnte sich der Streik auch auf den Betrieb aus. Der Personenverkehr wird notdürftig auf-, rechterhalten; dagegen ist der Güterverkehr zum Teil stillgelegt. Mit seiner vollen Wiederaufnahme kann man vorläufig auch noch nicht rechnen.

Die Dresdener Eisenbahner beschlossen mit unge­fähr 3000 gegen etwa 30 Stimmern die Arbeit Donners­tag früh wieder aufznnehme«. Die Eisenbahnverwal­tung sagte zu, daß niemand wegen des Streiks gematz-

regelt wird.

Zu den Nachrichten über die Stellung eines Ult»- mat«ms der Berliner Eisenbahnbeamten an die Regie- B. Z. am Mittag", daß es sich um : 150 Vertretern der etwa 5000 Mit-

UM

rung erfährt dieL einen Beschluß von 150 Vertretern________

Glieder zählenden Fachgruppe der nicht technischen Ei­senbahnbeamten Berlins handelt. Auf Grund dieses Beschlusses wird sich die Vertrettmg der Berliner Ei­senbahnbeamten nunmehr mit dem Beamtenbund in Verbindung setzen. Dieser bahnt bereits «ene Ver­handlungen mit der Regierung an. Eine unmittelbare Streikgefahr besteht demnach für den Berliner Eisen­bahnverkehr nicht. Die Berliner Eisenbahnbeancken wählten einen Aktionsausschuß, der innerhalb fünf Ta­gen eine Befriedigende Erklärung der Regierung her- beiführm soll.

Verhaftung zweier Kommnniste«.

»»Beamte der Berliner politischen Polizei haben der. kommunistischen Agitator und russischen Schriftsteller Maslow sowie den während der Münchener Rütezest lu>- vorgetretenen Kommunisten Budick festgenommen. Beide befanden sich im Besitz gefälschter Pässe und anderer Ausweispapiere. Sie werden sich wegen intellektueller Urkundenfälschung zu verantworten haben. Budick wird dann nach München gebracht werden, von wo er seit 1920 steckbrieflich wegen Hochverrats und BeteUigung am Geiselmord gesucht wird.

Lohnbewegung der GtaatSaugeftellte« tu Oesterreich

»» In» Wierrer Rathaus fand eine von allen GEr^ der Bundesangestellten besuchte Versammlung statt, in hch; gegen die Ablehnung der neuen Forderungen

Englische Stimmung gegen den Schutzvertrag.

»»Paris. Der Londoner Vertreter eines Pariser Blat­tes meldet, daß sich in den Londoner politischen Kreisen eine lebhafte Opposition gegen eine Ausdehnung des euglisch-frauzäsische» Garantievertrages über 10 Jahre hinaus bemerkbar macht. Bestenfalls will man ein Ab­kommen für 20 bis 25 Jahre hinnehmen. Die Haupt­frage besteht darin, auf welche Gebiete sich der Garantie­vertrag erstrecken soll. Die Engländer seien zwar einig darüber, daß England wieder zu den Waffen greifen müsse, falls Frankreich von Deutschland bedroht würde., Man ist aber geteilter Meinung in dem Falle, wenn ant der Ostgrenze der Besetzungszone Schwierigkeiten entfte-f hen sollten. Besonders hegt man Pole» gegenüber Miß« traue«. Die Verhandlungen zwischen den französisches Vertretern und Lord Curzon über den Schutzvertrag sol­len in den nächsten. Tagen beaümeiL

Riugbahuunglück in Berlin.

»»Berlin. (L. A.) Am Bahnhof Gesundbrunnen fuhr ein Vollringzug in einen Nordringzug hinein, wobei zwei Waaen mtMi'K t imh 25 Perkoue« verkokt wurden.

D«

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von Erich Friese».

(Nachdruck verboten.)

verändert sich ihr ganzer Gesichtsausdruck.

. weilte Miene wird gespannt; die Pupille« verengen sich: die wie ein offenes Wundmal aus dem fahlen Gesicht hervorbreuneuöen Lippen öffnen sich ein wenig; zwei Reihen spitzer weißer Zähne werden sicht­bar wie bei einem Raubtier__ ____

Denn hinter der Fritjof-Statue ist soeben Ebba her- borgetreten ruhig, steife i» ihrer ganzen keuschen Anmut.

?

ein Nadelstich.

»Unsere Cousine Ebba", erwidert Gunnar ruhig.

Ebba verneigt sich leicht.

Karin nickt nur ein wenig mst dem Kopf.

Keine von beiden hebt die Hand zum Gruß.

Ebba ist der gute Engel von Schloß Askö", fährt Gunnar fort.Ohne sie würde ich nicht gewagt haben, dich hier in meiner Junggesellenwirtschaft zu beher­bergen. Aber unter ihrer Aufsicht wird sicher alles zu deiner Zufriedenheit ausfallen. Solltest du irgend welche Wünsche haben, so wende dich an unsere Cousine Ebba!" r .

Karin zuckt zusammen. Ihre Blicke bohren sich in das schöne, zart rosige Gesicht da vor ihr, wie der Blick einer Schlang«'. So fest beißt sie die Zähne auf die Unterlippe, daß ein großer Blutstropfen herabsinkt.

Ja, Karin, > t Solveg ist hergekommen aus niedri­ge» Instinkten t, us, aus Neugierde, aus Eigennutz, aus Neid. Was sie ber in diesem Augenblick wie eine Sturzwelle befällt, r etwas weit Schlimmeres: es ist Haß, tödlicher H Der Haß der niedrigen Gefin- nuna aeae« Seeleu: «U. Der HM eine# kranken.

langsam dahinwelkenden Körpers gegen blühende, ju* gendfrische Gesundheit. Der Haß des lerdenschastdurch- wühlten Weibes gegen den stillen Frieden einer edle», harmonischen Frau.

Jetzt auf der Treppe rasche Trippelschritte. Und das Plappern einer Hellen Kinderstimme.

Wie elektrisiert fährt Madame Karin herum.

Mein Kind! Mein Olaf!! Komm zu deiner süßen Mammi, mein Engel!"

Ist das dieselbe meerscharfe Stimme? Siu das die­selben haßerfüllten Augen?

Mit einer heftigen Gebärde hat Karin den schwere» Pelzmantel abgeworfen. Ihre bejammernswert dün­nen, goldspangenüberladenen Arme strecken sich ver­langend aus. Und ihr von zärtlichster Mutterliebe ver­klärtes Gesicht lächelt glückselig dem kleinen Geschöpf entgegen, dassich von der Hand der Zofe loSgerissen hat und auf die Mutter zuspringt. . .

Gunnar! Gunnar, sieh her! Das ist mein Kind! Mein süßes, goldenes, einziges Kind!! Olaf heißt es, nach unserem Vater! Olaf, mein Goldkind, rede zu deinem guten Onkel!"

Ja doch! Ja! Laß mich nur erst herunter!"

Und der kleine Knabe strampelt sich mit Mühe los aus den ihn krampfhaft umschlingenden Mutterarmen.

Seine lila Samtmütze ist ihm vom Kopf gefallen. Ein kleines, beängstigend zartes Kindergesicht mit lan­gen Locken von entschieden roter Farbe blickt sich mrt drolligem Ernst um.

Doch nicht auf den in strenger, unnahbarer Haltung dastehenden Gunnar läuft das Kind zu, sondern auf Tante Ginas gemütlich daherblickenden, behäbigen

Mann. , ,

Guten Tag, mein guter Onkel Gunnar! plappert der kleine Mund die ersichtlich i

Lektion herunter.Ich hoffe, o, wirst. Ich liebe dich übo« keLr -

auswendig gelernte B ö« mich lieb haben

Im Nu ist seine Mutter bei ihm und zieht chn iuu willig fort.

Nein, nein, Olaf! Sieh, dies hier ist dein gute, Onkel Gunnar!"

Und mit Gewalt zerrt sie daß Kind zu ihrem Bruder hin, der mit verschränkten Armen, ein sarkastisches L« cheln um die Lippen, der Komödie zuschaut.

Doch Olaf will nicht, wie die Mutter will. Ein zori niger Ausdruck verzieht die kindlichen Züge. Die Hellen, Änlich schimmernden Augen blicken böse. Zwrscho" n feingezeichneten rötlichen Brauen bildet sich ei

eu

ein^ teil!

gr:______, ...

den feingezeichneten rötlichen ---------

tiefe Falte das ganze kleine Gesicht das Ebenb seines Vaters.

Gunnars Miene wird immer finsterer. .

Dein Kind! Das Kind des toettäimf$en Freundes l DaS Kind seines Todfeindes!!!

..Nun, Olaf?" ermuntert die Mutter mrt nervöser Haft.Was sollst du sagen?"

Doch der kleine Mund bleröt fest geschlossen. Eirf eigensinniger Zug legt sich um die vollen Lippen - ge4 nau wie früher bei seinem Vater.

Quäl den Jungen nicht!" wehrt Gunnar mit veri ächtlich geschürzten Lippen ab.Er hat noch nicht ge< lern' zu heucheln. Sein Instinkt trifft daS Richtige, Niemals kann Gunnar von Helgsland M)olf vou Soll«

veas Sohn lieben.

Peinliche Stille.

Der kleine Olaf aber. der solch unfreundliche ^eJ handln« a richt qewöhnt ist, verzieht daS Gesicht -st : einer weinerlichen Grimasse. Dann läßt er seine 3uaev i hilfesuchend im Kreise umherschweifen und schießt platz« : liL an seiner erregt gestikulierenden Mutter vorbei, i direkt auf Ebba zu, laut aufschluchzend das Gesicht tu den Falten ihres Kleide? verbergend. ,.

Liebevoll neigte Ebba n-b zu dein Kinde herab, für daS : sie in nresem Augenblick echt weibliches Mitkesden c::^ L si^" (Kortsetzung folgt.) j